Bedeutung der Psychoanalyse
Verbindung mit Freud
Viele Grundbegriffe der Psychoanalyse stammen direkt aus seinen Texten
Theorien entwickelte sich primär durch seine Publikationen
Freud wurde mehrfach davor gewarnt, Psychoanalyse zu seinem Beruf zu machen
Psychoanalyse war anfangs keine anerkannte Disziplin, sondern eine neue, provokante Theorie
er hat viel Ablehnung erfahren, u.a. durch Antisemitismus und folglich auch lange Zeit viel Kritik/ Widerstand gegen Psychoanalyse
Lange Tradition der Kritik
Karl Popper, Adolf Grünbaum, aus psychotherapeutischer Richtung Kritik: “nicht empirisch abgesichert" — Klaus Grawe, “freud wars” — Hochblüte in 80er/ 90er (Crews, Forrester)
auf wissenschaftlicher, psychotherapeutischer und kultureller Ebene gab es Kritik
“freud revival” (alle 10 Jahre)
neurologische Entwicklungsgeräte (z.B. MRT) bestätigen Freuds Annahmen
Dennoch keine veraltete, überkommene Theorie!!
ChatGPT: Die Bedeutung der Psychoanalyse heute ist vielschichtig und hängt von verschiedenen Faktoren ab:
Theoretischer Einfluss:
Konzepte wie das Unbewusste, Abwehrmechanismen, und die Bedeutung frühkindlicher Erfahrungen sind tief in der Psychologie und Psychotherapie verankert.
Einfluss auf wissenschaftliche Theorien, klinische Praktiken und das Verständnis menschlichen Verhaltens.
Therapeutische Praxis:
Psychoanalyse bleibt relevant in spezialisierten, langwierigen Therapien (z.B. psychoanalytische Psychotherapie).
Weniger verbreitet als evidenzbasierte Ansätze, bedingt durch längere Dauer und höhere Kosten.
Wissenschaftliche Sicht:
Psychoanalyse steht in der Wissenschafts-Gemeinschaft im Zwiespalt, da viele ihrer Theorien schwer empirisch zu fassen sind.
Zunehmende Berücksichtigung in interdisziplinären Studien.
Kulturelle Bedeutung:
Einfluss auf Kultur, Literatur, Kunst und gesellschaftliches Denken.
Beeinflusst Diskussionen über menschliche Psyche und Gemeinschaften.
Fazit:
Psychoanalyse bleibt ein bedeutendes kulturelles und theoretisches Element in der Psychologie.
Ihre vollständige Bedeutung wird durch neuere, wissenschaftlich fundierte Ansätze ergänzt.
Relevanz in klinischer, kultureller und theoretischer Hinsicht.
Definition der Psychoanalyse
„Psychoanalyse ist der Name
eines Verfahrens zur Untersuchung seelischer Vorgänge, welche sonst kaum zugänglich sind;
einer Behandlungsmethode neurotischer Störungen, die sich auf diese Untersuchung gründet;
einer Reihe von psychologischen, auf solchem Wege gewonnenen Einsichten, die allmählich zu einer neuen wissenschaftlichen Disziplin zusammenwachsen.“
Biographie von Sigmund Freud
„Man versteht die Psychoanalyse immer noch am besten, wenn man ihre Entstehung und Entwicklung verfolgt“
Geburt:
Sigismund Schlomo Freud, geboren am 6. Mai 1856 in Freiberg, Mähren.
Erster Sohn von Jacob Freud und dessen dritter Gattin Amalia Freud.
Zitat Freud über Einfluss der Mutter: „Wenn man der unbestrittene Liebling der Mutter gewesen ist, so behält man fürs Leben jenes Eroberergefühl, jene Zuversicht des Erfolges, welche nicht selten wirklich den Erfolg nach sich zieht.“
Studienjahre:
Umzug nach Wien (Leopoldstadt) 1860 aus wirtschaftlichen Gründen.
Exzellenter Schüler mit philosophischen und archäologischen Interessen.
Entscheidung für Medizinstudium, inspiriert von Goethe und Darwin.
Erfahrungen mit Antisemitismus; hört
Brentano Mitarbeit im physiologischen Labor von Brücke.
Promotion „Über das Rückenmark niederer Fische“.
1882-1885 Arbeit als Sekundarzt im (alten) AKH.
Psychiatrischer Lehrer: Theodor Meynert.
Experimente mit Kokain (Selbstversuche und wissenschaftliche Publikationen/Veröffentlichung über lokalanästhetische Wirkung)
Ende der Kokainexperimente nach Überdosis eines Kollegen.
1885 Privatdozent für Neuropathologie.
Reifezeit:
Besuch von Charcot in Paris (1885): Rätsel der Hysterie.
Ausbildung in Hypnose in Nancy bei Hippolyte Bernheim.
Beginn der Arbeit als niedergelassener Neurologe/Psychiater.
Umzug in die Berggasse 19 im Jahr 1891.
Freundschaft mit Josef Breuer
Heirat mit Martha Bernays (1886)
6 Kinder, darunter Anna Freud
Entwicklung der Psychoanalyse:
Anfänglich Verwendung von Elektrotherapie, Hypnose und Suggestion.
In Zusammenarbeit mit Breuer Entwicklung eines genuin psychologischen Verständnisses der Hysterie zu dieser Zeit (1885-1895).
Bedeutung von Lebensgeschichten und traumatischen Ereignissen für Entstehung hysterischer Erkrankungen
scheinbar sinnlose hysterische Phänomene (z.B. Lähmungserscheinungen, Schmerzsymptome, Ohnmachtsanfälle) als Ausdruck unbewusster seelischer Konflikte.
„Geburtsstunde“ der Psychoanalyse
Erste psychoanalytische Patientin: Anna O. (Bertha Pappenheim), behandelt 1882 von Breuer.
Patientinnen haben ihn geleitet durch Erzählungen Freud begann mehr zuzuhören (damals unüblich gewesen, weil Arzt als überlegen galt)
Wenn Patientin alles erzählt → Besserung der Symptome
„Eingeklemmter Affekt“ → kathartische Methode
steht hinter den Symptomen
sobald sich der Affekt löst, verbessern sich die Symptome
Unangenehme Ereignisse werden in Unbewussten verdrängt
„Chimney sweeping“
„Talking Cure“
Freud: „Der Breuersche Fund ist noch heute die Grundlage der psychoanalytischen Therapie. Der Satz, dass Symptome verschwinden, wenn man ihre unbewussten Vorbedingungen bewusst gemacht hat, ist durch alle weitere Forschung bestätigt worden“
Studien über Hysterie (1895)
Freud ist Naturwissenschaftlicher Arzt, niedergelassener Neurologe, Psychiater (interessiert an Philosophie) – Epilepsie
Freud & Fließ
intensive Freundschaft
Briefe wurden großteils erhalten
1 Jahr Kongresse
Viel Informationsaustausch zwsch. den beiden
bestärken sich gegenseitig
Entwurf einer Psychologin
1895 auf Basis der neurologischen Kenntnisse des 19. Jh.
wurde nie veröffentlicht, aber wird dennoch heute immer noch mit den neuen Kenntnissen des 21. Jh. überprüft
Selbstanalyse
begann mit dem Tod seines Vaters (1897/1898)
Beginnt systematisch sein Innenleben zu erforschen
Traumaanalyse und Grundlagen des Ödipuskomplexes (später Kernkomplex)
Introspektiv
Grundlage der Psychoanalyse
Wichtige Werke:
„Die Traumdeutung“ (1899/1900)
Traum als „via regia“ (=Königsweg) zum Unbewussten
Erste Topik: Funktionsweise des Unbewussten (wird anhand der Träume beschrieben)
arbeitete viel mit Kinderwünschen (infantile Begierde)
Traumsymbole nicht von Bedeutung für Freud (nur selten erwähnt)
Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (1905)
Polymorph- perverse infantile Sexualität
Etablierung der Psychoanalyse
Gründung der „Psychologischen Mittwochsgesellschaft“ 1902 in der Berggasse: Adler, Stekel, Federn, Rank.
Wiener Psychoanalytische Vereinigung:
Gründung 1908 (1. Vorsitzender: Alfred Adler).
Internationale Verbreitung der Psychoanalyse:
Kontakte mit Klinik Burghölzli in Zürich: Bleuler, Jung.
Verbindung zu akademischer Psychiatrie und Psychologie
1. Internationaler Psychoanalytischer Kongress in Salzburg 1908.
1909 Reise nach Amerika.
Gründung der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung 1910 (1. Vorsitzender: C.G. Jung).
Verbreitung und Konflikte
In den 1910er Jahren: Spaltungen und Konflikte um die „richtige“ Lehre.
Bruch mit Adler und Jung.
Konsolidierung und weitere internationale Verbreitung nach dem 1. Weltkrieg.
Neue Zentren in Budapest (Ferenczi), Berlin (Abraham), London (Jones)…
Freudsche Weiterentwicklungen der Psychoanalyse
Metapsychologische und technische Schriften (1910er Jahren)
=Grundlagen der psychoanalytischen Theorie & Praxis.
“Spätwerk” ab 1920
Einführung des Todestriebs in „Jenseits des Lustprinzips“ (1920).
Einführung der Strukturtheorie (Ich, Es, Überich) in „Das Ich und das Es“ (1923)
Kulturtheoretische Schriften:
„Die Zukunft einer Illusion“ (1927)
„Das Unbehagen in der Kultur“ (1930).
Zäsur durch Nationalsozialismus
Vertreibung und Ermordung der meisten jüdischen AnalytikerInnen aus den vom Nazi-Herrschaften kontrollierten Ländern.
Bücherverbrennung von Freuds Werken.
Freud flüchtet nach dem Anschluss 1938 ins Londoner Exil (begleitet von Tochter Anna).
Tod von Freud (Sterbehilfe) wenige Wochen nach Ausbruch des 2. Weltkriegs am 23. September 1939.