Sturm und Drang – Zusammenfassung
Sturm und Drang (1765-1784)
Kontext und Einordnung
- Zeitalter: Eine literarische und kulturelle Bewegung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
- Abgrenzung: Zwischen Aufklärung und Klassik.
- Weitere Epochen: Frühmittelalter (500-1180), Hochmittelalter (1170-1250), Spätmittelalter (1250-1500), Renaissance, Barock, Aufklärung, Empfindsamkeit, Klassik, Romantik, Biedermeier, Vormärz & Junges Deutschland, Realismus, Naturalismus, Impressionismus, Expressionismus, Trümmerliteratur, Weimarer Republik, Exilliteratur, Neue Sachlichkeit, Avantgarde, Nationalsozialismus, Nachkriegszeit, DDR/BRD, Postmoderne, Neue Subjektivität
- Zeitliche Einordnung anhand von Jahreszahlen: 1500, 1525, 1550, 1575, 1600, 1625, 1650, 1675, 1700, 1725, 1750, 1775, 1800, 1825, 1850, 1875, 1900, 1925, 1950, 1975
Abgrenzung zur Aufklärung
- Zentraler Unterschied:
- Aufklärung: Betonung der Vernunft.
- Sturm und Drang: Betonung starker Gefühle.
Rebellion gegen die Aufklärung
- Rebellion: Aufstand, offene Auflehnung gegen die Vernunftorientierung der Aufklärung.
- Forderung der Aufklärung: Freiheit des Geistes durch Verstand.
- Kant: Entfliehen der Unmündigkeit durch Verstand (Immanuel Kant).
Wissen und Macht
- Zitat Francis Bacon: "Wissen ist Macht."
Literatur als Bildungsmittel
- Literatur als Mittel zur Bildung des Menschen.
Gesellschaftlicher Wandel
- Niedergang des Adels: Gesellschaftlicher Umbruch.
- Aufstieg des Bürgertums: Stärkung des Bürgertums.
- Eröffnung eines naturwissenschaftlichen Weltbilds:
- Empirismus: Erkenntnis durch Erfahrung.
- Rationalismus: Erkenntnis durch Vernunft.
Gegensätze: Aufklärung vs. Sturm und Drang
- Verstand & Vernunft (Aufklärung) vs. Starke Gefühle (Sturm und Drang).
- Wissenschaftliche Beweise (Aufklärung) vs. Vergöttlichung der Natur (Sturm und Drang).
- „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“ (Aufklärung) vs. „Zurück zur Natur“ (Sturm und Drang).
- Ganz Europa (Aufklärung) vs. Vor allem Deutschland (Sturm und Drang).
- Ältere Generationen (Aufklärung) vs. Junge Generationen (20-30 Jahre alt) (Sturm und Drang).
- Strenges Regelwerk für Lyrik, Epik und Dramatik (Aufklärung) vs. Freie Formen, Originalität (Sturm und Drang).
Gemeinsamkeiten
- Gegen den Absolutismus.
- Für den Niedergang des Adels.
- Für den Aufstieg des Bürgertums.
Das Originalgenie
- Leitbild des Sturm und Drangs:
- Lebt nach eigenen Wünschen und Regeln.
- Unterordnet sich nicht Autoritäten.
- Oberstes Ziel: Selbstentfaltung.
Geniekult
- Jeder Mensch als einzigartiges, gottähnliches Wesen.
- Freie Entfaltung des Einzelnen.
- Potenzial zum Genie, wenn man sich von Normen löst.
- Folgen des eigenen Willens und der Gefühle.
Literarische Gattungen
- Drama: Häufigste Gattung, thematisiert Konflikt zwischen Jugend und Weltordnung.
- Beispiel: Friedrich Schiller, ”Die Räuber”.
Weltschmerz
Epik: Der Briefroman
- Neue Form der Erzählung.
- Wechsel von fingierten Briefen.
- Oft mit Worten des Herausgebers.
- Beispiel: 1774.
Die Leiden des jungen Werther (1774)
- Hauptwerk des Sturm und Drang.
- Berühmte Liebesgeschichte.
- Polarisierende Reaktionen:
- Euphorische Zustimmung.
- Ablehnung.
- Goethe kündigt den Roman 1774 an: Geschichte eines jungen Menschen, der sich in Träumen verliert und sich durch unglückliche Leidenschaften zerrüttet. Am Ende begeht er Selbstmord.
Werther-Fieber
- Identifikation der Leser mit Werther.
- Kleidung wie Werther (blauer Frack, gelbe Weste).
- Einige Leser begehen Selbstmord.
- Verbot des Buches (z.B. in Leipzig).
Struktur des Briefromans
- Monologischer Briefroman: Werther schreibt an Wilhelm.
- Briefe Wilhelms nicht bekannt.
- Herausgeber präsentiert Werthers Briefe.
- Gliederung in zwei Bücher.
Aufbau des Werks
- Strukturskizze:
- Erfahrungen bei Hof.
- Heimat und Naturgenuss.
- Werther liebt Lotte.
- Werther küsst Lotte.
- Albert taucht auf.
- Stadt: Mutter, Leonore, Wilhelm.
- Flucht.
- Untergang, Selbstmord.
- Daten: 4.5.71, 16.6.71, 30.7.71, 20.10.71, 9.5.72, 29.7.72, 21.12.72, 23.12.72
Personenkonstellation
- Charlotte (Lotte): Verlobt mit Albert, platonische Beziehung zu Werther.
- Albert: Verlobt mit Lotte, Rivalität/Freundschaft mit Werther
- Werther: verliebt in Lotte.
- Werther:
- Jung, sensibel, wirtschaftlich unabhängig, gebildet, melancholisch.
- Handeln von Herz und Leidenschaften bestimmt.
- Will sich selbst verwirklichen, scheitert aber.
- Scheitert als Maler, kann sich nicht in die Arbeitswelt eingliedern, keine stabilen Gefühlsbeziehungen.
- Lotte:
- Versorgt ihre acht Geschwister (Mutter tot).
- Interessiert sich für Tanzen, Lesen, Klavierspielen.
- Verlobt/verheiratet mit Albert.
- Platonische Beziehung zu Werther.
- Beherrscht sich.
- Albert:
- Repräsentiert den aufgeklärten Bürger.
- Pflichtbewusster Beamter.
- Handelt vernünftig, hat sich immer im Griff.
- Freundschaftliches Verhältnis zu Werther, dieses bricht aber.
Leiden Werthers
- Leidet an der Gesellschaft.
- Leidet an der unerfüllten Liebe zu Lotte.
- Leidet an sich selbst und seiner Melancholie.
- Grund: Fokus auf Verwirklichung der eigenen Individualität-> egozentrisches Wesen.
Die Natur als Rettung?
- Die Stadt selbst ist unangenehm, dagegen rings umher eine unaussprechliche Schönheit der Natur (S. 6).
Stadt vs. Natur
- Stadt: Sinnbild der verhassten Gesellschaft, Konventionen.
- Natur: Keine Regeln/Gesetze.
Werther und die Gesellschaft
- Werther will sich selbst verwirklichen (autonomes Subjekt).
- Steht im Widerspruch zur ständisch gegliederten Gesellschaft.
- Kritisiert die Hierarchie nur, wenn sie seinem Freiheitsdrang im Weg steht.
- Zitat: »Zwar weiß ich so gut als einer, wie nötig der Unterschied der Stände ist, wie viel Vorteile er mir selbst verschafft: nur soll er mir nicht ebengerade im Wege stehen« (S. 76).
Grundpositionen
- Die schöpferische Natur.
- Die Autonomie des genialischen Subjekts.
- Sein Originalitätsbewusstsein.
- Die hohe Bewertung der individuellen Gefühle.
- Uneingeschränkter Individualismus führt zur Isolation.
- Folge: Selbstmord.
Sprache
- Äußerst gefühlsbetont (Ausrufungen, Ellipsen, Gedankenstriche).
- Pathetische (ausdrucksvolle) Formulierungen.
- Beispielzitate aus "Die Leiden des jungen Werther".
Lyrik
- Verachtung von starren Regeln und Formen.
- Freie Rhythmen.
- Wichtigste Formen:
Erlebnislyrik
- Inhalt: persönliche Erlebnisse werden zu allgemeinen Aussagen.
- Natur als zentrales Motiv: spiegelt die Stimmung des lyrischen Ichs wider.
- Schlüsselwörter und Begriffe: Liebe, Herz, Schmerz, Einsamkeit, Freundschaft, Abend, Nacht, Jahreszeiten.
Lyrik Definition
- Lyrik leitet sich von dem griechischen Wort "lyra" bzw. "lykrós" ab. Ursprünglich bezieht sich der Begriff also auf Gesänge, die mit dem Musikinstrument Lyra begleitet wurden.
- Einen lyrischen Text erkennst du an folgenden Punkten:
- der Text benutzt viele Bilder, um Gegebenheiten und Empfindungen auszudrücken
- der Text lässt einen breiten Spielraum für Assoziationen und Interpretationen
- der Text ist in Verse geteilt
- der Text klingt beim Vorlesen häufig rhythmisch
Das lyrische Ich
Reime
- Reine Reime: Gleich klingend (fliegen-liegen).
- Unreine Reime: Ähnlich klingend (Liebe-trübe).
Reimschema
- Aufbau eines Gedichts: Strophen, Verse.
Beispiele für Reimschemata
- Paarreim: aabb.
- Kreuzreim: abab.
- Umarmender Reim: abba.
- Haufenreim: aaaa.
- **Weitere Reimschemata:unklare
- Analyse des Gedichts in Bezug auf Reimschema, Inhalt und Sprache.
Ausblick
- Auf den Sturm und Drang folgt die Klassik.
- Verbindung von Aufklärung und Sturm und Drang.
- Symbiose aus Vernunft und Gefühl.