1. Grundsätzliches: Sprache, Schrift und Schriftsprache
→Keine Rede mehr von Erstlesen und Erstschreiben
weil bereits vor Schuleintritt Efahrungen mit Schrift und Texten gesammelt werden (Wissen über Symbolcharakter der Schrift, Gespür für Rhythmus und Klang)
Aufteilen in zwei voneinander unabhängige Bereich Lesen und Schreiben (obwohl verwoben ist)
→ Neuer Begriff “Schriftspracherwerb” spiegelt auch wider, dass dies ungesteuert und intuitiv vonstattenging (nicht zielorientiertes Lernen, sondern selbstgesteuerter Erwerb)
1.Gesprochene und geschriebene Sprache
Jean Paul Bedeutung des Schreibens: Bewusstmachen seiner Ideen → Gnoseologische Funktion (Gedanken bewusst zu machen, strukturieren und ggf. anderen mitteilen) (auch Funktion Sprache generell)
Weitere Funktion der Sprache: kommunikative Funktion → “Brücke zwischen den Geistern um inneres zu offenbaren”
→ Interaktionalen Funktionsbereiche der Sprache - bei Üebrtragung in Schrift Dehnung → Entstehung einer Sprache der Distanz (keine Mimik, Gestik, etc. sonderen Inhalte werden verschlüsselt und unmittelbare Kontext geht verloren)
Sprache immer an äußere Bedingungen und Situation angepasst (wie förmlich etc.) egal ob mündlich oder schriftlich (z.B. SMS Nachrichten, die Konzepte der Mündlichkeit übernehmen und Problematik der Emojis)
2. Das Verdienst des Alphabets
Alphabetschrift: Darstellung der Laute unserer Sprache durch Buchstaben und Buchstabenkombinationen → basiert auf Phonem-Graphem-Korrespondenz
Wort “Alphabet” aus dem Griechischen, Ableitung der ersten beiden Buchstaben Alpha und Beta ab, 26 Buchstaben (verschriften allerdings deutsche Sprache nicht vollständig)
Zuerst nur Großbuchstaben, im Mittelalter Entwicklung Kleinbuchstaben
Bildung von Buchstabenkombinationen für Laute des Deutschen, die nicht vorhanden in Latein (z.B. sch)
Auch neue Buchstaben: Umlaute, ß → 30 Zeichen, mit Kleinbuchstaben 59, mit Buchstabenkombinationen fast 90
Trotzdem keine eindeutige Phonem-Graphem-Korrespondenz → nur lautorientiert, nicht lautgetreu
Begriffe:
Graph: einzelner Buchstabe z.B. <c>
Graphem: kleinste bedeutungsunterscheidende Einheit der geschriebenen Sprache z.B. auch Buchstabengruppe <ch> oder einzelner Buchstabe
Phon/Laut: Graph auf Lautebene → Kann von Mensch zu Mensch verschieden artikuliert werden ohne Änderung der Wortbedeutung
Phonem: kleinste bedeutungsunterscheidende Einheit des Lautsystems → Änderung eines Phonems → Änderung Wortbedeutung
Minimalpaar: Unterscheiden sich in genau einem Phonem (Oma-Opa) → verdeutlicht Laut-Buchstaben-Korrespondenz
ein Graph kann mehreren Phonemen entsprechen (Vater, Vase) → Phonetische Ambiguitäten
Graphemische Ambiguitäten: Einzelne Phoneme klingen gleich, werden anders verschriftet (Vater-Fahne)
Nicht jeder Laut graphisch repräsentiert: Gleit- und Übergangslaute
→ Kinder müssen Buchstaben und Buchstabenkombinationen und auch unterschiedliche Lautungen lernen
Wichtig: Spracherwerb (sicherer Umgang mit Aussprache, Rhythmus und Betonung) zur richtigen Verschriftung, Hilfe durch:
Basisgrapheme (häufig, f wird mit Basisgraphem (f) und nur selten mit Orthographem (v) verschriftet)
Orthographeme
Interessant: Buchstabenformen und Merkmale
Großbuchstaben setzten sich zusammen aus geraden (z.B. A E F) Elementen, runden (C O S) Elementen und Buchstaben mit beiden (B D G)
→ Analyse noch genauer: Theorie der Buchstabenmerkmale Berg et al.
Jeder Buchstabe hat Kopf und Coda (Köpfe immer in Mittelband, können sich auch weiter erstrecken, vertikal) (Coda nur in Mittelband, je nachdem ob links oder rechts vom Kopf rechts- oder linksgerichteter Buchstabe)
Plosive haben meist langen, geraden Kopf p t k
Frikative haben nicht-gerade, lange oder schräge Köpfe f v w s
Konsonantische Sonoranten kurze Köpfe mit oberem Coda-Anschluss m n r
Vokale kompakte Buchstabenform → nur Mittelband
Silbenbaugesetz: Silbenränder lange Buchstaben, Länge der Köpfe nimmt in Silbenkern ab
Aber auch Ausnahmen <s> Anfang der Silbe, <h> in Mitte der Silbe
→ Silbenstruktur hilft trotzdem beim Lesen
→ Unterteilung der Schrift also in Wörter, Buchstaben und graphematische Silbe
3.Orthografie als Abbild der Grammatik
Verschiedene Konzepte im Anfangsunterricht:
Konzepte mit Ziel, dass Kinder möglichst schnell eigene Texte verfassen können
Konzepte mit Fokus, dass Kinder von Anfang an Einblick in Regelhaftigkeit der Schrift gewinnen
→ Lassen sich verbinden v.a. gut mit Hilfe digitaler Medien
Sprache und Schrift haben Zusammenhänge, die häufig nicht bewusst sind
erkennbar durch Analyse ausgewählten Wortmaterials
Rechtschreibprobleme oft durch Verzicht darauf z.B. keine gute Erklärung für Konsonantenverdopplung haben
Regelwissen wichtig → Gut vorbereitete und klar agierende Lehrkraft von Vorteil
Hilfe für Verständnis: Verstehen von orthografischen Regeln und deren Sinn
Schrift als Sprache, die gesprochene Sprache nach bestimmten Regeln abbildet
Keine überdeutliche Kunstsprache einsetzen
→ Vier zentrale Prinzipien sorgen für Eindeutigkeit, indem sie Schreibweise vorgeben
Vorteile einheitliche Orthografie:
Erleichterung schnelle Sinnentnahme durch Speicherung im inneren Lexikon und zugleich eine lautliche, grammatische und morphologische Deutung geboten wird
Sichtbar werden der Beziehung zwischen Wort und Form
Je normgetreuer Text, desto schnellere Entnahme der verschlüsselten Informationen
Instruktionen/Erklärungen sollten aber nur Nebenrolle spielen → Kinder sollen durch Material selbst Hypothesen bilden und prüfen
Unterscheidung zwischen:
Sprachsystem: alle Konstrukte, die durch Regeln in Sprache möglich wären
Sprachnorm: Orientierung an Sprachnorm bei Benutzung des Sprachsystems, also bestimmte Regeln
werden intuitiv erworben, sind Menschen nicht bewusst
Aufgabe SSE Unterricht: Bewusst machen der Normen
Sprachgebrauch: individueller Sprachgebrauch mit Bildung von Sprachgewohnheiten, folgt Normen (hat auch Macht sie zu verändern)
SSE langwieriger Prozess mit Ziel Lesen und Schreiben zu automatisieren
nicht mit Fähigkeit selbst abgeschlossen
zuerst steile, dann abflachende Lernkurve
Führt zu sozialer Markierung und Differenzierung