Kapitel 1: Grundlagen der Ethik

Kapitel 1: Grundlagen der Ethik

  • Lesen: Müller, Grundzüge der Wirtschafts- und Unternehmensethik, Stuttgart 2022, Kapitel 1.

Moral und Recht

  • Moral:

    • Definition: Ein System normativer Aussagen, das Handlungen, Situationen oder Haltungen als gut oder schlecht kategorisiert, und damit deren Status als gesollt oder nicht gesollt beschreibt.
  • Recht:

    • Definition: Ein System gesetzter („positiver“) normativer Aussagen, bekannt als „Gesetze“, deren Einhaltung durch Sanktionen (Belohnungen oder Bestrafungen) unterstützt wird.

Wechselwirkungen zwischen Moral und Recht

  • Gesetze sind oft ein Ausdruck moralischer Normen. Beispiele sind:
    • „Würde der Person“ in Artikel 1 des Grundgesetzes (GG)
    • „gute Sitten“ und „Treu und Glauben“.
  • Moralische Normen können auch rechtliche Kodifizierung finden, z.B.:
    • rechtswidrige, aber straffreie Abtreibungen der Definition.
  • Zitat von Barack Obama:
    • „Unsere Gesetze sind per definitionem eine Kodifizierung von Moral, die zu einem großen Teil in der jüdisch-christlichen Tradition wurzelt.“
    • Quelle: T. Keller, Wozu Gerechtigkeit, Gießen 2010, S. 153.

Schnittstellen von Moral und Recht

  • Gesetze ohne sittlichen Gehalt:
    • Beispiele: Nur legal oder illegal.
  • Gesetze mit sittlichem Gehalt:
    • Beispiel: Legal und sittlich gut sind beispielsweise das Verbot von Diebstahl, Mord, Fälschung.
    • Illegal und sittlich schlecht wären Gesetze wie die Enteignung von Juden im Dritten Reich.
  • Sittliche Normen ohne Gesetzescharakter:
    • Beispiele: Hilfsbereitschaft, Dankbarkeit, Versöhnlichkeit.
  • Praktische Übereinkünfte ohne sittlichen Gehalt:
    • Beispiel: Rechtsfahrgebot im Straßenverkehr.

Ethik

  • Deskriptive Ethik:
    • Untersuchung, was in bestimmten Gesellschaften oder Gruppen für moralisch gehalten wird.
  • Normative Ethik:
    • Was ist das Gute? behandelt folgende Aspekte:
    • Wie soll der Mensch handeln? (Handlungsnormen, Pflichten)
    • Was soll der Mensch anstreben? (Werte/Güter)
    • Wie soll der Mensch sein? (Tugenden)
  • Methodenlehre:
    • Wie kann man Menschen dazu bringen, das Gute zu verwirklichen?
  • Metaethik:
    • Untersuchung der Objektivität, Gültigkeit und Wahrheitsfähigkeit von Aussagen über das Gute.
    • Ethik als Wissenschaft von Moral und Tugend.
    • Traditionell Teil der praktischen Philosophie („Liebe zur Weisheit“).

Wirtschaftsethik

  • Gegenstandsbereich der Wirtschaftsethik:
    • Untersuchung des wirtschaftlichen Handelns von Subjekten und Organisationen unter Verwendung philosophisch-theologischer (moralwissenschaftlicher) Theorien (Wirtschaftsethik im engeren Sinne).
  • Methode der Wirtschaftsethik:
    • Untersuchung des moralischen Handelns von Subjekten und Organisationen mithilfe der ökonomischen Handlungstheorie (ökonomische Analyse der Moral).
  • Unternehmensethik:
    • Teilbereich der Wirtschaftsethik im engeren Sinne.

Teilethiken der Wirtschaftsethik

  • Individualethik:
    • Handeln von Menschen in moralisch relevanten Situationen.
    • Pflichten des Individuums gegenüber sich selbst
      • Beispiel: Verbot der Selbsttötung bei Immanuel Kant.
    • Pflichten gegenüber Mitmenschen.
    • Pflichten gegenüber der Natur.
  • Unternehmensethik:
    • Handeln von Unternehmen zur Erleichterung des Umgangs mit moralisch relevanten Situationen.
    • Beispiel: Corporate Social Responsibility (CSR), Wertemanagement.
  • Institutionenethik:
    • Handeln des Staates (Politik, Recht, Zivilgesellschaft) zur Unterstützung des Umgangs von Menschen und Unternehmen mit moralisch relevanten Situationen.
    • Beispiel: Theorie der sozialen Marktwirtschaft (SMW) für Regeln im Markt.
    • Beispiel: Moralökonomik als soziale Verhaltensregeln.

Rolle der Unternehmensethik

  • Institutionenethik setzt Individualethik voraus, kann diese jedoch nicht völlig ersetzen (ansonsten: Rechtspositivismus).
  • Individualethik wäre ohne rahmengebende Institutionen kaum vorstellbar.

Unternehmensethik als „Reparaturethik“

  • Definition: Unternehmensethik übernimmt eine Aufgabe, wenn sowohl Individual- als auch Institutionenethik versagen.
  • Unternehmensethik ist verzichtbar, w enn:
    • Alle Individuen innerhalb des Unternehmens und seines Umfeldes moralisch handeln.
    • Der Regelrahmen, unter dem Unternehmen agieren, alle unmoralischen Konsequenzen im Voraus behebt.