QV Elektroinstallateur/in EFZ - Technische Dokumentation und Regeln der Technik

QV Elektroinstallateur/in EFZ - Technische Dokumentation und Regeln der Technik

1. Einleitung zur Technischen Dokumentation und Regeln der Technik

  • Lernzusammenfassung: Ziel ist das Verständnis der Zusammenhänge zwischen gesetzlichen Bestimmungen, Verordnungen, Normen sowie deren Anwendung in der Praxis.

  • Merkfolge: Gesetz → Verordnung → Norm → Weisung.

  • Strukturelle Antwort im Fachgespräch: Zuerst Hierarchie nennen, dann den Begriff erklären und abschließend ein konkretes Beispiel geben.

2. Gesetze und Verordnungen

  • Allgemeine Bedeutung: Gesetze dienen als rechtliche Grundlage, während Verordnungen die praktische Handhabung konkretisieren.

2.1 Gesetze
  • EleG (Elektrizitätsgesetz):

    • Kurz: Grundgesetz der Schweizer Elektrizitätsgesetzgebung.

    • Wichtig: Regelt die sichere und wirtschaftliche Stromversorgung sowie den Schutz von Menschen, Tieren und Sachen vor Gefahren elektrischer Anlagen.

  • UVG (Unfallversicherungsgesetz):

    • Kurz: Gesetz zur Unfallversicherung von Arbeitnehmenden.

    • Wichtig: Regelt Versicherung, Prävention und Leistungen bei Berufs- und Nichtberufsunfällen sowie Berufskrankheiten.

2.2 Verordnungen
  • Verordnungen leiten sich aus den Gesetzen ab und präzisieren das Handeln in der Praxis.

    • StV (Starkstromverordnung):

    • Kurz: Verordnung über elektrische Starkstromanlagen.

    • Wichtig: Regelt Erstellung, Betrieb und Instandhaltung von Starkstromanlagen und dient dem Schutz vor Gefährdungen durch solche Anlagen.

    • SchV (Schwachstromverordnung):

    • Kurz: Verordnung über elektrische Schwachstromanlagen.

    • Wichtig: Regelt Erstellung, Betrieb und Instandhaltung von Schwachstromanlagen und deren sicheren Schutz im Zusammenspiel mit anderen Anlagen.

    • NIV (Niederspannungs-Installationsverordnung):

    • Kurz: Verordnung für Arbeiten an elektrischen Niederspannungsinstallationen.

    • Wichtig: Regelt Bewilligungen, Ausführung, Kontrolle, Sicherheitsnachweis und wer Installationsarbeiten durchführen darf.

    • NEV (Verordnung über elektrische Niederspannungserzeugnisse):

    • Kurz: Sicherheitsregeln für elektrische Produkte im Niederspannungsbereich.

    • Wichtig: Sorgt dafür, dass nur sichere elektrische Erzeugnisse in Verkehr gebracht und kontrolliert werden.

    • NISV (Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung):

    • Kurz: Schutzverordnung gegen elektrische und magnetische Felder bzw. vergleichbare Strahlung.

    • Wichtig: Begrenzt Emissionen und schützt Menschen vor übermäßiger nichtionisierender Strahlung.

3. Normen, Weisungen und Fachstellen

  • Im Fachgespräch oft gefragt: "Was ist NIN?" oder "Wofür stehen ESTI, Suva oder VKF?"

3.1 Normen und Weisungen
  • NIN (Niederspannungs-Installationsnorm - SN 411000):

    • Kurz: Die wichtigste technische Norm für elektrische Installationen in der Schweiz.

    • Wichtig: Beschreibt das Planen, Errichten, Prüfen und sichere Betreiben von Installationen.

  • EWN / WV:

    • Kurz: Ergänzende Weisungen bzw. Werkvorschriften der Netzbetreiber.

    • Wichtig: Ergänzen Gesetz, Verordnungen und NIN mit regionalen Anforderungen.

  • Suva:

    • Kurz: Unfallversicherung, Prävention und Rehabilitation.

    • Wichtig: Anbieter von Sicherheitswissen für sicheres Arbeiten auf Baustellen und in Betrieben.

  • ESTI (Eidgenössisches Starkstrominspektorat):

    • Kurz: Aufsichts- und Kontrollbehörde für elektrische Anlagen.

    • Wichtig: Erteilt Bewilligungen nach NIV, überwacht Vorschriften und kontrolliert elektrische Anlagen sowie Erzeugnisse.

  • VKF (Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen):

    • Kurz: Fachstelle für Brandschutz in der Schweiz.

    • Wichtig: Liefert Brandschutzvorgaben und Richtlinien.

4. NIV und NIN - Bedeutung und Aufbau

4.1 NIV (Niederspannungs-Installationsverordnung)
  • Inhalt:

    • Wer arbeiten darf, Kontrolle und Nachweise.

Kapitelübersicht
  1. Allgemeine Bestimmungen

    • Zweck, Geltungsbereich, Grundregeln, Zuständigkeiten.

  2. Bewilligungen

    • Wer Installationsarbeiten ausführen darf und notwendige Bewilligungen.

  3. Ausführung von Installationsarbeiten

    • Vorgaben für fachgerechte, sichere und vorschriftsgemäße Arbeiten.

  4. Installationskontrolle

    • Kontrolle und Erstellung des Sicherheitsnachweises.

  5. Gebühren / Rechtsmittel / Strafbestimmungen

    • Verfahren bei Verstößen.

  6. Anhang

    • Zusätzliche Vorgaben.

4.2 NIN (Niederspannungs-Installationsnorm)
  • Gliederung:

    • Technische Praxis: Schutz, Auswahl der Betriebsmittel, Verlegung und Prüfung.

NIN-Bereich Übersicht
  1. Anwendungsbereich / Zweck

    • Geltungsbereich und Schutzziele.

  2. Begriffsbestimmungen

    • Einheitliche Definition wichtiger Begriffe.

  3. Bestimmungen allgemeiner Merkmale

    • Zweck, Aufbau, Stromversorgung, äußere Einflüsse.

  4. Schutzmaßnahmen

    • Schutz gegen elektrische Schläge, thermische Einflüsse, Überströme.

  5. Wahl und Anordnung der Betriebsmittel

    • Richtlinien zur Auswahl und Anordnung.

  6. Prüfungen

    • Sichtprüfung, Funktionsprüfung, Messungen und Dokumentation.

  7. Zusatzbestimmungen

    • Regelungen für spezielle Räume.

5. NIN in der Praxis - Schutzkonzepte

  • Drei Haupttypen: Basisschutz, Fehlerschutz, Zusatzschutz.

5.1 Basisschutz
  • Maßnahmen:

    • Isolierung, Abdeckungen, Anordnung außer Reichweite.

    • Ziel: Verhindern von Berühren aktiver Teile.

5.2 Fehlerschutz
  • Maßnahmen:

    • Erdung, Potenzialausgleich, automatische Abschaltung.

    • Ziel: Vermeidung gefährlicher Berührungsspannung bei Fehlern.

5.3 Zusatzschutz
  • Maßnahmen:

    • RCD, FI-Schutzschalter, Schutz gegen Überstrom und Überspannung.

5.4 Bestimmungen für Installation und Wartung
  • Themen:

    • Zweck der Anlagen, Stromversorgung, Auswahl und Kennzeichnung der Geräte.

    • Besondere Anforderungen in speziellen Räumen.

6. Prüfschritte und Messungen

  • Reihenfolge: Sichtprüfung → Funktionsprüfung → Messung → Dokumentation.

6.1 Sichtprüfung
  • Geprüft:

    • Ausführung, Betriebsmittel, Kennzeichnung, Schutzmaßnahmen.

    • Warum?: Fehlererkennung vor der Messung.

6.2 Funktionsprüfung
  • Geprüft:

    • Schalter, Steuerungen, Sicherheitseinrichtungen.

    • Warum? zeigt korrekte Funktion.

6.3 Messungen
  • Geprüft:

    • Schutzleiter, Isolationswiderstand, Drehsinn, Abschaltung.

    • Zweck: Nachweis normgerechter Sicherheit.

6.4 Dokumentation
  • Wichtig:

    • Sicherheitsnachweis, Mess- und Prüfprotokoll.

    • Nachweis der durchgeführten Prüfungen.

7. Mündliche Kurzantworten

  • Beispielfragen und Antworten:

    • Unterschied zwischen Gesetz, Verordnung und Norm: Das Gesetz ist die rechtliche Grundlage, die Verordnung konkretisiert diese, die Norm beschreibt die technische Umsetzung.

    • Was regelt die NIV? Arbeiten an Niederspannungsinstallationen, inklusive Bewilligungen und Kontrollen.

    • Was ist die NIN? Zentrale technische Norm für elektrische Installationen, Planung, Erbau und Prüfung.

    • Was sind Basisschutz, Fehlerschutz, Zusatzschutz?

    • Wie prüfst du eine Anlage? Sichtprüfung, Funktionsprüfung, Messungen und Dokumentation.

8. Abschluss

  • Wichtig: Die Grundlagen von EleG, UVG, Verordnungen (StV, SchV, NIV, NEV, NISV) sowie Normen (NIN, EWN) sind essenziell für die Ausübung des Berufes und die Sicherheit im Elektroinstallationsbereich.