Sprachdidaktik – umfassende Prüfungsnotizen

Facetten der sprachlichen Handlungsfähigkeit

  • Medienachse
    • phonisch (gesprochen)
    • graphisch (geschrieben)
  • Gebrauchsweise
    • rezeptiv: Hören, Lesen
    • produktiv: Sprechen, Schreiben
  • Zielbereiche des Deutschunterrichts: Alltag – Schule – Gesellschaft – Beruf

Mediale vs. konzeptionelle Mündlichkeit/Schriftlichkeit (Koch \& Oesterreicher)

  • Zwei unabhängige Dimensionen
    • medial: Mündlichkeit (lautliche Realisierung) vs. Schriftlichkeit (graphische Realisierung)
    • konzeptionell: Nähe vs. Distanz
  • Typisches Raster (Abb. 44.1)
    • a familiäres Gespräch → medial mündlich, konzeptionell mündlich (Nähe)
    • b Telefongespräch → medial phonisch, konzeptionell distanter
    • c Privatbrief → medial schriftlich, konzeptionell mündlich
    • d Vorstellungsgespräch
    • e Zeitungsinterview
    • f Predigt
    • g wissenschaftlicher Vortrag
    • h Leitartikel
    • i Gesetzestext → maximal konzeptionell-schriftlich, medial schriftlich (Distanz)

Funktionen der Bildungssprache / bildungssprachlicher Register

  • Wissenstransfer (kommunikative Funktion)
  • „Eintrittskarte“ zu Bildungsinstitutionen (soziale Funktion)
  • Werkzeug des Denkens (epistemische Funktion: erklären, begründen, vergleichen)

Die Bedeutung von Schrift – 33 Ebenen

  1. Kultur-Ebene: Tradierung von Wissen; Kinder stellen sich einem abwesenden Adressaten vor.
  2. Handlungsebene: Schrift als Handlungsinstrument (z. B. Verträge).
  3. Sprachstrukturebene: „Verschriften“ & „Verdichten“ als Voraussetzung des Schriftspracherwerbs.

Kennzeichen einer Alphabetschrift

  • Laut–Buchstabe-Zuordnung
  • Phonem–Graphem-Korrespondenz
  • Beispiel: 55 Vokale mit je unterschiedlichen Vokalqualitäten
  • Mentales Lexikon wird durch schriftliche Repräsentationen aktiviert

Erste Prinzipien des richtigen Schreibens

  1. phonematisches Prinzip
    • Lautqualität positionsabhängig (Bsp.: Esel\text{Esel} [ eː ] vs. Esel\text{Esel} Auslaut [ ə ])
  2. silbisches Prinzip
    • Silben: Onset – Nucleus – Koda; Haupt- und Reduktionssilbe
    • Didaktische Mittel: Klatschen, Silbenbögen, Silbenhäuschen

Ansätze im Schriftspracherwerb (SSE)

  • synthetisch-analytisch (Buchstabe → Laut → Wort) – reicht nicht immer aus
  • silben-analytisch: Fokus auf Silbenstruktur (z. B. Häuschen-Methode)
    • offene Silbe endet auf Vokal → häufig lang
    • geschlossene Silbe endet auf Konsonant → oft kurzer Vokal

Zwei große Inhaltsfelder schulischer Sprachreflexion

  1. „Sprache als System reflektieren“
    • Wortebene: Wortarten, Flexion, Wortbildung
    • Satzebene: Satzglieder, Attribute, Satzarten, komplexe Sätze
    • Bedeutungsbeziehungen: Synonymie, Antonymie, Polysemie, Idiomatik
  2. „Sprache im Gebrauch reflektieren“
    • Rede/Gespräch, Textkohäsion
    • historische, varietätenbezogene, philosophische Perspektiven

Sprachbewusstheit & metasprachliches Handeln

  • allmähliche Bewusstwerdung (sich wundern)
  • eigentliche Bewusstwerdung: analytische Kategorien werden aktiviert
  • Kognitive Orientierung → fließt in rezeptives & produktives Sprachhandeln
  • Regelwissen allein genügt nicht; es braucht aktivierte Kategorien

Grundlegende Aspekte des Spracherwerbs

  • Entwicklung des Lautinventars
  • Aufbau eines mentalen Wortschatzes (Konzepte + sprachliche Form, z. B. Auto\text{Auto})
  • Meilensteine beim Grammatik- und Pragmatikerwerb

Mentales Lexikon & Wortschatzarbeit

  • Speicherstruktur: semantische Netze (z. B. Körper → Arm → Bizeps)
  • Chunks/feste Phrasen: „Guten Morgen“, „Wie geht’s?“
  • Sprachliche Routineformeln: Frage–Antwort-Muster, Arbeitsaufträge
  • Prinzipien der Wortschatzvermittlung
    • Assoziogramm, Wortfeldarbeit, Tageswort, Kontextualisierung

Grammatikunterricht

  • Kritik: Begriff „Wie-Wort“ statt „Adjektiv“
  • Besser: Funktionsproben
    • Verben: Personalform-Probe
    • Adjektive: Steigerungs-Probe
    • Nomen: Artikel-Probe
  • Feldermodell / Satzklammer
    • Vorfeld – linkes Verbfeld – Mittelfeld – rechtes Verbfeld
    • Valenzorientierung: Ergänzungsplätze des Verbs
  • Funktionsorientierter Grammatikunterricht
    • Grammatik als Mittel zum Textverstehen & ‑schreiben
    • authentische Texte als Ausgangspunkt

Rechtschreibprinzipien (die 44 Zentren)

  1. phonographisch: Graphem–Phonem-Korrespondenz (GPK)
  2. silbisch: minimale Abweichung von GPK (Silbenstruktur)
  3. morphematisch: Gleichschreibung von Morphemen (Wortfamilien)
  4. syntaktisch: Zeichensetzung, Groß-/Kleinschreibung
Glinz’sche Proben
  • Umstellprobe
  • Weglassprobe
  • Ersatzprobe
    (Beispiel: dass\text{dass}/das\text{das} – Ersatz durch welches\text{welches})
Rechtschreibstrategien
  • Nachdenken, Nachschlagen, Ableiten, Nach-Entdecken

Lesekompetenz

  • Funktionen des Lesens
    • Bewältigung alltäglicher/gesellschaftlicher Anforderungen
    • Persönlichkeitsentwicklung, Bildung, Genuss
  • Tiefenebenen des Verstehens
    1.1. Wort-/Satzeebene: Auslassen, Generalisieren, Selektieren
    2.2. propositional: Konstruieren, Integrieren
    3.3. Textebene: Textoberfläche, semantischer Gehalt, Thema, Kommunikationsabsicht, Genre
  • Bottom-up (datengesteuert) vs. Top-down (wissens-/erwartungsgeleitet)
  • Kompetenzmodell Rosenbrock / Nix
    • Prozessebene: Wort-/Satzidentifikation, lokale Kohärenz
    • Subjektebene: Selbstkonzept, Wissen, Motivation
    • Soziale Ebene: Handlungszusammenhang, Familie, Schule
  • Drei Ziele des Leseunterrichts
    • Lesefähigkeit ausbauen
    • Lesemotivation/-freude fördern
    • Literarische Bildung ermöglichen

Sprechen vs. Gesprächsfähigkeit

  • Sprechen: deutliche Artikulation, Rhythmus, Intonation
  • Gesprächsfähigkeit: dialogische Steuerung, Zuhören, Anschlussbeiträge
Kompetenzbereiche der Gesprächskompetenz
  • Kontextualisierungskompetenz
  • Vertextungskompetenz
  • Markierungskompetenz
Basisqualifikationen
  • phonisch: Lautsystem
  • lexikalisch-semantisch: Wortschatz
  • morphologisch-syntaktisch: Satzkomplexität
  • pragmatisch: Handlungs- und Diskursmuster
  • literale Fähigkeiten: phonologische Bewusstheit, Textsortenwissen

Unterstützende Mechanismen im frühen Spracherwerb

  • Scaffolding (sprachliches Gerüst)
  • Finetuning / Motherese / Baby Talk
  • Kommunikative Praktiken: konventionalisierte soziale Muster
  • Aktives Zuhören – wichtig für Bedürfniswahrnehmung
  • Didaktische Schlussfolgerungen: kooperative Arbeitsformen, Gesprächsanlässe
S-O-I-Modell des Hörens
  • Selektieren → Organisieren → Integrieren
  • Arbeitsgedächtnis als Schnittstelle; Monitoring

Schreibkompetenz

  • Funktionen des Schreibens
    • kommunikativ
    • memorativ-konservierend
    • erkenntnisfördernd
    • reflexiv
    • ästhetisch
  • Modell Hayes \& Flower
    • Planung – Formulieren – Überarbeiten
    • Ermöglicht Diagnose spezifischer Schwierigkeiten
  • Notwendiges Wissen
    • Textmuster, Aufbau von Textsorten
    • sprachlich-stilistische Mittel, Kohäsionsverfahren
  • Methoden in den Phasen des schulischen Schreibens
    • Planungsphase: Clustering, Schreibplan, Einleitung zuerst
    • Überarbeitungsphase: Partnerfeedback, Checklisten