Sozialentwicklung: Notizen

Verlauf der Sozialentwicklung

0-6 Monate alte Kinder

  • Sozialverhalten:
    • Umfasst jedes Verhalten im Umgang mit anderen Menschen.
    • Ist nicht angeboren, sondern muss erlernt werden.
  • Erste soziale Kontakte:
    • Entstehen zwischen Kind und Betreuungsperson (meist Mutter).
    • Mütter nehmen Kinder auf, sprechen mit ihnen, zeigen Gegenstände.
    • Kinder lauschen der Stimme, betrachten Gesichter und sind zufrieden bei Nähe und Zärtlichkeit.
  • Ausstattung des Neugeborenen:
    • Merkmale und Fähigkeiten bewegen Erwachsene zur Zuwendung und Kümmern.
    • a) Aussehen des Kindes:
      • Anblick löst automatisch Zuwendungsverhalten aus (Verhaltensforschung).
      • Kindchenschema: Hohe Stirn, große, tiefliegende Augen, ausgeprägte Wangen.
      • Erwachsene reagieren mit "niedlich" oder "süß".
    • b) Beachten von Signalen:
      • Bevorzugt Signale aus der Umwelt, die mit sozialer Beziehung zu tun haben.
      • Aufmerksam, lauscht Stimme, betrachtet Gesicht, beruhigt sich bei Aufnahme und Schaukeln.
    • c) Senden von Signalen:
      • Werden von Betreuungspersonen (Eltern, Großeltern, Erzieher) sozial gedeutet.
      • Lächeln und Anschmiegen lösen Zuwendung aus.
      • Weinen oder Anklammern in bedrohlichen Situationen.
      • Betreuungsperson bietet Nähe, Schutz und Trost.
      • Feinfühligkeit: Auf Signale achten und angemessen sowie zuverlässig reagieren.
    • Bindungsverhalten ist zunächst nicht auf eine bestimmte Person ausgerichtet.

6-18 Monate alte Kinder

  • Bindung zur Bezugsperson:
    • Entsteht, da Betreuungsperson sich in vorheriger Stufe in bedrohlichen Situationen zugewandt hat.
    • Bindungsverhalten wird aktiviert, wenn sich Kind unwohl fühlt (Hunger, Durst, Müdigkeit, Ängstlichkeit).
    • Bezugsperson wendet sich zu, spricht beruhigend, nimmt auf den Arm; Kind beruhigt und entspannt sich.
  • Erkennen der Bindung:
    • a) Alarmsituationen: Zuwenden zur Bezugsperson bei Müdigkeit, Krankheit oder Trostbedarf.
    • b) Fremdeln: Abwehrendes Verhalten gegenüber fremden Personen ab dem achten Lebensmonat (Acht-Monats-Angst).
      • Furchtsames Anschauen, versteifte Körperhaltung, Weinen oder Schreien.
    • c) Trennungsangst: Weinen und Schreien, verminderte Spielaktivität in unbekannter Umgebung ohne Bezugsperson.
      • Wichtig: Gute Bewältigung von Übergangssituationen (Familie -> Krippe/Kindergarten).
  • Qualität der Bindung:
    • Sichere Bindung:
      • Sensible Betreuung durch Eltern, Bedürfnisse berücksichtigt, Urvertrauen geschaffen.
      • Kinder trauen sich mehr zu, haben positive Grundstimmung, erkunden Umwelt.
    • Unsichere Bindung:
      • Ängstlich, zögerlich, kontaktscheu oder distanzlos.
      • Weinen, Stress, schwer zu beruhigen.
    • Sichere Bindung ist Grundlage für weitere soziale Kontakte.

1,5-3 Jahre alte Kinder

  • Entdeckung der eigenen Person:
    • Entscheidender Schritt im Ablösungsprozess von den Eltern.
    • Zwischen 1,5 und 3 Jahren erkennt Kind sich als eigene Person.
    • Verwendet "Ich" statt des Namens, erkennt sich im Spiegel.
  • Autonomiephase:
    • Kind versucht herauszufinden, was es alleine machen kann und wo Grenzen liegen.
    • Möchte Tätigkeiten selbst machen (Saft ausschenken, Haustür öffnen, Kleidung auswählen).
    • Bei Konflikten mit Erziehungspersonen kommt es zu Wutausbrüchen (stampfen, schreien, schlagen, auf den Boden werfen, Luft anhalten).
    • Kaum zu beruhigen, will sich nicht anfassen lassen, kapselt sich ab.
    • Nicht "Trotzphase", sondern Autonomiealter (Bestreben, Eigenständigkeit zu erproben).
    • Wichtig: Erwachsene bewahren Ruhe, Strafe ist nicht angebracht. Kinder wollen Grenzen erkennen.
  • Interesse an Gleichaltrigen:
    • Spiel noch nicht auf Sozialpartner bezogen, aber Zuschauen oder Nebeneinanderspielen.
    • Einfluss auf Sozialentwicklung.
    • Erlernen sozialer Verhaltensweisen: Einfühlen, Miterleben, Geben und Nehmen, Erzählen und Zuhören, Teilen.
    • Auseinandersetzung und Konfliktbewältigung sind wichtige soziale Erfahrungen.
    • Häufiger Konflikte durch Entdeckung der eigenen Person.
    • Kinder lernen, Bedürfnisse mit denen der Gruppe auszubalancieren.

Kindergarten- & Schulkindalter, Jugendalter

  • Erweiterung des sozialen Bezugssystems:
    • Übergang in Kindergarten/Schule erweitert soziales Bezugssystem (nicht immer reibungslos).
    • Familie oft einziger Bezug in ersten Lebensjahren.
    • Kinder kommen in Kindergartengruppe und müssen sich Regeln unterordnen.
    • Andere Kinder, Erzieher und Kinderpfleger sind anfangs fremd.
    • Müssen neue Bezugspersonen akzeptieren.
    • Leichtere Eingewöhnung bei ausgeglichener Situation zu Hause (Sicherheit).
    • Schwierige familiäre Situationen (Trennung, Umzug etc.) können Übergang erschweren.
  • Einfluss von Erziehern und Gleichaltrigen:
    • Kinder verbringen viele Stunden außerhalb der Familie.
    • Erzieher, Kinderpfleger und Lehrer werden zu wichtigen Vorbildern und Bezugspersonen.
    • Kinder werden selbstständiger und kritischer gegenüber Erwachsenen.
    • Benötigen weiterhin Zuwendung und Geborgenheit.
    • Gruppe der Gleichaltrigen wird wichtiger.
    • Erlernen sozialer Verhaltensweisen wie Konfliktbewältigung.
    • Freund- und Feindschaften in der Schule beeinflussen soziale Entwicklung.
  • Jugendalter:
    • Bewusste emotionale Ablösung von den Eltern.
    • Häufig Konflikte mit den Eltern.
    • Regeln werden infrage gestellt.
    • Jugendliche möchten mehr Freiheit, selbst entscheiden und sich nichts von Eltern sagen lassen.
    • Probleme werden mit Gleichaltrigen besprochen, Freundeskreis wird wichtiger.
    • Erwachsene sollten Halt geben, um Kontakt nicht zu verlieren.
  • Bedeutung der Sozialentwicklung:
    • Studien haben ergeben, dass Kinder mit sicherer Bindung im Jugendalter ausgeglichener und selbstsicherer sind. Sie haben eine positivere Grundstimmung und können besser mit Konflikten umgehen. Eine sichere Bindung hilft ihnen dabei, auch im späteren Leben anderen Menschen zu vertrauen und eine positive Lebenseinstellung zu entwickeln. Außerdem schützt sie vor Gefahren, wie Drogenkonsum. Kognitive Fähigkeiten, wie die Entwicklung des Denkens, werden auch positiv beeinflusst.
    • Der Kontakt mit Gleichaltrigen ermöglicht es dem Kind Sozialerfahrungen zu machen. Die Beziehung zwischen Kindern und Erwachsenen unterscheidet sich, weil zwischen Gleichaltrigen die Machtverhältnisse anders sind. Kinder lernen im Kontakt mit Gleichaltrigen Austauschregeln, wie Geben und Nehmen. Kinder, die diese Regeln beherrschen, sind zudem beliebter.

Handlungssituationen

  • Kindergarten St. Johannes:
    • Annika (1,5 Jahre): Erkundet Umgebung, sucht Blickkontakt zur Mutter.
    • Sina (1 Jahr): Weint viel beim Abschied der Mutter, wendet sich ab, schwer zu beruhigen.
    • Melanie (4 Monate): Fordert Aufmerksamkeit, klammert sich an Praktikantin.
  • Sonnenblumengruppe:
    • Felix (3 Jahre): Spielt friedlich, reagiert nicht auf Aufforderung zum Aufräumen, Schreien, wirft mit Holzsteinen.
    • Susi (3 Jahre): Zurückhaltend, wenig Kontakte, spielt alleine in der Puppenecke.
    • Bruder Andreas (12 Jahre): Schwierig im Hort, streitet mit Eltern und Schulkameraden.

Aufgabe Handlungssituation

  • Kindergarten Sonnenstrahl:
    • Mia (3 Jahre): Neu in der Regenbogengruppe, zurückhaltend, schüchtern, weint beim Abschied, Daumen im Mund, Bauchschmerzen.
    • Mutter bringt Mia zur Türschwelle, schiebt sie rein, wendet sich ab, zieht Mia zurück in den Raum, fordert Ablenkung.
    • Hält Abholzeiten selten ein.
    • Mia spielt vertieft mit Puzzle, malt gerne, still in Kreissituationen, nimmt nicht teil, klammert sich fest, sagt "Das kann ich nicht!".