Lernen von Kanada? Perspektiven für die deutsche Integrationspolitik

Kanada als Vorbild für Einwanderung und Integration

Kanada wird seit Langem als Modell für die erfolgreiche Gestaltung von Einwanderung, Integration und Vielfalt angesehen. Angesichts der wachsenden migrationsbedingten Vielfalt in Deutschland, blicken deutsche Politiker:innen für die Weiterentwicklung des Landes als Einwanderungsgesellschaft nach Kanada.

  • Im März 2023 reisten Bundesinnenministerin Nancy Faeser, Bundesarbeitsminister Hubertus Heil sowie eine Delegation des parlamentarischen Ausschusses für Inneres und Heimat nach Toronto, Ottawa und Winnipeg, um sich über Kanadas Migrations- und Integrationspolitik zu informieren.
  • Während in Deutschland oft das kanadische Punktesystem zur Migrationssteuerung im Fokus steht, konzentriert sich dieser Policy Brief auf Aspekte der Integration und des Zusammenlebens.
  • Der Policy Brief bietet eine historische und aktuelle Kontextualisierung der Einwanderung in Kanada, beleuchtet Charakteristika der Integrationspolitik, thematisiert gegenwärtige Herausforderungen und zeigt abschließend Perspektiven für die Integrationspolitik in Deutschland auf.

1. Einwanderung in Kanada: Historischer und Aktueller Kontext

Kanada war als koloniale Siedlergesellschaft seit seiner Gründung im 19. Jahrhundert ein Einwanderungsland.

  • Historische Entwicklung:
    • Lange Zeit war die Einwanderungspolitik stark auf ethnisch-kulturelle Kriterien ausgerichtet, insbesondere auf die Anwerbung weißer Europäer:innen (vor allem aus Großbritannien und Frankreich) bis weit ins 20. Jahrhundert hinein.
    • In den 1960er Jahren vollzog Kanada aus normativen und ökonomischen Gründen einen radikalen Wandel seiner Einwanderungspolitik.
    • Die Politik richtete sich fortan nach volkswirtschaftlichen, herkunftsunabhängigen Kriterien und wurde von einer offiziellen Politik des Multikulturalismus begleitet.
    • Die damit verbundene öffentliche Anerkennung kultureller Vielfalt wurde Teil des kanadischen Selbstbildes als weltoffene Gesellschaft, die allen – Einheimischen und Zugewanderten – gleiche Teilhabechancen bietet (vgl. Triadafilopoulos 2022; Schmidtke 2021).
  • Aktuelle Einwanderung auf Höchststand:
    • Der aktuelle „Immigration Levels Plan 2023-2025“ strebt historische Höchstwerte an, mit dem Ziel von über 460.000 Einwanderer:innen pro Jahr (vgl. Government of Canada 2022a).
    • Im Jahr 2022 wanderten bereits mehr als 437.000 Menschen nach Kanada ein.
    • Der größte Anteil der Einwanderung ($(59)) entfiel auf die Kategorie „Wirtschaft“.
    • Die Kategorien „Familie“ sowie „Flucht und humanitäre Gründe“ machten 22 % bzw. 17 % aus.
    • Die Top 3 Herkunftsländer waren Indien, China und Afghanistan (vgl. Sivamukar 2023).
    • Aktuell beträgt der Anteil der Zugewanderten, die die kanadische Staatsbürgerschaft oder eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis besitzen, 23 % der Gesamtbevölkerung (vgl. Statistics Canada 2023).
  • Unterstützung in der Bevölkerung:
    • Nicht nur die Einwanderungszahlen sind auf einem Höchststand, auch die Unterstützung in der Bevölkerung für die aktuelle Einwanderungspolitik ist so hoch wie nie.
    • Sieben von zehn Kanadier:innen befürworten das derzeitige Einwanderungsniveau.
    • Ein öffentlicher Konsens besteht darin, dass Einwanderung für die Wirtschaft und das Bevölkerungswachstum Kanadas notwendig ist.
    • Zudem wachsen die Erwartungen an die Regierung, Menschen aus Konfliktregionen (z.B. Ukraine und Afghanistan) aufzunehmen (vgl. Neuman 2022).

2. Charakteristika und Beispiele kanadischer Integrationspolitik

Obwohl Kanadas historische und geografische Rahmenbedingungen sich von denen Deutschlands unterscheiden, kann ein konstruktiver Dialog erfolgen und Kanada als Inspirationsquelle dienen.

  • Politischer Konsens zu Einwanderung:
    • Ein wichtiger Faktor für die positiven Einstellungen ist der über Jahrzehnte stabile politische Konsens, dass Einwanderung im Landesinteresse liegt und die Gesellschaft bereichert.
    • Dieser Konsens basierte ursprünglich auf wirtschaftlichen Erwägungen, wurde aber durch die offizielle Politik des Multikulturalismus seit den frühen 1970er Jahren erweitert, die auf die Anerkennung, den Schutz und die Förderung kultureller Vielfalt abzielt.
    • Einwanderung und Vielfalt werden als Werte und Teil der kanadischen Identität verstanden (vgl. Schmidtke 2021).
    • Trotz parteipolitischer Divergenzen ist die gesellschaftliche und politische Akzeptanz kultureller Vielfalt generell fest verankert.
    • Dies lässt wenig Raum für politische Bewegungen, die Stimmungsmache gegen Einwanderung betreiben (vgl. Neuman 2022; Neuman 2019).
    • Die sichtbare Repräsentation gesellschaftlicher Vielfalt im politischen Führungspersonal stärkt die Glaubwürdigkeit dieser Politik.
      • Premierminister Justin Trudeau besetzte sein Kabinett 2015 konsequent repräsentativ (vgl. Klatzer 2015).
      • Bei den Bürgermeisterwahlen in Toronto 2023 spiegelten die Spitzenkandidat:innen die vielfältige Bevölkerung wider; Olivia Chow, in Hongkong geboren, gewann die Wahl (vgl. Jeffords/Rieti 2023; Michael 2023).
      • Diese Repräsentation normalisiert Vielfalt und signalisiert Teilhabe und Zugehörigkeit.
  • Investitionen in Integration:
    • Der kanadische Integrationsansatz ist stark serviceorientiert und basiert auf der Erkenntnis, dass erfolgreiche Integration der Gesellschaft nützt (vgl. Government of Canada 2023a).
    • Investitionen in Integration und Chancengleichheit schaffen wirtschaftlichen und kulturellen Mehrwert, während Versäumnisse langfristig finanzielle und soziale Kosten verursachen (vgl. Saunders 2018).
    • Die Integrationsdienste werden von einem breiten Netzwerk staatlich geförderter Organisationen erbracht.
      • In Ontario agiert der Ontario Council of Agencies Serving Immigrants (OCASI) als Bindeglied für über 200 Organisationen im Integrationssektor (vgl. OCASI 2023).
    • Ein landesweit flächendeckendes und alltagsnahes Angebot gewährleistet niedrigschwelligen Zugang für Neuankömmlinge.
      • Das Programm „Settlement Workers in Schools (SWIS)“ bietet Kindern, Jugendlichen und Eltern direkte Integrationshilfe im schulischen Umfeld (vgl. Government of Canada 2022b).
    • Ein zentraler Aspekt ist die regelmäßige Evaluation der geförderten Integrationsprogramme (vgl. Government of Canada 2023b).
    • Stadtverwaltung Toronto als Beispiel:
      • Toronto, die durch Einwanderung am stärksten geprägte Stadt Kanadas (Anteil der eingewanderten Bevölkerung 2021 bei 47 % in der Metropolregion), verfolgt einen serviceorientierten Integrationsansatz (vgl. Statistics Canada 2022).
      • Das offizielle Motto der Stadt lautet „Diversity Our Strength“ (vgl. City of Toronto 2023a).
      • Die Stadtverwaltung verfügt über eine „Newcomer Strategy“ und ein „Newcomer Office“ zur koordinierten Umsetzung der Strategie (vgl. City of Toronto 2022).
      • Prioritäten sind die Schulung von Verwaltungsmitarbeiter:innen in Bezug auf die Erfahrungen und Herausforderungen von Zugewanderten und der schnelle Zugang zu Übersetzungsservices in über 180 Sprachen über eine Hotline (vgl. City of Toronto 2023b).
      • Als „Sanctuary City“ verfolgt Toronto einen sehr inklusiven Ansatz, der auch Menschen mit irregulärem Aufenthaltsstatus Teilhabe ermöglichen soll, basierend auf einer globalen und solidarischen Perspektive auf Migration (vgl. City of Toronto 2022; Toronto Metropolitan University 2023; Whalen 2021).
  • Stärkung bürgerschaftlicher Resilienz:
    • Gesellschaftlicher Zusammenhalt und diskriminierungsfreies Zusammenleben erfordern kontinuierliche Anstrengungen zur Förderung von Wissen und Empathie.
    • Der öffentliche Rundfunk, z.B. CBC Radio One, greift regelmäßig Themen kultureller Vielfalt und der Situation der indigenen Bevölkerung auf.
    • Die gemeinsame Kampagne „Toronto for All“ (Partnerschaft zwischen Stadt Toronto und OCASI) regt im öffentlichen Raum dazu an, Rassismus, Islamophobie, die Situation von Menschen ohne Papiere oder die indigene Lage zu hinterfragen. Auch Obdachlosigkeit und häusliche Gewalt wurden thematisiert (vgl. City of Toronto 2023c).
    • Diese Beispiele stärken die bürgerschaftliche Resilienz (civic resiliency), d.h. die Fähigkeit einer Gemeinschaft, mit Komplexität und Diversität umzugehen, gute Beziehungen zu gestalten und Veränderung als Chance zu begreifen (vgl. City of Toronto 2023c).
  • Verstehen und Gestalten von Ankunftsquartieren:
    • Die oft skeptisch betrachtete Entstehung ethnischer Gemeinschaften und die damit verbundenen „Ankunftsquartiere“ (arrival cities) bieten Neuankömmlingen wichtige Ressourcen wie günstigen Wohnraum, soziale Netzwerke, niedrigschwellige Arbeitsmöglichkeiten und Orientierungshilfen (Saunders 2011; 2018).
    • Diese Quartiere können ein soziales und wirtschaftliches Sprungbrett sein, aber ihre Integrationspotenziale hängen von politisch gestaltbaren Umständen ab.
    • Relevante Faktoren sind Zugang zu hochwertiger Bildung, gute ÖPNV-Anbindung, Präsenz städtischer Einrichtungen sowie städtebauliche Gestaltung, die soziale Begegnungen und wirtschaftliche Aktivitäten fördert.
    • Fehlen diese Faktoren, können solche Viertel zu einer „Falle“ werden, die zu Isolation, Armut, Kriminalität und einem schlechten Ruf führt, was Diskriminierung verstärkt (vgl. Saunders 2018).
  • Förderung von Einbürgerung:
    • Die Aussicht auf ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht und schließlich die Einbürgerung ist ein entscheidender Faktor für Integration, da dies eine Lebensperspektive schafft und Investitionen in Bildung, Arbeit oder Eigentum fördert (vgl. Saunders 2018).
    • Vergleich Kanada - Deutschland:
      • In Kanada kann die Staatsbürgerschaft regulär nach 3 Jahren Aufenthalt mit Daueraufenthaltsrecht beantragt werden.
      • In Deutschland sind aktuell 8 Jahre rechtmäßigen Aufenthalts nötig, sollen aber auf regulär 5 bzw. in Ausnahmefällen 3 Jahre gesenkt werden (Ampel-Regierung). Eine weitere geplante Änderung ermöglicht die Beibehaltung bestehender Staatsangehörigkeiten (vgl. Tagesschau 2023).
      • In Kanada erhält jedes im Land geborene Kind sofort die kanadische Staatsbürgerschaft.
      • Einbürgerungsanträge können in Kanada online gestellt werden, in Deutschland hängt dies vom Digitalisierungsgrad der Kommunalverwaltungen ab.
      • Die Einbürgerungsgebühr beträgt in Deutschland 255 Euro für Erwachsene, in Kanada liegt sie bei 630 kanadischen Dollar.
    • Institut für Kanadische Staatsbürgerschaft (ICC):
      • Das in Toronto ansässige ICC fördert Einbürgerung und Teilhabe und vermittelt ein aktives und emotional ansprechendes Verständnis von Staatsbürgerschaft im Rahmen einer Willkommenskultur (vgl. ICC 2023a).
      • Zentrale Aktivitäten:
        • Einbürgerungszeremonien: Werden bedeutungsvoll gestaltet, beziehen die neuen Staatsbürger:innen aktiv ein und geben ihren Geschichten Raum (z.B. Round Table-Gespräche). Das ICC setzt sich bei Arbeitgeber:innen dafür ein, dass Mitarbeiter:innen für die Zeremonie freigestellt werden (vgl. ICC 2023c).
        • „Canoo“-App: Ermöglicht Neu-Eingebürgerten und Daueraufenthaltsberechtigten über ein Jahr freien Zugang zu Kultur- und Freizeitaktivitäten im ganzen Land, fördert Teilhabe und vermittelt Kenntnisse über Kanada. Die Übertragbarkeit auf Deutschland wird aktuell vom DeZIM-Institut erforscht (vgl. DeZIM 2023).
      • Das ICC fördert interkulturelle Brückenbauer:innen und Botschafter:innen, die wichtige Vermittlungsarbeit leisten.
      • Über Befragungen von Netzwerkmitgliedern werden Anliegen und Bedarfe erhoben, um erfolgreiche Integration besser zu verstehen.

3. Herausforderungen in der kanadischen Einwanderungsgesellschaft

Obwohl Kanada als Vorbild gilt, ist seine Einwanderungsgesellschaft von Komplexität und Herausforderungen geprägt.

  • Verhältnis zur indigenen Bevölkerung: Dies ist eine zentrale Spannungslinie, die nicht nur strukturelle Benachteiligung betrifft. Die Regierung wird kritisiert, dass ihre Versöhnungsbemühungen die Gewaltgeschichte Kanadas in die Vergangenheit verbannen wollen und Multikulturalismus sowie Anti-Diskriminierungsansätze das Fortbestehen einer kolonialen Situation verschleiern (vgl. Midzain-Gobin/Smith 2021).
  • Rassismus und Diskriminierung: Islamophobie, Anti-Schwarzer Rassismus und Anti-Asiatischer Rassismus (insbesondere während der Covid-$19$-Pandemie) sind auch in Kanada öffentliche Themen, die adressiert werden (z.B. durch die Kampagne „Toronto for all“).
  • Asylsuchende:
    • Im Frühjahr 2023 sorgte eine wachsende Zahl von Asylsuchenden, die über den inoffiziellen Grenzübergang Roxham Road aus den USA nach Quebec gelangten, für politische Aufregung (vgl. CBC 2023a).
    • Ähnliche Vorkommnisse gab es bereits in den Vorjahren (vgl. Park 2018).
    • Die Trudeau-Regierung reagierte mit der Neuverhandlung eines Abkommens mit den USA, was zur Schließung der Roxham Road führte (vgl. CBC 2023b), jedoch von Amnesty International scharf kritisiert wurde (vgl. Amnesty International 2023).
    • Kanadas Flüchtlingspolitik ist eher restriktiv bzgl. Asyl, setzt aber stark auf Resettlement-Programme, bei denen der Staat in Zusammenarbeit mit privaten Sponsorengruppen und dem UNHCR Schutzsuchende gezielt ins Land holt (vgl. Triadafilopoulos 2022).
  • Rückgang der Einbürgerungsraten:
    • Die Einbürgerungsraten in Kanada sind zuletzt gesunken (vgl. ICC 2023b).
    • Mögliche Gründe:
      • Wandel der Hauptherkunftsländer (Indien und China), die keine doppelte Staatsbürgerschaft erlauben, was die Aufgabe der bisherigen Staatsbürgerschaft zur Fortsetzung privater/geschäftlicher Kontakte erschwert.
      • Gestiegene Gebühren für die Einbürgerung und geänderte Regelungen für Sprachnachweise (vgl. Carlaw 2023).
      • Identitätsbezüge im Kontext von Globalisierung und weltweiter Mobilität. Staaten versuchen durch „Diasporapolitik“ Einfluss auf ihre Bürger:innen im Ausland zu erhalten, und Nationalstaaten konkurrieren mit transnationalen Gemeinschaften, die Alternativen zu einer nationalstaatsgebundenen Identität bieten (vgl. Kastoryano 2016).
  • Zunehmende Einkommensungleichheit:
    • In Kanada gibt es seit Längerem eine wachsende Einkommensungleichheit zwischen Eingewanderten und Einheimischen.
    • Ein wichtiger Faktor ist die unzureichende Anerkennung von Abschlüssen hochqualifizierter Migrant:innen (z.B. Ärzt:innen), was im Kontext der Krise des Gesundheitssystems öffentlich diskutiert wird (vgl. ICC 2023c).
    • Oft arbeiten Hochqualifizierte in schlecht bezahlten Jobs unterhalb ihrer Qualifikation.
    • Die prekäre Situation von ausländischen Arbeitskräften mit befristeter Aufenthaltserlaubnis (temporary foreign workers) ist ebenfalls in den Fokus gerückt. Diese Personen haben oft schlechtere Arbeitsbedingungen, geringeren Rechtsschutz und erhalten jahrelang nur befristete Arbeitsverträge statt einer Perspektive auf einen gesicherten Aufenthaltsstatus (vgl. Schmidtke 2021; Carlaw 2023).

4. Perspektiven für die Integrationspolitik in Deutschland

Der Konsens in Kanada, dass Einwanderung und Investitionen in Integration im Interesse der Wirtschaft und Gesellschaft sind, prägt das politische Denken. In Deutschland etabliert sich diese Perspektive zwar stärker, aber ein defizitorientierter Blickwinkel auf Migration ist noch verbreitet. Angenommene Kosten und Probleme stehen oft im Fokus, die teilweise durch ungeeignete Reaktionen (Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung, hohe Hürden für Teilhabe) selbst geschaffen oder verschärft werden, was eine gelingende Integration blockiert.

Folgende Aspekte der kanadischen Erfahrung können als Impulse für Deutschland dienen, um eine gerechtere und gewinnbringendere Einwanderungsgesellschaft zu gestalten:

  • Übergreifender politischer Konsens demokratischer Parteien über das Selbstverständnis als Einwanderungsland.
  • Repräsentation von Personen mit Migrationshintergrund in sichtbaren öffentlichen Positionen und (Vorbild-)Funktionen.
  • Abbau von Barrieren für Teilhabe durch frühe, umfassende, flächendeckende, alltagsnahe Hilfen zur Integration.
  • Regelmäßige Evaluation von Integrationsprogrammen.
  • Kultivierung von bürgerschaftlicher Resilienz durch einen aktiv gestalteten öffentlichen Dialog in der Einwanderungsgesellschaft.
  • Berücksichtigung der Funktionsweise von „Ankunftsquartieren“ und des Zusammenhangs zwischen Integration und Infrastruktur bzw. Stadtplanung.
  • Zügige Einbürgerung als Vehikel für Teilhabe, Integration und (materielle und immaterielle) Investitionen der Migrant:innen.

Asyl- und Flüchtlingspolitik:

  • In der deutschen Asyldebatte wird auf Kanada verwiesen, um für Kontingentlösungen zu werben, wobei Forderungen nach Einschränkung des individuellen Asylrechts kontrovers diskutiert werden.
  • Von sozialdemokratischer Seite wird gefordert, individuelles Asylrecht und Aufnahmeprogramme zu kombinieren (vgl. Deutschlandfunk 2023).
  • Die kanadischen „Resettlement“-Programme (vgl. UNHCR 2023a), insbesondere solche, die auf dem „Private Sponsorship“-Modell aufbauen, können eine Inspiration für Deutschland sein, indem sie das Potenzial der Zivilgesellschaft für die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen aktivieren (vgl. UNHCR Canada 2023b).
  • In Deutschland wird dieses Vorgehen bereits im Rahmen des Pilotprogramms „NesT – Neustart im Team“ erprobt, das staatliche und zivilgesellschaftliche Partner einbezieht (vgl. Bertelsmann Stiftung 2019; NesT 2023).

Die beleuchteten Charakteristika und Beispiele kanadischer Integrationspolitik sollen als Inspiration dienen, Ansätze in Deutschland zu verankern und auszubauen. Sie bieten auch Anknüpfungspunkte für weiteren Austausch, z.B. im Rahmen der RODA-Initiative („Renewing our Democratic Alliance“, vgl. CIC/KAS 2023$$), um die Partnerschaft zwischen Deutschland und Kanada zu vertiefen.