Grundlagen von Datenbanksystemen
Prof. Dr. Marcus Paradies (LMU)
Datenbanksysteme
17/10/2025
Kapitel 1: Grundlagen von Datenbanksystemen
Einführung in die Thematik und Relevanz von Daten in der modernen Welt, oft beschrieben als "das neue Öl des 21. Jahrhunderts".
Datenbasierte Dienste, die nicht auf physischen Ressourcen basieren (z.B. Uber, AirBnB).
Geschäftlicher Wert entsteht vollständig aus Daten. Unternehmen müssen ihre Daten sicher verwalten, um zu überleben.
Datenbanksysteme (DBS): universelle, standardisierte Systeme zur sicheren Speicherung von Daten.
Motivation
Daten als wertvolle Ressource:
Veränderungen in den letzten Jahren erläutert, dass Dienstleistungen zunehmend datengetrieben sind.
Quelle: The Economist - "The world’s most valuable resource is no longer oil, but data"
Beispiel: Amazon Prime Day 2024
Umsatz und Verkaufszahlen:
$14.2 Milliarden in den USA.
Verkaufszahlen pro Tag:
Tag 1: $7.1 Milliarden
Tag 2: $6.9 Milliarden
Insgesamt 93,513 Bestellungen, durchschnittlicher Bestellwert: $58.
300 Millionen Artikel verkauft.
Prime Day als wichtiges Verkaufsereignis, zweitgrößtes nach Black Friday.
Quellen: AWS Blog & Fitsmallbusiness.com
Lernziele
Ziel des Kurses ist es, wie man ein Datenbanksystem effektiv nutzt und wie es funktioniert, um die Leistung optimieren zu können.
Probleme alternativer Lösungen
Diskussion über Herausforderungen, die bei der Verwaltung von Informationen über Studierende, Kurse und Einschreibungen auftreten können.
Anfang mit einem „Straw-Man Proposal“: Nutzung einer Programmiersprache wie Python.
Anforderungen:
Daten speichern, einlesen, Abfragen formulieren und ändern.
Umfrage
Interaktive Umfrage zur Erfassung der Probleme, die bei selbstgeschriebenen Programmen zur Datenverwaltung auftauchen könnten.
Probleme bei alternativen Lösungen
Typische Probleme, die durch alternative Lösungen (nicht-Datenbank Systeme):
Datenredundanzen und -inkonsistenzen
Eingeschränkte Zugriffsmöglichkeiten
Probleme beim Mehrbenutzerzugriff
Datenverluste
Verletzung der Datenintegrität
Sicherheitsprobleme
Hoher Entwicklungsaufwand
Was ist ein Datenbanksystem?
Definition:
Ein System zur Speicherung und Verwaltung von Daten, bestehend aus:
Datenbank (DB)
Datenbankmanagementsystem (DBMS)
Datenbank:
Integrierte Sammlung von Daten, die persistent gespeichert sind, beschreibt Informationen und Aktivitäten über Entitäten.
Beispiel: Universitätsdatenbank mit Informationen über Studierende, Lehrveranstaltungen usw.
Datenbankmanagementsystem (DBMS)
Sammlung von Softwarepaketen, die zur Speicherung, Zugriff und Verwaltung von Datenbanken entwickelt wurden.
Anwendung eines Datenbanksystems
Benutzer greifen über Anwendungen auf die Datenbank und das DBMS zu.
Zweck eines Datenbanksystems
Codds zwölf Regeln:
Datenintegration: Einheitliche Verwaltung aller Daten
Effizienter Datenzugriff: Bereitstellung von Datenbanksprachen zur Speicherung, Abfrage und Verwaltung
Datenkatalog: Metadaten über Strukturen der Datenbank
Benutzer-/Anwendungssichten: Verschiedene Sichten für unterschiedliche Benutzer
Integritätsbedingungen: Gewährleistung von Datenintegrität durch das DBMS
Sicherheitsmechanismen: Schutz der Daten vor Bedrohungen
Transaktionen: Zusammenfassen mehrerer Operationen zu logischen Einheiten
Synchronisation: Gleichzeitige Benutzertransaktionen
Wiederherstellung: Datenwiederherstellung nach Systemabstürzen
Geschichte des Datenmanagements
60er Jahre:
Einfache Dateien und anwendungsspezifische Datenorganisation.
70er und 80er Jahre:
Aufkommen relationaler Datenbanksysteme mit drei Ebenen Architektur und deklarativen Datenbanksprachen.
Evolution:
Codd’s relationales Modell als Grundlage und Entwicklung von Systemen wie System R und Ingres.
Marktentwicklung von $24 Milliarden für Datenbanktechnologien.
Entwicklungstrends
Hardware-Architekturen:
Unterstützung durch Mehrkernprozessoren, In-Memory-Datenbanksysteme (SAP HANA) etc.
Cloud-Datenbanken:
Hosting-Lösungen mit skalierbarem Datenmanagement.
Datenstromverarbeitung:
Online-Datenverarbeitung von Live-Daten für Echtzeitanalysen.
Big Data:
Verarbeitung von Petabyte-Daten durch hochskalierte Datenverarbeitungs- und Analysetools.
NoSQL-Datenbanken:
Nicht-relationale Datenbanksysteme, flexible Schemata, geringere Komplexität.
Das Datenbank-Ökosystem
Übersicht über verschiedene Arten von Datenbanksystemen (RDBMS, NoSQL, Cloud-Datenbanken), deren Anwendungen und spezifischen Merkmale.
Sichten auf Daten
Ziel eines DBMS: Abstrakte Sicht auf Daten zur Verbergung der Speicherdetails.
Ebenen:
Physisches Level: Wie Daten tatsächlich gespeichert sind.
Logisches Level: Welche Daten gespeichert werden (Entitäten und Beziehungen).
Sicht-/Anwendungslevel: Wie Benutzer die Daten sehen.
Schemata & Instanzen
Datenbankschema: Beschreibung einer Sammlung von Daten.
Instanz: Tatsächlicher Inhalt der Datenbank zu einem bestimmten Zeitpunkt.
Datenunabhängigkeit
Veränderbarkeit der Schema-Definitionen ohne Beeinflussung höherer Ebenen.
Logische und physische Datenunabhängigkeit definiert.
Datenmodelle
Sammlung von Konzepten zur Beschreibung von Daten und deren Beziehungen.
Beispiele: ER-Modell, relationales Modell.
Datenbanksprachen
DDL (Data Definition Language): zur Definition von Schemas. Beispiel:
CREATE TABLE.DML (Data Manipulation Language): zur Abfrage und Manipulation von Daten. Beispiel:
INSERT INTO,SELECT.
Anwendungsarchitekturen
Client-Server-Modell wird typischerweise genutzt. Trennung der Funktionalitäten einer Anwendung in Benutzeroberfläche, Anwendungslogik und Datenverwaltungsfunktionen.
Zusammenfassung
Datenbanksysteme sind eine zentrale Säule für die Speicherung, Verwaltung und den Abruf von Daten in verschiedenen Anwendungsfeldern wie Finanzwesen und Gesundheitswesen.
Kursübersicht
Kapitel 1: Grundlagen von Datenbanksystemen
Kapitel 2: Relationales Modell
Kapitel 3: SQL
Kapitel 4: Konzeptionelles Datenbankdesign
Kapitel 5: Theorie relationaler Datenbanken
Kapitel 6: Speicher- und Dateistrukturen
Kapitel 7: Transaktionsverarbeitung
Kapitel 8: Anfrageverarbeitung
Kapitel 9: Ausblick