3 3.1 - 3.2

Innen- und wirtschaftspolitische Probleme in den zwanziger Jahren

3.1 Einführung

  • Die Gründung der Weimarer Republik bis 1923 war geprägt von inneren Unruhen und mehreren Putschversuchen sowie Aufständen.

  • Politiker wurden ermordet, und die fragile Friedensordnung des Versailler Vertrages wurde 1923 durch die Besetzung des Ruhrgebiets durch Frankreich und Belgien erheblich gestört.

  • Ziel dieses Kapitels ist es, die Auswirkungen dieser Krisen und deren Bewältigung darzustellen.

3.1 Der Kapp-Putsch

Öffentliche Meinung und antidemokratisches Denken
  • Die öffentliche Meinung änderte sich nach der Novemberrevolution, der Wahl zur Nationalversammlung, dem Friedensschluss von Versailles und der Verabschiedung der Weimarer Verfassung im Jahr 1919 sehr schnell.

  • Der Soziologe Ernst TROELTSCH bemerkte eine „Welle von rechts“.

  • Dolchstoßlegende: Ein nicht zu unterschätzendes Element der damaligen Zeit.

    • Der ehemalige Generalfeldmarschall und spätere Reichspräsident HINDENBURG erklärte im November 1919, dass die politischen Parteien den Widerstandswillen der Heimat erdrückt hätten.

    • Er sprach von der „heimlichen planmäßigen Zersetzung von Flotte und Heer“ und einer „revolutionären Zermürbung“ an der Front.

    • Vor einem Jahr hätten sich Studenten für pazifistische und revolutionäre Ideen ausgesprochen, jedoch musste man nun mit antisemitischen und nationalistischen Einsprüchen rechnen.

    • Patriotische Scham und Empörung über das Schicksal Deutschlands, verbunden mit dem Betrug von Versailles und der Schwäche der Regierung, verstärkten die antidemokratischen Strömungen.

3.2 Der Kapp-Putsch

Details zum Putsch
  • Die Gefahr von rechts manifestierte sich besonders im März 1920.

  • Demobilisierte Offiziere und Freikorpsführer, unterstützt von Großindustriellen, planten einen Putsch.

  • Am 12. März 1920 marschierten Freikorps unter General LÜTTWITZ in Berlin ein und setzten die Regierung ab, wobei KAPP als neuer Reichskanzler ausgerufen wurde.

  • Die Reichswehr weigerte sich, auf die Freikorps zu schießen, was die Regierung zwingend zur Flucht aus Berlin führte.

Generalstreik
  • Der Einbruch des Putsches wurde durch einen Generalstreik der Gewerkschaften, SPD, USPD, KPD und DDP bewirkt.

  • Arbeiter gelang es, Betriebe lahmzulegen, wodurch die neue Regierung keine Autorität mehr behalten konnte.

  • Am 17. März 1920 flohen KAPP und LÜTTWITZ ins Ausland.

Rote Armee im Ruhrgebiet
  • Nach dem Scheitern des Kapp-Putsches entstand eine bewaffnete Arbeiterbewegung im Ruhrgebiet, Sachsen und Thüringen, die von der KPD unterstützt wurde.

  • Es wurde eine Rote Armee mit über 50.000 Mann im Ruhrgebiet gebildet.

  • Diese Aufstände wurden mit Gewalt und dem Einsatz von Freikorps und Wehrmacht bis Mitte April 1920 unterdrückt.

3.3 Aufgaben zur Selbstüberprüfung

Fragen
  • 3.1: Nennen Sie die von TROELTSCH beschriebenen Träger des antidemokratischen Denkens in der Weimarer Republik.

  • 3.2: Vergleichen Sie HINDENBURGs "Dolchstoßlegende" vom November 1919 mit dem Telegramm der Obersten Heeresleitung (OHL) vom 3. Oktober 1918, das an den Kanzler gerichtet war. Nennen Sie wichtige Unterschiede.

  • 3.3: Welche Funktion könnte Ihrer Ansicht nach die „Dolchstoßlegende“ gehabt haben?

3.4 Reichstagswahlen und Regierungsbildung

Wahlergebnisse
  • Nach den Aufständen fanden die Wahlen zum ersten Reichstag der Weimarer Republik am 6. Juni 1920 statt.

  • Die Wahlergebnisse zeigten ein Schwinden des Vertrauens in die Parteien der Weimarer Koalition.

  • Die USPD erhielt 84 Sitze (statt 22), DVP 65 (statt 19), DNVP 71 (statt 44). KPD erhielt 4 Sitze.

  • Die SPD verlor von 165 auf 102 Sitze, DDP fiel von 75 auf 39 Sitze.

  • Das Zentrum konnte 85 Sitze halten.

  • Die gemäßigten Parteien (SPD, DDP, Zentrum) hatten nur noch 226 von 459 Mandaten und hatten somit ihre Mehrheit auf ein Minimum reduziert.

Häufiger Regierungswechsel
  • Koalitionen im Reichstag fanden oft keine baldige Zustimmung.

  • Regierungen wie die Weimarer Koalition oder die bürgerliche Koalition waren nicht stabil, was zu häufigen Regierungswechseln führte.

3.5 Reform des Reichstags

Übersicht der Reichsregierungen
  • Tabelle 3.2 beschreibt die Reichsregierungen der Weimarer Republik.

  • 1. Philipp Scheidemann ( SPD ) 13.02.1919 bis 20.06.1919 - Unterzeichnung des Versailler Vertrages.

  • 2. Gustav Bauer ( SPD ) 21.06.1919 bis 26.03.1920 - Kapp-Lüttwitz-Putsch.

  • 3. Hermann Müller ( SPD ) 27.03.1920 bis 08.06.1920 - Reichstagswahlen.

  • 4. Konstantin Fehrenbach ( Zentrum ) 25.06.1920 bis 04.05.1921 - Londoner Ultimatum.

  • 5. Josef Wirth ( Zentrum ) 10.05.1921 bis 26.10.1921 - Protest gegen die Oberschlesienentscheidung des Völkerbundes.

  • 6. Josef Wirth ( Zentrum ) 26.10.1921 bis 14.11.1922 - Scheitern einer Großen Koalition.

Häufige Regierungswechsel als Kennzeichen
  • Die häufigen Regierungswechsel schadeten dem Ansehen des Weimarer Staates und schränkten die außenpolitische Stellung Deutschlands ein.

3.6 Selbstüberprüfungsfragen zur Entwicklung

Fragen
  • 3.6: Welche Parteien hatten in den Reichstagen eine relativ stabile Zahl von Abgeordneten?

  • 3.7: Wie entwickelte sich nach 1928 die Abgeordnetenzahl der ehemaligen Weimarer Koalition?

  • 3.8: Nennen Sie den Grund für die unterschiedlichen Gesamtzahlen an Abgeordneten in den Reichstagen der Weimarer Republik.

3.7 Abgeordnetenzahlen der Reichstage 1919–1933

  • Tabelle 3.3 zeigt die Abgeordnetenzahlen in den Reichstagen von 1919 bis 1933 und stellt signifikante Veränderungen hin.

  • Verschiedene Parteien, darunter die NSDAP und die DNVP, erlebten wechselnde Unterstützungspeaks über die Jahre hinweg, was ebenfalls die politische Landschaft der Weimarer Republik auswählen könnte.