Vorlesung_Kap._2.2-4
Inventur und Inventar
Definition des Inventars
Inventar: Gesetzlich geregelt in § 240 HGB, wichtig für das externe Rechnungswesen.
Gesetzliche Normierung: Jeder Kaufmann muss ein Inventar aufstellen.
Vorschriften (§ 240 HGB)
Absatz 1:
Jeder Kaufmann hat zu Beginn seines Handelsgewerbes:
Grundstücke, Forderungen, Schulden, Bargeld und andere Vermögensgegenstände zu erfassen und deren Werte anzugeben.
Absatz 2:
Jedes Geschäftsjahr muss ein Inventar erstellt werden, meist zum 31. Dezember.
Kategorisierung nach Kaufmannstypen
Jeder Kaufmann ist verpflichtet, das Inventar aufzustellen, unabhängig von seinem Kaufmannstyp.
Gründungsinventar: Muss beim Start des Unternehmens erstellt werden (z.B. am 1. Oktober).
Auflistung aller Vermögensgegenstände sowie möglicher Schulden gegenüber Banken oder Gesellschaftern.
Inventar zum Geschäftsjahresende
Das Inventar am Ende des Jahres beinhaltet:
Verzeichnis der Vermögensgegenstände und Schulden nach Art, Menge und Wert.
Beispiel Gaststätte: Tische, Stühle, Tresen u.a.
Staffelform vs. Kontoform:
In der Staffelform werden alle Posten untereinander aufgelistet, während die Kontoform in der T-Konto-Darstellung erfolgt.
Einzelbewertung: Jeder Vermögensgegenstand (z.B. jeder Tisch) muss einzeln bewertet werden.
Inventur
Bedeutung der Inventur
Inventur als Bestandsaufnahme: Voraussetzung für das Inventar.
Durchführung zu einem bestimmten Stichtag (meist 31. Dezember).
Durchführung der Inventur
Zwei Methoden:
Körperliche Bestandsaufnahme: Zählen, Messen und Wiegen (z.B. Bierkästen in einer Brauerei).
Beleg- bzw. Buchinventur: Für nicht greifbare Gegenstände (z.B. Kredite, Forderungen).
Beispiele
OTTO Group: Handelsunternehmen mit sowohl greifbaren als auch nicht greifbaren Vermögensgegenständen.
Deutsche Wohnen: Immobilienunternehmen, mit der Möglichkeit auch Beleginventur durchzuführen.
ProSieben Sat.1: Medienunternehmen mit vielen immateriellen Vermögensgegenständen.
Körperliche Inventur in der Landwirtschaft: z.B. Schweine zählen.
Inventurverfahren
Stichtagsinventur
Direkte Bestandsaufnahme: am Abschlussstichtag.
Schwierigkeit: z.B. Silvesterinventur, da Mitarbeiter oft nicht verfügbar sind.
Vor- oder Nachverlegte Inventur
Zeitlicher Erfassungsrahmen: Bis zu 3 Monate vorher bzw. 2 Monate nachher möglich.
Notwendigkeit der Vor- und Rückrechnung zur Bestandsermittlung.
Permanente Inventur
Fortlaufende Bestandsaufnahme während des Jahres.
Vorteil: Hohe Flexibilität, jedoch mehr IT-Aufwand vorausgesetzt.
Geschäftsjahr
Definition
Das Geschäftsjahr ist die Zeitspanne für die Jahresabrechnung.
Gesetzlich max. 12 Monate gemäß § 240 HGB.
Geschäftsarten:
Standardfall: 1. Januar bis 31. Dezember.
Verschobenes Geschäftsjahr: z.B. Unternehmensgründung am 1. Oktober.
Rumpfgeschäftsjahr: Bei Gründung oder Schließung unterjährig.
Unternehmen und Geschäftsjahre
Die meisten Unternehmen (z.B. Hapag Lloyd) haben ein Geschäftsjahr gemäß Kalenderjahr.
Beispiele: OTTO Group und Siemens AG mit abweichenden Geschäftsjahren.
Unterschiede zwischen Inventar und Bilanz
Inventar
Detaillierte Auflistung der Vermögensgegenstände, Schulden und Reinvermögen.
Erstellung in Staffelform, in Euro.
Bilanz
Aggregierte Darstellung aller Vermögensgegenstände, Schulden und Eigenkapital in Kontoform.
Identifiziert keine Menge, sondern fasst Posten zusammen.
Beispiel eines Inventars
Gastwirtschaft: Auflistung von Grundstücken, Bankkonten, Schulden bei Lieferanten und deren summierte Werte, auch Reinvermögen ausgewiesen.
Rechtliche Grundlagen
Gesetzliche Bestimmungen
§ 240 HGB regelt die Inventarstellung.
§ 266 HGB für die Bilanz bei Kapitalgesellschaften.
Schlussfolgerung
Das Inventar ist notwendig für die korrekte Bilanzierung und dient als Basis für die Erstellung von Jahresabschlüssen.
Die Gewinn- und Verlustrechnung ermöglicht eine detaillierte Analyse der finanziellen Gesundheit eines Unternehmens.