Schwangerschaftspathologie – Kurznotizen

Seite 2 – Schwangerschaftsdauer und Terminologie

  • Dauer: 280282d (pm)280\text{–}282\,\text{d (pm)} bzw. 266267d (pc)=40266\text{–}267\,\text{d (pc)}=40 volle SSW

  • Zyklusbeginn = 1. Tag letzter Menstruation

  • Begriffe: Embryo bis Ende 12.12. SSW (pm); Fötus ab 12.12. SSW

  • Nur 4%\approx4\% aller SS. enden exakt am ET

Seite 7–10 – Implantationsanomalien im Uterus

  • Placenta praevia: tiefer Sitz → marginal, partial, total

  • Übermäßige Implantationstiefe:
    • Placenta accreta (75–78 %) – an Decidua­schicht
    • Placenta increta (17 %) – bis Myometrium
    • Placenta percreta (5 %) – durch Myometrium/Serosa

Seite 11–15 – Extrauterine Gravidität

  • Def.: Implantation außerhalb Uterus, 90%90\% in Tube

  • Ursache: gestörter Tubentransport

  • Symptome ab 5.5. SSW: einseitiger Schmerz, Blutung, Schock

Seite 16–19 – Früh- & Spätabort, Fetozid

  • Frühabort (<12121414 SSW): Häufigkeit 78%\le78\%; oft unbemerkt

  • Spontan- vs. medizinischer vs. krimineller Abort

  • Hauptursachen Spontanabort: genetisch (bis 80%80\%), Hormone, Infektionen

  • Spätabort: 13132424 SSW, Fœtus <500g500\,\text{g}, keine Lebenszeichen

  • Fetozid: gezielte Tötung Fötus (Reduktion, Genanomalie)

Seite 20–29 – Pränataldiagnostik

  • Routinemäßige US-Screenings: 12121414 SSW, 2020 SSW, 3030 SSW

  • Ersttrimester-Screening: NT-Messung, Risiko Trisomie 2121/Präeklampsie

  • Biochemie (11+011+013+613+6 SSW): \downarrow PAPP-A, \uparrow f β-HCG → Hinweis T2121
    • Nur Blut: Erkennung 65%\approx65\%
    • In Kombi mit US/Alter: 90%\approx90\%

  • NIPT (Harmony, PraenaTest): zellfreies fötales DNA-Screening

  • Invasiv: Chorionzottenbiopsie, Amniozentese, Plazentapunktion, Kordozentese

Seite 30 – Ursachen Spätabort

  • Aufsteigende Infektion (häufig)

  • Zervix- / Plazenta­insuffizienz, Fehlbildungen, Mehrlinge

  • Systemische Infektionen (Masern, CMV, Röteln, Hepatitis, Toxoplasmose, Listeriose)

  • Hormone, Drogen, Stress, sozioökonomische Faktoren

Seite 31–34 – Plazenta: Aufbau & Funktion

  • Grenzorgan Mutter–Kind; kein direkter Blutaustausch

  • Funktionen: Atmung, Ernährung, Exkretion, Hormone, Immunbarriere

  • Zottenbaum: 1 Stamm-, 2 Zwischen-(zentral unreif / peripher reif), 3 Endzotten

  • Nabelschnur: 22 Aa. umbilicales + 11 V. umbilicalis

Seite 41 – Chronische Plazentainsuffizienz

  • Ursachen: Fehlentwicklung, maternale Hyper-/Hypotonie, Diabetes, Infektionen, Präeklampsie, Rauchen, Mangelernährung

Seite 45–48 – Zwillingsschwangerschaft

  • Zygosität: mono- (33%\approx33\%) vs. di-zygot (66%\approx66\%)

  • Plazentation:
    • Dichorial-diamniot 72%\approx72\%
    • Monochorial-diamniot 26%\approx26\%
    • Monochorial-monoamniot 1%\approx1\%

  • Risiko monochorialer SS: Twin-Twin-Transfusion Syndrom (TTTS)

Seite 48–55 – TTTS

  • Ursache: AA-/VV-Plazentaanastomosen → Volumenungleichgewicht

  • Prognose unbehandelt: 90%\approx90\% Tod ≥1 Feten

  • Therapie: Laserkoagulation, selektiver Fetozid; Komplikationen (Wehen 20%20\%, PROM 2%2\%)

  • Outcome nach Laser: Überleben 1 Kind 7080%70\text{–}80\%, beide 33%\approx33\%; Entwicklungs­defizite 8%\approx8\%

Seite 56–59 – Fetale Chirurgie

  • Indikationen: Spina bifida, Zwerchfellhernie (FETO), TTTS u.a.

  • Prinzip: endoskopische/interventionelle Verfahren in utero zur Reduktion Morbidität/Mortalität

Wichtige Definitionen (Schnell-Check)

• Embryo: bis 12.12. SSW • Fötus: ab 12.12. SSW
• Frühabort: <14.14. SSW • Spätabort: 13132424 SSW • Totgeburt: ≥24.24. SSW
• Placenta accreta/increta/percreta: zunehmende Invasionstiefe
• TTTS: volumetrischer Ungleichverteilungs­zustand monochorialer Zwillinge

Seite 2 – Schwangerschaftsdauer und Terminologie
  • Dauer: Die durchschnittliche Schwangerschaftsdauer beträgt etwa 280282280\text{–}282
    Tage, gerechnet ab dem ersten Tag der letzten Menstruation (post menstruationem, pm),
    was 4040 vollen Schwangerschaftswochen (SSW) entspricht. Alternativ wird die Dauer
    auch vom Zeitpunkt der Empfängnis an berechnet (post conceptionem, pc),
    was etwa 266267266\text{–}267 Tagen entspricht.

  • Zyklusbeginn: Der erste Tag der letzten Menstruation ist der offizielle
    Referenzpunkt für die Berechnung der Schwangerschaftsdauer und des voraussichtlichen
    Geburtstermins (ET).

  • Begriffe: Der Begriff "Embryo" wird für den sich entwickelnden Organismus bis zum
    Ende der 12.12. Schwangerschaftswoche (pm) verwendet. Ab Beginn der 13.13. SSW wird
    der sich entwickelnde Organismus als "Fötus" bezeichnet, da alle großen Organsysteme
    angelegt sind und die Reifungs- und Wachstumsphase beginnt.

  • Geburtstermin: Nur etwa %4\%4 aller Schwangerschaften enden exakt am
    berechneten Geburtstermin (ET). Die meisten Geburten treten innerhalb eines
    Fensters von zwei Wochen vor oder nach dem ET auf.

Seite 7–10 – Implantationsanomalien im Uterus
  • Placenta praevia: Beschreibt eine gestörte Einnistung der Plazenta, bei der diese tief im Uterus sitzt und den inneren Muttermund ganz oder teilweise bedeckt. Dies kann zu schweren Blutungen führen.

    • Marginal: Die Plazenta reicht bis an den inneren Muttermund heran.

    • Partial (partiell): Die Plazenta bedeckt einen Teil des inneren Muttermunds.

    • Total (totalis): Die Plazenta bedeckt den gesamten inneren Muttermund.

  • Übermäßige Implantationstiefe (Placenta accreta spectrum): Hier wächst der Zottenbaum der Plazenta abnorm tief in die Gebärmutterwand ein, was die physiologische Lösung der Plazenta nach der Geburt erschwert oder unmöglich macht und zu starken Blutungen führen kann.

    • Placenta accreta (7578%75\text{–}78\%): Die Plazenta wächst fest mit der
      Deciduaschicht (innere Uterusschleimhaut) zusammen, ohne die tieferen
      Muskelschichten zu durchdringen. Die Haftung an der Decidua ist abnormal fest.

    • Placenta increta (17%17\%): Die Zotten reichen bis in oder durch das
      Myometrium (die Muskelschicht der Gebärmutter) hinein.

    • Placenta percreta (5%5\%): Die Plazenta durchdringt das gesamte Myometrium
      und erreicht oder durchbricht die Serosa (äußere Schicht der Gebärmutter),
      möglicherweise auch benachbarte Organe wie die Harnblase oder den Darm. Dies ist
      die schwerste Form und erfordert oft eine Hysterektomie.

Seite 11–15 – Extrauterine Gravidität
  • Definition: Eine extrauterine Gravidität (EUG) liegt vor, wenn sich die
    befruchtete Eizelle außerhalb der Gebärmutterhöhle einnistet. In etwa %90\%90 der
    Fälle erfolgt die Implantation in der Tube (Eileiterschwangerschaft).

  • Ursache: Die Hauptursache ist ein gestörter Transport der Eizelle durch den
    Eileiter, oft bedingt durch Adhäsionen, Entzündungen (z.B. Chlamydien-Infektionen),
    Endometriose, vorherige Operationen an Eileitern oder Becken oder Missbildungen der
    Tube.

  • Symptome: Treten typischerweise ab der 5.5. SSW auf und umfassen einseitige,
    stechende Unterleibsschmerzen, vaginale Schmierblutungen, und bei Ruptur des Eileiters
    können Zeichen eines hypovolämischen Schocks auftreten (z.B. Kreislaufkollaps, starke
    Schmerzen, Blässe).

Seite 16–19 – Früh- & Spätabort, Fetozid
  • Frühabort (< 121412\text{–}14 SSW): Ein Spontanabort vor der 12.12. bis 14.14.
    Schwangerschaftswoche. Die Häufigkeit liegt bei bis zu %78\%78 aller klinisch
    erkennbaren Schwangerschaften; viele frühe Aborte bleiben jedoch aufgrund ihrer
    Symptome (ähnlich einer starken Menstruationsblutung) unbemerkt.

  • Arten des Aborts:

    • Spontanabort: Unwillkürlicher Verlust der Schwangerschaft.

    • Medizinischer Abort: Gezielter Abbruch der Schwangerschaft aus medizinischen
      Gründen (z.B. Gefahr für das Leben der Mutter oder schwere fetale Anomalien).

    • Krimineller Abort: Illegal durchgeführter Schwangerschaftsabbruch.

  • Hauptursachen Spontanabort:

    • Genetisch (bis %80\%80): Chromosomenanomalien (z.B. Trisomien, Monosomien) sind
      die häufigste Ursache, insbesondere bei frühen Aborten.

    • Hormonell: Ungleichgewichte, z.B. Progesteronmangel.

    • Infektionen: Systemische Infektionen der Mutter, die den Fötus schädigen können.

    • Strukturelle Anomalien des Uterus: Uterusfehlbildungen oder Myome.

  • Spätabort: Tritt zwischen der 13.13. und 24.24. SSW auf. Definiert als der Verlust
    eines Fötus mit einem Gewicht von weniger als 500500
    Gramm, der keine Lebenszeichen bei der Geburt aufweist.

  • Fetozid: Die gezielte Beendigung des Lebens eines Fötus in utero.

    • Indikationen: Kann bei selektiver Reduktion in Mehrlingsschwangerschaften
      (z.B. bei monochorialer Schwangerschaft und TTTS) oder bei schweren genetischen
      Anomalien oder Fehlbildungen des Fötus durchgeführt werden, die mit dem Leben nicht
      vereinbar sind oder eine schwere Morbidität bedeuten würden.

Seite 20–29 – Pränataldiagnostik
  • Routinemäßige Ultraschall-Screenings:

    • 121412\text{–}14 SSW (Ersttrimester-Screening): Beurteilung der Fruchthöhle,
      Darstellung früher fetaler Strukturen, Messung der Nackentransparenz (NT).

    • 2020 SSW (Zweittrimester-Screening/Fehlbildungsultraschall): Ausführliche
      morphologische Untersuchung aller fetaler Organe zur Erkennung von Fehlbildungen,
      Beurteilung des Wachstums und der Lage der Plazenta.

    • 3030 SSW (Dritttrimester-Screening): Wachstumskontrolle, Beurteilung der
      Lage des Fötus und der Plazenta, Messung der Fruchtwassermenge.

  • Ersttrimester-Screening (ETS): Eine Kombination aus Ultraschallmessungen
    (Nackentransparenz, NT) und biochemischen Markern im mütterlichen Blut, kombiniert mit
    dem mütterlichen Alter. Dient der Risikoberechnung für häufige Chromosomenstörungen wie
    Trisomie 2121 (Down-Syndrom) und Trisomie 1818 (Edwards-Syndrom) sowie dem Risiko
    für Präeklampsie.

  • Biochemie (11+013+611+0\text{–}13+6 SSW): Marker im mütterlichen Serum:

    • Erniedrigtes PAPP-A (\,(\downarrow PAPP-A): "Pregnancy-Associated Plasma Protein A".

    • Erhöhtes f $\beta$-HCG (\,(\uparrow f $\beta$-HCG): "freies Beta-humanes Choriongonadotropin".

    • Diese Kombination ist ein starker Hinweis auf Trisomie 2121. Die Erkennungsrate
      allein durch Bluttests liegt bei etwa %65\%65. In Kombination mit der NT-Messung
      und dem mütterlichen Alter steigt die Erkennungsrate auf etwa %90\%90.

  • NIPT (Nicht-invasiver Pränataltest) (Harmony, PraenaTest): Analyse der zellfreien
    fötalen DNA (cfDNA) aus dem mütterlichen Blut. Bietet eine hohe Sensitivität und
    Spezifität für Trisomie 2121, 1818, 1313 und die Geschlechtschromosomen. Geringes
    falsch-positives Ergebnis und keine Invasivität.

  • Invasive Pränataldiagnostik: Diese Verfahren bergen ein geringes Fehlgeburtsrisiko, liefern aber eine definitive Diagnose.

    • Chorionzottenbiopsie (CVS): Entnahme einer Gewebeprobe aus der Plazenta (Chorionzotten),
      meist zwischen der 11.11. und 14.14. SSW. Schnellere Ergebnisse.

    • Amniozentese (AC): Entnahme von Fruchtwasser, meist ab der 15.15. SSW.
      Analyse fetaler Zellen im Fruchtwasser.

    • Plazentapunktion: Eine seltenere Methode zur direkten Entnahme von Plazentagewebe.

    • Kordozentese: Entnahme von Blut aus der Nabelschnur, meist nach der 18.18. SSW,
      wenn schnellere Ergebnisse oder eine Blutanalyse des Fötus erforderlich sind.

Seite 30 – Ursachen Spätabort
  • Aufsteigende Infektion (häufig): Bakterielle Infektionen, die vom Vaginal- und
    Zervixbereich aufsteigen und zu einer Entzündung der Eihäute und vorzeitigen Wehen
    führen können.

  • Zervixinsuffizienz: Eine vorzeitige Öffnung oder Verkürzung des Gebärmutterhalses
    (Zervix), die den Fötus nicht mehr halten kann.

  • Plazentainsuffizienz: Eine unzureichende Funktion der Plazenta, die die Versorgung
    des Fötus beeinträchtigt.

  • Fehlbildungen: Schwere fetale Fehlbildungen, die nicht mit dem Leben vereinbar sind.

  • Mehrlinge: Bei Mehrlingsschwangerschaften besteht ein erhöhtes Risiko für einen
    Spätabort, insbesondere bei Komplikationen wie TTTS.

  • Systemische Infektionen der Mutter:

    • Masern, CMV (Zytomegalievirus), Röteln, Hepatitis, Toxoplasmose, Listeriose.

    • Diese Infektionen können direkt den Fötus schädigen oder zu Plazentaentzündungen
      und damit zum Abort führen.

  • Weitere Faktoren: Materielle Hormonstörungen, Drogenmissbrauch, starker Stress
    und ungünstige sozioökonomische Bedingungen können ebenfalls das Risiko eines
    Spätaborts erhöhen.

Seite 31–34 – Plazenta: Aufbau & Funktion
  • Grenzorgan Mutter–Kind: Die Plazenta ist ein temporäres Organ, das eine
    lebenswichtige Verbindung zwischen der Mutter und dem Fötus herstellt. Es gibt
    keinen direkten Blutaustausch zwischen Mutter und Fötus; stattdessen findet der
    Austausch von Nährstoffen, Gasen und Abfallprodukten über die Plazentaschranke statt.

  • Funktionen: Die Plazenta übernimmt eine Vielzahl entscheidender Aufgaben:

    • Atmung: Sauerstoffaufnahme aus dem mütterlichen Blut und Abgabe von Kohlenstoffdioxid
      aus dem fetalen Blut.

    • Ernährung: Transport von Nährstoffen (Glukose, Aminosäuren, Fettsäuren,
      Vitamine) vom mütterlichen zum fetalen Kreislauf.

    • Exkretion: Entfernung von Stoffwechselprodukten (Harnstoff, Kreatinin) aus
      dem fetalen Blut in den mütterlichen Kreislauf zur Ausscheidung.

    • Hormone: Produktion wichtiger Schwangerschaftshormone wie HCG (humanes
      Choriongonadotropin), Progesteron und Östrogen, die für den Erhalt der Schwangerschaft
      und die fetale Entwicklung essentiell sind.

    • Immunbarriere: Schutz des Fötus vor mütterlichen Immunreaktionen und Transfer von
      mütterlichen Antikörpern (IgG) zum Fötus für passiven Immunschutz.

  • Zottenbaum: Das funktionelle Element der Plazenta, bestehend aus einem verzweigten System von Zotten, die die Austauschfläche maximieren. Die Struktur umfasst:

    • 1 Stammzotten: Bilden die Hauptachse und sind mit fetalen Gefäßen durchzogen.

    • 2 Zwischenzotten: Entwickeln sich aus den Stammzotten und können unreife (zentral)
      oder reife (peripher) Formen annehmen. Die reifen Zwischenzotten sind reich an
      Austauschgefäßen.

    • 3 Endzotten: Die feinsten Verzweigungen, die den größten Teil des Austauschs
      zwischen mütterlichem und fetalem Blut ermöglichen.

  • Nabelschnur: Verbindet den Fötus mit der Plazenta und enthält:

    • 22 Aa. umbilicales (Nabelarterien): Transportieren sauerstoffarmes
      und nährstoffarmes Blut vom Fötus zur Plazenta.

    • 11 V. umbilicalis (Nabelvene): Transportiert sauerstoffreiches und
      nährstoffreiches Blut von der Plazenta zum Fötus.

Seite 41 – Chronische Plazentainsuffizienz
  • Ursachen: Eine anhaltende und unzureichende Funktion der Plazenta führt zu einer beeinträchtigten Versorgung des Fötus. Häufige Ursachen sind:

    • Fehlentwicklung der Plazenta: Eine unvollständige oder gestörte Ausbildung der
      Plazenta in der Frühschwangerschaft.

    • Maternale Hypertonie/Hypotonie: Extrem hoher oder niedriger Blutdruck der Mutter,
      der die Durchblutung der Plazenta stören kann.

    • Diabetes mellitus der Mutter: Unkontrollierter mütterlicher Diabetes kann zu
      Gefäßveränderungen in der Plazenta führen.

    • Infektionen: Chronische oder wiederkehrende Infektionen, die die Plazenta schädigen.

    • Präeklampsie: Eine Gestose, die mit hohem Blutdruck und Proteinurie einhergeht und
      die Plazentafunktion stark beeinträchtigt.

    • Rauchen und Drogenmissbrauch: Verengen die Gefäße und reduzieren den Blutfluss zur
      Plazenta.

    • Mangelernährung der Mutter: Führt zu einer unzureichenden Nährstoffversorgung
      des Fötus.

Seite 45–48 – Zwillingsschwangerschaft
  • Zygosität: Beschreibt die Entstehung von Zwillingen:

    • Monozygot ($\%33$): "Eineiige" Zwillinge, die aus einer einzigen befruchteten
      Eizelle entstehen, die sich früh teilt. Sie besitzen die gleiche genetische Ausstattung.

    • Dizygot ($\%66$): "Zweieiige" Zwillinge, die aus zwei separat befruchteten
      Eizellen entstehen. Sie sind genetisch so verschieden wie normale Geschwister.

  • Plazentation: Bezieht sich auf die Anzahl der entwickelten Plazenten (Chorion) und Fruchtblasen (Amnion). Dies ist entscheidend für die Risikobeurteilung von Zwillingsschwangerschaften:

    • Dichorial-diamniot ($\%72$): Jedes Kind hat eine eigene Plazenta (oder zwei
      miteinander verschmolzene) und eine eigene Fruchtblase. Dies ist die häufigste und
      risikoärmste Form, typisch für dizygote Zwillinge und etwa ein Drittel der monozygoten.

    • Monochorial-diamniot ($\%26$): Die Zwillinge teilen sich eine Plazenta, haben
      aber jeweils eine eigene Fruchtblase. Diese Form kommt nur bei monozygoten Zwillingen
      vor und birgt spezifische Risiken aufgrund der geteilten Plazenta.

    • Monochorial-monoamniot ($\%1$): Die seltenste und risikoreichste Form, bei
      der monozygote Zwillinge eine gemeinsame Plazenta und eine gemeinsame Fruchtblase
      teilen. Hohes Risiko für Nabelschnurkomplikationen.

  • Risiko monochorialer SS: Das Twin-Twin-Transfusion Syndrom (TTTS) ist die
    schwerwiegendste Komplikation bei monochorialen Schwangerschaften, bei denen ein Kind
    Blut an das andere abgibt.

Seite 48–55 – TTTS
  • Ursache: Das Twin-Twin-Transfusion Syndrom (TTTS) entsteht ausschließlich bei monochorialen Zwillingsschwangerschaften durch ungleichmäßige Blutgefäßverbindungen (Anastomosen) in der gemeinsamen Plazenta. Es kommt zu einer unbalancierten Blutübertragung von einem Zwilling (Donator, der hypovolämisch und anämisch wird) zum anderen (Rezipient, der hypervolämisch und polyzythämisch wird), was zu einem Volumenungleichgewicht führt.

    • AA- (Arterio-arteriell) / VV- (Venovenös) Plazentaanastomosen: Dies sind die
      direkten Gefäßverbindungen zwischen den Kreisläufen der Zwillinge in der Plazenta.

  • Prognose unbehandelt: Ohne Behandlung ist die Prognose für monochoriale Zwillinge mit
    TTTS sehr schlecht, mit einer Mortalität von etwa %90\%90 für mindestens einen Fötus.
    Der Donator kann an Anämie und Hypovolämie sterben, der Rezipient an Herzversagen durch
    Volumenüberlastung.

  • Therapie:

    • Laserkoagulation (Fetoskopische Laserkoagulation der Anastomosen, FLOC): Ein
      minimal-invasiver Eingriff, bei dem die verbindenden Blutgefäße auf der Plazenta mittels
      Laserenergie verschlossen werden, um den ungleichen Blutaustausch zu unterbinden. Dies
      ist die Therapie der Wahl.

    • Selektiver Fetozid: Kann in schweren Fällen oder bei sehr fortgeschrittenem TTTS
      in Erwägung gezogen werden, um das Überleben des gesünderen Zwillings zu ermöglichen.

    • Komplikationen der Therapie: Trotz des Nutzens können Komplikationen auftreten,
      darunter vorzeitige Wehen (etwa %20\%20) und vorzeitiger Blasensprung (PROM, etwa %2\%2).

  • Outcome nach Laserbehandlung:

    • Das Überleben von mindestens einem Kind liegt bei etwa %7080\%70\text{–}80.

    • Das Überleben beider Zwillinge liegt bei etwa %33\%33.

    • Etwa %8\%8 der überlebenden Kinder können neurologische Entwicklungsdefizite
      (z.B. Zerebralparese, kognitive Beeinträchtigungen) aufweisen.

Seite 56–59 – Fetale Chirurgie
  • Indikationen: Fetale Chirurgie (Eingriffe am ungeborenen Kind im Mutterleib) wird bei bestimmten schweren Fehlbildungen durchgeführt, um die Prognose zu verbessern oder das Leben des Kindes zu retten.

    • Spina bifida aperta: Offener Rückenmarkskanal, der zu neurologischen Defiziten
      führt. Intrauterine Operationen können die neurologischen Ergebnisse verbessern.

    • Zwerchfellhernie (konnatale Zwerchfellhernie, CDH): Ein Defekt im Zwerchfell,
      der Organe des Bauchraums in den Brustraum verlagern lässt und die Lungenentwicklung
      hemmt. Die fetale endoskopische Trachealokklusion (FETO) ist eine häufig angewendete
      Methode, um die Lungenentwicklung zu fördern.

    • TTTS: Bei schweren Formen des Twin-Twin-Transfusion Syndroms (siehe oben).

    • Urologische Obstruktionen: Blockaden im Harntrakt des Fötus, die die Nieren
      schädigen können.

  • Prinzip: Die fetale Chirurgie umfasst spezialisierte endoskopische oder offene
    interventionelle Verfahren, die in utero (im Mutterleib) durchgeführt werden, um die
    Morbidität (Krankheitslast) und Mortalität (Sterblichkeit) des Fötus zu reduzieren.
    Ziel ist es, die Entwicklung kritischer Organsysteme zu unterstützen oder zu korrigieren,
    bevor irreversible Schäden entstehen.

Wichtige Definitionen (Schnell-Check)
  • Embryo: Der sich entwickelnde Organismus bis zum Ende der 12.12. SSW (post menstruationem).

  • Fötus: Der sich entwickelnde Organismus ab Beginn der 13.13. SSW.

  • Frühabort: Verlust der Schwangerschaft vor der 14.14. Schwangerschaftswoche.

  • Spätabort: Verlust der Schwangerschaft zwischen der 13.13. und 24.24. SSW, bei
    einem Fötus unter 500500 Gramm ohne Lebenszeichen.

  • Totgeburt: Die Geburt eines Fötus ab einer SSW von \ge 24.24.
    oder einem Geburtsgewicht von \ge 500500 Gramm, der keine Lebenszeichen aufweist.

  • Placenta accreta/increta/percreta: Beschreibt eine zunehmende Tiefe der Invasion
    der Plazentazotten in die Gebärmutterwand (Decidua, Myometrium, Serosa).

  • TTTS (Twin-Twin-Transfusion Syndrom): Ein volumetrischer Ungleichverteilungszustand
    des Blutes in monochorialen Zwillingsschwangerschaften aufgrund unausgeglichener
    Gefäßanastomosen in der gemeinsamen Plazenta.