KAP 1 Selbst (copy)

Kapitel 1: Schlüsselbegriffe und Definitionen

Selbstkonzept und Selbstwertgefühl

  • Selbstkonzept: Umfasst die Annahmen einer Person über ihre eigenen Eigenschaften und Fähigkeiten, wie Intelligenz oder Durchsetzungsfähigkeit.

  • Selbstwertgefühl: Resultiert aus den Bewertungen, die Menschen auf Basis ihres Selbstkonzepts vornehmen. Positive Bewertungen führen zu einem hohen Selbstwertgefühl, negative Bewertungen zu einem niedrigen.

Quellen des Selbstkonzepts und Selbstwertgefühls

  • Selbstwahrnehmung: Personen beobachten ihr Verhalten und ziehen Rückschlüsse auf ihr Selbst.

  • Attributionen: Selbstbezogene Attributionen beleuchten, wie Menschen ihre Erfolge und Misserfolge bewerten.

  • Soziale Vergleichsprozesse: Personen lernen über ihre Fähigkeiten, indem sie sich mit anderen vergleichen.

1.1 Selbstwahrnehmungstheorie und Strategien zur Selbstwerterhöhung

  • Selbstwahrnehmungstheorie (Bem, 1972): Menschen nutzen ihre Beobachtungen, um Rückschlüsse auf ihre inneren Zustände zu ziehen.

Strategien zur Selbstwerterhöhung

  • Self-serving bias: Eigene Erfolge intern, Misserfolge extern attribuieren.

  • Selektive Informationssuche: Informationen suchen, die das Selbstwertgefühl erhöhen.

  • Self-handicapping: Hindernisse schaffen, um Misserfolge zu rechtfertigen.

  • Sandbagging: Vornherein die eigenen Fähigkeiten herunterspielen.

  • Above-average effect: Glauben, überdurchschnittliche Fähigkeiten zu haben.

  • False consensus effect: Annahme, dass die eigene Meinung verbreitet ist.

  • Downward comparison: Auswahl von Personen, die schlechter abschneiden, um das eigene Wohlgefühl zu steigern.

1.2 Soziale Rückmeldungen und Information

  • Looking-glass self: Konzept von Cooley (1902), das beschreibt, wie Rückmeldungen von anderen das Selbstkonzept beeinflussen.

  • Paradoxe Wirkungen von Lob und Tadel: Schüler interpretieren Lob und Tadel unterschiedlich, was ihre Selbsteinschätzung beeinflusst.

1.3 Selbstdarstellung

  • Definition: Der Versuch, den Eindruck, den andere von einer Person haben, zu steuern.

  • Positive vs. negative Selbstdarstellung: Beide Formen verfolgen unterschiedliche Ziele.

  • Taxonomie der Selbstdarstellung: Strategien werden in kurzfristige und langfristige sowie in direkte und indirekte Formen unterteilt.

1.4 Selbstwirksamkeit und Selbstregulation

  • Selbstwirksamkeit: Überzeugung, Handlungen erfolgreich ausführen zu können. Hohe Selbstwirksamkeit führt zu mehr Engagement bei Herausforderungen.

  • Selbstdiskrepanztheorie: Vergleich zwischen tatsächlichem Selbst, Ideal-Selbst und Soll-Selbst führt zu unterschiedlichen emotionalen Reaktionen.

  • Regulatorischer Fokus: Unterschiedliche Strategien zur Erreichung von Zielen; Promotion-Fokus (Wünsche) vs. Prevention-Fokus (Pflichten).

  • Stärke der Selbstregulation: Selbstregulation als begrenzte Ressource, die ermüden kann.

Zusammenfassung

  • Das Selbstkonzept und Selbstwertgefühl resultieren aus verschiedenen Quellen, dazu gehören Selbstwahrnehmung, soziale Rückmeldungen und Vergleichsprozesse. Strategien zur Selbstwerterhöhung zeigen, dass Menschen eher zu verzerrten Wahrnehmungen neigen, um ein positives Selbstbild aufrechtzuerhalten. Die Fähigkeit zur Selbstwirksamkeit beeinflusst, wie eine Person ihr Verhalten steuern kann, und Konstrukte wie die Selbstdiskrepanztheorie und der regulatorische Fokus sind entscheidend für die Motivationspsychologie.