Duden Band 9 – Grammatik, Flexion und indirekte Rede

Die zwölf Bände des Duden-Standardwerks

  • 1. Die deutsche Rechtschreibung
  • 2. Das Stilwörterbuch – Typische Wortverbindungen
  • 3. Das Bildwörterbuch
  • 4. Die Grammatik
  • 5. Das Fremdwörterbuch
  • 6. Das Aussprachewörterbuch
  • 7. Das Herkunftswörterbuch
  • 8. Das Synonymwörterbuch
  • 9. Sprachliche Zweifelsfälle – Das Wörterbuch für richtiges und gutes Deutsch
  • 10. Das Bedeutungswörterbuch
  • 11. Redewendungen
  • 12. Zitate und Aussprüche

Band 9 – „Sprachliche Zweifelsfälle“ (9., überarbeitete und erweiterte Auflage)

  • Herausgeberin: Prof. Dr. Mathilde Hennig
  • Autorenteam
    • Grammatik: Prof. Dr. Mathilde Hennig, Prof. Dr. Jan Georg Schneider
    • Orthografie: Dr. Ralf Osterwinter
    • Lexik & Stil: Prof. Dr. Jan Georg Schneider, Dr. Anja Steinhauer

Publikations- und Copyright-Angaben

  • Redaktion: Roman Lehnhof, Dr. Ilka Pescheck
  • Mitarbeit: Christiane Hild, Leon König, Dr. Franziska Münzberg
  • Korpuslinguistische Bearbeitung: Philipp Meisner
  • Computerlinguistische Betreuung: Thorsten Frank
  • Herstellung: Alfred Trinnes
  • Typografisches Konzept & Satz: Umtexte Farnschläder & Mahlstedt, Hamburg
  • Umschlaggestaltung: Tom Leifer Design, Hamburg
  • Satz Wörterverzeichnis: Sagittarius-A GmbH, Hirschberg
  • Druck & Bindung: L.E.G.O. S.p.A., Vicenza (Printed in Italy)
  • Erscheinungsjahr: 2021 © Duden (Bibliographisches Institut GmbH, Mecklenburgische Straße 53, 14197 Berlin)
  • ISBN (Print): 978-3-411-04095-5
  • ISBN (E-Book): 978-3-411-913-61-9
  • PEFC-Zertifikat: „Der Inhalt stammt aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern und kontrollierten Quellen“ (www.pefc.de)
  • Rechtlicher Hinweis: Keine Vervielfältigung ohne schriftliche Einwilligung; Marken sind durch ® gekennzeichnet; Verlag haftet nicht für externe Links

Service: Duden-Sprachberatung

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  • Kostenloser Newsletter: www.duden.de/newsletter

Inhalt des Bandes (Auswahl wichtiger Seitenangaben)

  • Verzeichnis der Überblicksartikel: S. 6
  • Vorwort: S. 7
  • Einleitung „Sprachliche Zweifelsfälle …“: S. 9
  • Wörterverzeichnis A–Z: ab S. 25
  • Zeichen der Lautschrift: S. 1088
  • Benutzerhinweise: vordere & hintere Innendeckel

Verbflexion: Besonderheiten bei Wegfall des -e

  • Allgemeine Beobachtung: Das auslautende e der Endung -en kann in bestimmten Formen entfallen, v.0. a. aus rhythmischen oder lautlichen Gründen
  • 2. Person Singular Präsens st-Endung bleibt schriftsprachlich vollständig
    • Beispiele: du wäschst, du naschst, du wischst, du rutschst
  • 2. Person Singular / Plural Präteritum starker Verben
    • Grundform: Stamm + -st bzw. -t (du trankst – ihr trankt)
    • Bei Stammschluss -d/-t: eingeschobenes e nötig → ihr fandet, ihr botet; fakultativ in Singular → du fand[e]st
    • Bei Stammschluss -s-Laut: e bleibt meist erhalten → du aßest, ihr aß[e]t
  • Konjunktiv II starker Verben
    • e wird idR gesetzt, v.a. ohne Umlaut: ich schritte, du riefest
    • Mündlich gekürzt möglich: ich nähm, du trügst
    • Apostroph wird NICHT gesetzt
  • Wegfall des e in 1. / 3. Person Plural Präsens/Präteritum & Konjunktiv I/II
    • Nach Vokal oder h möglich: wir fliehn / flohn / flöhn
    • Nach -ie NIE geschrieben: wir schrien (nicht *schrieen)
    • Kein Apostroph
  • Wegfall des e in 1. / 3. Person Singular Präteritum (poetisch)
    • Typisch für dichterische Sprache
    • Apostroph nur zur Vermeidung von Missverständnissen: „Was sollt’ ich tun?“
    • Außerhalb der Poesie: volle Form (ich suchte)
  • Querverweise: tu[e] → ttun; werden (Indikativ) → twerden; Indikativ vs Konjunktiv → Konjunktiv, indirekte Rede

Indirekte Rede – Grundlagen

  • Definition: Wiedergabe fremder Äußerungen mit Außenperspektive; nicht wortwörtlich
  • Kennzeichnungsvarianten
    • Rede­einleitendes Verb (sagen, berichten, behaupten u.0.): zentrales Merkmal & Möglichkeit der Wertung
    • Satzformen nach dem einleitenden Verb: Nebensatz, Hauptsatz, Infinitivgruppe
    • Bsp.: „Der Tatverdächtige gab an, dass er nichts gewusst habe.“ / „… er habe nichts gewusst.“ / „… nichts gewusst zu haben.“
    • Indirekte Fragesätze: NUR eingeleiteter Nebensatz → „Der Reporter fragte, ob/wem …“
    • Feste verkürzte Muster ohne Verb: „Laut Innenministerium besteht …“ – „so die Polizei“ – „Berichten zufolge …“
  • Personenverschiebung obligatorisch (1. → 3. Person u.0.):
    • direkt: „Ich gebe dir meinen Wagen nicht.“
    • indirekt: „Er sagte, er gebe mir seinen Wagen nicht.“
  • Indikativ vs. Konjunktiv
    • Indikativ möglich, wenn das einleitende Verb die Fremdrede eindeutig markiert
    • Konjunktiv bietet zusätzliche Distanzierung – Standard in Journalismus, juristischen, polizeilichen & wissenschaftlichen Textsorten
    • Untergeordnete Sätze sollen zur Klarheit ebenfalls Konjunktiv behalten
    • Bestimmte Verben nur mit Indikativ kombinierbar: wissen, vergessen u.0.

Konjunktivgebrauch – detaillierte Regeln

  • Grundsatz: Konjunktiv I, sofern die Form eindeutig vom Indikativ unterscheidbar ist; sonst Konjunktiv II; notfalls würde + Infinitiv
  • Formen eindeutig in Konjunktiv I
    • 3. Person Singular ALLER Verben: er liebe (≠ er liebt)
    • Vollständige Paradigmata von sein + Singular von dürfen, können, mögen, müssen, sollen, wollen, wissen
    • Beispiel: „Marie sagt, sie komme morgen und bringe das Buch mit.“
  • Einsatz von Konjunktiv II, wenn Konjunktiv I = Indikativ
    • Beispiel: „Peter sagte, seine Eltern seien nicht zu Hause gewesen. Sie hätten den Abend bei Freunden verbracht.“
    • Wechsel Indikativ → Konjunktiv kann Perspektivwechsel signalisieren
  • Uneindeutige Formen & Alltagssprache
    • Viele schwache Verben & einige starke: Konjunktiv II = Indikativ Präteritum (wir lernten, sie riefen)
    • Umgangssprache nutzt oft Konjunktiv II, auch wenn K I verfügbar wäre: „Sie sagte, sie wäre die Chefin.“
  • Irreale Konditionalstrukturen bleiben unverändert: „… sie hätte das Spiel gesehen, wenn …“
  • würde-Konstruktion
    • Ersatz, wenn K I & K II identisch oder ungebräuchlich sind: „sie würden ihn kennen“ (statt *sie kennten)
    • Markiert oft Zukunftsbezug: „Er meinte, das Projekt würde bald starten.“
  • Kontextabhängige Deutung uneindeutiger Formen möglich (Indikativ Präteritum vs. K II)
    • „Wir sollten das Auto zurückbringen.“ (real) vs. „Sie sagt, wir sollten …“ (indirekt)
  • Klarheit vor Eleganz: In unübersichtlichen Fällen besser würde + Infinitiv

Praktische & stilistische Hinweise

  • Apostroph nur setzen, wenn ohne ihn Mehrdeutigkeit entsteht (poetische Elisionen)
  • In allen genannten Flexionsfällen KEIN Apostroph bei gewöhnlichem Vokalwegfall
  • Konjunktiv als Mittel der journalistischen Distanzierung, juristischen Sachverhaltsdarstellung und wissenschaftlichen Objektivierung
  • Wahl des redeeinleitenden Verbs beeinflusst Sprecherhaltung (neutral vs. wertend)

Verbindungen zu anderen Duden-Bänden & Grundlagen

  • Band 4 „Die Grammatik“ liefert systematische Flexionsübersichten; Band 6 „Aussprache“ ergänzt phonologische Informationen
  • Band 9 fokussiert auf Zweifelsfälle und Norm ↔ Gebrauch, bindet also Daten aus Corpuslinguistik (Bearbeiter: Philipp Meisner) & Computerlinguistik (Betreuung: Thorsten Frank) ein
  • Beispiele spiegeln Sprachwandel und Variation (z. B. Tendenz zum würde-Konjunktiv, Wegfall e in Umgangssprache)

Beispiele, Metaphern & Relevanz

  • Zitat Bernard Shaw: Menschen „würfen das Wort Kommunismus … wie tote Katzen übern Zaun“ → illustriert Funktion eindeutiger K II-Formen
  • Poetische Kürzungen („lebt’ ich“, „sollt’ ich“) zeigen Interaktion von Metrik & Grammatik
  • Reale Service-Beispiele (Sprachberatung, Newsletter) verdeutlichen praktische Anwendung des Werks

Ethische & rechtliche Implikationen

  • Urheberrechtlicher Schutz: Kein Kopieren zu Unterrichtszwecken ohne Einwilligung
  • Markenrecht: „Duden“ als geschützte Marke; ®-Vermerke wesentlicher Bestandteil
  • Transparenzpflicht: Verlag distanziert sich von Inhalten verlinkter Websites; Nutzer tragen Verantwortung