Detaillierte Lernziele Chemie-Prüfung: Organische Chemie und Praktikum
Organische Molekulare Stoffe: Grundlagen und Funktionelle Gruppen
Strukturdarstellungen und Isomerie * Skelettformeln: In der organischen Chemie werden komplexe Moleküle durch Skelettformeln dargestellt. Hierbei werden Kohlenstoffatome () als Eckpunkte oder Enden von Linien repräsentiert. Wasserstoffatome (), die an Kohlenstoff gebunden sind, werden nicht explizit gezeichnet, müssen aber gedanklich ergänzt werden, um die Vierwertigkeit des Kohlenstoffs zu erfüllen. * Isomerie: Stoffe mit der gleichen Summenformel, aber unterschiedlicher Verknüpfung oder räumlicher Anordnung der Atome, werden als Isomere bezeichnet. Besonders relevant sind die Konstitutionsisomere (unterschiedliche Verknüpfungsmuster). * Nomenklatur: Die Benennung folgt den IUPAC-Regeln (Stammkette, Priorität der funktionellen Gruppen, Nummerierung der Kette zur Erzielung möglichst kleiner Lokanten).
Übersicht der funktionellen Gruppen * Alkane: Gesättigte Kohlenwasserstoffe mit einfachen -Bindungen. Endung: -an. * Alkene: Ungesättigte Kohlenwasserstoffe mit mindestens einer -Doppelbindung. Endung: -en. * Alkine: Ungesättigte Kohlenwasserstoffe mit mindestens einer -Dreifachbindung. Endung: -in. * Aromatischer Ring (Aromaten): Ringförmige Systeme mit delokalisierten -Elektronen, klassisches Beispiel ist Benzol (). * Hydroxy-Gruppe (Alkohole): Charakterisiert durch die -Gruppe. Endung: -ol. * Aldehyd-Gruppe (Aldehyde): Eine Carbonylgruppe am Ende einer Kohlenstoffkette (). Endung: -al. * Ether-Gruppe (Ether): Ein Sauerstoffatom, das zwei Alkyl- oder Arylreste verbindet (). * Keto-Gruppe (Ketone): Eine Carbonylgruppe innerhalb einer Kohlenstoffkette (). Endung: -on. * Carboxy-Gruppe (Carbonsäuren): Besteht aus einer Carbonyl- und einer Hydroxygruppe am selben Kohlenstoffatom (). Endung: -säure. * Ester-Gruppe (Ester): Entsteht durch die Reaktion einer Säure mit einem Alkohol (). Endung: -oat oder -ester. * Amino-Gruppe (Amine): Stickstoffhaltige Gruppen (, oder ). * Amido-Gruppe (Amide): Verbindung einer Carbonylgruppe mit einem Stickstoffatom ().
Alkohole und die Berechnung der Blutalkoholkonzentration
Theoretische Grundlagen (Buchabschnitte 15.1 - 15.3) * Alkohole besitzen polare Eigenschaften aufgrund der Hydroxy-Gruppe, was ihre Löslichkeit in Wasser (bei kurzen Ketten) und ihre im Vergleich zu Alkanen höheren Siedepunkte erklärt.
Promille-Berechnung (Widmark-Formel) * Die Konzentration von Alkohol im Blut ( in ) wird oft näherungsweise wie folgt berechnet: * * Dabei ist die Masse des aufgenommenen Alkohols in Gramm (). * ist das Körpergewicht in Kilogramm (). * ist der Reduktionsfaktor (Verteilungskoeffizient), der beim Mann ca. und bei der Frau ca. beträgt. * Berechnung der Alkoholmasse aus dem Volumen und dem Volumengehalt (): , wobei .
Veresterung: Herstellung von Essigsäureethylester
Reaktionsgleichung und Prinzip * Die Veresterung ist eine Gleichgewichtsreaktion (Kondensationsreaktion). Zur Herstellung von Essigsäureethylester (Nagellackentferner) reagieren Essigsäure und Ethanol: * * Die Reaktion wird meist durch eine starke Säure (z.B. konzentrierte Schwefelsäure, ) katalysiert.
Versuchsdurchführung: Heizen und Kühlen * Warum gleichzeitig heizen und kühlen? Dies nennt man "Sieden unter Rückfluss". Man heizt, um die Aktivierungsenergie zu liefern und die Reaktionsgeschwindigkeit zu erhöhen (Gleichgewichtseinstellung beschleunigen). Man kühlt (mit einem Rückflusskühler), damit die leichtflüchtigen Edukte (Ethanol) und Produkte (Ester) nicht aus dem Gefäß entweichen, sondern kondensieren und in den Kolben zurückfließen. * Vorgehen nach der Reaktionszeit: Das Gemisch enthält noch Edukte (Essigsäure, Ethanol) und den Katalysator. Zur Isolierung des Esters erfolgt oft eine Neutralisation der Restsäure mit Natriumhydrogencarbonat () und eine anschließende Trennung im Scheidetrichter (Phasentrennung, da der Ester schlecht wasserlöslich ist) oder eine Destillation.
Vorhersage von Produkten * Bei der Veresterung verbindet sich der Acyl-Rest der Säure () mit dem Alkoxy-Rest des Alkohols (). Wasser wird abgespalten.
Fette, Seifen und Tenside
Chemische Struktur von Fetten * Fette (Triglyceride) sind Triester des dreiwertigen Alkohols Glycerin (Propan-1,2,3-triol) mit drei Fettsäuren (langkettige Carbonsäuren).
Seifenherstellung (Verseifung) * Die alkalische Hydrolyse von Fetten wird als Verseifung bezeichnet. Primär nötig sind: * Fett (Triglycerid) * Starke Base: Natronlauge () zur Herstellung von Kernseifen oder Kalilauge () für Schmierseifen. * Reaktion: . * Hilfsstoffe: Ethanol kann als Lösungsvermittler dienen, damit sich die unpolaren Fette besser mit der wässrigen Lauge mischen. Kochsalz () wird zum "Aussalzen" verwendet, um die Seife nach der Reaktion aus der Lösung auszufällen.
Waschwirkung * Seifenmoleküle sind amphiphil. Sie besitzen einen hydrophoben (lipophilen) Kohlenwasserstoffrest und einen hydrophilen (lipophoben) polaren Kopf (). * Beim Waschvorgang lagern sich die unpolaren Reste an den fettigen Schmutz an, während die polaren Köpfe in das Wasser ragen. Es bilden sich Mizellen, die das Fett im Zentrum einschließen und so vom Textil ablösen und in der Schwebe halten.
Praktikum: Titration von Vitamin C
Prinzip der Titration * Die Titration ist ein Verfahren der Maßanalyse zur Bestimmung der Konzentration einer Probelösung (hier Vitamin C / Ascorbinsäure). Dabei wird eine Maßlösung bekannter Konzentration bis zum Äquivalenzpunkt (Umschlagpunkt) zugegeben.
Rollen der Chemikalien * Iodat (): Dient als Oxidationsmittel. In saurer Lösung reagiert Iodat mit Iodid zu elementarem Iod. * Iodid (): Wird im Überschuss zugegeben, um zusammen mit Iodat das benötigte Iod () für die Reaktion mit Vitamin C zu erzeugen. * Stärke: Dient als Indikator. Sobald die gesamte Ascorbinsäure durch das entstandene Iod oxidiert wurde, reagiert das erste überschüssige Tropfen Iod mit der Stärke zu einem tiefblauen Iod-Stärke-Komplex. * Schwefelsäure (): Sorgt für das nötige saure Milieu für die Komproportionierung von Iodat und Iodid.
Präzision der Zugabe * Die Iodat-Lösung muss extrem genau (aus der Bürette) zugegeben werden, da ihre Menge direkt zur Berechnung der Vitamin-C-Menge verwendet wird (Stöchiometrie). * Iodid, Stärke und Schwefelsäure werden im Überschuss zugegeben. Ihre genaue Menge ist nicht kritisch, solange genug vorhanden ist, damit sie nicht zum begrenzenden Faktor der Reaktion werden.
Praktikum: Reaktionsgeschwindigkeit
- Einflussfaktoren * Temperatur: Eine Temperaturerhöhung führt zu einer höheren kinetischen Energie der Teilchen. Nach der RGT-Regel (Reaktionsgeschwindigkeit-Temperatur-Regel) verdoppelt bis vervierfacht sich die Reaktionsgeschwindigkeit bei einer Temperaturerhöhung um . * Konzentration: Höhere Konzentration bedeutet mehr Teilchen pro Volumeneinheit, was die Wahrscheinlichkeit für erfolgreiche Zusammenstöße erhöht. * Messung: Gemessen wird meist die Zeit () bis zu einer sichtbaren Veränderung (z.B. Trübung oder Farbumschlag). Die Geschwindigkeit ist proportional zu .
Praktikum: Springbrunnen-Experiment
- Versuchsbeschreibung und Prinzip * Das Experiment wird mit Gasen durchgeführt, die extrem gut in Wasser löslich sind (Chlorwasserstoff oder Ammoniak ). * Ein mit Gas gefüllter Kolben wird über ein Rohr mit einem Wasserbecken verbunden. Wenn ein wenig Wasser in den Kolben gelangt, löst sich das Gas schlagartig darin auf. * Chemische Erklärung: Durch das Auflösen des Gases im Wasser nimmt die Stoffmenge des Gases im Gasraum drastisch ab. Da das Volumen des Gefäßes konstant bleibt, entsteht ein starker Unterdruck (Vakuum). Der äußere Luftdruck drückt daraufhin das Wasser aus dem Becken durch das Rohr mit hoher Geschwindigkeit in das Reagenzglas/den Kolben, was den Springbrunnen-Effekt erzeugt.
Fragen & Diskussion
- Warum muss man beim Veresterungsexperiment heizen und kühlen? * Heizen beschleunigt die Reaktion; Kühlen verhindert den Verlust von flüchtigen Substanzen (Rückfluss).
- Was sind Seifen chemisch gesehen? * Sie sind die Alkalisalze (Natrium- oder Kaliumsalze) von langkettigen Fettsäuren.
- Was sind mögliche Fehlerquellen bei der Titration? * Ungenaues Ablesen der Bürette, Verunreinigungen der Gefäße, zu spätes Erkennen des Farbumschlags oder falsche Konzentration der Maßlösung.