Charakterisierungsmethoden in Festkörperchemie - XPS
1. Einleitung zur Röntgenphotoelektronenspektroskopie (XPS)
XPS ist eine Methode zur Charakterisierung von Festkörpern.
Durchführung von Messungen im Ultrahochvakuum (UHV).
Fokus auf die Analyse kinetischer Energien von Elektronen, um Informationen über die Oberfläche von Materialien zu erhalten.
Schlüsselbegriffe:
Ionisierungsenergie: Die Energie, die benötigt wird, um ein Elektron aus einem Atom oder Molekül zu entfernen.
Austrittsarbeit: Die Menge an Energie, die benötigt wird, um ein Elektron aus der Oberfläche eines Materials zu befreien.
Bindungsenergie: Die Energie, die ein Elektron an sein Atom bindet.
2. Grundlagen der elektromagnetischen Strahlung
Elektromagnetische Strahlung hat einen Wellencharakter.
Intensität (Energie) der Strahlung wird durch die Wellenamplitude (genauer: Quadrat der Amplitude) bestimmt.
Klassisches Konzept von Licht als Welle:
Die Energie einer Welle hängt nur von der Amplitude ab, jedoch nicht von der Frequenz.
Interferenzen:
Konstruktive Interferenz: Verstärkung der Welle durch Überlagerung.
Destruktive Interferenz: Abschwächung oder Auslöschung von Wellen.
Mit abnehmender Bestrahlungsstärke sollte die kinetische Energie der emittierten Elektronen sinken.
3. Der photoelektrische Effekt
Entdeckung des äußeren photoelektrischen Effekts durch Heinrich Hertz und Wilhelm Hallwachs (1887).
Erklärung durch Albert Einstein (Nobelpreis 1921).
Feststellung:
Es ist nicht die Intensität des Lichts, sondern dessen Frequenz, die bestimmt, ob Elektronen aus einer Oberfläche herausgelöst werden können.
Beziehung: $E = h \
u$, wobei $E$ die Energie des Photons ist.
Intensität der Strahlung bezeichnet die Anzahl der Photonen und die „Farbe“ der Strahlung beschreibt die Energie eines Photons.
4. Arten des photoelektrischen Effekts
Äußerer photoelektrischer Effekt (Hallwachs-Effekt): Herauslösen von Elektronen aus Materialien durch UV- oder Röntgenstrahlung.
Minimum von Energie von Photonen erforderlich (Austrittsarbeit).
Kinetische Energie der freigesetzten Elektronen steigt linear mit der Energie der Photonen.
Unterschiede in der Bindung: Für schwächer gebundene Elektronen ist die Auslösung einfacher als für stärker gebundene.
Innerer photoelektrischer Effekt:
Photoleitung: Elektron-Loch-Paare in Halbleitern.
Photovoltaischer Effekt: Umwandlung von Lichtenergie in elektrischen Strom.
Photoionisation: Ionisation von Atomen oder Molekülen, die durch Bestrahlung entstehen.
5. Die XPS Methode
XPS gilt als eine fundamentale Methode zur Untersuchung von Oberflächen.
Anwendungsgebiete:
Mikroelektronik
Heterogene Katalyse
Umweltgeochemie
Informationen, die durch XPS bereitgestellt werden:
Oxidationszustände von Elementen
Elektronische Struktur
Atomare Zusammensetzung
Untersuchung von Oberflächen und Grenzflächen bis unter 100 Å.
Messempfindlichkeit von unter 0.1%.
6. Grundlagen der XPS Analyse
Das Prinzip der XPS beruht auf der Bestimmung der Bindungsenergie eines aus dem Festkörper entkommenen Photoelektrons:
$E_b = \text{Bindungsenergie}$
$E_k = \text{Kinetische Energie}$
$\phi_s = \text{Arbeitsfunktion/Austrittsarbeit}$
Einfluss der Dualität: Ein Elektron wird durch Photonenausstoß emittiert und über UV-Strahlung angeregt.
7. XPS Spektren und Analyse
Beispiel:
Ni-Schicht auf einer SiO2-Oberfläche analysiert.
XPS-Spektrum zeigt Intensität (kinetische Energie) vs. Bindungsenergie.
Darstellung von Kernniveaus für Elemente wie Ni2p, O1s, Si2s, Si2p, C1s:
Diagramm zeigt Intensität im Verhältnis zu Energie im XPS-Spektrum.
8. Auswertung des XP-Spektrums
Bestimmung der Oxidationsstufe durch hochaufgelöste Scans (narrow scans).
Kleine Abweichungen (0-3 eV) deuten auf unterschiedliche elektronische Umgebungen und Valenzelektronen hin.
Zunahme an Bindungsenergie mit steigender Oxidationszahl.
9. Qualitative und quantitative Analyse
Qualitative Analyse:
Einfluss chemischer Umgebung auf das XPS O1s Spektrum von TiO2, ausgesetzt an Wasser.
Quantitative Analyse:
Bestimmung der Zusammensetzung durch die Formel:
Wichtigkeit der Intensität (I), des atomaren Sensitivitätsfaktors (S) und der Konzentration (C).
XPS-Signal stammt nur von oberflächennahen Atomen.
10. Anwendungen von XPS
In der Forschung von alkalischen Brennstoffzellen:
Anodenseite: 2 H2 + 4 OH- → 4 e- + 2 H2O
Kathodenseite: O2 + 4 e- → 2 H2O
Betriebstemperatur von 60 – 100° mit KOH als Elektrolyt und Kühlmittel.
Verstopfung poröser Elektroden, Bildung von Wasser während des Betriebs.
Elektroden bestehen aus industriellem Ruß, dotiert mit Katalysatoren und haben spezifische Oberflächen.
11. Weitere Anwendungen von XPS
Analyse von Perowskit-Materialien:
Strukturen und Dotierungen, die nicht-stöchiometrische Eigenschaften aufweisen.
Interaktion zwischen Pt und H2O in Katalysatoren:
O1s-Peak und Pt4f7/2-Peak Analysen für die Koordinationseigenschaften.
12. Zusammenfassung der Kernaussagen
XPS ermöglicht die Untersuchung des Oxidationszustands, der elektronischen Struktur und der atomaren Zusammensetzung.
XPS ist eine Oberflächenmethode, die durch die Anregung mittels Röntgenstrahlung Elektronen aus Materialien herauslöst.
Hohe Anwendbarkeit in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen wie der Mikroelektronik und der Katalyse.