1. Grundfragen: Wirtschaften heißt Knappheit überwinden

Bedürfnisse, Konsumwünsche, Konsumgüter (1.1)

  • Wir wirtschaften, um unseren Lebensunterhalt zu bestreiten und unsere Bedürfnisse zu befriedigen.
  • Bedürfnisse sind oft nicht direkt sichtbar oder bewusst; es gibt verschiedene Theorien dazu, bekannt ist Maslowsche Bedürfnispyramide: körperliche Bedürfnisse an der Basis, Selbstverwirklichung an der Spitze.
  • Aus unseren Bedürfnissen entstehen Konsumwünsche, die wir mit Konsumgütern befriedigen möchten. Unter Konsumgütern versteht man alles, was wir hervorbringen bzw. leisten, um Konsumwünsche zu erfüllen: z. B. Lebensmittel, Kleidung, Wohnungen, Strom, ärztliche Dienstleistungen, Versicherungen, Polizeischutz, Smartphones, Kunstausstellungen, Kletterwände, Ferienreisen, Wetter-Apps.
  • Konsumgüter können Waren oder Dienstleistungen sein. Eine Ware (z. B. eine Pille) kann uns gesund machen – genauso wie eine Dienstleistung (z. B. guter ärztlicher Rat oder Massage) denselben Effekt haben kann.
  • Bedürfnisse lassen sich auch nicht-litet durch Güter befriedigen: Sicherheit, Zugehörigkeit und Achtung finden sich auch durch Familie, Freundschaften, Vereine oder die Arbeitsweltintegration. Selbstverwirklichung ist durch Musizieren, Spazieren oder Arbeit möglich.
  • Abbildung 1-1 veranschaulicht: Dreiteilung Bedürfnis → Konsumwünsche → Konsumgüter; daneben Beispiele für Bedürfnisbefriedigung durch Nicht-Güter (Musse, Musizieren, Freundschaft, Clubmitgliedschaft, Verzicht auf Rauchen, Spazieren, Rennen); konkrete Beispiele wie Malstiften, Musikinstrument, Natel, Krawatte, Türschloss, Krankenversicherung, Nahrung, Winterschuhe, Zahnplombe.

Unabsehbare Konsumwünsche (1.2)

  • In armen Gesellschaften befriedigen Konsumgüter vorrangig körperliche Bedürfnisse; mit steigendem Einkommen erhöht sich der Anteil der Konsumgüter, die Bedürfnisse der oberen Stufen der Maslow-Pyramide befriedigen.
  • Beispiele: Brot oder Milch stagnieren, Auslandsreisen steigen weiter an; mit steigendem Wohlstand wachsen die Ansprüche.
  • Unsere Wünsche nach Konsumgütern scheinen unbegrenzt.
  • Insbesondere Wünsche nach Zugehörigkeit und Achtung zeigen sich als besonders unersättlich: Demonstrativer Konsum (z. B. teures Auto) dient dazu, sich überlegen zu fühlen. Wer sich mit einem gewöhnlichen Auto begnügt, fühlt sich unter Umständen ärmer; mit wachsendem Wohlstand erfüllen sich mehr Menschen diesen Wunsch – und auch Ärmeren steigen die Ansprüche, wenn ihnen der Zugang zu gängigen Gütern versperrt bleibt.
  • Je höher das allgemeine Konsumniveau, desto größer der Konsum, der Zugehörigkeit und Achtung stillt. Gleichzeitig steigen die Ansprüche der Ärmeren, wenn der Zugang zu üblichen Gütern eingeschränkt ist.

Ressourcen (Produktionsfaktoren) (1.3)

  • Zur Produktion von Konsum- und Kapitalgütern werden Produktionsfaktoren eingesetzt. Diese lassen sich in vier Gruppen einteilen: Arbeitskraft, Kapitalgüter, Boden, Umweltgüter.

1) Arbeitskraft

  • Alle Formen von körperlicher und geistiger Arbeit gehören dazu.
  • Dazu gehört das sog. Know-how: organisatorische, technische und erfinderische Fähigkeiten sowie das vielfältige Wissen der Arbeitskräfte.
  • Unternehmerische Tätigkeit wird hier ebenfalls verortet.

2) Kapitalgüter

  • Kapitalgüter sind Güter, die hergestellt werden, um damit weitere Güter zu produzieren (Konsum- oder Kapitalgüter).
  • Investitionen/Investitionsgüter: zu ihnen zählen Gebäude, Maschinen, Lastwagen, Leitungen, Straßen.
  • Wissensbasierte Kapitalgüter: Bücher, Datenbanken, Patente, oft geheim gehaltene Produktionsverfahren, Organisationssysteme.
  • Firmeneigenes Know-how kann wertvoller sein als Maschinen.
  • Hinweis zum Kapitalbegriff: Kapital wird auch in anderen Bedeutungen verwendet, z. B. Humankapital (Wissen, Fähigkeiten) und Finanzkapital (Geld, Wertpapiere).

3) Boden

  • Boden ist eine naturgegebene Ressource: Anpflanzen, Gebäude errichten, Straßen legen; Bodenschätze zählen ebenfalls dazu.

4) Umweltgüter

  • Umweltgüter sind sauberes Wasser, frische Luft, Sonnenschein, schützende Atmosphäre, schöne Landschaften, Artenvielfalt, Sternenhimmel, Nachtruhe usw.
  • Umweltgüter werden direkt konsumiert (z. B. Luft zum Atmen) und sie dienen auch der Produktion (z. B. Landschaftsschönheit als Ressource für den Tourismus).
  • Für fast alle Güter werden alle vier Produktionsfaktoren benötigt: Arbeit, Maschinen (Kapital), Boden und Umweltgüter.
  • Zwischenprodukte, die im Produktionsprozess entstehen, können z. B. Dünger, Insektizide, Kunststoffe, Kupfer, Schrauben, Holzspanplatten, Zeitungspapierrollen, Baumwollgarne, Seidenstoffe sein.
  • Verteilung der Faktoren variiert je nach Gut: Dienstleistungen sind oft arbeitsintensiv; Warenproduktion ist kapitalintensiver; Weizen erfordert Boden und Maschinen; Aluminiumproduktion, Straßen- und Luftverkehr beanspruchen Umweltgüter in überdurchschnittlichem Maße.

Was heißt knapp? (1.4)

  • Knappheit bedeutet, dass Ressourcen im Vergleich zu den Konsumansprüchen knapp sind.
  • Beispiele für Knappheit: Arbeitskraft ist begrenzt (24 Stunden pro Tag); Boden und Kapitalgüter sind begrenzt; Umweltgüter sind heute ebenfalls knapp geworden.
  • Früher galten Umweltgüter oft als freie Güter (unbeschränkt nutzbar); durch Bevölkerungswachstum und zunehmende Ressourcennutzung werden viele Umweltgüter knapp und nicht mehr frei verfügbar.
  • Grundproblem der Ökonomie: Ressourcen reichen nicht aus, um alle Wünsche zu befriedigen; wir müssen entscheiden, welche Wünsche stärker befriedigt werden sollen.
  • Beispiel für Knappheit und Entscheidung: Auf demselben Boden können nicht gleichzeitig ein Denkmalschutz, neue Wohnungen und ein Park realisiert werden; oder gleichzeitig Wohnruhe und belebtes Quartierleben.
  • Entscheidungen haben Opportunitätskosten: Die Kosten der nächstbesten nicht gewählten Alternative.

Opportunitätskosten (Alternativkosten) (Beispiel)

  • Wenn wir bewusst wählen, müssen wir den Verlust der nächstbesten nicht gewählten Alternative kennen; dies sind die Opportunitätskosten.
  • Definition: Die Opportunitätskosten sind die kostbarsten Güter/Ressourcen, auf die wir verzichten müssen, um ein Ziel zu erreichen. Sie zeigen, welche Kosten mit Entscheidungen verbunden sind.
  • Rechenbeispiel/Alltag:
    • Wollen wir ins Kino gehen, zahlen wir z. B. CHF 18.00 Eintritt; zusätzlich beachten wir, was wir stattdessen tun könnten (z. B. Regenwetter vs. schönes Wetter; ob wir draußen baden gehen könnten).
    • Bei schönem Wetter sind die Alternativkosten für einen Filmbesuch höher (man könnte draußen mehr genießen). Bei Regen ist der alternative Nutzen geringer, weshalb Kinos bei schlechtem Wetter oft stärker besucht sind.
  • Formale Darstellung: OK=extWertderbestenverpasstenAlternativeOK = ext{Wert der besten verpassten Alternative}

Mikroökonomie und Makroökonomie (1.5/1.6)

  • Mikroökonomie (griechisch mikrós = klein): untersucht das Wirtschaftsgeschehen vom Kleinen her; befasst sich mit individuellen Entscheidungen der Wirtschaftssubjekte und dem Geschehen auf Märkten. Mikroökonomische Fragen stehen in Teil B, S. 21 im Vordergrund.
  • Makroökonomie (griechisch makrós = groß): betrachtet die gesamte Wirtschaft; es geht um Gesamtgrößen wie Unternehmen, Haushalte, Staat, die zu einem Wirtschaftskreislauf zusammengefasst werden. Wichtige Themen der Makroökonomie sind Konjunkturschwankungen sowie deren Folgen wie Inflation/Deflation und konjunkturelle Arbeitslosigkeit. Diese Themen stehen in Teil C, S. 89 im Zentrum.

Schlüsselbegriffe (Auswahl der zentralen Begriffe aus dem Lernziel)

  • Bedürfnisse: grundlegende menschliche Anforderungen, die je nach Theorie unterschiedlich stark ins Gewicht fallen (z. B. Maslows Pyramide).
  • Konsumwünsche: konkrete Wünsche, die aus Bedürfnissen erwachsen und durch Konsumgüter befriedigt werden.
  • Konsumgüter: Waren und Dienstleistungen, die zur Befriedigung von Konsumwünschen dienen; können auch non-materiell sein.
  • Bedürfnisse vs. Wünschen: Bedürfnisse können durch Güter oder auch durch immaterielle Faktoren befriedigt werden (Familie, Freunde, Vereine, Arbeitswelt).
  • Produktionsfaktoren (Ressourcen): vier Gruppen – Arbeitskraft, Kapitalgüter, Boden, Umweltgüter.
  • Arbeitskraft: körperliche und geistige Arbeit; Know-how; organisatorische, technische und erfinderische Fähigkeiten inklusive unternehmerischer Tätigkeit.
  • Kapitalgüter (Investitionsgüter): Güter zur Herstellung weiterer Güter; umfasst Gebäude, Maschinen, Fahrzeuge, Leitungen, Straßen; Wissen in Büchern/Datenbanken, Patente, Produktionsverfahren; firmeneigene Know-how.
  • Boden: naturgegebene Ressource; Boden, Bodenschätze, Ländereien; Nutzungsformen reichen von Landwirtschaft bis zu Infrastruktur.
  • Umweltgüter: saubere Luft, Wasser, Sonnenschein, Landschaften, Ruhe; dienen direkt der Befriedigung oder indirekt der Produktion, z. B. Tourismus.
  • Knappheit: Verhältnis der verfügbaren Ressourcen zu den Bedürfnissen; führt zu Entscheidungen und Allokationsproblemen.
  • Freie Güter: Güter, die in ausreichender Menge vorhanden sind und kostenfrei genutzt werden können; viele Umweltgüter sind heute nicht mehr frei.
  • Opportunitätskosten (Alternativkosten): Kosten der nächstbesten entgangenen Alternative; wichtig bei jeder Entscheidung.
  • Volkswirtschaft: Gesamtheit der Einrichtungen/Verfahren, mit denen Gesellschaft Güter produziert und verteilt.
  • Volkswirtschaftslehre: Lehre von der bestmöglichen Verwendung knapper Ressourcen in einer Gesellschaft.
  • Mikroökonomie: untersucht Entscheidungen einzelner Markteilnehmer und Märkte.
  • Makroökonomie: untersucht gesamtwirtschaftliche Größen und Zusammenhänge (Konjunktur, Inflation/Deflation, Arbeitslosigkeit).
  • Gemischte Wirtschaftsordnung: Wirtschaftsordnung, die Elemente von Marktwirtschaft und staatlicher Lenkung kombiniert (im Text als Begriff erwähnt).
  • Unternehmertätigkeit: Teil der Arbeitskraft; unternehmerische Initiative und Risikoübernahme im Produktionsprozess.
  • Investitionen: Aufbau von Kapitalgütern, die zukünftige Produktion ermöglichen.
  • Umweltaspekte in der Produktion: Umweltgüter werden sowohl direkt konsumiert als auch in der Produktion genutzt.

Hinweis: Die Inhalte beziehen sich auf die Beispiele und Formulierungen der vorliegenden Transkripte der Kursunterlagen (Kapitel 1, Teile A–C).