Modul 32861
Einfaktormodelle
6.1 Allgemeine Konzeption
Ziel von Faktormodellen: Stellen Zusammenhänge zwischen den Renditen einzelner Wertpapiere eines Marktes oder Teilmarktes her.
Einfaktormodell: Die Rendite einer Aktie ( r_i ) wird durch eine Indexrendite ( r_I ) erklärt.
Grundformel: ( r_i = \alpha_i + \beta_i r_I + \epsilon_i )
Hier wird die Rendite einer Aktie im Kontext der Indexbewegung betrachtet.
Relevanz von Indizes: Ein passender Index sollte repräsentativ für die Aktie sein (z.B. DAX für große Aktien).
6.1.1 Aufspaltung der Varianz
Varianz von Renditen: ( Var(r_i) = \beta_i^2 Var(r_I) + Var(\epsilon_i) )
Systematische vs. unsystematische Risiken:
Systematische Risiken: Abhängig von der Indexbewegung.
Unsystematische Risiken: Individuelle Bewegungen der Aktien.
Korrelation der Renditebestandteile: ( Cov(r_I, \epsilon_i) = 0 )
6.1.2 Beispielrechnung
Beta-Faktor: In einer Untersuchung für die Siemens-Aktie wurde ein Beta von 0,9 ermittelt.
Standardabweichungen: Tägliche Siemens-Rendite: 1,53 %; DAX-Rendite: 1,49 %.
Erklärung der Gesamtvarianz:
Siemens-Aktie: 76 % der Varianz durch DAX erklärt, 24 % idiosynkratisch.
Portfoliooptimierung
Vorteil von Einfaktormodellen: Datenanforderungen werden stark reduziert.
Beispiel: Im Fall von 30 DAX-Aktien wären nur 61 Daten nötig (statt 465).
6.1.3 Vereinfachende Annahmen
Unabhängigkeit der idiosynkratischen Komponenten: ( Cov(\epsilon_i, \epsilon_j) = 0 )
Begrenzte Betrachtung gemeinsamer Einflussfaktoren (z.B. branchenspezifische Risiken).
6.1.4 Parameterschätzung
6.1.4.1 Modellannahmen
Über n Zeitpunkte ( t = 1,...,n ) wurden Renditen beobachtet.
Annahmen über E(( \epsilon_{i,t} )) und Var(( \epsilon_{i,t} )): Residuen sind unabhängig und identisch verteilt.
6.1.4.2 Regression
Regressionsmodell: ( r_{i,t} = \alpha_i + \beta_i r_{I,t} + \epsilon_{i,t} )
Schätzung von ( \alpha_i ) und ( \beta_i ) nach der Methode der kleinsten Quadrate (MSE – Mean Squared Error).
6.1.5 Anpassungsgüte
Bestimmtheitsmaß (R²): Misst, wie gut das Modell die Variabilität der Daten erklärt.
R² = 1 bedeutet perfekte Anpassung, R² = 0 bedeutet keine Erklärung.
F-Test: Test zur Überprüfung, ob ein signifikanter Zusammenhang zwischen den Variablen besteht.
6.1.6 Statistische Signifikanz
Standardfehler der Schätzung: Gibt Auskunft über die Streuung der Residuen.
Schätzung der Koeffizienten und deren Signifikanz: Verwendung von t-Tests zur Prüfung der Hypothesen über die Regressionskoeffizienten ( \alpha_i ) und ( \beta_i ).