Mundhöhle, Pharynx und Speicheldrüsen
Mundhöhle, Pharynx und Speicheldrüsen
Embryonalentwicklung
Schnitt durch Embryo zur Darstellung der Mundbucht.
Mundbucht als deutliche Bucht erkennbar.
Membrana oropharingialis ist löchrig.
Stirnwulst oberhalb der Mundbucht.
Pharyngeal Bögen:
Erster, zweiter, dritter, vierter Pharyngeal Bogen.
Nasenplakoden im Bereich der Stirnwulst.
Laterale und mediale Nasenwülste.
Unterkieferwulst entsteht aus dem ersten Pharyngeal Bogen.
Oberkieferfortsätze wachsen aus dem ersten Pharyngeal Bogen.
Wülste für die Mundhöhle
Mediale Nasenwülste, Oberkieferfortsätze und Unterkieferwulst sind wesentlich.
Nasenwülste wachsen auf den Pharyngeal Bogen zu.
Oberkieferfortsätze wachsen „auf uns“ und vorne aufeinander zu.
Lippenspalte und Kieferspalte
Wenn mediale Nasenwulst und Oberkieferfortsatz sich nicht treffen:
Lippenspalte (Cheiloschisis)
oder
Lippe und Kiefer betroffen: Lippen-Kieferspalte (Cheilognathoschisis).
Lippenspalte (Cheiloschisis): Betrifft nur die Lippe
Lippen-Kieferspalte (Cheilognathoschisis): Betrifft Lippe und Kiefer.
Primärer Gaumen und Nasenbläschen
Primärer Gaumen entsteht aus medialer Nasenwulst (Zwischenkieferfortsatz).
Nasenbläschen stülpt sich darüber nach innen und bildet Membrana oronasalis.
Membrana bildet sich zurück, wodurch eine Öffnung zwischen Nasen- und Mundhöhle entsteht.
= Primäre Choane: Verbindung zwischen Nasen- und Mundhöhle (bleibt auf Dauer aber nicht so)
Entwicklung des Gaumens
Blick von unten auf primäre Choane:
Primärer Gaumen (oben, klein).
Laterale Gaumenfortsätze (rechts und links), entstehen aus den Oberkieferfortsätzen
Gaumenfortsätze wachsen aufeinander zu und verwachsen.
Verwachsung mit primärem Gaumen trennt Nasen- und Mundhöhle.
Gaumenspalte
Wenn Gaumenfortsätze nicht verwachsen: Gaumenspalte (Palatoschisis/Wolfsrachen).
Gaumen beim gesunden Pferd
Harter Gaumen (Palatum durum):
Knöchern unterlegt (von Maxilla und Os palatinum).
Gaumennaht (Raphe palati) in der Mitte wo sich die Gaumenfortsätze getroffen haben.
Schleimhautvorwölbungen (Rugae palatinae/Gaumenstaffeln).
Weicher Gaumen (Palatum molle) —> dahinter/caudal:
Nicht knöchern unterlegt.
Freier Rand = Gaumensegel (Velum palatinum) —> ist seitlich mit Schleimhaut der Mundhöhle verbunden.
Anatomie der Mundhöhle BILDRER!
Harter Gaumen (Palatum durum) und weicher Gaumen (Palatum molle).
Mundspalte (Rima oris), umgeben von Oberlippe (Labium superius) und Unterlippe (Labium inferius).
Lippenbändchen (Frenulum labii superioris/inferioris) verbindet Lippen mit Schleimhaut oberhalb der Zähne.
Vestibulum oris und Cavum oris proprium
Vestibulum oris: Raum zwischen Lippen/Wangen und Zähnen (der Raum, in dem man ist wenn man die Zähne zusammenbeißt und dann den Finger in den Mund steckt lol also alles außen herum um die Zähne)
Papillae buccales: Papillen an der Backenschleimhaut beim Rind, nach kaudal gerichtet.
Cavum oris proprium: eigentliche Mundhöhle.
Dach: Gaumen (Palatum durum und Palatum molle).
Seitenwände: gebildet durch die Zähne.
Boden: unterteilt durch Zungenbändchen (Frenulum linguae) in:
Präfenulärer Bereich (vor dem Zungenband).
Recessus sublingualis laterale (rechts und links).
Inhalt der Mundhöhle: Zunge.
Entwicklung des Pharynx
Entsteht aus dem Schlunddarm (entodermal ausgekleidet) hinter der Membrana oropharingialis.
Embryonaler Pharynx:
Schlundtaschen, aus denen verschiedene Strukturen entstehen.
Definitiver Pharynx: Nach Entwicklung und Verschwinden der Schlundtaschen.
Nach Auflösung der Membrana oropharingialis:
Verbindung nach rostral mit Nasen- und Mundhöhle.
Verbindung nach kaudal mit unterem Atemweg und Speiseröhre.
Pharynx als Schnittstelle
= Schnittstelle zwischen Atmungs- und Verdauungstrakt.
Membrana oropharyngealis löst sich zeitig auf, dementsprechend wächst der Weichteil des Gaumens (=Gaumensegel) bis in den Pharynx hinein
Verbindung zur Nasenhöhle über zwei Choanen die von dem einen Raum des Pharynx in die beiden Nasenhöhlen rechts und links führen (über Septum voneinander getrennt)
Verbindung zur Mundhöhle = Isthmus faucium (Rachenenge).
Ostium intrapharyngeum: Öffnung, die den Pharynx in dorsale und ventrale Etagen teilt.
Abteilungen des Pharynx
Dorsale Etage: Pars nasalis pharyngis (Nasenrachen).
Ventrale Etage:
Pars oralis pharyngis.
Pars laryngea pharyngis.
Pars esophagea pharyngis.
Verbindungen und Strukturen
Pars nasalis pharyngis:
In Verbindung zur Nasenhöhle über die Choanen.
In Verbindung zur ventralen Etage über Ostium intrapharyngeum.
Ostium intrapharyngeum:
wird zur ventralen Etage nach rostral begrenzt durch Arcus veli palatini (kaudaler Rand des Gaumensegels).
und nach lateral und caudal durch Arcus palatopharyngeus (Schleimhautfalten).
Diese gehen hinten zusammen und bilden die Öffnung Ostium intrapharyngeum
Ostium pharyngeum tubae auditivae: Öffnung zur Tuba auditiva (bzw. erstmal in den Luftsack beim Pferd)
Besonderheiten beim Schwein:
Diverticulum pharyngeum: Blind endende Ausstülpung im Bereich des Nasenrachens.
Zäpfchen in der Mitte sitzend am Arcus veli palatini.
Pars oralis pharyngis
Verbindung zur Mundhöhle über Isthmus faucium.
Isthmus faucium wird lateral durch Arcus palatoglossus (Schleimhautfalte zwischen der Zunge ventral und Gaumen/Palatum molle dorsal) begrenzt.
Pars oralis pharyngis bis zum Kehldeckelgrund (Unterseite der Epiglottis).
Pars laryngea pharyngis
Verbindung nach dorsal über Ostium intrapharyngeum mit Pars nasalis pharyngis.
Pars laryngea pharyngis = der Bereich oberhalb der Kehlkopfkrone.
Recessus piriformis: seitliche Ausbuchtungen am Kehlkopf.
Pars oesophagea pharyngis
= der Anfangsabschnitt der Speiseröhre (Vestibulum esophagi).
Lymphatischer Rachenring (Waldeyer-Rachenring) im Bereich des Pharynx
= Diffus verteiltes lymphatisches Gewebe.
bildet Ansammlungen: Tonsillen (Mandeln).
Tonsilla pharyngea (am Dach des Nasenrachens).
Tonsilla tubaria (beim Rind und Schwein, rund um die Öffnung zur Tuba auditiva).
Tonsilla veli palatini (beim Pferd und Schwein, am Gaumensegel).
Tonsilla palatina (bei allen außer Schwein, hinten am Zungengrund).
Muskeln des Pharynx
Schlundkopfschnürer:
Haben alle ihren Ansatz an der Raphe pharyngis (dorsale Medianlinie - also da wo sich die Schleimhaut von rechts und links getroffen hat, dorsal im Pharynx).
Rostrale, mittlere und kaudale Schlundkopfschnürer.
Rostrale Schlundkopfschnürer:
Musculus pterygopharyngeus (vom Os pterygoideum, zieht zur Raphe pharyngis).
Musculus palatopharyngeus (vom Os palatinum, zieht zur Raphe pharyngis).
Musculus stylopharyngeus rostralis (vom Stylohyoid, zieht zur Raphe pharyngis).
Mittlere Schlundkopfschnürer (einer!):
Musculus hyopharyngeus (vom Basihyoid, zieht zur Raphe pharyngis).
Caudale Schlundkopfschnürer:
Musculus thyropharyngeus (von der Cartilago thyroidea, zieht zur Raphe pharyngis).
Musculus cricopharyngeus (von der Cartilago cricoidea, zieht zur Raphe pharyngis).
Schlundkopferweiterer:
Musculus stylopharyngeus caudalis (vom Stylohyoid, zieht an die dorsolaterale Pharynxwand).
Kreuzung von Luft- und Speiseweg
Luftweg: Nasenhöhle → Nasenrachen → Kehlkopf → Trachea.
Speiseweg: zwei verschiedene Wege
Schluckakt: willkürliche und unwillkürliche Phase.
Schluckackt:
—> willkürlich:
1. Futter auf Zunge
2. Zunge wird gegen Gaumen und nach caudal bewegt
3. Futter erreicht Isthmus faucium
—> unwillkürlich:
Velum Palatinum (Gaumensegel) wird an caudodorsale Pharynxwand hochgezogen
Dadurch wird Ostium intrapharyngeum verschlossen
Anheben des Zungengrunds + Bewegung des Kehlkopfes nach rostral (weil Muskeln die zw. den Anteilen des Zungenbeins verlaufen bzw. zw. Zungenbein und Kehlkopf verlaufen sich kontrahieren
Durch angehobenen Zungengrund wird Epiglottis nach caudal gedrückt und legt sich vor den Eingang des Kehlkopfes —> Futter kann dadurch nicht in eine falsche Öffnung sondern nur in Speiseröhre
Flüssige Nahrung kann seitlich am Kehlkopf vorbei durch die Recessus piriformis in die Speiseröhre gelangen.
Entwicklung der Speicheldrüsen
Entstehen durch Aussprossung aus der Wand der Mundhöhle.
Vestibulum oris.
Cavum oris proprium.
—> schlauchförmige Ausstülpungen, teilt sich am Ende in viele kleine „Trauben“ = Tubuloazinöse Drüsen (tubulärer Teil und Acini = die Enden).
Arten von Speicheldrüsen
Glandulae buccales: verteilt in der Backenwand.
Größere Speicheldrüsen
größere Speicheldrüsen:
Glandula parotis (Ohrspeicheldrüse)
Sitzt an der Ohrmuschelbasis bzw. startet dort und hat teilweise eine große Ausdehnung runter zum Unterkieferwinkel
Ductus parotidis (= ihr Ausführungsgang):
dieser zieht bei den meisten Spezies um den Musculus masseter herum, kommt an der Incisura vasorum facialum zur lateralen Fläche der Backe/schlägt sich um die Mandibula und findet dort Anschluss an die Gefäße
Bei Fleischfressern und Schafen allerdings direkt über den Musculus masseter und findet Anschluss an die von ventral kommenden Gefäße
Mündet bei allen Tieren innen im Vestibulum oris auf der Papilla parotidea, gegenüber der oberen vierten Prämolaren (beim Rind: zweite Molaren).
Glandula mandibularis (Unterkieferspeicheldrüse)
Kaudal des Kieferwinkels, schlingt sich um diesen herum
Teilweise von der Glandula parotis bedeckt, man findet sie unter der Glandula parotis
Wichtig! beim Schwein ist die Glandula mandibularis komplett von der Glandula parotis bedeckt.
Ductus mandibularis (= ihr Ausführungsgang):
Verläuft im Mundhöhlenboden.
Mündet rechts und links auf der Caruncula sublingualis (im präfrenulären Bereich des Mundhöhlenbodens).
Glandulae sublingualis (Unterzungenspeicheldrüsen)
Unterhalb der Zunge, im Recessus sublingualis lateralis rechts und links.
2 verschiedene Arten:
Glandula sublingualis monostomatica:
Ein Ausführungsgang (= Ductus sublingualis major).
Mündet auch auf der Caruncula sublingualis rechts und links
Glandula sublingualis monostomatica fehlt beim Pferd!
Glandula sublingualis polystomatica (gibt es auch beim Pferd):
Mehrere Ausführungsgänge (= Ductus sublinguales minores).
Münden auf der Plica sublingualis (Schleimhautfalte die auf den beiden Recessus re. & li. sitzt).
Qualität des Speichels
Glandula parotis: rein seröses Sekret (beim Fleischfresser vereinzelt muköse Zellen).
Glandula mandibularis: gemischte Drüse (seromukös).
Glandula sublingualis:
Seromukös bei Pferd und Fleischfresser.
Rein mukös bei Wiederkäuern und Schwein.
Faustregel: Je näher die Speicheldrüse bei der Mundhöhle ist, desto muköser ist ihr Sekret.