Scheitern der Weimarer Republik und Aufstieg des Nationalsozialismus
Das Scheitern der Weimarer Republik und der Aufstieg Paul von Hindenburgs
Die Erosion der parlamentarischen Demokratie in Deutschland begann bereits Jahre vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Seit dem Jahr bekleidete Paul von Hindenburg das Amt des Reichspräsidenten, was eine zunehmende Verschiebung der politischen Macht weg vom Parlament und hin zum Staatsoberhaupt markierte. Ein entscheidender Wendepunkt war die Weltwirtschaftskrise des Jahres . In dieser Zeit gewannen Marktspekulationen massiv an Beliebtheit, was Ende in panischen Massenverkäufen mündete. Dies führte zum Zusammenbruch zahlreicher Banken, was insbesondere auf die starke wirtschaftliche Abhängigkeit Deutschlands von den USA zurückzuführen war, die durch Exporte und Kredite definiert war. Infolgedessen sah sich die Regierung gezwungen, drastische Sparmaßnahmen und Massenentlassungen einzuleiten. Die Kombination aus Inflation, rasant steigender Arbeitslosigkeit und einem massiven Rückgang der Industrieproduktion überlastete das Sozialsystem vollständig und schürte existenzielle Ängste in der Bevölkerung.
Das politische Klima war geprägt von Hetze und gezielter Beeinflussung, wodurch radikale Parteien verstärkt Zulauf erhielten. Die Agitation dieser radikalen Kräfte richtete sich direkt gegen das bestehende politische System, was schließlich zum Ende der großen Koalitionen führte. Reichspräsident Hindenburg reagierte darauf, indem er Heinrich Brüning mit der Bildung eines Präsidialkabinetts beauftragte. Dies bedeutete eine Regierung ohne parlamentarische Kontrolle und eine immense Stärkung der Position des Reichspräsidenten bei gleichzeitiger Schwächung des Reichstags. Als der Reichstag die Aufhebung von Notverordnungen forderte, löste Brüning diesen unter Rückgriff auf die Machtbefugnisse des Reichspräsidenten auf, was in den folgenden Monaten zu ständigen Neuwahlen führte. Trotz fehlender Regierungsmehrheit blieb das Kabinett bestehen, ein Modell, das auch unter den späteren Kanzlern Franz von Papen und Kurt von Schleicher fortgesetzt wurde. Die öffentliche Ordnung zerfiel zusehends, was sich in gewaltsamen Straßenkämpfen zwischen der NSDAP und der KPD äußerte. Um die NSDAP politisch zu kontrollieren, verfolgten konservative Kreise das sogenannte Zähmungskonzept, bei dem Adolf Hitler durch die Einbindung in ein Kabinett eingegrenzt werden sollte.
Die Stufen der nationalsozialistischen Machtergreifung
Am erfolgte die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler, womit die Phase der legalisierten Zerstörung der Demokratie eingeleitet wurde. Entgegen dem gescheiterten Zähmungskonzept verfolgte die Führung der NSDAP eine Strategie der aggressiven Propaganda und der systematischen Bekämpfung politischer Gegner. Durch Notverordnungen auf Basis des Artikels der Weimarer Verfassung wurde zunächst die Pressefreiheit massiv eingeschränkt. Der Vorfall des Reichstagsbrands am , der fälschlicherweise den Kommunisten zugeschrieben wurde, lieferte den Vorwand für die Reichstagsbrandverordnung vom . Diese Notverordnung Hindenburgs zum Schutze von Volk und Staat setzte wesentliche Grundrechte wie Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit sowie das Briefgeheimnis außer Kraft. Damit endete der Rechtsstaat faktisch; die Todesstrafe wurde bei Hochverrat obligatorisch, und die Unabhängigkeit der Justiz war am Ende.
Obwohl die NSDAP bei den Neuwahlen keine absolute Mehrheit erzielen konnte, wurde am das Ermächtigungsgesetz verabschiedet. Dieses Gesetz ermöglichte es der Regierung, über einen Zeitraum von Jahren Gesetze ohne die Zustimmung des Reichstags zu erlassen, wodurch die Exekutive auch zur Legislative wurde. Dies bedeutete das Ende der Gewaltenteilung und der Volkssouveränität sowie die endgültige Zerstörung der Verfassung. In der Folge sicherten Gleichschaltungsgesetze die totale Kontrolle unter der Parole Ein Volk, ein Reich, ein Führer. Diese Maßnahmen umfassten die Gleichschaltung der Länder und Kommunen zur Beendigung des Föderalismus und die Einsetzung von NSDAP-Gauleitern. Gewerkschaften wurden zerschlagen und durch NS-Organisationen ersetzt, politische Parteien wurden verboten oder aufgelöst, bis die NSDAP als staatliche Einheitspartei verblieb. Auch das Beamtentum und die Justiz wurden durch Entlassungen von Kritikern und jüdischen Mitbürgern gesäubert. Nach dem Tod von Hindenburg vereinigte Hitler die Ämter des Parteiführers, des Reichskanzlers, des Staatsoberhaupts, des obersten Gerichtsherrn und des obersten Befehlshabers der Wehrmacht in seiner Person als Führer im Führerstaat.
Die Weltanschauung des Nationalsozialismus
Die NS-Ideologie war eine spezifische Form des Faschismus, einer nationalistischen, autoritären und totalitären Bewegung, die in den Jahren als Antwort auf die Krise der Moderne entstand. Sie basierte auf dem Führerprinzip, Antiparlamentarismus, Antiliberalismus, Antikommunismus und einem radikalen Nationalismus. Hinzu kamen Einflüsse der völkischen Bewegung des , die durch Rassismus, Antisemitismus und Sozialdarwinismus geprägt war. Die Idee der Volksnation wurde durch den biologischen Begriff der Volksgemeinschaft umgedeutet, wobei bereits im ersten Weltkrieg der Zusammenhalt aller Deutschen beschworen worden war. Der NS-Rassismus konstruierte eine Hierarchie, in der die Arier als höherwertige, kulturschöpferische Herren- und Kriegerrasse galten, während Slawen, Asiaten und Afrikaner als kulturell unfruchtbare Kuli- oder Fellachenrassen abgewertet wurden. Juden wurden als minderwertige, kulturzersetzende Parasiten stigmatisiert, was im radikalen Rassenantisemitismus mündete.
Die Geschichte wurde als permanenter Kampf der Rassen um das Überleben interpretiert, was als sozialdarwinistisches Entwicklungsprinzip diente. Diese Ideologie wurde zur Leitlinie aller staatlichen Politik und führte zur Entrechtung und Vernichtung sogenannter Untermenschen durch Rassenhygiene, Euthanasie und einen Antisemitismus der Tat. Das Ziel war die Gewinnung von Lebensraum im Osten durch die Unterwerfung dortiger Völker. Die Volksgemeinschaft wurde als ethnische Bluts-, Schicksals- und Willensgemeinschaft definiert, die sich direkt von den Germanen herleitete. Innerhalb dieser Gemeinschaft galt die strikte Abgrenzung zwischen Volksgenossen und Volksschädlingen, was zur Ausgrenzung und Vernichtung aller Gegner führte. Der nationale Sozialismus innerhalb dieses Konzepts lehnte Klassengegensätze ab und forderte die Unterordnung des Einzelnen unter das Kollektiv nach dem Motto: Du bist nichts, dein Volk ist alles. Ziel war eine rassereine, arisch-germanische Gesellschaft, in der jeder seinen natürlichen Platz einnahm.
NS-Propaganda und die Praxis der Ausgrenzung
Zur Festigung der Macht diente die gezielte Inszenierung des Führerkults durch das Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda unter Joseph Goebbels. Hitler wurde als willensstarker, gottgleicher Heilbringer dargestellt, um Begeisterung und ein Gefühl der Zugehörigkeit in den Massen zu wecken. Die Propaganda nutzte eine einfache Sprache, prägnante Schlagworte, Schwarz-Weiß-Malerei (Freund-Feind-Schema) und ständige Wiederholungen zur Emotionalisierung. In der Erziehung wurde bereits in der Schule ideologischer Inhalt wie Rassenkunde vermittelt, während Lehrer gleichgeschaltet wurden. Außerhalb der Schule förderte die Hitlerjugend den militärischen Aufbau durch Drill, Uniformen, Ausbildung in Lagern und Wehrsport.
Die systematische Verfolgung der Juden vollzog sich in mehreren Phasen. Nach der Diskriminierung durch Boykotte und dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums im Jahr folgte die juristische Entrechtung durch die Nürnberger Gesetze. Das Reichsbürgergesetz entzog Juden die politischen Rechte, während das Blutschutzgesetz Mischehen untersagte. In der Phase der Arisierung wurden Juden wirtschaftlich ausgebeutet. Am und eskalierte der Terror in der Reichspogromnacht, gefolgt von der Zwangsenteignung. Mit dem Überfall auf Polen am begann die Endphase, die über systematische Massenmorde ab zur Wannseekonferenz im Januar führte. Dort wurde die Endlösung der Judenfrage in Form von Vernichtungslagern und Zwangsarbeit koordiniert. Weitere Opfergruppen waren Sinti und Roma, Kranke und Behinderte im Rahmen des Euthanasieprogramms von sowie soziale Randgruppen wie Obdachlose, Homosexuelle und Kriminelle.
Die doppelte Staatsgründung und die Entwicklung der BRD und DDR
Nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am übernahmen die Alliierten auf der Potsdamer Konferenz die Souveränität. Es wurden die sogenannten Ds vereinbart: Demokratisierung, Denazifizierung, Demilitarisierung, Demontage und Dezentralisierung. Aufgrund der unterschiedlichen Ideologien von Westmächten und Sowjetunion entwickelte sich jedoch der Kalte Krieg. In der Westzone wurde durch den Parlamentarischen Rat das Grundgesetz ausgearbeitet, was am zur Gründung der BRD führte. Konrad Adenauer wurde der erste Kanzler und Bonn die Hauptstadt. Die DDR wurde am in der sowjetischen Besatzungszone gegründet, wobei die SED unter Walter Ulbricht das Machtmonopol innehatte.
Die BRD entwickelte sich zu einer parlamentarischen Demokratie mit einer sozialen Marktwirtschaft, die durch das Wirtschaftswunder und den Marshallplan geprägt war. Es herrschte Pluralismus und eine starke Bindung an den Westen (-Beitritt ). Im Gegensatz dazu war die DDR ein Einparteienstaat auf Basis des Marxismus-Leninismus mit einer Planwirtschaft und zentraler Steuerung. Die Realität in der DDR war geprägt von der Überwachung durch die Stasi, der Niederschlagung des Volksaufstands am und dem Bau der Berliner Mauer im Jahr . Während die BRD auf Westintegration und Wiederaufbau setzte, litt die DDR unter massiven Demontagen durch die Sowjetunion und einer zunehmenden technologischen Rückständigkeit, die schließlich in eine schwere Legitimations- und Wirtschaftskrise mündete.