Zusammenfassung: Pädagogik und Psychologie - Denken und Gedächtnis

Pädagogik und Psychologie

Organisation und Elaboration

  • Organisation dient dazu, große Informationsmengen zu reduzieren und übersichtlich darzustellen.

  • Sie erleichtert die Elaboration.

  • Komplexe Denkvorgänge, die zur Einsicht führen, basieren oft auf gut organisiertem Wissen.

  • Um Einsicht zu fördern, sollte man Lernenden altersgemäße Organisationstechniken vermitteln und Informationen gut gegliedert präsentieren.

Perspektivenwechsel

  • Einsicht kann verhindert werden, wenn Sachverhalte nur aus dem gewohnten Blickwinkel betrachtet werden.

  • Jüngere Kinder können sich oft nicht in andere Personen und deren Sichtweisen hineinversetzen.

  • In der pädagogischen Arbeit ist es wichtig, Möglichkeiten zu geben, Gegebenheiten aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

  • Rollen- und Theaterspiele sowie Geschichten, die denselben Sachverhalt aus unterschiedlichen Perspektiven darstellen, eignen sich hierfür.

  • Perspektivenübernahme unterscheidet sich von Empathie; Perspektivenübernahme bleibt auf Kognition beschränkt, während Empathie die Gefühlsebene einbezieht.

Übung

  • Pädagogische Arbeit wird nur erfolgreich sein, wenn Möglichkeiten der Elaboration, Organisation und Perspektivenübernahme wiederholt und geübt werden.

  • Diese müssen auch auf neue Aufgabengebiete bzw. Sachverhalte übertragen werden.

Transparenz des Erzieherverhaltens

  • Erzieher, die nur Befehle erteilen, ohne deren Sinn zu verdeutlichen, verhindern Einsicht.

  • Ebenso verhindern Erzieher, die eigene Beweggründe nicht offenlegen oder Strafen anordnen, die nicht im Zusammenhang zur Tat stehen, Einsicht.

  • Transparenz des Erzieherverhaltens erhöht die Chance zur Einsicht, da Ziele, Beweggründe, Zusammenhänge und der Sinn von Maßnahmen und Entscheidungen offengelegt werden.

  • Ein Erzieher sollte Kinder nicht nur über Gruppenregeln informieren, sondern auch deren Sinn erklären, z.B. warum nur vier Kinder gleichzeitig in der Bauecke sein dürfen.

Erziehung durch Einsicht

  • Erziehungsmaßnahmen auf der Grundlage des Lernens durch Einsicht zielen darauf ab, Umstrukturierungsprozesse anzuregen und einsichtiges Denken und Handeln zu ermöglichen.

  • Solche Prozesse lassen sich durch Beachten folgender Grundsätze unterstützen:

Aktivierung einer gründlichen Verarbeitung von Informationen
  • Einsicht scheitert oft daran, dass Lernende neue Informationen nicht mit vorhandenem Wissen verknüpfen können.

  • Beispiel: Um den Satz "Das zeitlich und räumlich unmittelbare Zusammentreffen von NS und UCS ist eine wichtige Voraussetzung beim klassischen Konditionieren" zu verstehen, muss man die Fachausdrücke und Informationen über klassisches Konditionieren kennen.

  • Das Verknüpfen von neuen Informationen mit bereits vorhandenem Wissen geschieht mithilfe der Elaboration.

  • Techniken zur tiefen Verarbeitung von Informationen sind das Stellen von Fragen, die Anregung bildhafter Vorstellungen und der Einsatz von Beispielen.

  • Beim Fragenstellen unterscheidet der Lernende wichtige von unwichtigen Informationen und erkennt, was noch nicht verstanden wurde.

  • Die Technik der bildhaften Vorstellungen besteht darin, Sachverhalte durch das Erzeugen von geistigen Bildern zu verarbeiten.

  • Kinder zeigen bessere Verständnisleistungen für Geschichten, wenn sie angehalten werden, sich Sachverhalte bildlich vorzustellen, z.B. das Aussehen der Kleider eines Bettlers.

  • Der Einsatz von Beispielen kann Einsicht erleichtern, indem eine Verbindung zwischen neuen und bereits bekannten Sachverhalten hergestellt wird.

  • Beispiele sollten sich an der Lebens- und Erfahrungswelt der Lernenden orientieren.

Aktivierung von Organisationsprozessen
  • Einsicht kann in der Regel nur erfolgen, wenn die Informationen gegliedert und geordnet sind.

  • Dieser Prozess der Ordnung und Gliederung einer Information wird als Organisation bezeichnet.

  • Tabellen und Übersichten in Lehrbüchern sind Beispiele für eine Organisation von Informationen.

  • Die Möglichkeiten zur Organisation reichen von einfachen Verfahren im Vorschulalter bis hin zu komplexen Verfahren im Hochschulstudium.

  • Vorschulkinder, die ein Puzzle nach Randteilen sortieren, nutzen bereits Organisationstechniken und erkennen, dass diese ihre Arbeit erleichtern.

Denken als Informationsverarbeitungsprozess

  • Denken ist eng mit dem Gedächtnis verbunden.

  • Der Begriff "Denken" umfasst alle mentalen Prozesse von der Verarbeitung von Umweltreizen über das Verstehen, Erinnern und Handeln bis hin zur Kommunikation und Sprache.

  • Im weitesten Sinne ist "Denken" die kognitive Fähigkeit, Informationen zu erfassen und zu verarbeiten (Informationsverarbeitungsprozess), Wahrnehmungen miteinander in Beziehung zu setzen und umzustrukturieren (Problemlösungsprozess) und durch Schlussfolgerungen/Bewertungen neue Eigenschaften, Möglichkeiten und Zusammenhänge zu erkennen (Bewertungsprozess).

  • Informationsverarbeitung ist der Prozess, in welchem Informationen aufgenommen, weitergeleitet, verarbeitet und gespeichert werden und der eine Reaktion und ggf. ein Verhalten des Menschen auslöst.

  • Die bereits verarbeiteten und gespeicherten Informationen spielen dabei eine zentrale Rolle.

    • Aufnahme: Durch die Sinnesorgane werden Informationen über die Rezeptoren und Nervenzellen aufgenommen und ans Gehirn (als aktives Organ) weitergeleitet.

    • Verarbeitung: Verarbeitung und Auswertung der Informationen durch Prozessoren. Komplizierter Prozess der Analyse -> Umwandlung + Veränderung. Prozessoren versuchen die Infos zu dekodieren, entschlüsseln + erkennen.

    • Speichern: Informationen werden gespeichert bis sie bei Bedarf abgerufen werden.

    • Abruf: Ermöglichen den Abruf der Informationen.

Problemlösen

Zwei Arten von Problemen:

  1. Man weiß, was man will, aber nicht wie man es lösen kann.

  2. Das Ziel des Problems ist nicht (ganz) klar.

Die fünf Schritte des problemlösenden Handelns:
  1. Problem

  2. Inneres Problemhandeln/ Versuch und Irrtum

  3. Umstrukturierung

  4. Einsicht

  5. Lösung

  • Ändert sich durch das Umstrukturieren und das Erkennen von Elementen das Erleben und Verhalten, so spricht man vom Lernen durch Einsicht.

ProblemInneresProblemhandeln/VersuchUmstrukturierungEinsichtLo¨sungProblem \rightarrow Inneres Problemhandeln/Versuch \rightarrow Umstrukturierung \rightarrow Einsicht \rightarrow Lösung

Phasen des Problemlösenden Denkens:
  • Zielanalyse

  • Situationsanalyse

  • Konfliktanalyse

  • Ergebnisanalyse

Denken als Problemlösen

  • Denkprozesse werden oft durch ein Problem ausgelöst.

  • Ein Problem ist eine Denkanforderung, die sich von Aufgaben durch drei Merkmale unterscheidet:

    1. Der Ausgangspunkt ist eine Situation, die in eine angestrebte Zielsituation überführt werden soll.

    2. Die Überführung ist nicht unmittelbar möglich; es existiert eine Barriere.

    3. Die Überwindung der Barriere erfordert Problemlösehandlungen.

  • Aufgaben unterscheiden sich von Problemen dadurch, dass für ihre Bewältigung Methoden bekannt sind.

  • Der Ist-Zustand wird durch geistige Tätigkeit in einen Soll-Zustand überführt.

AusgangspunktgeistigeTa¨tigkeitZielAusgangspunkt \xrightarrow{geistige Tätigkeit} Ziel

AusgangspunktDurchfu¨hrungvonProblemlo¨sehandlungenZielsituationAusgangspunkt \xrightarrow{Durchführung \, von \, Problemlösehandlungen} Zielsituation

  • Beispiel: Fahrrad am Stuttgarter Hauptbahnhof wiederfinden (siehe Arbeitsauftrag).