Für eine in x<em>0∈(a,b) stetige Funktion f:[a,b]→R gilt f(x)≈f(x</em>0) für x≈x0, aber ohne Angabe der Konvergenzgeschwindigkeit.
Die Frage ist, ob f durch eine lineare Funktion ℓ(x;x<em>0) besser approximiert werden kann, wobei x</em>0 ein fester Parameter ist.
Notation 5.1.1:
f(h)=o(h) (für h=0) bedeutet limh→0hf(h)=0.
f(h)=O(h) (für h=0) bedeutet, dass es ein C∈R gibt, so dass limsuph→0hf(h)≤C.
Beispiele:
h2=o(h) und h2=O(h2).
exp(h)−1=O(h) und sin(h)=O(h) für h≈0.
Für stetiges f gilt f(x)→f(x<em>0) für x→x</em>0, aber die Steigung α der besten linearen Funktion ℓ(x;x<em>0)=f(x</em>0)+α⋅(x−x0) muss noch bestimmt werden.
Definition 5.1.2: Eine reelle Funktion f ist in x<em>0 linear approximierbar, wenn es ein α∈R gibt, so dass:
f(x)−f(x</em>0)+α(x−x<em>0)=o(∣x−x</em>0∣)fu¨r x→x<em>0ℓ(x;x</em>0)=f(x<em>0)+α(x−x</em>0) ist die beste lineare Approximation von f in x0.
Bemerkung: Jede in x<em>0 linear approximierbare Funktion ist in x</em>0 stetig.
Nicht jede stetige Funktion ist linear approximierbar, z.B. g(x)=∣x∣ in x0=0.
Definition 5.1.3: Die Differenzfunktion von f in x<em>0 ist definiert als (Δ</em>x<em>0f)(x):=f(x)−f(x</em>0).
Wenn f in x<em>0 linear approximierbar ist, dann ist das Differential von f in x</em>0 definiert als d<em>x</em>0f(x):=α⋅(x−x0), wobei α die Konstante aus Definition 5.1.2 ist.
Wenn f in x<em>0 linear approximierbar ist, dann gilt (Δ</em>x<em>0f)(x)≈d</em>x0f(x).
Finden der besten linearen Approximation
Die lineare Approximation für f in der Nähe von x<em>0 wird durch die Sekante gegeben, die die Punkte (x</em>0,f(x<em>0)) und (x</em>1,f(x1)) verbindet.
Die Steigung der Sekante ist x<em>1−x</em>0f(x<em>1)−f(x</em>0).
Weder die Sekante noch die Steigung sind für x<em>1=x</em>0 definiert.
Je näher x<em>1 an x</em>0 liegt, desto besser wird die Approximation.
Sei x<em>n</em>n=1∞ eine Folge mit x<em>n=x</em>0, so dass x<em>n gegen x</em>0 konvergiert.
Definiere die Folge der Steigungen α<em>n:=x</em>n−x0f(x</em>n)−f(x<em>0) und versuche, α als Grenzwert dieser Folge zu definieren.
Die Existenz dieses Grenzwertes für eine Folge bedeutet nicht, dass die ursprüngliche Funktion linear approximierbar ist.
Aber wenn der Grenzwert für jede Folge existiert, dann ist f linear approximierbar.
Annahme: f:(a,b)→R ist in x0∈(a,b) linear approximierbar.
Nach Definition 5.1.2 ist dies äquivalent zu f(x)−f(x<em>0)+α(x−x</em>0)=o(∣x−x<em>0∣)fu¨r x→x</em>0
Umformen durch Division durch ∣x−x<em>0∣. Für x=x</em>0: ∣x−x<em>0∣f(x)−f(x<em>0)+α(x−x</em>0)=∣x−x<em>0∣o(∣x−x</em>0∣)fu¨r x→x</em>0 ∣x−x</em>0∣f(x)−f(x<em>0)−α∣x−x</em>0∣(x−x<em>0)=∣x−x</em>0∣o(∣x−x<em>0∣)fu¨r x→x0
Fallunterscheidung:
Fall 1: x < x0: In diesem Fall gilt
∣x−x<em>0∣f(x)−f(x</em>0)−α∣x−x<em>0∣(x−x</em>0)=(x−x<em>0)f(x)−f(x</em>0)−α(x−x<em>0)(x−x</em>0)=x−x0f(x)−f(x</em>0)+α
Fall 2: x > x0: In diesem Fall gilt
∣x−x<em>0∣f(x)−f(x</em>0)−α∣x−x<em>0∣(x−x</em>0)=(x−x<em>0)f(x)−f(x</em>0)−α(x−x<em>0)(x−x</em>0)=x−x0f(x)−f(x</em>0)−α
Lineare Approximierbarkeit von f in x<em>0 ist äquivalent zu
x−x<em>0f(x)−f(x</em>0)−α=∣x−x<em>0∣o(∣x−x</em>0∣)fu¨r x→x</em>0 lim<em>x→x</em>0x−x</em>0f(x)−f(x<em>0)−α=lim<em>x→x</em>0∣x−x</em>0∣o(∣x−x<em>0∣)=0
Satz 5.1.4: Eine Funktion f:(a,b)→R ist in x<em>0∈(a,b) genau dann linear approximierbar, wenn
lim</em>x→x<em>0x−x<em>0f(x)−f(x</em>0)(5.1.1)
existiert. Außerdem gilt für die Steigung α der besten linearen Approximation
α=lim</em>x→x<em>0x−x0f(x)−f(x</em>0).(5.1.2)
Wenn der Grenzwert α in (5.1.2) existiert, dann wird die Funktion ℓ(x;x<em>0)=f(x</em>0)+α(x−x<em>0) Tangente an den Graphen von f in x</em>0 genannt. Ihre Steigung ist der Grenzwert der Steigungen der Sekanten.
5.2 Die Ableitung in einem Punkt
Definition 5.2.1: Sei f:(a,b)→R eine Funktion und x<em>0∈(a,b). Der Differenzenquotient von f in x</em>0 ist D<em>x</em>0f(x):=x−x</em>0f(x)−f(x<em>0).
Wenn der Grenzwert des Differenzenquotienten für x→x<em>0 existiert, dann heißt dieser Grenzwert die Ableitung von f in x</em>0 und wird mit f′(x<em>0) oder dxdf(x</em>0) bezeichnet.
In diesem Fall sagt man, dass f in x0 differenzierbar ist.
Differenzierbarkeit in einem Punkt ist eine lokale Eigenschaft einer Funktion.
Lemma 5.2.2: Wenn f:(a,b)→R in x<em>0∈(a,b) differenzierbar ist, dann ist f in x</em>0 stetig.
Die Umkehrung gilt nicht! Gegenbeispiele sind ∣x∣ in 0 und ∣x∣, die in 0 stetig, aber nicht differenzierbar sind.
Beweis von Lemma 5.2.2: Wenn f in x<em>0 differenzierbar ist, dann gilt f(x)=f(x</em>0)+f′(x<em>0)(x−x</em>0)+o(∣x−x<em>0∣). Also gilt ∣f(x)−f(x</em>0)∣≤∣f′(x<em>0)∣∣x−x</em>0∣+o(∣x−x<em>0∣), so dass insbesondere lim</em>x→x<em>0∣f(x)−f(x</em>0)∣=0, was Stetigkeit von f in x0 entspricht.
Beispiele:
Im Abschnitt 4.1 wurde gezeigt: lim<em>x→1x−1xn−1=nundlim</em>x→0xex−1=1(5.2.1)
Nach Definition 5.2.1 ist x−1xn−1=x−1f(x)−f(1)=D<em>1f(x) der Differenzenquotient von f(x)=xn in x</em>0=1.
Also impliziert der erste Grenzwert in (5.2.1), dass f′(1)=noderdxdxn∣<em>x=1=n.(5.2.2)
Analog ist xex−1=x−0ex−e0=D</em>0g(x) der Differenzenquotient von g(x)=ex in x<em>0=0.
Der zweite Grenzwert in (5.2.1) sagt uns, dass
g′(0)=1oderdxdex∣</em>x=0=1.(5.2.3)
Die Tangente zu xn in 1 ist y=1+n(x−1), die Tangente zu ex in 0 ist y=x+1.
g(x)=∣x∣ ist in 0 nicht linear approximierbar und somit nicht differenzierbar. x∣x∣={1amp;xgt;0−1amp;xlt;0 limx→0x∣x∣ existiert nicht.
Die Objekte lim<em>x↓x</em>0x−x</em>0g(x)−g(x<em>0)bzw.lim<em>x↑x</em>0x−x</em>0g(x)−g(x<em>0)(5.2.4)
werden auch benannt:
Definition 5.2.3: Wenn (x,x<em>0]⊆D(f) und der Grenzwert
lim</em>x↑x<em>0x−x<em>0f(x)−f(x</em>0)
existiert, dann nennen wir den Grenzwert die linksseitige Ableitung von f in x</em>0. Wir schreiben f′<em>−(x</em>0) oder dxdf−(x<em>0) dafür und sagen, dass f in x</em>0 linksseitig differenzierbar ist.
Wenn [x<em>0,x)⊆D(f) und der Grenzwert
lim</em>x↓x<em>0x−x<em>0f(x)−f(x</em>0)
existiert, dann nennen wir den Grenzwert die rechtsseitige Ableitung von f in x</em>0. Wir schreiben f′<em>+(x</em>0) oder dxdf+(x<em>0) dafür und sagen, dass f in x</em>0 rechtsseitig differenzierbar ist.
Notation 5.2.4: Sei I⊆R ein Intervall, f:I→R eine Funktion, und x<em>0 ein Punkt in I. Wir benutzen die Notation lim</em>x∈Ix→x<em>0f(x) für den Grenzwert von f(x</em>n) für alle Folgen x<em>n</em>n=1∞ mit x<em>n∈I, die gegen x</em>0 für n→∞ konvergieren. Dies ergibt den linksseitigen Grenzwert, den rechtsseitigen Grenzwert, oder den (üblichen) Grenzwert (abhängig davon, ob x0 der rechte Endpunkt des Intervalls, der linke Endpunkt des Intervalls, oder im Inneren des Intervalls ist).
g(x)=∣x∣ ist in 0 linksseitig und rechtsseitig differenzierbar mit dxdg−(0)=−1,dxdg+(0)=1
Eine Funktion f ist in x<em>0 genau dann differenzierbar, wenn dxdf−(x</em>0) und dxdf+(x<em>0) beide existieren und
dxdf−(x</em>0)=dxdf+(x0)
gilt.
5.3 Die abgeleitete Funktion
Definition 5.3.1: Sei I⊆R ein Intervall. Wenn f:I→R in jedem Punkt in I differenzierbar ist, also wenn lim<em>x∈Ix→x</em>0x−x</em>0f(x)−f(x<em>0)
existiert für alle x<em>0∈I, so heißt f einfach differenzierbar. Die Funktion f′:I→R,x</em>0↦f′(x0) heißt die Ableitung (oder die abgeleitete Funktion) von f. Wenn f′ stetig auf I ist, dann heißt f stetig differenzierbar und man schreibt f∈C1(I).
Die Ableitung in einem Punkt ist eine reelle Zahl. Die Ableitung (oder abgeleitete Funktion) ist eine Funktion.
Finden Sie eine Funktion, die differenzierbar, aber nicht stetig differenzierbar ist.
Beispiele:
f(x)=x2. Dann ist f′(x<em>0)=lim</em>x→x<em>0x−x<em>0f(x)−f(x</em>0)=lim</em>x→x<em>0x−x<em>0x2−x</em>02“00”=lim</em>x→x<em>0(x−x</em>0)(x−x</em>0)(x+x<em>0)=2x0
Also ist f′(x)=2x.
f(x)=ex. Es gilt f′(x<em>0)=lim</em>x→x<em>0x−x<em>0ex−ex</em>0“00”.(5.3.1)
Mit x=x</em>0+h: f′(x<em>0)=lim</em>h→0hex<em>0+h−ex</em>0=lim<em>h→0hex</em>0(eh−1)amp;=ex<em>0lim</em>h→0heh−1=ex0,
Also ist f′(x)=ex.
Somit löst ex die gewöhnliche Differentialgleichung f′−f=0.
f(x)=x. Dann ist f′(x<em>0)=lim</em>h→0hx<em>0+h−x</em>0“00”
Erweitern mit Eins: f′(x<em>0)=lim</em>h→0hx<em>0+h−x</em>0⋅x<em>0+h+x</em>0x<em>0+h+x</em>0amp;=lim<em>h→0h⋅(x</em>0+h+x<em>0)h=lim</em>h→0x<em>0+h+x</em>01=2x01.
Also ist f′(x)=2x1. Man bemerkt, dass D(f′)=(0,∞) eine echte Teilmenge des Definitionsbereiches von f ist.
Lemma 5.3.2: Sei I⊆R ein Intervall. Wenn f:I→R differenzierbar ist, dann ist f (auf I) stetig.
Die Umkehrung gilt nicht: ∣x∣ und ∣x∣ sind stetig (auf R), aber nicht differenzierbar (auf R).
5.4 Rechenregeln
Satz 5.4.1: Seien f,g:(a,b)→R in x0∈(a,b) differenzierbar. Dann gilt
(i) (Linearität)αf+βg mit α,β∈R ist in x<em>0 differenzierbar und
(αf+βg)′(x</em>0)=αf′(x<em>0)+βg′(x</em>0).
(ii) (Produktregel)f⋅g ist in x<em>0 differenzierbar und
(f⋅g)′(x</em>0)=f′(x<em>0)⋅g(x</em>0)+f(x<em>0)⋅g′(x</em>0).
(iii) (Quotientenregel) Wenn g(x<em>0)=0 ist, dann ist gf in x</em>0 differenzierbar und es gilt (gf)′(x<em>0)=(g(x</em>0))2f′(x</em>0)⋅g(x<em>0)−f(x</em>0)⋅g′(x<em>0).
Insbesondere ist (g1)′(x<em>0)=−(g(x0))2g′(x</em>0).
Die Aussage (i) drückt aus, dass Ableiten eine lineare Abbildung ist. Diese Tatsache ist sehr wichtig.
(Partieller Beweis von Satz 5.4.1): Der Beweis folgt aus den Eigenschaften der Grenzwerte.
Als Beispiel zeigen wir (ii). Es gilt lim<em>x→x</em>0x−x</em>0(f⋅g)(x)−(f⋅g)(x<em>0)amp;=lim<em>x→x</em>0x−x<em>0f(x)⋅g(x)−f(x<em>0)⋅g(x</em>0)=lim</em>x→x<em>0x−x</em>0f(x)⋅g(x)−f(x</em>0)⋅g(x)+f(x<em>0)⋅g(x)−f(x</em>0)⋅g(x<em>0)amp;=lim<em>x→x</em>0x−x</em>0(f(x)−f(x<em>0))⋅g(x)+lim<em>x→x</em>0x−x<em>0f(x<em>0)(g(x)−g(x</em>0))=lim</em>x→x<em>0x−x<em>0f(x)−f(x</em>0)lim</em>x→x<em>0g(x)+f(x</em>0)lim<em>x→x</em>0x−x</em>0g(x)−g(x<em>0)amp;=f′(x<em>0)⋅g(x</em>0)+f(x<em>0)⋅g′(x</em>0).
Oben haben wir sowohl den Satz über den Grenzwert einer Summe als auch die Tatsache, dass lim<em>x→x</em>0x−x</em>0f(x)−f(x<em>0),lim<em>x→x</em>0g(x),lim<em>x→x</em>0x−x</em>0g(x)−g(x<em>0)
existieren, benutzt. (Der erste und der dritte Grenzwert existieren, weil f und g in x<em>0 differenzierbar sind; der zweite Grenzwert existiert, weil g in x</em>0 stetig ist.)
Satz 5.4.2 (Kettenregel): Seien f:(a,b)→R und g:(c,d)→R Funktionen, wobei für ein x<em>0∈(a,b) gilt: y</em>0:=f(x<em>0)∈(c,d), f ist in x</em>0 differenzierbar und g ist in y<em>0 differenzierbar. Dann ist g∘f in x</em>0 differenzierbar und es gilt (g∘f)′(x<em>0)=g′(f(x</em>0))⋅f′(x0).(5.4.1)
Beweisidee: Nach Definition ist (g∘f)′(x<em>0)=lim</em>x→x<em>0x−x<em>0g(f(x))−g(f(x</em>0)).
Multiplikation mit f(x)−f(x<em>0)f(x)−f(x</em>0). Wenn f(x)=f(x</em>0) in einer punktierten Umgebung von x<em>0, kann man dies tun, und wir erhalten
lim</em>x→x<em>0x−x<em>0g(f(x))−g(f(x</em>0))=lim</em>x→x<em>0f(x)−f(x<em>0)g(f(x))−g(f(x</em>0))⋅x−x<em>0f(x)−f(x</em>0)=lim</em>x→x<em>0f(x)−f(x<em>0)g(f(x))−g(f(x</em>0))⋅lim</em>x→x<em>0x−x<em>0f(x)−f(x</em>0)=g′(y</em>0)f′(x<em>0)=g′(f(x</em>0))f′(x0).
Lemma 5.4.3: Wenn f:(a,b)→R in x<em>0 differenzierbar ist, dann ist
f∗(x)={x−x<em>0f(x)−f(x</em>0)x∈(a,b)\x</em>0f′(x<em>0)x=x</em>0
in x0 stetig.
Beweis: Folgt aus der Definition der Ableitung.
(Alternativer Beweis von Satz 5.4.2): Lemma 5.4.3 angewendet auf f in x<em>0 und g in y</em>0 ergibt f(x)amp;=f<em>(x)(x−x<em>0)+f(x</em>0)x∈(a,b)(5.4.2)g(y)amp;=g</em>(y)(y−y<em>0)+g(y</em>0)y∈(c,d).(5.4.3)
Ferner können wir annehmen, dass f(x)∈(c,d)∀x∈(a,b). Wir definieren y∈(c,d) durch y:=f(x) für x∈(a,b) und erhalten aus (5.4.3), dass g(f(x))amp;=g<em>(f(x))(f(x)−f(x<em>0))+g(f(x</em>0))(5.4.2)amp;=g</em>(f(x))(f<em>(x)(x−x<em>0))+g(f(x</em>0)).
Man erhält lim<em>x→x</em>0x−x</em>0g(f(x))−g(f(x<em>0))=lim<em>x→x</em>0g</em>(f(x))⋅f<em>(x).(5.4.4)
Aus der Stetigkeit von f</em> in x<em>0 folgt
lim</em>x→x<em>0f<em>(x)=f</em>(x</em>0)=f′(x<em>0).
Aus Satz 4.2.3 (iii), Stetigkeit von f in x</em>0 und Stetigkeit von g<em> in y<em>0 folgt
lim</em>x→x<em>0g</em>(f(x))=g∗(f(x</em>0))=g′(f(x0)).
Aus (5.4.4) und dem Satz über den Grenzwert eines Produkts erhält man (5.4.1).
Nach Satz 5.1.4 reicht es aus, wenn wir (g∘f)(x)−(g∘f)(x<em>0)−g′(f(x</em>0))f′(x<em>0)(x−x</em>0)=o(∣x−x0∣)(5.4.5)
zeigen.
Angesichts der Differenzierbarkeit von g und f in y<em>0 und x</em>0 haben wir g(y)−g(y<em>0)−g′(y</em>0)(y−y<em>0)=o(∣y−y</em>0∣)(5.4.6)f(x)−f(x<em>0)−f′(x</em>0)(x−x<em>0)=o(∣x−x</em>0∣).(5.4.7)
Wir setzen y=f(x) und y<em>0=f(x</em>0) in (5.4.6): g(f(x))−g(f(x<em>0))−g′(f(x</em>0))(f(x)−f(x<em>0))=o(∣f(x)−f(x</em>0)∣). (5.4.8)
Ersetzen von (5.4.7) in (5.4.8) ergibt (5.4.5).
Beispiele:
h(x)=ex2. Man setzt f(x)=x2,g(y)=ey. Dann ist h(x)=g∘f(x) und h′(x)=g′(f(x))f′(x)=ex2⋅2x.
f(x)=x2+5x,g(x)=x1. Dann ist (g∘f)(x)=x2+5x1,f′(x)=2x+5,g′(x)=−x21, und (g∘f)′(x)=−(x2+5x)21⋅(2x+5).
h(x)=ex2+5x. Dann ist h(x)=(g∘f)(x), wobei g(x)=x und f(x)=ex2+5x. Man erhält g′(x)=2x1,f′(x)=(2x+5)ex2+5x
(weitere Anwendung der Kettenregel), (g∘f)′(x)=2ex2+5x1⋅(2x+5)ex2+5x.
Definition 5.4.4: Wenn f′:(a,b)→R in x<em>0 differenzierbar ist, dann heißt
lim</em>x→x<em>0x−x<em>0f′(x)−f′(x</em>0)
die zweite Ableitung von f in x</em>0. Wir schreiben kurz
$$\frac{d^2 f}{dx^2} (x_