Psychologische Grundlagen: Zusammenfassung

Was ist Psychologie?

Definition

Psychologie ist die Wissenschaft vom Erleben und Verhalten des Menschen, einschließlich kognitiver Prozesse wie Denken, Wahrnehmung und Gedächtnis.

Teildisziplinen der Psychologie

  • Methodenfächer: Ethik, Wissenschaftstheorie, Methodenlehre, Statistik.

  • Grundlagenfächer:

    • Biologische Psychologie: Körperliche Abläufe, insbesondere im Nervensystem.

    • Allgemeine Psychologie: Prozesse, die allen Menschen gemein sind (Wahrnehmung, Denken).

    • Entwicklungspsychologie: Veränderungen psychischer Prozesse im Lebensverlauf.

    • Sozialpsychologie: Soziale Einflüsse auf Erleben und Verhalten.

    • Differentielle und Persönlichkeitspsychologie: Unterschiede zwischen und innerhalb von Personen.

  • Anwendungsfächer:

    • Pädagogische Psychologie: Psychologische Komponenten in Erziehung und Bildung.

    • Arbeits-, Organisations-, Wirtschaftspsychologie (AOW): Verhalten im Beruf und in Unternehmen.

    • Klinische Psychologie: Psychische Störungen, Prävention, Behandlung.

    • Gesundheitspsychologie: Gesundheitserhaltende Maßnahmen.

    • Psychologische Diagnostik: Überprüfung von Fragestellungen.

Ansätze der Psychologie

  • Psychodynamischer Ansatz: Verhalten durch innere Triebe beeinflusst (Freud).

  • Behavioristischer Ansatz: Verhalten durch beobachtbare Reize und Reaktionen (Watson).

  • Humanistischer Ansatz: Mensch als aktives Wesen, Streben nach Entwicklung (Rogers, Maslow).

  • Kognitiver Ansatz: Fokus auf nicht beobachtbare Prozesse (Aufmerksamkeit, Gedächtnis).

  • Biologisch-neurowissenschaftlicher Ansatz: Psychische Phänomene durch biochemische Vorgänge erklärbar.

Ziele der Psychologie

  • Beschreiben: möglichst genaue Erfassung psychischer Phänomene.

  • Erklären: Erkennen von Mustern, Entwicklung von Theorien.

  • Vorhersagen: Aussagen über die Wahrscheinlichkeit von Verhalten.

  • Verändern: Beeinflussung von Verhalten.

Ethische Prinzipien

  • Wohltätigkeit und Nicht-Schaden.

  • Loyalität und Verantwortung.

  • Integrität.

  • Gerechtigkeit.

  • Respekt für die Rechte und Würde von Personen.

Geschichte der Psychologie

Wurzeln in der Philosophie

  • Orphiker (ca. 600 v. Chr.): Dualismus von Körper und Seele.

  • Platon (427–347 v. Chr.): Dualistische Sicht der Seele, Seele besteht aus drei Teilen.

  • Aristoteles (384–322 v. Chr.): Seele und Körper untrennbar verbunden, verschiedene Seelenarten bei Pflanzen, Tieren, Menschen.

  • Hippokrates (ca. 460–370 v. Chr.): Vier-Säfte-Lehre zur Erklärung von Krankheiten.

  • Galen (ca. 129–199 n. Chr.): Temperamentenlehre basierend auf den Körpersäften.

  • Augustinus (354–430 n. Chr.): Verbindung von Körper, Geist und Seele, Betonung des christlichen Glaubens.

  • Thomas von Aquin (1225–1274): Scholastik, Vereinigung von aristotelischem Denken und christlicher Lehre.

Rationalismus vs. Empirismus

  • Rationalismus: Vernunft als Erkenntnisquelle (Descartes).

  • Empirismus: Erfahrung als Erkenntnisquelle (Locke, Hume).

Anfänge der wissenschaftlichen Psychologie

  • Immanuel Kant (1724-1804): Sinneseindrücke müssen mit Vorstellungen des Verstandes verknüpft werden, Gegenstände der Psychologie nicht exakt darstellbar.

  • Karl Philipp Moritz (1756–1793): Magazin für Erfahrungsseelenkunde.

  • Ausdruckspsychologie: Physiognomik (Lavater), Phrenologie (Gall).

  • Positivismus (Comte): Wissenschaftliche Analyse soll sich auf überprüfbare Tatsachen stützen.

  • Darwinismus: Evolutionstheorie, Mensch-Tier-Vergleich.

  • Mathematisierung der Psychologie (Herbart): Bewusstseininhalte empirisch erforschbar.

  • Hermann von Helmholtz (1821–1894): Sinnesphysiologische Forschung.

  • Gustav Theodor Fechner (1801–1887): Psychophysik (äußere und innere).

  • Wilhelm Wundt (1832–1920): Erstes psychologisches Labor in Leipzig (1879), Strukturalismus, Introspektion.

  • Hermann Ebbinghaus (1850–1909): Gedächtnisforschung (Lern- und Vergessensvorgänge).

  • William James (1842–1910): Begründer der amerikanischen Psychologie.

  • Wilhelm Dilthey (1833–1911): Geisteswissenschaftliche Psychologie.

Psychologie im Nationalsozialismus

  • Rassismus und Emigration von Psychologen.

  • Rassenpsychologie im Forschungsfokus.

  • Umstrukturierung der Ausbildung.

Ausdifferenzierung: Paradigmen und Schulen

  • Würzburger Schule (Külpe): Wie laufen Denkprozesse ab?

  • Gestaltpsychologie (Wertheimer, Köhler, Koffka, Lewin): Wahrnehmungslehre (Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile).

  • Behaviorismus (Watson, Pawlow, Thorndike, Skinner): Reiz-Reaktions-Schema.

  • Tiefenpsychologie (Freud, Adler, Jung): Unbewusste Prozesse.

  • Kognitive Wende: Fokus auf kognitive Vorgänge (Aufmerksamkeit, Wahrnehmung).

Psychologische Forschung und Methodenlehre

Einführung

  • Alltagspsychologie: Erfahrungen, Heuristiken und kognitive Verzerrungen.

  • Wissenschaftliche Psychologie: Überprüfung von Theorien mit wissenschaftlichen Methoden.

Qualitätsstandards

  • Forschungsproblem, Forschungsprozess, Ethik, Dokumentation und Replikation.

Forschungsprozess

  1. Forschungsfragestellung.

  2. Theoretische Einbettung und Hypothesen.

  3. Operationalisierung und Untersuchungsplanung.

  4. Durchführung und Datenerhebung.

  5. Datenaufbereitung und Analyse.

  6. Interpretation und Diskussion.

  7. Publikation.

Theorien und Hypothesen

  • Theorie: Erklärung für Phänomene.

  • Hypothese: Überprüfbare Vermutung.

Anforderungen an Hypothesen

  • Präzise und widerspruchsfreie Formulierung.

  • Prinzipielle Widerlegbarkeit.

  • Operationalisierbarkeit.

  • Begründbarkeit.

Arten von Hypothesen

  • Unterschiedshypothesen.

  • Zusammenhangshypothesen.

  • Veränderungshypothesen.

Operationalisierung und Untersuchungsplanung

  • Merkmal: Eigenschaft (qualitativ oder quantitativ).

  • Messung: Zuordnung von Zahlen zu Merkmalsausprägungen.

  • Latent vs. Manifest: Messung latenter Merkmale über Operationalisierung manifester Variablen.

  • Gütekriterien: Objektivität, Reliabilität, Validität.

Skalenniveaus

  • Nominalskala: Kategorien.

  • Ordinalskala: Rangordnung.

  • Intervallskala: Rangordnung und Abstände.

  • Verhältnisskala: Rangordnung, Abstände und Nullpunkt.

  • Stichproben: Grundgesamtheit, Stichprobe, Repräsentativität (Zufallsstichproben, Gelegenheitsstichproben).

Studiendesigns

  • Labor- vs. Felduntersuchungen.

  • Interne und externe Validität.

Experimentelle Methode

  • Systematische Variation einer UV (Ursache) und Beobachtung der AV (Wirkung).

  • Kontrolle von Störvariablen (Konstanthaltung, Balancierung, Randomisierung).

  • Erwartungseffekte (Placebo, Nocebo, Rosenthal-Effekt): Blind- und Doppelblindversuche.

Deskriptive Statistik

  • Häufigkeiten und Häufigkeitsverteilungen.

  • Maße der zentralen Tendenz: Modalwert, Median, Arithmetisches Mittel.

  • Maße der Streuung: Interquartilsabstand (IQA), Varianz, Standardabweichung.

  • Zusammenhangsmaße: Streudiagramm Korrelationskoeffizient r (linearer Zusammenhang), Kovarianz

Biologische Psychologie

Was ist Biologische Psychologie?
  • Beziehung zwischen physischen und psychischen Zuständen.

  • Teil der Neurowissenschaften.

Unterbereiche
  • Physiologische Psychologie: Untersuchung der neuronalen Grundlagen von Verhalten durch direkte Manipulation des Gehirns.

  • Neuropsychologie:Studie der Auswirkungen von Hirnschädigungen auf Kognition und Verhalten.

  • Psychophysiologie: Messung physiologischer Reaktionen in Bezug auf psychische Prozesse.

  • Kognitive Neurowissenschaft: Untersuchung der neuronalen Grundlagen höherer kognitiver Funktionen.

  • Psychopharmakologie: Untersuchung der Auswirkungen von Medikamenten auf das Gehirn und das Verhalten.

  • Vergleichende Psychologie: Vergleich des Verhaltens verschiedener Arten, um evolutionäre Zusammenhänge zu verstehen.

Bekannte Fälle
  • Phineas Gage: Persönlichkeitsveränderung nach Hirnschädigung (Eisenstange durch den präfrontalen Cortex).

  • Patient „Tan“ (Broca): Sprachproduktion im Broca-Areal (Aphasie nach Schädigung).

Kommunikation der Neuronen
  • Neuronen (Nervenzellen): Verantwortlich für die Informationsübertragung im Nervensystem.

  • Gliazellen (Stützzellen): Unterstützung, Schutz und Ernährung der Neuronen.

  • Soma (Zellkörper): Enthält den Zellkern.

  • Dendriten: Empfangen Signale von anderen Neuronen.

  • Axon: Leitet Signale zu anderen Neuronen.

  • Ruhepotenzial: Negatives elektrisches Potenzial im Inneren der Zelle in Ruhe.

  • Aktionspotenzial: Kurzzeitige Änderung des elektrischen Potenzials, die ein Signal weiterleitet (Depolarisation, Repolarisation, Hyperpolarisation).

  • Synaptische Übertragung: Übertragung von Signalen zwischen Neuronen an den Synapsen.

    • Elektrische Synapsen: Direkte elektrische Verbindung.

    • Chemische Synapsen: Übertragung durch Neurotransmitter.

Aufbau Nervensystems
  • ZNS (Gehirn und Rückenmark): Steuerzentrale des Körpers.

  • Peripheres Nervensystem (PNS): Verbindung zwischen ZNS und Organen/Gliedmaßen.

  • Anatomische Bezugspunkte:

    • Dorsal: Rückenseite.

    • Ventral: Bauchseite.

    • Anterior: Vorne.

    • Posterior: Hinten.

    • Superior: Oben.

    • Inferior: Unten.

    • Medial: Zur Mitte hin.

    • Lateral: Seitlich.

    • Kontralateral: Auf der gegenüberliegenden Seite.

    • Ipsilateral: Auf der gleichen Seite.

  • Rückenmark: Überträgt Informationen zwischen Gehirn und PNS; Reflexe.

  • Gehirn: Myelencephalon (Medulla oblongata), Metencephalon (Pons und Cerebellum), Mes