Individuen und Populationen: Grundkonzepte und Dynamik
Individuen und Populationstypen
- Definition Population: Nach Wilhelm Johannsen (1903) eine Gruppe von Individuen der gleichen Art, die eine Fortpflanzungsgemeinschaft bilden und zeitgleich in einem einheitlichen Areal leben.
- Unitare Organismen: Besitzen eine vorhersagbare Körperform (z. B. Mensch, Spinne mit acht Beinen, Kohlmeise).
- Modulare Organismen: Wachsen durch ständige Bildung von Modulen; Körperform ist unvorhersehbar und oft verzweigt (z. B. Äste eines Baumes, Korallen).
Räumliche Verteilung und Populationsgröße
- Abundanz: Gesamtzahl der Individuen.
- Individuendichte: Anzahl der Individuen pro Fläche oder Volumen.
- Verteilungsmuster:
- Zufällig: Unvorhersehbare Verteilung.
- Regelmäßig: Häufig durch innerartliche Konkurrenz (z. B. Seevogelbrutplatz).
- Aggregiert: Gruppenweise Verteilung, oft ressourcenbedingt (z. B. Regenwürmer).
- Fang-Wiederfang-Methode: Zur Bestimmung der Populationsgröße N:
N=mnM
(M = markierte Individuen, n = Stichprobe des Wiederfangs, m = markierte Individuen im Wiederfang).
Lebenszyklen und Fortpflanzungsstrategien
- Phasen: Geburt, Jugendphase, Fortpflanzungsphase, Postreproduktive Phase, Tod durch Seneszenz.
- Generationsfrequenz: Univoltin (eine Generation/Jahr), bi-, tri- oder polivoltin (mehrere Generationen/Jahr).
- Pflanzentypen: Anuelle (Einjährige), Bienne (Zweijährige), Perennierende (Mehrjährige).
- Reproduktionstypen:
- Iteropar: Mehrmalige Fortpflanzung im Leben (z. B. Kohlmeise, Mensch).
- Semelpar: Einmalige Fortpflanzung mit anschließendem Tod (z. B. Pazifische Lachse Oncorhynchus, Eintagsfliegen, Gartenbambus Fargesiamurielae).
Populationswachstum und Dynamik
- Einflussfaktoren: Geburtenrate (Natalität), Sterberate (Mortalität), Einwanderung (Immigration) und Auswanderung (Emigration).
- Wachstumsmodelle:
- Exponentielles Wachstum: Tritt bei unbegrenzten Ressourcen auf (r>0).
- Logistisches Wachstum: Wachstum wird durch die Kapazität K (carrying capacity) begrenzt.
- Stochastizität: Zufallsabhängige Schwankungen durch Demographie oder Umweltbedingungen (Witterung, Katastrophen).
Konzepte der Konkurrenz
- Intraspezifische Konkurrenz: Wettbewerb innerhalb einer Art um Ressourcen; reguliert die Populationsdichte und führt zum "Survival of the fittest" (z. B. Siblizid).
- Interspezifische Konkurrenz: Wettbewerb zwischen verschiedenen Arten.
- Konkurrenztypen (Schoener 1983): Konsumption, rasche Besiedelung, Überwachsen, chemische Interaktion (Allelopathie, z. B. Juglon beim Walnussbaum), Revierverhalten, direkte Begegnung.
- Konkurrenz-Ausschluss-Prinzip (Gause-Volterra-Prinzip): Arten mit identischen Ansprüchen an begrenzte Ressourcen können nicht dauerhaft am selben Ort koexistieren.
Ökologische Nische und Strategietypen
- Fundamentale Nische: Potenzielle Nische ohne interspezifische Konkurrenz.
- Realisierte Nische: Tatsächlich besetzter Bereich unter Einfluss von Konkurrenz.
- r-Strategen: Fokus auf Quantität; hohe Vermehrungsrate, kurze Lebensdauer, besiedeln instabile Lebensräume (z. B. Grasfrosch Ranatemporaria, Löwenzahn).
- K-Strategen: Fokus auf Qualität; geringe Vermehrungsrate, lange Lebensspanne, intensive Brutpflege, stabile Lebensräume (z. B. Steinadler, Mensch).