Vorlesung 7

Universität Potsdam

Humanwissenschaftliche Fakultät

Veranstaltung: Einführung in den Sachunterricht
Kompetenzorientierung im Sachunterricht
Professur für Grundschulpädagogik Sachunterricht
  • Leitung:
    • Univ.-Prof. Dr. Björn Egbert, Universität Potsdam
    • Kontakt: egbert@uni-potsdam.de

Hausaufgaben

Besprechung der Hausaufgaben:

  1. Wählen Sie einen der vorgestellten perspektivübergreifenden Inhalte aus.
  2. Fertigen Sie ein Didaktisches Netz (Kahlert, 2009) zu diesem Inhalt an, innerhalb dessen Sie perspektivspezifische Aspekte des perspektivübergreifenden Inhalts systematisieren.
  3. Entwickeln Sie auf der Grundlage des Didaktischen Netzes eine Reihenplanung für Ihren Unterricht, innerhalb derer Sie die einzelnen Perspektiven berücksichtigen und zugleich den Versuch unternimmt, perspektivübergreifend zu arbeiten.
  • Fragen:
    • Gibt es noch offene Fragen?

Zusammenfassung relevanter Konzepte

Mobilität/Mobilitätsbildung:
  • Definition:stellt Grundlage sozialer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Prozesse dar.
  • Mobilitätsbildung ist ein theoretisch fundiertes Bildungs- und Erziehungskonzept zum Thema räumliche Mobilität.
Medienbildung:
  • Definition: Erwerb von IT-Fähigkeiten und von Kompetenzen für das fähige Handeln in der digitalisierten Welt.
  • Medienkompetenz: umfasst Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung.
Gesundheitsbildung:
  • Definition: Orientierung auf Erhaltung der Gesundheit (Salutogenese), Selbstbestimmung und Eigenverantwortung.
  • Merkmale: ein lebenslanger Prozess; Persönlichkeitsentwicklung.

Inhalt der heutigen Sitzung

Übersicht über die Themenfelder:

  1. Perspektivenübergreifende Inhalte des Sachunterrichts.
  2. Kompetenzorientierung im Sachunterricht.
  3. Sachunterricht kompetenzorientiert unterrichten I & II.
  4. Exkurs: Reformpädagogik und Außerschulische Lernorte.
  5. Klausurvorbereitung.

Lernen und Lerntätigkeit im Sachunterricht

Unterrichtsanalyse

  • Definition Unterricht: Unterricht = auf Kulturaneignung gerichtete institutionalisierte Form pädagogischer Interaktion (zwischen Lehren und Lernen).
  • Problem: Lernen ist Aufgabe/Funktion der Lernenden und nicht der Lehrkraft.
  • Pädagogisches Paradox: Lernen zu lehren ist unmöglich; gleichwohl ist es die Aufgabe der Lehrkraft.
Kompetenzorientierung im Sachunterricht:
  • A. Lehren ohne Lernen.
  • B. Lernen ohne Lehren.
  • C. Lernen durch Lehren.
Lehrdominanz und Lerndominanz:
Lehrdominanz:
  • Merkmale: Ziel – Inhalt – Methode – Relation.
  • Stoffpräsentation als Methode: Sachlogisches Zeigen des Stoffes, in der Erwartung, dass die Kinder lernen.
  • Kritik: Lehr-Lern-Interaktion mit Kindern im Modell nicht berücksichtigt.
Lerndominanz (Reformpädagogik/radikal konstruktivistische Sicht):
  • Statt Lehren: Lernbegleitung, Lernumweltgestaltung, Lernbeobachtung, Lerncoaching.

Lernen und Lehren

Lern-Lehr Kooperation:

  • Definition: gekennzeichnet durch gemeinsame Tätigkeit (Interaktion/Kooperation).
  • Bewirkung durch Kommunikation: wird über Kommunikation die Tätigkeit des jeweils anderen Subjekts beeinflusst, wodurch das Subjekt zur Selbstveränderung veranlasst wird.

Kompetenzorientierung und Lernziele im Sachunterricht

Definition von Kompetenz:
  • Kompetenz ist nicht allein Wissen (insbesondere Faktenwissen) und nicht nur Fertigkeit (Skills), sondern die Fähigkeit zur erforderlichen Anforderungsbewältigung, die im selbstregulierten Handeln zum Ausdruck kommt.
  • Zusammenfassung:
    • Kompetenz = Wissen (WAS) + Können (zu wissen WIE) + Handeln (zu wissen WARUM).
    • Kompetenz zeigt sich im Handeln, wird im Handeln erlernt.

Was sind Kompetenzen (im Sachunterricht)?
  • Definition laut Weinert (2001): Kompetenzen sind „die bei Individuen verfügbaren oder durch sie erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volitionalen (d.h. absichts- und willensbezogenen) und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, um die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können.“
  • Bedeutung von Kompetenz: Kompetenz ermöglicht Performanz.

Merkmale von Kompetenzen:
  • Leistungsdispositionen zur Bewältigung größerer Anforderungsklassen, die sich in Handlungsfähigkeit zeigen (Gesamtvollzug von komplexen Lernhandlungen vs. Faktenwissen reproduzieren).
  • Kompetenzen ermöglichen erfolgreiches selbstreguliertes Handeln in diversen Klassen von Anforderungen.

Warum Kompetenzorientierung (im Sachunterricht)?
  • Bund-Länder-Kommission (1997): „Allgemeinbildung oder Grundbildung hat heute die Aufgabe, jene Basisqualifikationen zu vermitteln, die für eine verständige und reflektierbare Teilhabe am gesellschaftlichen und öffentlichen Leben angesichts von Normdissens und vielfältigen Traditionen und Kulturen unentbehrlich sind und das Wissensfundament zu legen, von dem Weiterlernen mit einiger Aussicht auf Erfolg ausgehen kann.“

Kompetenzmodell Sachunterricht

Grundlage des Rahmenlehrplans (2015, S. 4):

  • Erkennen: Knüpft an vorhandenes Wissen an und dient der Vertiefung, Ergänzung und Systematisierung (Was wird gefragt? Was wird geplant, untersucht, recherchiert und geordnet, gestaltet und dargestellt?)
  • Kommunizieren: Versprachlichen von Gelerntem; Einüben von Gesprächsregeln.
  • Urteilen: Stellung beziehen, Standpunkte anderer wahrnehmen und Medien und Arbeitsweisen kritisch einschätzen.
  • Handeln: Erprobung und Übernahme von Verantwortung.

Kritik am Kompetenzmodell:
  • Problem: Fehlende Systematik bzw. Hierarchie (wird später noch einmal aufgegriffen - Lernzielhierarchie).
  • Tabelle: Benannte Kompetenzen sind im eigentlichen Sinne höchstens als Teilkompetenzen anzusehen.

Auswirkungen der Kompetenzorientierung auf den Unterricht

Orientierung an Kompetenzen bewirkt:
  • Den Blick auf die Lernergebnisse (Outcome/Output) von Schülerinnen und Schülern zu gelenken.
  • Das Lernen ist auf die Bewältigung von Anforderungen ausgerichtet und nicht nur auf den Aufbau von ungenutztem Wissen.
  • Das Lernen wird als kumulativer Prozess organisiert (KMK, 2004, S. 16). → Paradigmenwechsel von Input- zur Output-Orientierung.

Zusammenhang zwischen Kompetenzen, Lernzielen und Standards:
  • Kompetenzen… ermöglichen die erfolgreiche Bewältigung komplexer Anforderungen in spezifischen Situationen.
  • Kompetentes Handeln schließt ein: Einsatz von Wissen, von kognitiven und praktischen Fähigkeiten sowie Verhaltenskomponenten (Haltung, Gefühle, Werte und Motivation).
  • Standards beschreiben Zwischenschritte auf dem Weg der Kompetenzentwicklung.

Zielformulierung im Unterricht:
  • Warum Lernziele formulieren?
    • Für Lehrende: Klarheit über Zielstellungen und Inhaltsaufwahl des Unterrichts.
    • Für Lernende: Roter Faden bei Planung, Strukturierung und Durchführung des Unterrichts; Instrument zur Überprüfung des Lernerfolgs.

Lehrziel vs. Lernziel:
  • Lehrziel: sprachlich artikulierte Vorstellung über die angestrebte Verhaltensänderung eines Lernenden (vgl. H. Meyer: Trainingsbogen zur Lernzielanalyse).
  • Lernziele haben sowohl eine Verhaltenskomponente als auch eine Inhaltskomponente.
  • Kriterien für diese Ziele enthalten Bedingungen und Beurteilungskriterien des Lernfortschritts.

Lernzieltaxonomie und Niveaus:
  • Taxonomie: Unterscheidung von verschiedenen Niveaustufen der Lernziele.
  • Gliederung in kognitive, affektive und psychomotorische Lernziele.
  • Beispiel für kognitive Ziele:
    1. Reproduktion - Kennen
    2. Reorganisation - Verstehen
    3. Transfer - Anwenden
    4. Problemlösung/Beurteilung - Kritisierendes Bewerten.

Übung: Formulierung von Lernzielen im Sachunterricht
  1. Formulierung von Lernzielen für das Thema Mobilität.
  2. Formulierung von Lernzielen Ihrer Wahl.

Themenformulierung im Sachunterricht

Definition:
  • Das Thema der Stunde sollte konkret benennen, was der Unterrichtsgegenstand sein soll und für die Lernenden erlernbar sein.
Unterscheidung zwischen Unterrichtsgegenstand und Unterrichtsthema:
  • Unterrichtsgegenstand: Ein Thema wird zu einem Unterrichtsthema, wenn er unter bestimmten Fragestellungen und Perspektiven für Lernende aufgearbeitet wird.

Beispielhafte Vorgehensweisen zur Themenformulierung:
  1. Formulierung als Fragesatz:
    • Was soll über Y erarbeitet werden?
  2. Formulierung als Bespiel:
    • Körper als Y erarbeitet am Beispiel Z.

Kompetenzorientierung und Lernprobleme im Sachunterricht

Herausforderungen und Gründe:

  • Lernprobleme können vielfältige Ursachen haben: Art und Qualität der Aktivität des Lernenden, kognitive Entwicklung, kontextuelle Unterschiede, Präkonzepte.

Gestaltung des Sachunterrichts:

  • Durch aktives, explizites Lernen in sozialer Interaktion und selbstreguliertes Lernen in der Zone der aktuellen Leistung, sowie angeleitetes Lernen in der Zone der nächsten Entwicklung (kontruktivistische Haltung).
Zone der proximalen Entwicklung:
  • Scaffolding: Entwicklung durch verschiedene Stufen des Lernens (aktives, kreatives Lernen vs. direktive Methoden).

Zusammenfassung der wesentlichen Punkte

  • Kompetenzen: Leistungsdispositionen zur Bewältigung größerer Anforderungsklassen.
  • Standards: Definierte (Teil-)Kompetenzen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt erreicht werden sollen.
  • Lernziel: Gibt den angestrebten Lernzuwachs an und umfasst Verhaltens- und Inhaltskomponenten.
  • Thema: Konkrete Definition des Unterrichtsgegenstandes, angepasst an das Fach und den Entwicklungsstand der Schüler.

Dank

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!