Unternehmensgründung – Notizen
Unternehmensgründung
Einführung
Wirtschaft als Abenteuer: Besonders für Menschen mit neuen Produktideen oder Dienstleistungen.
Kapitel behandelt die notwendigen Schritte und Überlegungen zur Unternehmensgründung.
Lerneinheiten
Wie gründet man ein Unternehmen?
Wie erstellt man einen Businessplan?
Von der Idee zur Gründung
Idee als Ausgangspunkt, aber viele Hürden:
Organisation des Unternehmens
Passende Rechtsform
Finanzierung
Name und Logo
Werbung
Gründungsphase muss gut durchdacht und geplant sein.
Rahmenbedingungen der Unternehmensgründung
Viele Schritte von der Idee bis zur Gründung:
Idee
Marktforschung
Businessplan
Finanzierung
Rechtliche Rahmenbedingungen
Organisatorische Rahmenbedingungen
Vertriebswege, Marketingkampagne
Marktforschung
Produktidee ist wertlos ohne Käufer.
Marktforschung hilft bei:
Festlegung der Zielgruppen (Kundengruppen)
Erfassung der Wettbewerber (Unternehmen mit ähnlichen Produkten)
Entscheidung, ob das Produkt Marktchancen hat.
Businessplan, Finanzierung, Startvorbereitungen
Businessplan beinhaltet:
Ziele des Unternehmens
Detaillierte Produktinformationen
Marktanalysen
Voraussichtliche Einnahmen und Ausgaben
Kapitalgeber verlangen Businessplan zur Entscheidung über Finanzierung.
Rechtliche Rahmenbedingungen
Behandeln Fragen zu:
Eintragung ins Firmenbuch
Wahl der Rechtsform
Gewerberechtliche Bestimmungen
Vollmachten des Unternehmens
Organisatorische Rahmenbedingungen
Unterschied je nach Unternehmensgröße:
Alleine: Alle Arbeiten selbst erledigen.
Gemeinsam/Mitarbeiter: Aufteilung der Arbeit notwendig.
Notwendige organisatorische Rahmenbedingungen:
Aufbauorganisation: Aufteilung der Arbeit (Abteilungen/Personen)
Ablauforganisation: Regelung der Arbeitsabläufe
Vertriebswege, Marketingkampagne
Sollten vor dem Start geplant und aufgebaut sein.
Das Unternehmen muss sich am Markt beweisen.
Gründung von Einzelunternehmen - Frauenanteil
2022: Mehr als die Hälfte der neu gegründeten Einzelunternehmen wurden von Frauen gegründet.
Motive zur Unternehmensgründung
Laut einer Umfrage der Wirtschaftskammer Österreich (2020) sind die wichtigsten Motive:
Eigener Chef sein (72%)
Flexiblere Zeit- und Lebensgestaltung (71%)
Verantwortung im eigenen Unternehmen (64%)
Persönliche Voraussetzungen für eine Unternehmensgründung
Nicht jeder ist für die Unternehmensgründung geeignet.
Wichtige Eigenschaften = Unternehmergeist.
Menschen mit hohem Unternehmergeist und Umsetzung ihrer Ideen = Entrepreneure/Entrepreneurinnen.
Start-up
Neu gegründetes Unternehmen mit vielversprechender Geschäftsidee.
Wichtig: Innovative Geschäftsidee mit Marktchancen und hohem Wachstumspotenzial.
Entwicklungsstufen von Start-ups
Frühfinanzierung:
Kapital aufbringen und Produktattraktivität testen.
Oft geringes Startkapital, daher Venture-Kapital-Geber oder Business-Angels.
Gründung und Marketing:
Unternehmensgründung und Produkteinführung durch Marketing.
Wachstum:
Aufbau von Vertriebswegen zur Bekanntmachung und zum Verkauf des Produkts.
Expansion:
Weiterentwicklung des Produkts und Ausbau der Absatzwege nach erfolgreicher Markteinführung.
Venture-Kapital-Geber
Wissen um das erhöhte Verlustrisiko des zur Verfügung gestellten Eigenkapitals.
Hoffen auf gewinnbringenden Verkauf der Anteile innerhalb von 4-8 Jahren.
Business-Angels
Stellen Eigenkapital zur Verfügung und erhalten Anteile am Unternehmen.
Unterstützen die Geschäftsführung mit Erfahrung und Kontakten.
Persönliche Voraussetzungen: Entrepreneure/Entrepreneurinnen
Hohes Maß an Unternehmergeist:
Glaube an die Idee
Eigenmotivation
Fachwissen
Selbstvertrauen
Leistungswille
Belastbarkeit
Kontaktfähigkeit
Durchhaltevermögen
Kreativität
Flexibilität
Risikobereitschaft, Mut
Risikoeinschätzungsfähigkeit
Nicht jeder hat alle Eigenschaften, daher können sich mehrere Personen zusammenschließen.
Beispiel: Kreativer und risikobewusster Mensch gründen gemeinsam ein Unternehmen.
Unternehmer sollten Visionäre sein, hohes Selbstvertrauen haben und bereit sein, viel zu arbeiten.
Gleichzeitig sollten sie Probleme rechtzeitig erkennen und Risiken richtig einschätzen.
Chance auf nachhaltigen Erfolg steigt, wenn der Gründer sich seiner fehlenden Eigenschaften bewusst ist.
Fehlende Fähigkeiten können durch externe Berater eingebracht werden.
Standortentscheidung
Wichtige Entscheidung für die meisten Unternehmen.
Verschiedene Überlegungen = Standortfaktoren.
Standortfaktoren
Abhängig von der Geschäftsidee.
Allgemein und länderbezogen:
Infrastruktur
Rechtssicherheit
Politische Stabilität
Förderungen
Beschaffungsbezogen:
Grund und Boden
Rohstoffe
Arbeitskräfte
Produktionsbezogen:
Betriebskosten
Produktionsbedingungen
Absatzbezogen:
Nähe zu Kunden
Abwesenheit von Konkurrenz
Agglomeration
Allgemeine und länderbezogene Standortfaktoren
Allgemeine Standortfaktoren:
Verkehrsverbindungen (Straßen, Eisenbahn, Schifffahrt)
Energieversorgung
Kommunikationsbedingungen (Telefonnetze)
Infrastruktur als wichtige Voraussetzung für effiziente Geschäftstätigkeit.
Länderbezogene Standortfaktoren:
Für international tätige Unternehmen.
Bevorzugung von Ländern mit langjähriger Demokratie und funktionierendem Rechtssystem.
Beschaffungsbezogene Standortfaktoren
Beziehen sich auf die problemlose Anschaffung notwendiger Produktionsfaktoren:
Grund und Boden für Betriebsgebäude
Beschaffung von Rohstoffen
Anwerben von Mitarbeitenden.
Wichtig für Unternehmen des primären Wirtschaftssektors (Rohstoffgewinnung/Urproduktion).
Beispiel: Landwirte siedeln sich dort an, wo Pflanzen wachsen oder Tiere Platz/Futter haben. Bergbaubetriebe in der Nähe von Erzvorkommen.
Produktionsbezogene Standortfaktoren
Beziehen sich hauptsächlich auf die Leistungserstellung.
Gute Standorte:
Niedrige Löhne, Gehälter und Betriebskosten
Förderungen/Subventionen
Geringe Nebenwirkungen der Produktion (Lärm, Abfall, Schmutz) durch fehlende Umweltschutzauflagen.
Unternehmen des sekundären Wirtschaftssektors (Gewerbe- und Industriebetriebe) berücksichtigen produktions- und absatzbezogene Faktoren.
Günstige Produktionsbedingungen und Nähe zu Kunden sind wichtig.
Viele Städte und Gemeinden fördern die Ansiedlung neuer Betriebe.
Absatzbezogene Standortfaktoren
Betreffen den Absatzmarkt, also Kunden und Konkurrenz.
Ideal: Wenige Konkurrenten in der Nähe des eigenen Standorts.
Agglomeration: Häufung mehrerer Anbieter einer Branche.
Kunden schätzen die leichte Vergleichbarkeit.
Beispiel: Mehrere Autohändler, Möbelhäuser.
Dienstleistungsbetriebe (Friseure, Fitnessstudios) suchen Standorte in Kundennähe (tertiärer Wirtschaftssektor).
Der Businessplan
Schriftliches Unternehmenskonzept mit allen Informationen zum geplanten Unternehmen und den Schritten zur Umsetzung der Geschäftsidee.
Hilft, keine wichtigen Teile bei der Unternehmensgründung zu vergessen und die Idee auf ihre Realisierbarkeit und Wirtschaftlichkeit hin zu analysieren.
Banken verlangen meistens einen Businessplan, bevor sie dem Unternehmen einen Kredit gewähren.
Bestandteile des Businessplans
Keine gesetzlichen Vorschriften für Inhalte oder Aufbau.
In der Praxis enthält ein professioneller Businessplan meist folgende Inhalte:
Geschäftsidee
Unternehmensziele (kurz-, mittel-, langfristig)
Marktorientierung
Markt und möglicher Kundenkreis
Konkurrenz
Zielgruppen
Produkt(e)
Preis(e)
Vertrieb
Kommunikation, Werbung
Mitarbeitende, Unternehmensorganisation, Partner
Finanzierung
Unternehmensziele
Genaue Vorstellung davon, was mit dem Unternehmen erreicht werden soll.
Wichtig für:
Gründer selbst, um den Fokus zu behalten
Geldgeber und Partner, als Anhaltspunkte für die Entscheidung, in eine Geschäftsbeziehung einzutreten oder nicht.
Marktorientierung
Ob ein Unternehmen erfolgreich ist, entscheidet der Markt.
Nicht nur die angebotenen Produkte oder Leistungen müssen attraktiv sein zur Marktorientierung gehören weitere Bereiche, über die man entscheiden muss.
Bereiche der Marktorientierung
Bereiche | Frage/Inhalt |
|---|---|
Markt und möglicher Kundenkreis | Für welche Menschen ist das Produkt/die Leistung gedacht? Errechnen oder Schätzen, wie viele Menschen das in Summe sind. |
Konkurrenz | Wer sind meine Konkurrenten? Eine Analyse der Konkurrenz ist nötig, um die Chancen auf die Durchsetzung der Idee besser einschätzen zu können. |
Zielgruppe(n) | Welche Kundengruppe(n) soll(en) das Produkt in erster Linie kaufen? |
Produkte/Leistungen | Welche Produkte/Leistungen biete ich an? Die genaue Beschreibung der Produkte/Leistungen ist v.a. für die Partner des Unternehmens wichtig; diese müssen von der Attraktivität der Angebote überzeugt werden. |
Preise | Welchen Preis verlange ich für meine Produkte/Leistungen? Der Preis kann ein wichtiges Verkaufsargument sein, wenn er niedriger ist als die Preise der Konkurrenz. Der Preis muss aber auch die Kosten des Unternehmens decken und dem Unternehmen Gewinne ermöglichen. |
Vertrieb | Wo und wie soll der Verkauf der Produkte/Leistungen erfolgen? z. B. in eigenen Verkaufsstandorten, über Partner, über das Internet etc. |
Kommunikation, Werbung | Wie und wodurch kann man die Zielkunden über die Produkte/Leistungen informieren? |
Mitarbeitende, Organisation, Partner
Pläne über Mitarbeiter, interne Organisationsstruktur und Zusammenarbeit mit Partnern müssen festgelegt werden.
Die drei Teile, die in diesem Abschnitt des Businessplans zu bearbeiten sind, gehören zusammen.
Je mehr Mitarbeiter, desto komplexer wird die Organisation des Unternehmens.
Je weniger Mitarbeiter, desto mehr Partner braucht ein Unternehmen.
Je komplexer das Unternehmen, desto eher braucht es externe Partner.
Besonders wichtig ist die Auswahl der Mitarbeiter für ein Einzelunternehmen.
Organisation
Alle Arbeiten, die im Unternehmen erledigt werden müssen, werden aufgelistet.
Gleichartige oder ähnliche Aufgaben werden zu Abteilungen zusammengefasst.
Zuletzt werden jeder Abteilung so viele Mitarbeiter zugeordnet, wie für die Erfüllung der Aufgaben nötig sind.
Die Zuordnung der Mitarbeiter wird in einem Organigramm dargestellt.
Partner
Gerade bei der Neugründung von Unternehmen ist es enorm wichtig, die richtigen Partner zu haben.
In Produktionsunternehmen hängt die Qualität des eigenen Produkts in hohem Ausmaß von den Rohstoffen und Zulieferungen ab, die eingekauft werden.
Neue Unternehmen benötigen wahrscheinlich auch Beratung in Steuerfragen, Bilanzierung und einzelnen rechtlichen Fragen.
Finanzierung
Wenn alle Teilpläne vorliegen, weiß man, was für den Unternehmensstart eingekauft, besorgt, gebaut oder gemietet werden muss, und es ist klar, wie viel Mitarbeiter engagiert werden müssen. Nun kann der Finanzplan erstellt werden.
Bei der Erstellung eines Finanzplans sollten folgende Punkte beachtet werden:
Ausgaben lassen sich meist genauer planen und berechnen als Einnahmen. Um die Einnahmen planen zu können, müssen realistische Annahmen getroffen werden. Ein häufiger Fehler ist, dass die Einnahmen zu optimistisch geschätzt werden. Dann sind die Anfangsverluste höher als geplant. Das führt nicht nur zu Frustration bei den Unternehmensgründern, sondern oft auch zu einem Problem in der weiteren Finanzierung des Unternehmens.
Der Finanzplan sollte jedenfalls für die ersten drei Jahre ab Unternehmensgründung erstellt werden. Nach dem ersten Jahr sieht man, ob die Annahmen eingetroffen sind oder ob die Entwicklung vom Plan abweicht. Dann müssen die Gründe für die Abweichung analysiert und der Finanzplan für die Folgejahre überarbeitet werden.
Bei der Erstellung eines Finanzplans sind drei Summen von Bedeutung: der Kapitalbedarf, die erwarteten Einnahmen und die daraus (eventuell) entstehende Finanzierungslücke.
Der Finanzplan
Ein Finanzplan soll zeigen, ob das Unternehmen nach der Gründung wirtschaftlich überlebensfähig sein wird.
Ermittlung des Kapitalbedarfs
für die notwendigen Anschaffungen (Investitionen), z. B. Produktionsräumlichkeiten, Maschinen, Auto
für den laufenden Betrieb, z. B. Personal, Miete, Büroaufwand, Marketing/Werbung, Rohstoffe, Handelswaren
Ermittlung der erwarteten Einnahmen
realistische Einschätzung unbedingt erforderlich
Deckung der Finanzierungslücke
durch Eigenkapital (Geld, das vom Eigentümer in das Unternehmen eingebracht wird) und/oder
durch Fremdkapital (Kredite)