Stoff für Test
- Medea: Christa Wolf vs. Grillparzer (gehört zu Biedermeier)
- Romantik und junges Deutschland
- Autoren zu Romantik, Autoren junges Deutschland
- Georg Büchner und seine Einstellung und Werke
- Wann war die Romantik, wofür? Wogegen? (Thema Kind – nicht junger Erwachsener; Thema Natur)
- Novalis: Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
- Taugennichts, Was? Womit in Verbindung?
- Philister, Was? Womit in Verbindung?
- Biedermeier? Wann? Was?
- Nibelungenlied
- Vormärz
- Brüder Krimm
- Kunstmärchen (Im Märchenstil, nicht unbedingt alt)
- Schreibende Frauen (Frauen in literarischen Zirkeln)
- Dorthea Schlägl, Bettina von Arnim
- Junges Deutschland: Metternich, Büchner
1. Medea-Vergleich: Christa Wolf vs. Franz Grillparzer
Der Mythos um Medea (die Kindsmörderin aus Kolchis) wird von beiden Autoren völlig unterschiedlich interpretiert:
Franz Grillparzer: Das goldene Vlies (Trilogie, 1821 – Biedermeier)
Medeas Bild: Sie ist die klassische, "fremde" Kindsmörderin. Sie bricht aus Leidenschaft und Rache Tabus, wird aber auch als Opfer ihrer eigenen Gefühle und der Ausgrenzung in der griechischen Gesellschaft (Korinth) dargestellt.
Fokus: Der Konflikt zwischen Natur (Medeas Heimat Kolchis) und Zivilisation (Korinth). Am Ende triumphiert das bittere Schicksal.
Christa Wolf: Medea. Stimmen (1996 – Moderne/DDR-Kontext)
Medeas Bild: Wolf bricht radikal mit dem Mythos. Ihre Medea ist keine Kindsmörderin! Sie ist eine weise, selbstbewusste Frau, Heilerin und Außenseiterin. Die Korinther schieben ihr die Morde an den Kindern nur in die Schuhe (Sündenbock-Mechanismus), um von ihren eigenen politischen Verbrechen abzulenken.
Fokus: Patriarchale Machtstrukturen, Fremdenfeindlichkeit und wie Geschichte von den Herrschenden manipuliert wird.
2. Romantik vs. Junges Deutschland & Vormärz
Hier prallen zwei völlig verschiedene Weltanschauungen aufeinander:
Epoche / Strömung | Romantik (ca. 1795 – 1835) | Junges Deutschland & Vormärz (ca. 1830 – 1848) |
Grundhaltung | Flucht aus der Realität, Gefühlsbetont, irrational, Sehnsucht. | Politisch engagiert, rebellisch, realistisch, fordern Demokratie. |
Wofür? | Natur, Fantasie, das Unbewusste, die Vergangenheit (Mittelalter). | Freiheit, Gleichheit, Frauenrechte, Pressefreiheit, Revolution. |
Wogegen? | Aufklärung (reine Vernunft), Industrialisierung, Spießbürgertum. | Die absolutistische Herrschaft (Fürsten), Zensur, Unterdrückung, Kirche. |
Wichtige Begriffe der Romantik:
Das Kind (vs. junger Erwachsener): Das Kind gilt in der Romantik als Ideal, weil es noch unschuldig ist, Fantasie besitzt und nicht von der rationalen Nutzwelt der Erwachsenen korrumpiert wurde.
Die Natur: Nicht bloß Kulisse, sondern ein beseelter Raum, in dem der Mensch Gott und sich selbst spüren kann (Gegensatz zur schmutzigen Fabrikwelt).
Der "Taugennichts": Bekannt aus Eichendorffs Novelle. Er verkörpert den positiven Lebenskünstler. Er zieht mit der Geige durch die Welt, vertraut auf Gott und die Natur und verweigert den Zwang der Arbeit.
Der "Philister": Das genaue Gegenteil des Taugennichts. Der Philister ist der typische Spießbürger: Er denkt nur an Geld, Arbeit, Ordnung und hat absolut keinen Sinn für Kunst, Poesie oder Natur.
Wichtige Autoren:
Romantik: Novalis, Joseph von Eichendorff, E.T.A. Hoffmann, Ludwig Tieck, Brüder Grimm.
Junges Deutschland / Vormärz: Heinrich Heine, Georg Büchner, Karl Gutzkow.
3. Novalis: "Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren..."
Dieses Gedicht (ein Programmtext der Romantik) kritisiert die reine Wissenschaft und Aufklärung:
Aussage: Solange die Menschen versuchen, die Welt nur mit Logik (Zahlen und Figuren), Geometrie oder Vernunft zu erklären, bleibt die Welt kalt und unverstanden.
Die Rettung: Erst wenn der Mensch wieder singt, liebt und die Welt durch Poesie und Märchen begreift, verschwindet das falsche (rationale) Wesen der Welt und die wahre, magische Realität bricht hervor.
4. Georg Büchner, Metternich und das Junge Deutschland
Fürst von Metternich: Der mächtige Politiker der Restauration. Er setzte die Karlsbader Beschlüsse (1819) durch: Strikte Zensur, Verbot von Burschenschaften, Überwachung von Professoren und Studenten. Das "Junge Deutschland" wurde 1835 vom Bundestag unter Metternich komplett verboten.
Georg Büchner: Stand dem Jungen Deutschland nahe, war aber radikaler (sozialrevolutionär). Er sah das Problem nicht nur in den Fürsten, sondern in der Armut der Unterschicht.
Flugschrift: Der Hessische Landbote (1834) mit dem berühmten Kampfruf: "Friede den Hütten! Krieg den Palästen!" Er rief die Bauern zur Revolution auf.
Wichtige Werke:
Woyzeck (Drama): Zeigt, wie Armut und psychischer Druck einen armen Soldaten in den Wahnsinn und zum Mord treiben (Kritik an der Gesellschaft).
Dantons Tod (Drama): Setzt sich kritisch mit den Schattenseiten der Französischen Revolution auseinander.
5. Biedermeier (ca. 1815 – 1848)
Wann: Parallel zum Vormärz, nach dem Wiener Kongress.
Was: Während der Vormärz auf die Straße ging, zog sich das Biedermeier ins Private zurück. Aus Angst vor der Politik und der Zensur flüchtete man in die Idylle: Familie, Haus, Garten, Gemütlichkeit und Religion.
Merkmale: Konservativ, harmoniebedürftig, Verzicht auf große politische Träume, Betonung von Ordnung und Pflicht.
6. Das Nibelungenlied
Was ist das? Ein mittelalterliches Heldenepos (um 1200 aufgeschrieben), das im 19. Jahrhundert (besonders in der Romantik) wiederentdeckt und politisch instrumentalisiert wurde.
Inhalt in Kürze: Siegfried der Drachentöter besitzt den Nibelungenhort und wird hintergangen. Hagen von Tronje ermordet ihn hinterrücks. Siegfrieds Frau, Kriemhild, schwört Rache, heiratet den Hunnenkönig Etzel und lockt die Burgunder (ihre eigene Familie) ins Verderben. Am Ende sterben fast alle.
Bedeutung im 19. Jh.: Die Romantiker suchten nach einer "deutschen Identität". Das Nibelungenlied wurde fälschlicherweise als deutsches "Nationalepos" gefeiert, um den Nationalstolz zu stärken (Stichwort: "Nibelungentreue").
7. Märchen: Brüder Grimm und das Kunstmärchen
Die Brüder Grimm (Jacob und Wilhelm): Sie sammelten alte, mündlich überlieferte Geschichten und schrieben sie auf (Kinder- und Hausmärchen, ab 1812). Das nennt man Volksmärchen (Autoren sind unbekannt, Sprache ist einfach und formelhaft).
Das Kunstmärchen: Im Gegensatz zum Volksmärchen hat das Kunstmärchen einen festen, bekannten Autor. Es nutzt zwar den typischen Märchenstil (Magie, sprechende Tiere, Gut gegen Böse), ist aber oft psychologischer, literarisch komplexer, düsterer und nicht unbedingt alt (sondern in der Romantik oder Moderne erfunden). Beispiel: Die Märchen von E.T.A. Hoffmann oder Hans Christian Andersen.
8. Schreibende Frauen und literarische Zirkel
Frauen durften damals weder studieren noch politisch aktiv sein. Ihr Ausweg waren Literarische Salons (Zirkel): Private Treffen im Wohnzimmer wohlhabender Frauen, bei denen Künstler, Politiker und Denker zusammenkamen, um gleichberechtigt über Kunst und Politik zu diskutieren.
Bettina von Arnim: Eine der bedeutendsten Frauen der Romantik und des Vormärz. Sie war Netzwerkerin, schrieb Briefromane (Goethes Briefwechsel mit einem Kinde) und engagierte sich später stark sozialkritisch und politisch für die Armen und Unterdrückten.
Dorothea Schlegel: (Dorothea Schlegel, geb. Mendelssohn). Sie war eine zentrale Figur der Jenaer Frühromantik, Ehefrau von Friedrich Schlegel, übersetzte Werke und schrieb den berühmten romantischen Roman Florentin.