Detaillierte Notizen zu Antigone von Jean Anouilh
ANTIGONE von JEAN ANOUILH
Urheberrechtshinweis
Das Stück "Antigone" von Jean Anouilh, in der deutschen Übersetzung von Franz Geiger, ist urheberrechtlich geschützt. Es darf weder verkauft, verliehen noch vervielfältigt werden. Alle Rechte, insbesondere die der Übersetzung, Verfilmung, der Übertragung durch Rundfunk, Fernsehen und der mechanischen Vervielfältigung, sind vorbehalten. Bühnenrechte, Vorlesungen und Vereinsaufführungen bedürfen der vorherigen Genehmigung durch den Gustav Kiepenheuer Bühnenvertrieb.
Personal der Tragödie
ANTIGONE
KREON
HÄMON
ISMENE
EURYDIKE
DIE AMME
DER PAGE KREONS
DIE WACHLEUTE
DER BOTE
DER SPRECHER
Einführung durch den Sprecher
Der Sprecher betritt die Bühne, auf der sich bereits alle Charaktere befinden, die sich mit Stricken, Kartenspielen oder Plaudern die Zeit vertreiben. Er kündigt an, dass die Zuschauer die Geschichte der Antigone erleben werden. Antigone wird als ein stilles, in sich gekehrtes Mädchen beschrieben, das sich ihrer bevorstehenden Rolle und ihrem unausweichlichen Tod bewusst ist. Sie wird sich gegen ihren Onkel Kreon, den König, auflehnen und sich somit allein gegen die Welt stellen. Trotz ihrer Jugend verspürt sie den Wunsch zu leben, doch ihr Schicksal ist besiegelt.
Antigone distanziert sich innerlich von ihrer Schwester Ismene, die sich unbeschwert mit Hämon, Antigones Verlobtem, unterhält. Hämon, der eigentlich zu Ismene hingezogen war, hielt eines Abends auf einem Ball um Antigones Hand an, was niemand nachvollziehen konnte. Antigone akzeptierte seinen Antrag mit einem traurigen Lächeln. Der Sprecher betont, dass es für Antigone keinen Gemahl geben kann und Hämon durch seine Verbindung mit ihr dem Tode geweiht ist.
Kreon, der König, wird als ein müder, nachdenklicher Mann dargestellt, der sich der Bürde der Herrschaft bewusst ist. Er erinnert sich an die Zeiten des Ödipus, in denen er sich der Musik und den schönen Künsten widmen konnte. Doch nun, nach dem Tod von Ödipus und seinen Söhnen, liegt die Verantwortung auf seinen Schultern. Eurydike, Kreons Frau, wird als eine gutmütige, würdevolle Frau beschrieben, die während der gesamten Tragödie strickt und am Ende ebenfalls stirbt. Der Bote, der den Tod Hämons verkünden wird, steht abseits und vermeidet den Kontakt zu den anderen. Die Wächter, einfache Männer mit alltäglichen Sorgen, spielen Karten und werden später Antigone festnehmen. Der Sprecher schließt seine Einführung mit der Erklärung ab, dass die Geschichte mit dem Streit der beiden Ödipus-Söhne Eteokles und Polyneikos beginnt, die sich gegenseitig vor den Toren der Stadt erschlagen hatten.
Kreon hat für Eteokles ein ehrenvolles Begräbnis angeordnet, während Polyneikos, der als Aufrührer gilt, unbestattet auf dem Schlachtfeld liegen bleiben soll. Jeder, der es wagt, ihm die letzte Ehre zu erweisen, soll mit dem Tode bestraft werden. Während des Vortrags des Sprechers verlassen die Personen nach und nach die Bühne, bis nur noch eine graue, bleifarbene Morgendämmerung und ein schlafendes Haus zurückbleiben.
Morgendliche Begegnung und das Geheimnis Antigones
Antigone öffnet vorsichtig die Tür und schleicht barfuß herein. Die Amme überrascht sie.
Amme: Wo kommst du her?
Antigone: Ich ging spazieren, Amme. Es war schön, alles so grau.
Antigone erklärt, dass sie die Welt sehen wollte, bevor sie von den Farben des Tages übermalt wird. Die Amme ist besorgt, da sie Antigone nicht in ihrem Bett fand und die Hintertür offen stand. Antigone erzählt von ihren Beobachtungen in der noch schlafenden Natur, was die Amme jedoch nicht beruhigt. Sie verdächtigt Antigone, einen Liebhaber getroffen zu haben.
Antigone deutet dies geheimnisvoll an, was die Amme in Aufruhr versetzt. Diese ist enttäuscht, dass Antigone, trotz aller Mühe bei ihrer Erziehung, sich heimlich mit einem Unbekannten trifft. Die Amme droht, Kreon von Antigones nächtlichem Ausflug zu berichten.
Antigone bittet die Amme, nicht zu schreien und hässlich zu ihr zu sein. Sie erinnert die Amme an ihr Versprechen gegenüber ihrer Mutter, auf sie aufzupassen. Antigone beruhigt die Amme, indem sie sagt, dass ihre Mutter verstehen würde, warum sie ausgegangen ist, und beteuert, keinen Liebhaber zu haben.
Antigones Entschlossenheit und Ismenes Angst
Ismene betritt den Raum und fragt Antigone, warum sie schon wach ist. Die Amme schimpft beide Prinzessinnen, dass sie vor den Dienstboten aufgestanden sind und ohne Frühstück umherlaufen. Antigone bittet die Amme, ihnen Kaffee zu bringen. Ismene gesteht, dass sie ebenfalls nicht geschlafen hat.
Antigone erwähnt, dass sie als Kind oft unglücklich war und Ismene geärgert hat. Sie lobt Ismenes Schönheit und Vernunft, was zu einem ernsten Gespräch führt. Ismene spricht das Thema an, das sie beide beschäftigt, und bezeichnet Antigone als wahnsinnig.
Ismene: Wir können es nicht tun.
Antigone: (nach einer Pause) Warum nicht?
Ismene befürchtet, dass Kreon sie töten lassen wird. Antigone erwidert, dass jeder seine Rolle zu spielen hat: Kreon muss sie töten lassen, und sie müssen ihren Bruder bestatten. Ismene will nicht sterben, aber Antigone fragt ruhig, ob sie selbst gerne sterben möchte. Ismene argumentiert, dass sie als die Ältere vernünftiger ist und Antigone oft unüberlegt handelt. Sie versucht Antigone zu überzeugen, dass es grauenhaft ist, aber sie Kreon auch verstehen kann.
Antigone entgegnet, dass sie nicht ein wenig verstehen will und dass sie kein König ist, der ein Beispiel geben muss. Sie kennt die Vorwürfe, die man ihr macht, und die Konsequenzen ihres Ungehorsams. Ismene fleht Antigone an, nicht eigensinnig zu sein und zuzuhören, da sie oft Recht hat.
Antigone erklärt, dass sie es leid ist, immer nur verstehen zu müssen. Sie erinnert sich an Verbote und Regeln ihrer Kindheit und erklärt, dass sie jetzt nicht verstehen will, vielleicht später, wenn sei alt ist. Ismene betont, dass Kreon der König und stärker ist als sie und dass die ganze Stadt seiner Meinung ist. Sie schildert eindrücklich die Grausamkeiten, die ihnen bevorstehen, wenn sie sich seinem Befehl widersetzen, und gesteht, dass sie nicht den Mut hat, dies zu ertragen.
Antigone fragt, ob Ismene keine Freude mehr am Leben hat. Sie erinnert sich an ihre eigene Freude an der Natur und an ihrem Mitgefühl für alle Lebewesen. Ismene nimmt sie in die Arme, aber Antigone weist sie ab und wirft Ismene vor, nur an den Schmerz und die Angst vor dem Sterben zu denken. Sie fordert Ismene auf, dementsprechend zu handeln.
Ismene fleht Antigone an, aufzugeben, da nur von Männern verlangt wird, für ihre Ideen zu sterben. Sie betont, dass Antigone ein Mädchen ist und ihr Glück noch vor sich liegt. Sie ist verlobt, jung und schön. Antigone entgegnet leise, dass sie nicht schön ist. Ismene widerspricht und sagt, dass Antigone eine andere Art von Schönheit besitzt, die die Aufmerksamkeit der jungen Männer auf sich zieht. Ismene fragt nach Hämon.
Antigone erklärt, dass sie mit Hämon sprechen und alles mit ihm regeln wird. Ismene hält sie für wahnsinnig. Antigone bittet Ismene, schlafen zu gehen, da sie jetzt nichts mehr tun kann. Sie verspricht, hier zu bleiben, bis Ismene aufwacht. Ismene fragt, ob Antigone sich überzeugen lassen wird und ob sie nochmals darüber sprechen dürfen.
Antigone stimmt müde zu, dass sie nochmals darüber sprechen werden, bittet Ismene aber, jetzt zu schlafen. Nachdem Ismene gegangen ist, lässt sich Antigone erschöpft in einen Stuhl fallen und sagt: "Arme Ismene."
Abschied von der Amme
Die Amme kommt mit Kaffee und Brot. Antigone bedankt sich, hat aber keinen Hunger. Sie bittet die Amme, sie zu verhätscheln, als ob sie krank wäre, und ihr die Hand zu halten, so wie sie es früher getan hat, um das böse Fieber zu vertreiben. Antigone sagt, sie sei noch zu klein für alles, aber das darf nur die Amme wissen.
Die Amme fragt, wofür sie zu klein ist, aber Antigone wiegelt ab. Sie hält die Hand der Amme und sagt, dass sie jetzt keine Angst mehr hat. Antigone bittet die Amme, ihr zu versprechen, ihren Hund nie wieder auszuschimpfen. Die Amme sträubt sich zuerst, da der Hund alles schmutzig macht, gibt aber schließlich nach. Antigone bittet die Amme, sich oft mit dem Hund zu unterhalten wie mit einem Menschen. Die Amme findet das dumm, aber Antigone besteht darauf.Antigone erklärt ruhig, dass sie vielleicht bald nicht mehr mit ihm sprechen kann.
Die Amme vermutet, dass Antigones Verlobter nicht will, dass sie den Hund mit ins Haus bringt. Antigone bittet die Amme, ihr das Versprechen zu geben, da es sie sehr beruhigen würde. Die Amme gibt nach und verspricht, mit dem Hund zu sprechen und ihn mit "Herr Hund" anzureden. Antigone wendet sich ab und sagt hart, dass es besser wäre, den Hund zu töten, wenn er zu traurig ist und zu sehr auf sie zu warten scheint, aber ohne ihm wehzutun. Die Amme ist entsetzt und hält Antigone für verrückt.
Gespräch mit Hämon
Hämon tritt auf. Antigone bittet die Amme, sie allein zu lassen und ihr Versprechen nicht zu vergessen. (Die Amme geht ab. Antigone verbirgt sich in den Armen Hämons.) Antigone bittet Hämon, ihren lächerlichen Streit von gestern Abend zu verzeihen. Hämon versichert ihr, dass er ihr schon verziehen hatte, als sie die Tür hinter sich ins Schloss warf. Er fragt sie, woher sie das Parfüm hatte.
Antigone antwortet, dass sie es von Ismene hat. Ebenso den Lippenstift, den Puder und das schöne Kleid. Hämon fragt, für wen sie sich so schön gemacht hatte. Antigone gesteht, dass sie dumm war und einen ganzen Abend vertan hat. Hämon erwidert, dass sie noch viele andere Abende vor sich haben. Antigone ist sich da nicht sicher. Hämon sagt, dass auch kleine Streits zum wirklichen Glück gehören. Antigone stimmt zu. Sie bittet Hämon, sie nicht immer "meine kleine Närrin" zu nennen und sie auszulachen.
Hämon: Was hast du mir denn zu sagen?
Antigone will wissen, wie es gewesen wäre, wenn Hämon heute Morgen verschlafen hätte. Sie sagt leise, dass das furchtbar gewesen wäre. Hämon fragt, ob es ihr so gefällt, wie sie gerade sind. Antigone sagt ja, nur noch eine Minute so. Sie erklärt, dass eine Minute sehr lang sein kann, wenn man die Augen schließt und sie ein ganzes Leben dauern kann. Antigone bittet Hämon, sie nicht immer "meine kleine Närrin" zu nennen, da sie in Wirklichkeit gar nicht verrückt ist.
Sie wirft Hämon vor, dass er Angst vor allem hat, was ihn von den anderen unterscheidet. Sie betont, dass im Grunde immer sie Recht hat. Hämon erwidert lächelnd, dass sie im Grunde, so ganz im Grunde Recht hat. Antigone bittet ihn, jetzt nicht zu lachen, sondern ernst zu sein. Sie bittet ihn, sie ganz fest zu halten, so fest wie noch nie, damit sie seine ganze Kraft in sich aufnehmen kann.
Antigone beginnt über den kleinen Jungen zu sprechen, den sie haben wollten. Sie sagt, wie sie ihn gegen alles beschützt und verteidigt hätte. Sie hätte ihn ganz fest an sich gedrückt, dass er sich nie vor etwas hätte fürchten müssen. Unser Junge, Hämon! Er hätte zwar eine kleine, zerzauste Mutter gehabt, aber vielleicht wäre sie besser gewesen als alle anderen mit ihren prallen Brüsten und ihren großen Schürzen. Das glaubst du doch auch, nicht wahr? Hämon stimmt ihr zu. Antigone fragt, ob er auch glaubt, dass sie eine richtige Frau gewesen wäre. Hämon lächelt und bejaht dies.
Antigone bittet Hämon, sie nicht auszulachen. Sie vergleicht sich mit den anderen Frauen, die alle größer und schöner sind und nur an ihre Kleider und ihre Frisuren denken. Sie selbst kleidet sich einfach und ist immer schlecht frisiert. Aber es hat dir doch damals gefallen? Hämon beteuert seine Liebe zu ihr, so wie sie ist. Antigone drückt sich fest an ihn und fragt, ob er sie wirklich geliebt hat, an jenem Abend. Hämon fragt, an welchem Abend. Antigone fragt, ob er sich auch wirklich nicht getäuscht hatte, als er damals auf dem Ball zu ihr in ihre Ecke kam. Hat er es seitdem niemals bedauert? Hat er nie gedacht, vielleicht nur einen Augenblick lang, er hätte zu Ismene gehen sollen?
Hämon hält Antigone für verrückt. Antigone fragt, ob seine starken Arme, die sie umschließen, sie lügen? Und deine Hände auf meinen Schultern, die schöne Wärme, das unendliche Vertrauen, das mich erfüllt, sobald ich meinen Kopf an deiner Brust berge - das alles lügt nicht? Hämon versichert ihr, dass er sie lieb hat, so wie ein Mann eine Frau lieb hat. Antigone betont, dass sie mager ist und vom vielen Herumspringen ganz harte Schenkel und feste Arme hat. Ihr Gesicht ist sonnenverbrannt, während Ismene mit ihrem Öl und ihrer feinen Creme ganz rosig und zart wie ein Pfirsich ist. Und außerdem hat sie noch gar keinen richtigen Busen. Hämon nennt sie seinen kleinen Dummkopf.
Antigone konfrontiert Hämon mit der Frage, ob er sich nicht doch eine richtige Frau gewünscht hätte. Sie schämt sich und bittet ihn, die Wahrheit zu sagen. Sie muss es jetzt wissen. Sie fragt ihn, ob er auch fühlt, dass sich irgendetwas in ihm ganz fest zusammenballt bei dem Gedanken, dass sie ihm ganz gehören wird.Hämon bejaht dies. Antigone sagt leise, dass sie es auch so fühlt. Wie stolz wäre sie gewesen, seine Frau zu sein - so ganz seine Frau, auf die er, ohne zu denken, seine Hände legen kann wie auf etwas, was ihm ganz sicher gehört! (Sie macht sich von ihm los, dann in einem anderen Ton:) Und nun möchte ich dir noch zwei Dinge sagen. Aber dann musst du sofort hinausgehen, ohne mich zu fragen. Auch wenn es dir weh tut oder ungeheuerlich erscheint. Versprich es mir.
Hämon fragt, was sie ihm noch sagen will. Antigone fordert ihn auf, zuerst zu schwören, dass er hinausgehen wird, ohne ein Wort. Sogar ohne sie anzusehen. Wenn er sie liebt, dann schwört er es. (Sie sieht ihn ganz verstört an.) Du siehst, wie sehr ich dich bitte. Schwör es doch, Hämon, bitte schwöre es. Es ist die letzte Verrücktheit, die du mir noch erlauben sollst. Hämon schwört es.
Antigone bedankt sich. Sie erklärt, dass sie gestern mit einem Kleid Ismenes, mit diesem Parfüm und dem Lippenstift gekommen war, weil sie nicht genau wusste, ob er sie wirklich begehrt. Deshalb wollte sie ein wenig so sein wie die anderen Mädchen, damit er mehr Sehnsucht und Verlangen nach ihr bekommt. Hämon fragt, ob es deshalb war. Antigone bejaht dies. Aber er lachte sie aus, und sie stritten sich. Dabei siegte ihr schlechter Charakter, und sie lief davon.
Sie war gekommen, weil er sie ganz nehmen sollte, weil sie schon vorher seine Frau werden sollte. (Er will sprechen, sie schreit:) Du hast geschworen, nichts zu fragen, Hämon, du hast geschworen. (Leiser:) Ich fleh dich an… (Sie wendet sich wieder ab, dann entschlossen:) Ich will dir sagen, warum. Ich wollte schon vorher deine Frau sein, weil ich dich sehr, sehr lieb habe und weil… Jetzt werde ich dir sehr wehtun, Liebster - weil ich dich niemals heiraten werde - niemals. (Er ist stumm vor Staunen; sie läuft ans Fenster und schreit:) Hämon, du hast es geschworen! Geh! Geh hinaus und sag kein Wort. Wenn du sprichst oder auch nur einen Schritt zu mir tust, stürze ich mich aus diesem Fenster. Glaub mir, ich tu`s, Hämon, bei dem kleinen Jungen, den wir beide in Gedanken hatten, bei allem, was uns teuer ist, glaub mir, ich tu es. Geh jetzt, schnell, geh!
Morgen wirst du mehr wissen. Vielleicht schon in ein paar Stunden. (Vor ihrer Verzweiflung gehorcht Hämon und entfernt sich langsam.) Ja, geh bitte, Hämon, das ist das einzige, was du für mich tun kannst, wenn du mich lieb hast. (Er ist hinausgegangen. Sie blickt geraume Zeit bewegungslos zum Fenster hinaus, den Rücken zum Zimmer. Dann schließt sie es, setzt sich auf einen Stuhl und sagt, seltsam beruhigt) So, Hämon hat es hinter sich.
Ismenes Rückkehr und Antigones endgültiger Abschied
Ismene tritt ein und ruft Antigone. Antigone antwortet regungslos, dass sie hier ist. Ismene gesteht, dass sie nicht schlafen kann und Angst hatte, Antigone könnte fortlaufen und am helllichten Tag versuchen, Polyneikos zu bestatten. Sie bittet Antigone, zu bleiben, da sie alle bei ihr sind: Hämon, die Amme, sie selbst und auch der Hund. Sie betont, dass der tote Polyneikos sie nicht geliebt hat und ein Fremder, ein schlechter Bruder war. Sie fordert Antigone auf, ihn zu vergessen und nicht etwas zu versuchen, was ihre Kräfte übersteigt. Antigone steht auf, lächelt, geht zur Türe und sagt ruhig, dass es zu spät ist. Als Ismene fragt, wohin, antwortet Antigone: Als du mich heute Morgen sahst, kam ich davon zurück. (Sie geht hinaus, Ismene folgt ihr schreiend.)
Die Verhaftung Antigones
Kreon tritt durch eine andere Türe ein, begleitet von seinem Pagen. Er hat von einem Wächter erfahren, dass etwas vorgefallen ist und befiehlt, ihn hereinzubringen. Der Wächter, ein ungeschlachter Bursche, der weiß vor Angst ist, tritt ein und erklärt, dass sie gelost haben, wer Bericht erstatten soll.
Der Wächter berichtet von der Leiche des Polyneikos, auf die jemand Erde geworfen hat. Kreon fragt, ob es ein Tier gewesen sein könnte, aber der Wächter verneint dies. Die Erde wurde so aufgetragen, wie es der Brauch verlangt. Sie fanden einen ganz schwachen Fußabdruck im Boden, leichter als der eines Vogels und eine alte, kleine, verrostete Kinderschaufel (genauer: Wachmann Bauch fand die Schaufel). Der Oberwachmann nahm die Schaufel wegen weiterer Nachforschungen an sich. Kreon vermutet, dass die Opposition dahintersteckt und instrumentalisiert ein Kind.
Kreon verdächtigt die Wachen, Helfershelfer zu sein. Er droht ihnen mit dem Tod, falls sie etwas verraten. Der Wächter beteuert seine Unschuld und erwähnt seine Familie. Kreon befiehlt ihm, zurückzukehren und zu schweigen. (Der Wächter geht eilig ab. Kreon schweigt. Dann murmelt er:) Ein Kind… (Er fasst den kleinen Pagen an der Schulter.) Komm, mein Kleiner. Das müssen wir uns alles gut überlegen. Das gibt eine feine Geschichte. Würdest auch du dich mit deiner kleinen Schaufel aufmachen? (Der Kleine sieht ihn an. Kreon streichelt ihm die Haare und geht mit ihm.) Sicher, du tätest es auch. Du bestimmt. (Geht seufzend ab.) Ein Kind…
Kommentar des Sprechers
Der Sprecher tritt auf und erklärt, dass das Uhrwerk der Tragödie nun aufgezogen ist und von allein abläuft. Es brauche nur einen kleinen Anstoß, wie einen Blickwechsel oder den Wunsch nach Ruhm. Dann läuft die Geschichte von allein ab. Alles ist bis ins kleinste ausgetüftelt und von Anfang an gut geschmiert. Tod, Verrat, Verzweiflung, donnernde Gewitter, alles ist da, je nach Bedarf.
Auch alle Arten von Schweigen: das tödliche Schweigen, das Schweigen der Liebenden und das Schweigen vor dem Gebrüll der Menge. Der Sprecher vergleicht die Tragödie mit einem Film, dessen Ton ausfällt. Die Tragödie ist eine feste, todsichere Angelegenheit. Beim Drama wird einem das Sterben scheußlich schwer gemacht. Bei der Tragödie gibt es keinen Ausweg. Außerdem befindet man sich in bester Gesellschaft, denn im Grunde sind alle gleich unschuldig. Wenn da einer jemanden umbringt und ein anderer umgebracht wird, dann ist das lediglich eine Frage der Rollenverteilung.
Vor allem hat die Tragödie gar nichts Aufregendes. Es gibt von vornherein keine trügerischen Hoffnungen mehr. Man weiß, dass man wie eine Maus in der Falle gefangen wird. Man braucht nur mehr zu schreien, was bisher noch nicht gesagt wurde. Beim Drama gibt man sich immer verlorene Liebesmüh in der Hoffnung, man könne sich noch aus der Affäre ziehen. Das ist ein ganz widerwärtiger Zweckstandpunkt. Bei der Tragödie ist das vollkommen anders. Sie ist etwas für Könige. Und alle Versuche, Jemand zu retten, bleiben vergeblich. (Antigone wird von den Wächtern auf die Bühne gestoßen.) Sehen Sie, schon geht es an. Nun haben sie die kleine Antigone erwischt. Zum ersten Mal in ihrem Leben wird sie ganz sie selbst sein können. (Der Sprecher verschwindet, während Antigone von den Wächtern bis zur Bühnenmitte gestoßen wird.)
Antigones Festnahme und Konfrontation mit den Wächtern
Die Wächter stoßen Antigone vorwärts. Der Wächter gibt an, nur seine Befehle zu kennen und keine Ausreden hören zu wollen. Antigone verlangt, dass sie sie loslassen, da sie ihr wehtun. Sie gibt sich als Antigone, Ödipus` Tochter zu erkennen. Der Wächter weist sie zurecht und vergleicht sie mit einer Hure, die behauptet, mit dem Polizeipräsidenten befreundet zu sein.
Antigone will gerne sterben, aber nicht angefasst werden. Der Wächter spottet über ihre schmutzigen Hände und erwähnt, dass sie beim zweiten Mal alles mit den Fingernägeln machen musste, da ihr die Schaufel weggenommen wurde. Er beschreibt, wie er sich nur kurz umdrehte, um einen Priem zu nehmen, und sie in dieser Zeit wie eine Hyäne am Boden herumkratzte. Er glaubt, dass sie verrückt ist. Die Wächter unterhalten sich darüber, wo sie ihren Fang feiern werden oder ob es eine Belohnung gibt. Sie erwähnen den Arabia-Palast und denken an ihre Frauen. Antigone bittet schüchtern, sich setzen zu dürfen. Der Wächter erlaubt es, aber nur, wenn sie sie nicht loslassen.
Kreons Auftritt und Verhör Antigones
Kreon tritt auf und ist überrascht, Antigone in den Händen der Wächter zu sehen. Er lässt sie sofort losbinden und fragt die Wächter, wer jetzt bei der Leiche ist. Er wirft ihnen vor, seinen Befehl missachtet zu haben, die Leiche zu bewachen und den Vorfall geheim zu halten. Die Wächter erklären, dass sie dieses Mal nicht gelost haben, sondern lieber gleich alle drei gekommen sind.
Kreon bezeichnet sie als Idioten und fragt Antigone, wo sie festgenommen wurde. Der Wächter antwortet, dass sie sie bei der Leiche gefunden haben, wo sie erneut versuchte, ihren Bruder zuzuschaufeln. Kreon fragt, ob er sich auch überlegt hat, was er da sagt. Der Wächter schildert detailliert, wie er Antigone am helllichten Tag beim Zuschaufeln der Leiche überraschte, nachdem er sich kurz umgedreht hatte, um den obligatorischen Priem zu nehmen. Kreon fragt Antigone, ob das wahr ist. Antigone bestätigt es.
Der Wächter berichtet, dass sie den Körper nochmals vorschriftsmäßig freilegten und ihn der Ablösung übergaben, ohne von dem Vorfall etwas zu erwähnen. Sie brachten Antigone hierher. Kreon fragt Antigone, ob sie es auch heute Nacht, beim ersten Mal war. Antigone bestätigt, dass sie es war. Mit der kleinen Eisenschaufel, mit der wir in den Ferien am Strand unsere Sandburgen bauten. Die Schaufel gehörte Polyneikos. Er hatte mit einem Messer seinen Namen in den Stiel eingekerbt. Deswegen ließ ich sie auch bei ihm liegen. Aber man nahm sie weg. Darum musste ich das zweite Mal mit den Händen arbeiten. Der Wächter beschreibt, wie sie wie ein Tier herumwühlte und wie sein Kamerad sogar meinte, es sei ein Tier. Kreon entlässt die Wächter und lässt sich mit Antigone allein.
Kreon fragt Antigone, ob sie jemand von ihrem Vorhaben erzählt oder unterwegs getroffen hat. Antigone verneint dies. Kreon fordert sie auf, auf ihr Zimmer zu gehen, sich ins Bett zu legen und zu sagen, sie wäre krank und hätte das Haus seit gestern nicht mehr verlassen. Seine Amme wird das gleiche sagen. Er lässt die drei Männer verschwinden. Antigone fragt, warum, da sie es morgen nochmals versuchen würde.
Kreon will wissen, warum sie ihren Bruder beerdigen wollte. Antigone antwortet, weil sie es muss. Kreon weist auf sein Verbot hin. Antigone entgegnet, dass sie es trotzdem tun musste, da die Unbeerdigten ewig herumirren, ohne jemals Ruhe zu finden. Sie vergleicht die Totenzeremonie mit alltäglichen Gesten der Fürsorge, die sie ihrem Bruder im Leben erwiesen hätte, und betont sein Recht auf Ruhe und Erholung. Kreon hält ihm entgegen, dass der Tote aber ein Aufrührer und Verräter war.
Antigone betont, dass er ihr Bruder war. Kreon fragt, ob sie seine Anordnung gelesen hat und das Schicksal kennt, dass jeden erwartet, der es wagen sollte, ihn zu beerdigen. Antigone bestätigt dies. Kreon fragt, ob sie glaubte, als Tochter des Ödipus über seinen Gesetzen zu stehen - er nennt Ödipus den hochmütigen Ödipus. Antigone verneint dies.
Kreon betont, dass sie als Königstochter als erste das Gesetz zu achten hat. Antigone entgegnet, dass sie selbst dann die Pflicht gehabt hätte, ihren Bruder zu bestatten, wenn sie ein gewöhnliches Dienstmädchen gewesen wäre. Kreon hält dies für unwahr und wirft Antigone vor, gedacht zu haben, dass er es niemals wagen würde, sie, die Verlobte seines Sohnes, töten zu lassen.
Antigone widerspricht und sagt, dass sie sehr wohl wusste, dass er sie töten lassen muss. Kreon murmelt, dass sie den Hochmut des Ödipus in sich trägt und dass sie es für ein ganz natürliches Ende gehalten hätte. Er wirft ihr vor, dass ihr menschliches Unglück sehr unzulänglich erscheint und dass sie immer gleich dem Schicksal oder dem Tod gegenüberstehen will. Sie will den Vater umbringen, mit der Mutter schlafen hört sich fein an. Kreon erklärt, dass Theben einen König ohne lange Vorgeschichte braucht. Er will die Weltordnung etwas vernünftiger zu gestalten und das ist kein Abenteuer, sondern ein Beruf wie jeder andere auch, der nicht immer leicht ist, aber den er sehr ernst nehme und erwähnt dass ihn schmutzige Wahrsager, die meinen seine Herkunft sei nicht einwandfrei, zum Teufel jagen würde. (Er geht auf sie zu und nimmt sie am Arm.) Nun höre mir gut zu. Du bist Antigone, die Tochter des Ödipus. Aber du bist erst zwanzig Jahre alt, und es ist noch gar nicht so lange her, da wäre die ganze Geschichte mit Hausarrest und ein paar Ohrfeigen abgetan worden.
Kreon will sie nicht töten lassen und erinnert an ihre Kindheit. Deswegen soll sie Hämon einen kräftigen Jungen geben kann. Das hat Theben nötiger als deinen Tod, glaub mir. Er will dafür sorgen, dass auch die anderen schweigen und hat sie sehr gern.
Kreon schickt Antigone in ihr Zimmer, aber sie weigert sich zu gehen. Kreon fragt sich, welches Spiel sie spielt und warnt sie, dass er sie töten lassen muss, wenn außer diesen dreien noch jemand von ihrem Vorhaben erfährt. Antigone erwidert, dass sie ihren Bruder beerdigen muss, den diese Männer wieder aufgedeckt haben. Kreon versucht, sie davon zu überzeugen, dass es sinnlos ist, die Tat zu wiederholen, da es nichts bringen wird außer blutigen Fingernägeln und einer erneuten Verhaftung. Antigone weiß das, aber sie muss tun, was sie kann.
Kreon versucht, Antigone von der Sinnlosigkeit ihrer Tat zu überzeugen, indem er die Heuchelei und Lächerlichkeit der religiösen Rituale hervorhebt. Er fragt sie, ob sie wirklich an das Märchen von der irrenden Seele ihres Bruders glaubt, wenn der Priester nicht ein paar Hände voll Erde auf seine Leiche wirft und einige Worte dazu leiert. Antigone erwidert, dass sie es gesehen hat. Sie schildert mit Verachtung die traurigen, müden Angestelltengesichter und die hastigen Bewegungen der Priester. Kreon fragt, ob sie ihr Leben aufs Spiel setzen will, nur um zu verhindern, dass ihr Bruder diesem scheinheiligen Getue ausgesetzt wird.
Antigone antwortet, dass es verrückt ist. Kreon fragt, warum sie es dann trotzdem tun will. Für die anderen, die daran glauben? Um sie gegen ihn aufzubringen? Antigone verneint beides. Kreon fragt, für wen denn dann.
Antigones Motivation
Antigone antwortet, dass sie es für sich selbst tut. Kreon betrachtet sie schweigend und fragt, ob sie so gerne sterben möchte. Antigone verneint dies, aber sie weiß, dass sie nur so ihre Pflicht erfüllen kann. Kreon entgegnet, dass sie noch ein ganz kleines Mädchen ist und dass man bisher nur von ihr verlangt, dass sie schön ist und lacht. Wer hat sie denn auferlegt, diese Pflicht?
Antigone antwortet, dass sie sie sich selbst auferlegt hat. Kreon wirft ihr vor, zu viel Empfindsamkeit und Phantasie zu haben. Er glaubt, dass ihr in der Nacht der verzweifelte Schatten des Polyneikos erschienen ist und sie sich immer wieder gesagt hat: Ich bin seine Schwester, ich bin seine Schwester, ich muss, ich muss es tun. Und jetzt steht sie vor ihm, die Nerven angespannt, blickt ihn mit ihren schwarzen Augen wild an und will ihm trotzen. Ihre ganzen Kräfte, die noch viel zu schwach sind, verwendet sie auf dieses Spiel. Aber wenn nachher meine Wächter kommen und dich mit ihren großen derben Händen ergreifen, dann wirst du zusammenbrechen und bitterlich weinen. Antigone: Das ist möglich. Aber was tut das? Dann muss man mich eben weinen lassen.
Kreon appelliert an Antigones Menschlichkeit und bietet ihr an, sie zu retten, indem sie so tut, als ob sie krank wäre. Sie beruft sich immer noch auf ihre Pflicht. Kreon gibt offen zu, dass er Angst vor Antigone hat, die ihn zwingt, eine Entscheidung gegen seine eigenen Wünsche zu treffen.
Kreon gesteht seine Angst ein und appelliert an Antigone, Mitleid mit ihm zu haben und sich nicht von ihrem Starrsinn leiten zu lassen, da dies nicht nur ihr Leben, sondern auch das Glück seines Sohnes Hämon gefährdet. Antigone erwidert, dass Kreon von nun an immer für seine Entscheidung bezahlen wird.
Kreon verliert die Geduld und versucht, Antigone zum Einlenken zu bewegen, indem er ihr die Konsequenzen ihres Handelns vor Augen führt und aufzeigt, wie ihre Tat die Ordnung und Sicherheit Thebens gefährdet. Sie nennt es Namenloses und er vergleicht es mit einer Welle, die auf das Deck nieder rauscht, dabei erinnert er an die anstehende Revolution. Antigone bleibt jedoch unnachgiebig und erklärt, dass sie nicht da ist, um zu verstehen, sondern um Nein zu sagen und zu sterben.
Kreon versucht Antigone zu überzeugen, dass auch ein Ja mutig sein kann, wenn es dem Leben dient und die Welt vor dem Chaos bewahrt. Antigone verspottet Kreons Traum von einer geordneten Welt und seinem Glück und Kreon bezeichnet sie als König der Tiere.
Sie ist bereit, alles aufzugeben, um ihrer Überzeugung treu zu bleiben und sagt, Kreon soll arbeiten gehen-selbst wenn es alles wieder einstürzt. Antigone erklärt Kreon jedoch, dass sie jetzt noch den Mut zum Sterben hat.
Kreon versucht, Antigone zu erklären, dass ihr Bild ihrer Brüder eine Illusion ist und dass sie in Wirklichkeit skrupellose Verräter waren, die nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht waren. Antigone widerspricht und fragt Kreon, warum er ihr das alles erzählt hat. Kreon antwortet, dass er sie nicht wegen dieser Geschichte sterben lassen wollte und will wissen, was sie jetzt tun wird.
Antigone erhebt sich wie schlafend und sagt, dass sie auf ihr Zimmer gehen wird. Kreon fordert sie auf, nicht zu viel allein zu sein, mit Hämon zu sprechen und bald zu heiraten. Antigone antwortet leise, dass ihre Auseinandersetzung sehr müßig war. Sie soll daran denken, dass es sehr viel Schönes auf sie wartet.
Das Theaterstück "Antigone" von Jean Anouilh beginnt mit einer Einführung des Sprechers, der die Charaktere und die Ausgangssituation vorstellt: Antigone, ein junges Mädchen, das sich gegen ihren Onkel Kreon, den König, auflehnen wird, um ihren Bruder Polyneikos zu bestatten, dessen Leichnam auf Kreons Befehl hin nicht bestattet werden darf. Nach einer Auseinandersetzung mit ihrer Schwester Ismene, die Angst vor den Konsequenzen hat, und einem Abschied von ihrer Amme und ihrem Verlobten Hämon, setzt Antigone ihren Plan in die Tat um und wird beim Versuch, Polyneikos zu bestatten, von den Wächtern gefasst. Im Verhör mit Kreon verteidigt sie ihre Tat und beruft sich auf ihre Pflicht gegenüber ihrem Bruder und den göttlichen Gesetzen. Kreon versucht, sie von ihrem Vorhaben abzubringen, doch Antigone bleibt unnachgiebig. Am Ende wird Antigone zum Tod verurteilt und in ein Verlies gesperrt. Hämon, der Antigone liebt, versucht vergeblich, seinen Vater Kreon umzustimmen. Als er erfährt, dass Antigone sich im Verlies erhängt hat, tötet er sich selbst. Auch Kreons Frau Eurydike begeht Selbstmord, als sie vom Tod ihres Sohnes erfährt. Kreon bleibt allein zurück, gezeichnet von Schuld und Leid.
Die Hauptthemen des Buches sind:
Konflikt zwischen göttlichem und menschlichem Gesetz: Antigone verteidigt das göttliche Gesetz, das die Bestattung der Toten vorschreibt, während Kreon das staatliche Gesetz vertritt, das den Verräter Polyneikos unbestattet lässt.
Individuum versus Staat: Antigone steht als Einzelperson gegen die Staatsmacht Kreons und verteidigt ihre persönliche Überzeugung gegen die Anordnung des Herrschers.
Pflicht und Verantwortung: Antigone fühlt sich ihren familiären Pflichten gegenüber ihrem Bruder verpflichtet, während Kreon seine Verantwortung als Herrscher betont, die Ordnung und Sicherheit des Staates zu gewährleisten.
Starrsinn und Kompromiss: Antigones unnachgiebiger Starrsinn und Kreons Unfähigkeit zum Kompromiss führen zur Eskalation des Konflikts und zur Tragödie.
Schuld und Sühne: Kreon wird am Ende des Stücks mit seiner Schuld konfrontiert und muss die Konsequenzen seiner Entscheidungen tragen.
Freiheit und Schicksal: Antigone entscheidet sich bewusst für den Tod, um ihren Überzeugungen treu zu bleiben, und akzeptiert ihr Schicksal.
Personal der Tragödie
ANTIGONE
KREON
HÄMON
ISMENE
EURYDIKE
DIE AMME
DER PAGE KREONS
DIE WACHLEUTE
DER BOTE
DER SPRECHER
Einführung durch den Sprecher
Der Sprecher betritt die Bühne, auf der sich bereits alle Charaktere befinden, die sich mit Stricken, Kartenspielen oder Plaudern die Zeit vertreiben. Er kündigt an, dass die Zuschauer die Geschichte der Antigone erleben werden. Antigone wird als ein stilles, in sich gekehrtes Mädchen beschrieben, das sich ihrer bevorstehenden Rolle und ihrem unausweichlichen Tod bewusst ist. Sie wird sich gegen ihren Onkel Kreon, den König, auflehnen und sich somit allein gegen die Welt stellen. Trotz ihrer Jugend verspürt sie den Wunsch zu leben, doch ihr Schicksal ist besiegelt.
Antigone distanziert sich innerlich von ihrer Schwester Ismene, die sich unbeschwert mit Hämon, Antigones Verlobtem, unterhält. Hämon, der eigentlich zu Ismene hingezogen war, hielt eines Abends auf einem Ball um Antigones Hand an, was niemand nachvollziehen konnte. Antigone akzeptierte seinen Antrag mit einem traurigen Lächeln. Der Sprecher betont, dass es für Antigone keinen Gemahl geben kann und Hämon durch seine Verbindung mit ihr dem Tode geweiht ist.
Kreon, der König, wird als ein müder, nachdenklicher Mann dargestellt, der sich der Bürde der Herrschaft bewusst ist. Er erinnert sich an die Zeiten des Ödipus, in denen er sich der Musik und den schönen Künsten widmen konnte. Doch nun, nach dem Tod von Ödipus und seinen Söhnen, liegt die Verantwortung auf seinen Schultern. Eurydike, Kreons Frau, wird als eine gutmütige, würdevolle Frau beschrieben, die während der gesamten Tragödie strickt und am Ende ebenfalls stirbt. Der Bote, der den Tod Hämons verkünden wird, steht abseits und vermeidet den Kontakt zu den anderen. Die Wächter, einfache Männer mit alltäglichen Sorgen, spielen Karten und werden später Antigone festnehmen. Der Sprecher schließt seine Einführung mit der Erklärung ab, dass die Geschichte mit dem Streit der beiden Ödipus-Söhne Eteokles und Polyneikos beginnt, die sich gegenseitig vor den Toren der Stadt erschlagen hatten.
Das Fazit des Buches ist, dass Starrsinn und Unnachgiebigkeit zu Tragödien führen. Sowohl Antigone als auch Kreon sind in ihren Überzeugungen gefangen und unfähig, Kompromisse einzugehen. Antigones Festhalten an ihren moralischen Prinzipien führt zu ihrem Tod, während Kreons Machtstreben und sein Unvermögen, seine Entscheidungen zu überdenken, zum Verlust seiner Familie und letztendlich zu seinem eigenen Leid führen. Das Stück zeigt, wie wichtig es