E-Business und E-Commerce: Grundkonzepte, Anwendungen und Modelle

Grundlagen von E-Business und E-Commerce

  • E-Business (Electronic Business):

    • Definition: Die Anwendung von Internet-Technologien und die digitale Ausführung sämtlicher Geschäftsprozesse eines Unternehmens.

    • Umfang: Es umfasst die Verwaltung und Koordination des gesamten Unternehmens, sowohl intern als auch in Kooperation mit externen Partnern.

  • E-Commerce (Electronic Commerce):

    • Definition: Onlinehandel, der Ein- und Verkaufsvorgänge mittels Internet umfasst.

    • Einordnung: E-Commerce ist ein Teilbereich (Teilmenge) des E-Business.

  • Begriffsnutzung: In der Praxis werden beide Begriffe oft fälschlicherweise als Synonyme verwendet, obwohl E-Business den weiteren Rahmen bildet.

Das vernetzte Unternehmen

  • Struktur des vernetzten Unternehmens: Unternehmen nutzen Internet, Intranets und Extranets zur Vernetzung verschiedener Stakeholder und Prozesse.

  • Interne Vernetzung (E-Business):

    • Fabriken: Umsetzung von Just-in-time-Produktion, ständiges Auffüllen der Warenbestände, detaillierte Produktionsplanung und Disposition.

    • Entfernte Büros und Arbeitsgruppen: Abstimmung von Plänen und Richtlinien, Unterstützung von Gruppenarbeitsprozessen und elektronische Kommunikation.

  • Externe Vernetzung (E-Commerce & Partner):

    • Geschäftspartner: Gemeinsames Design von Produkten und Strategien sowie Fremdbeschaffung.

    • Lieferanten: Beschaffungsprozesse und umfassendes Supply Chain Management.

    • Kunden: Onlinemarketing, Onlinevertrieb, kundenindividuelle Produkte, professioneller Kundenservice und Automatisierung der Vertriebsprozesse.

Enterprise-Resource-Planning (ERP)

  • Definition: ERP-Systeme sind betriebswirtschaftliche Softwarelösungen zur Steuerung von Geschäftsprozessen.

  • Zielsetzung: Bestmögliche Steuerung und Verwaltung betrieblicher Ressourcen wie Kapital, Personal oder Produktionsmittel.

  • Fokus: Primär innerbetrieblicher Fokus.

  • Beispielsystem: ProSoft InformiBlu

    • Funktionen umfassen Dashboards zur Übersicht von Umsätzen nach Kunden, Profit-Centern und Artikeln.

    • Numerische Datenbeispiele aus einem ERP-System:

      • Gesamtumsatz: 5.385.459,805.385.459,80

      • Höchster Kundenanteil (Nr. 63007): 2.288.380,102.288.380,10 (entspricht 42,49%42,49\,\%

      • Umsatzentwicklung über Zeiträume (z. B. 06.201706.2017 bis 03.201803.2018).

Customer-Relationship-Management (CRM)

  • Definition: Kundenbeziehungsmanagement oder die systematische Pflege der Kundenbeziehungen.

  • Ziele:

    • Akquise von Neukunden.

    • Pflege von Bestandskunden.

    • Systematischer Aufbau und langfristiger Erhalt von Kundenbeziehungen.

  • Integration: CRM ist oft als Modul oder funktionaler Teil in ERP-Systeme integriert.

  • Markthistorie und Landschaft (CRM Landscape):

    • Entwicklung begann früh (z. B. Blue Book 19131913, Network 19261926).

    • Wichtige Akteure über die Jahrzehnte: SAP (19721972), Microsoft Dynamics CRM, Salesforce (19991999), HubSpot (20062006), Zoho und viele weitere.

    • Unterscheidung nach Unternehmensgröße: Systeme für 1501-50 Mitarbeiter bis hin zu Großunternehmen mit 10.000+10.000+ Mitarbeitern.

Supply Chain Management (SCM)

  • Definition: SCM-Systeme bestehen aus Softwarelösungen zur Steuerung und Überwachung des Waren-, Daten- und Finanzflusses.

  • Prozessweg: Vom Ursprungsort bis zum endgültigen Bestimmungsort eines Produkts oder einer Dienstleistung.

  • Kernaktivitäten:

    • Beschaffung und Logistik.

    • Produktlebenszyklus-Management (PLM).

    • Supply Chain Planung (SCP) und Auftragsverwaltung.

  • Fokus: Überbetrieblicher Fokus (Koordination zwischen Lieferanten, Fertigung, Distribution, Handel und Kund*innen).

Detaillierter Vergleich: E-Commerce vs. E-Business

  • Definition:

    • E-Commerce: Handel mit Waren/Dienstleistungen über das Internet mit elektronischen Geräten.

    • E-Business: Elektronische Durchführung sämtlicher Geschäftsaktivitäten.

  • Bedeutung und Umfang:

    • E-Commerce: Eng gefasst (Narrow).

    • E-Business: Weit gefasst (Wide).

  • Geldfluss:

    • E-Commerce: Geld muss zwingend involviert sein.

    • E-Business: Geld kann, muss aber nicht zwingend involviert sein.

  • Technische Anforderungen:

    • E-Commerce: Erfordert primär eine Website.

    • E-Business: Erfordert Webpräsenz plus CRM, ERP, etc.

  • Netzwerk:

    • E-Commerce: Nutzt das Internet.

    • E-Business: Nutzt Internet, Intranets und Extranets.

  • Ansatz:

    • E-Commerce: Extrovertiert (auf externe Verkaufssteigerung gerichtet).

    • E-Business: Ambivertiert (sowohl interne Effizienz als auch externe Beziehungen).

Strukturmodelle des E-Commerce nach Choi, Stahl und Whinston

Das E-Commerce-Kontinuum wird anhand von drei Dimensionen definiert, die jeweils physisch oder digital sein können:

  1. Produkt: Physisches Produkt vs. Digitales Produkt.

  2. Agent (Teilnehmer): Physischer Agent vs. Digitaler Agent.

  3. Prozess: Physischer Prozess vs. Digitaler Prozess.

  • Kern des E-Commerce: Nur wenn alle drei Komponenten digital (virtuell) sind, spricht man vom reinen (virtuellen) E-Commerce.

Wertschöpfungsketten in der Real- und Net-Economy

  • Allgemeine Wertschöpfungskette (nach Porter):

    • Stellt zusammenhängende Unternehmensaktivitäten dar: Unternehmensinfrastruktur, Personalwirtschaft, Technologieentwicklung und Beschaffung als unterstützende Aktivitäten; Eingangslogistik, Operationen, Ausgangslogistik, Marketing & Vertrieb sowie Kundendienst als primäre Aktivitäten.

  • Wertkette der Net-Economy (nach Kollmann): Basiert auf dem Umgang mit Informationen.

    • Prozessschritte: Informationen sammeln, systematisieren, auswählen, kombinieren, verteilen, austauschen, bewerten und anbieten.

    • Elektronische Produkte dienen als Basis für Unternehmensgründungen in der Net-Economy.

Informationssysteme im Unternehmen

  • Informationen: Daten, die in eine für Menschen bedeutungsvolle und nützliche Form gebracht wurden.

  • Informationssystem: Ein für Unternehmen entwickeltes System, das Software und Daten umfasst und in Organisations-, Personal- und Technikstrukturen eingebettet ist.

  • Wertschöpfungsprozesse im E-Business:

    • Informationssammlung: Reduktion von Suchkosten durch automatisierte Zusammenführung.

    • Informationsverarbeitung: Effizientes Matching von Partnern und Generierung neuer Verwertungsmöglichkeiten.

    • Informationsübergabe: Automatisierung des Wertschöpfungsaustausches.

Erlösmodelle des E-Commerce

  1. Werbemodell: Einnahmen durch Aufmerksamkeit und Werbung (z. B. hohe Besucherzahlen).

  2. Umsatzmodell: Verkauf von Waren, Informationen oder Diensten (klassischer Verkauf).

  3. Abonnentenmodell: Laufende Gebühren für den Zugriff auf Inhalte oder Dienste.

  4. Kostenlos-/Freemium-Modell: Grunddienste sind kostenlos, Premium-Inhalte kostenpflichtig.

  5. Transaktionsgebühren-Modell: Gebühr pro vermittelter oder ausgeführter Transaktion.

  6. Affiliate-Modell: Vermittlungsgebühr für das Weiterleiten von Besuchern auf Händlerseiten.

Interaktionsformen und Akteure

  • Akteure und ihre Zielfunktionen:

    • Consumer (C): Individuen/Haushalte → Ziel: Nutzen-Maximierung.

    • Business (B): Unternehmen → Ziel: Gewinn-Maximierung.

    • Government/Administration (G/A): Regierungen/Vereine → Ziel: Wohlfahrts- oder Wähler-Maximierung.

    • Employees (E): Mitarbeiter*innen → Ziel: Effizienz-Maximierung.

  • Beispiele für Interaktionen:

    • B2C: Elektronischer Vertrieb direkt an Verbraucher.

    • B2B: Handel zwischen Unternehmen.

    • B2G/B2A: Vertrieb von Unternehmen an öffentliche Behörden.

    • C2C: Verbraucher verkaufen an andere Verbraucher.

    • Weitere: G2G, G2C, G2B, C2B, G2E, B2E, Intrabusiness.

Phasen und Stufen der Geschäftsabwicklung

  • Phasen der elektronischen Abwicklung:

    1. Information: Suche nach Angeboten.

    2. Selektion: Auswahl relevanter Optionen.

    3. Angebot / Verhandlung: Konkretisierung des Deals.

    4. Auftrag: Bestellung durch das Online-System.

    5. Bezahlung: Online-Bezahlsystem.

    6. Lieferung: Elektronische Distribution (falls möglich) oder physischer Versand.

    7. Betreuung/Service: After-Sales-Systeme.

  • Stufen der elektronisch gestützten Abwicklung:

    • Stufe 1: Passive Nutzung (kein Internet).

    • Stufe 2: Information-on-Demand (Recherche, E-Mail).

    • Stufe 3: Transaktion (Online-Verkauf/-Kauf via Webshop).

    • Stufe 4: Integration (Vollständig verzahnte Geschäftsprozesse und Partnerschaften).