KÖRPERLICHE ARBEIT
6.4
6.4.1 Vergleich von Muskeltypen
Tab. 6.1: Skelettmuskulatur, Herzmuskulatur und glatte Muskulatur im Vergleich.
Glatte Muskeln vom Single-Unit-Typ (myogener Typ):
Fasern sind eng vermascht und bilden ein kontinuierliches Netzwerk.
Erregung wird von Faser zu Faser weitergeleitet, was eine wellenförmige (peristaltische) Kontraktion erlaubt.
Beispiel: im Magen-Darm-Trakt.
Fähigkeit zur Selbst-Erregung, beeinflusst durch:
Vegetatives Nervensystem,
Lokale Faktoren (Dehnung, pH-Wert, Sauerstoffkonzentration).
Multi-Unit-Typ (neurogener Typ):
Muskelfasern sind isoliert.
Kontraktionen werden durch das vegetative Nervensystem ausgelöst.
Beispiel: Ziliarmuskel des Auges.
Kontraktionsdauer:
Glatte Muskelfaser: 5- bis 500-mal länger als Skelettmuskelfaser.
6.4.2 Effekte statischer Haltearbeit
Statische Haltearbeit (z.B. Hakenhalten im Operationssaal):
Durchblutung wird behindert, da der angespannte Muskel seine eigenen Gefäße abdrückt.
Führt zu schneller Ermüdung.
6.4.3 Steigerung der Herzleistung
Innerhalb weniger Minuten nach Belastungsbeginn:
Herzfrequenz steigt bei leichter Belastung von ca. 70 Schlägen/min in Ruhe auf ca. 130 Schläge/min.
Im Gleichgewicht (Steady-State):
Typischer Wert über Stunden im Arbeitsalltag aufrechterhaltbar.
Bei kurzzeitiger, maximaler Anstrengung:
Herzfrequenz kann bis 180-200 Schläge/min ansteigen (jüngere Menschen).
Schlagvolumen:
Untrainierter: max. knapp 100 ml.
Trainierter: über 150 ml.
Herzminutenvolumen:
Kann von 5 l/min auf 20 l/min beim Untrainierten ansteigen;
Erreicht Werte von bis zu 30 l/min bei Hochleistungssportlern.
Durchblutung der inneren Organe (z.B. Niere, Magen-Darm-Trakt):
Bleibt gleich oder sinkt, relativ kleiner Anteil am Herzminutenvolumen.
Umverteilung des Blutvolumens bei körperlicher Belastung:
Laktatkonzentration und Herzfrequenz pendeln sich bei leichter und mittelschwerer Arbeit auf konstante Werte (Steady-State) ein.
Keine Ermüdung tritt ein.
Bei schwerer Arbeit:
Herz kann erforderliche Dauerleistung nicht aufbringen, führt zu Ermüdung.
Steigende Laktatkonzentrationen wegen unzureichendem Abbau verstärken die Ermüdung.
Metabolische Azidose führt zum Leistungsabbruch.
Sauerstoffschuld, die beim Arbeitsbeginn entsteht, wird nach Beendigung der Arbeit abgebaut.
6.4.4 Sauerstoffbedarf bei körperlicher Arbeit
Schwerer körperlicher Arbeit:
Muskulatur benötigt bis zu 50-mal mehr Sauerstoff als in Ruhe.
Vermehrt anfallende Stoffwechselprodukte (Kohlendioxid, Milchsäure) müssen abtransportiert werden.
Erfordert verstärkte Durchblutung der Muskulatur und Anpassungen des Herz-Kreislauf-Systems sowie der Atmung.
6.4.5 Vasodilatation der Gefäße
In den ersten Minuten gewinnt die Muskulatur notwendige Energie vor allem durch anaeroben Stoffwechsel.
Vermehrt anfallende Stoffwechselprodukte:
Führen zu Weitstellung der kleinsten Blutgefäße (Vasodilatation).
Verlauf der Durchblutung der Muskulatur steigt erheblich.
Am besten ist die Durchblutung bei rhythmisch-dynamischen Arbeiten, wie z.B. Gehen oder Ballspielen.
6.4.6 Muskelarten und Histologie
Vorkommen von Muskeln:
Extremitäten-, Rumpf-, Zungen-, Schlund-, Kehlkopfmuskulatur, Zwerchfell, Herzmuskulatur, Wände von Magen-Darm-, Urogenitaltrakt, Blutgefäßen.
Histologie der Muskulatur:
Skelettmuskulatur:
Lange (bis 15 cm), nichtverzweigte Fasern; viele randständige Zellkerne; Querstreifung.
Herzmuskulatur:
Spiralige, verzweigte Fasern; ein mittig liegender Zellkern; Querstreifung.
Glatte Muskulatur:
Kurze, verzweigte Fasern; ein mittig liegender Zellkern; keine Querstreifung.
weitere Eigenschaften:
motorische Endplatte:
Skelettmuskulatur: ja
Herzmuskulatur: nein
Glatte Muskulatur: nein
Tätigkeit:
Skelettmuskulatur: willkürlich
Herzmuskulatur: unwillkürlich
Glatte Muskulatur: unwillkürlich
Latenzzeit:
Skelettmuskulatur: kurz
Herzmuskulatur: mittellang
Glatte Muskulatur: lang
Kontraktionszeit:
Skelettmuskulatur: kurz
Herzmuskulatur: mittellang
Glatte Muskulatur: lang
Ermüdung:
Skelettmuskulatur: rasch
Herzmuskulatur: nein
Glatte Muskulatur: langsam
Tetanisierbarkeit:
Skelettmuskulatur: ja
Herzmuskulatur: nein
Glatte Muskulatur: teilweise (beim Single-Unit-Typ).
6.4.7 Knochen, Gelenke und Muskeln
Maximales O2-Aufnahmevermögen und O2-Schuld werden berücksichtigt.
Herzfrequenz:
Steigerung während körperlicher Arbeit;
Erholungs-Pulsumme als Maß für Sauerstoffschuld.
Atmung:
Atemfrequenz und Atemzugvolumen steigen.
Atemminutenvolumen steigt von etwa 7 l/min in Ruhe auf über 100 l/min bei extremer Anstrengung.
Bei gesunden Individuen ist die Atmung in der Regel nicht der limitierende Faktor.
6.4.8 Prävention durch körperliche Aktivität
Regelmäßige körperliche Aktivität beugt vor allem vor:
Übergewicht,
Diabetes mellitus (Typ 2),
Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Steigert Selbstwertgefühl und verbessert das Allgemeinbefinden.
Besonders geeignet sind Ausdauersportarten.
Bewegung im Alltag ist wichtig, besonders für ältere Menschen.
Angepasste Bewegung ist vorteilhaft für Menschen mit Lungen-, Herz-Kreislauf- oder Krebserkrankungen.
Pflegekräfte sollten Patientinnen und Patienten zu mehr Bewegung ermutigen und passende Angebote aufzeigen.
6.4.9 Organdurchblutung
Abb. 6.17: Organdurchblutung in Ruhe und bei schwerer körperlicher Arbeit.
Gesamte Organdurchblutung: 5000 ml/min in Ruhe, bis zu 20.000 ml/min bei schwerer körperlicher Arbeit.