E-Business und E-Commerce: Grundkonzepte, Anwendungen und Modelle
Grundlagen von E-Business und E-Commerce
E-Business (Electronic Business):
Definition: Die Anwendung von Internet-Technologien und die digitale Ausführung sämtlicher Geschäftsprozesse eines Unternehmens.
Umfang: Es umfasst die Verwaltung und Koordination des gesamten Unternehmens, sowohl intern als auch in Kooperation mit externen Partnern.
E-Commerce (Electronic Commerce):
Definition: Onlinehandel, der Ein- und Verkaufsvorgänge mittels Internet umfasst.
Einordnung: E-Commerce ist ein Teilbereich (Teilmenge) des E-Business.
Begriffsnutzung: In der Praxis werden beide Begriffe oft fälschlicherweise als Synonyme verwendet, obwohl E-Business den weiteren Rahmen bildet.
Das vernetzte Unternehmen
Struktur des vernetzten Unternehmens: Unternehmen nutzen Internet, Intranets und Extranets zur Vernetzung verschiedener Stakeholder und Prozesse.
Interne Vernetzung (E-Business):
Fabriken: Umsetzung von Just-in-time-Produktion, ständiges Auffüllen der Warenbestände, detaillierte Produktionsplanung und Disposition.
Entfernte Büros und Arbeitsgruppen: Abstimmung von Plänen und Richtlinien, Unterstützung von Gruppenarbeitsprozessen und elektronische Kommunikation.
Externe Vernetzung (E-Commerce & Partner):
Geschäftspartner: Gemeinsames Design von Produkten und Strategien sowie Fremdbeschaffung.
Lieferanten: Beschaffungsprozesse und umfassendes Supply Chain Management.
Kunden: Onlinemarketing, Onlinevertrieb, kundenindividuelle Produkte, professioneller Kundenservice und Automatisierung der Vertriebsprozesse.
Enterprise-Resource-Planning (ERP)
Definition: ERP-Systeme sind betriebswirtschaftliche Softwarelösungen zur Steuerung von Geschäftsprozessen.
Zielsetzung: Bestmögliche Steuerung und Verwaltung betrieblicher Ressourcen wie Kapital, Personal oder Produktionsmittel.
Fokus: Primär innerbetrieblicher Fokus.
Beispielsystem: ProSoft InformiBlu
Funktionen umfassen Dashboards zur Übersicht von Umsätzen nach Kunden, Profit-Centern und Artikeln.
Numerische Datenbeispiele aus einem ERP-System:
Gesamtumsatz:
Höchster Kundenanteil (Nr. 63007): (entspricht
Umsatzentwicklung über Zeiträume (z. B. bis ).
Customer-Relationship-Management (CRM)
Definition: Kundenbeziehungsmanagement oder die systematische Pflege der Kundenbeziehungen.
Ziele:
Akquise von Neukunden.
Pflege von Bestandskunden.
Systematischer Aufbau und langfristiger Erhalt von Kundenbeziehungen.
Integration: CRM ist oft als Modul oder funktionaler Teil in ERP-Systeme integriert.
Markthistorie und Landschaft (CRM Landscape):
Entwicklung begann früh (z. B. Blue Book , Network ).
Wichtige Akteure über die Jahrzehnte: SAP (), Microsoft Dynamics CRM, Salesforce (), HubSpot (), Zoho und viele weitere.
Unterscheidung nach Unternehmensgröße: Systeme für Mitarbeiter bis hin zu Großunternehmen mit Mitarbeitern.
Supply Chain Management (SCM)
Definition: SCM-Systeme bestehen aus Softwarelösungen zur Steuerung und Überwachung des Waren-, Daten- und Finanzflusses.
Prozessweg: Vom Ursprungsort bis zum endgültigen Bestimmungsort eines Produkts oder einer Dienstleistung.
Kernaktivitäten:
Beschaffung und Logistik.
Produktlebenszyklus-Management (PLM).
Supply Chain Planung (SCP) und Auftragsverwaltung.
Fokus: Überbetrieblicher Fokus (Koordination zwischen Lieferanten, Fertigung, Distribution, Handel und Kund*innen).
Detaillierter Vergleich: E-Commerce vs. E-Business
Definition:
E-Commerce: Handel mit Waren/Dienstleistungen über das Internet mit elektronischen Geräten.
E-Business: Elektronische Durchführung sämtlicher Geschäftsaktivitäten.
Bedeutung und Umfang:
E-Commerce: Eng gefasst (Narrow).
E-Business: Weit gefasst (Wide).
Geldfluss:
E-Commerce: Geld muss zwingend involviert sein.
E-Business: Geld kann, muss aber nicht zwingend involviert sein.
Technische Anforderungen:
E-Commerce: Erfordert primär eine Website.
E-Business: Erfordert Webpräsenz plus CRM, ERP, etc.
Netzwerk:
E-Commerce: Nutzt das Internet.
E-Business: Nutzt Internet, Intranets und Extranets.
Ansatz:
E-Commerce: Extrovertiert (auf externe Verkaufssteigerung gerichtet).
E-Business: Ambivertiert (sowohl interne Effizienz als auch externe Beziehungen).
Strukturmodelle des E-Commerce nach Choi, Stahl und Whinston
Das E-Commerce-Kontinuum wird anhand von drei Dimensionen definiert, die jeweils physisch oder digital sein können:
Produkt: Physisches Produkt vs. Digitales Produkt.
Agent (Teilnehmer): Physischer Agent vs. Digitaler Agent.
Prozess: Physischer Prozess vs. Digitaler Prozess.
Kern des E-Commerce: Nur wenn alle drei Komponenten digital (virtuell) sind, spricht man vom reinen (virtuellen) E-Commerce.
Wertschöpfungsketten in der Real- und Net-Economy
Allgemeine Wertschöpfungskette (nach Porter):
Stellt zusammenhängende Unternehmensaktivitäten dar: Unternehmensinfrastruktur, Personalwirtschaft, Technologieentwicklung und Beschaffung als unterstützende Aktivitäten; Eingangslogistik, Operationen, Ausgangslogistik, Marketing & Vertrieb sowie Kundendienst als primäre Aktivitäten.
Wertkette der Net-Economy (nach Kollmann): Basiert auf dem Umgang mit Informationen.
Prozessschritte: Informationen sammeln, systematisieren, auswählen, kombinieren, verteilen, austauschen, bewerten und anbieten.
Elektronische Produkte dienen als Basis für Unternehmensgründungen in der Net-Economy.
Informationssysteme im Unternehmen
Informationen: Daten, die in eine für Menschen bedeutungsvolle und nützliche Form gebracht wurden.
Informationssystem: Ein für Unternehmen entwickeltes System, das Software und Daten umfasst und in Organisations-, Personal- und Technikstrukturen eingebettet ist.
Wertschöpfungsprozesse im E-Business:
Informationssammlung: Reduktion von Suchkosten durch automatisierte Zusammenführung.
Informationsverarbeitung: Effizientes Matching von Partnern und Generierung neuer Verwertungsmöglichkeiten.
Informationsübergabe: Automatisierung des Wertschöpfungsaustausches.
Erlösmodelle des E-Commerce
Werbemodell: Einnahmen durch Aufmerksamkeit und Werbung (z. B. hohe Besucherzahlen).
Umsatzmodell: Verkauf von Waren, Informationen oder Diensten (klassischer Verkauf).
Abonnentenmodell: Laufende Gebühren für den Zugriff auf Inhalte oder Dienste.
Kostenlos-/Freemium-Modell: Grunddienste sind kostenlos, Premium-Inhalte kostenpflichtig.
Transaktionsgebühren-Modell: Gebühr pro vermittelter oder ausgeführter Transaktion.
Affiliate-Modell: Vermittlungsgebühr für das Weiterleiten von Besuchern auf Händlerseiten.
Interaktionsformen und Akteure
Akteure und ihre Zielfunktionen:
Consumer (C): Individuen/Haushalte → Ziel: Nutzen-Maximierung.
Business (B): Unternehmen → Ziel: Gewinn-Maximierung.
Government/Administration (G/A): Regierungen/Vereine → Ziel: Wohlfahrts- oder Wähler-Maximierung.
Employees (E): Mitarbeiter*innen → Ziel: Effizienz-Maximierung.
Beispiele für Interaktionen:
B2C: Elektronischer Vertrieb direkt an Verbraucher.
B2B: Handel zwischen Unternehmen.
B2G/B2A: Vertrieb von Unternehmen an öffentliche Behörden.
C2C: Verbraucher verkaufen an andere Verbraucher.
Weitere: G2G, G2C, G2B, C2B, G2E, B2E, Intrabusiness.
Phasen und Stufen der Geschäftsabwicklung
Phasen der elektronischen Abwicklung:
Information: Suche nach Angeboten.
Selektion: Auswahl relevanter Optionen.
Angebot / Verhandlung: Konkretisierung des Deals.
Auftrag: Bestellung durch das Online-System.
Bezahlung: Online-Bezahlsystem.
Lieferung: Elektronische Distribution (falls möglich) oder physischer Versand.
Betreuung/Service: After-Sales-Systeme.
Stufen der elektronisch gestützten Abwicklung:
Stufe 1: Passive Nutzung (kein Internet).
Stufe 2: Information-on-Demand (Recherche, E-Mail).
Stufe 3: Transaktion (Online-Verkauf/-Kauf via Webshop).
Stufe 4: Integration (Vollständig verzahnte Geschäftsprozesse und Partnerschaften).