3. Neurobiologie vs. Freiheit: Das Libet-Experiment
3.1 Darstellung des Experiments (Benjamin Libet, 1980er)
Komponente | Beschreibung | Messung/Ergebnis |
Aufbau | Probanden sitzen vor einer Uhr und sollen spontan entscheiden, wann sie ihr Handgelenk beugen wollen. | Testet eine einfache, spontane Bewegung (die Frage nach dem "Wann"). |
Bereitschaftspotenzial (BP) | Die elektrische Aktivität im Gehirn, die die Bewegung vorbereitet (unbewusster Prozess). | Setzt im Gehirn ca. 350 ms vor dem bewussten Willen (W) ein. |
Zeitpunkt der Entscheidung (W) | Der Proband merkt sich den genauen Zeitpunkt, zu dem er den Willen zur Bewegung verspürt (bewusster Prozess). | Tritt nach dem Bereitschaftspotenzial (BP) auf. |
Bewegungsbeginn (M) | Der tatsächliche Beginn der Muskelbewegung. | Tritt nach W auf. |
3.2 Bedeutung und Auslegung
Position | Interpretation des Ergebnisses | Konsequenz für die Willensfreiheit |
Deterministen (Neurobiologen) | Das Gehirn entscheidet bereits unbewusst (BP), bevor der Proband seinen Willen (W) spürt. Der bewusste Wille ist nur eine nachträgliche Begründung. | Willensfreiheit ist eine Illusion. Die Entscheidung ist determiniert. |
3.3 Kritik am Experiment und an den Auslegungen
Kritikpunkt | Beschreibung | Fazit (Libet selbst) |
Messung des W-Zeitpunkts | Es ist fraglich, ob der Proband den exakten Moment der Willensbildung genau messen kann, da es sich um einen subjektiven Zeitpunkt handelt. | Die Messung ist möglicherweise unzuverlässig. |
Kritik am Willensbegriff | Das Experiment testet nur eine spontane, einfache Bewegung ("wann"), nicht eine komplexe, moralisch relevante Entscheidung ("ob"). | Die Ergebnisse sind nicht direkt auf komplexe Willensakte übertragbar. |
Rolle des Vetos | Libet betonte, dass der bewusste Wille die unbewusst eingeleitete Bewegung in den letzten 100–200 ms noch abbrechen (Veto einlegen) kann. | Wir haben keine Initiationsfreiheit (Start der Handlung), aber eine Kontrollfreiheit (Stoppen der Handlung). |