Führung im Sozialmanagement
FÜHRUNG IM SOZIALMANAGEMENT
- Einführung: Wer ist die Leitung in sozialwirtschaftlichen Organisationen?
- Geschäftsführung?
- Abteilungsleitungen?
- Pädagogische oder kaufmännische Leitung?
- Personalleitungen?
- Team- und Gruppenleitungen?
- Management vs. Führung: Begriffsklärung notwendig, da oft nicht deutlich.
- Aufgaben der Führungskräfte: An Ziele, Aufgaben und Strukturen der Organisation anpassen.
- Kompatibilität: Aufgabenstellungen der Organisationen und des Managements mit unterschiedlichen Führungspersönlichkeiten und -typen.
- Besonderheiten der Führung im Sozialwesen.
3.1 Führung vs. Management
- Oft parallel und synonym genutzt.
- Unterschiedliche Auffassungen in der Literatur.
- Management: Gestaltung „zweckgerichteter, organisationaler Systeme“ (Merchel, 2015, S. 25).
- Eingrenzung durch Gegenstandsbereich, Zweck, Ziele, Managementtechniken und Vorgehensweisen.
- Gesamtheit der Unternehmensführung.
- Steuerungsfunktion in Unternehmen.
- Ziel: Zielorientiert handeln und Aufgaben und Prozesse koordinieren.
- Zweckrationales Handeln: Ziel- und Zweckorientierung auf Basis von logischen, begründeten, nachvollziehbaren Überlegungen.
- Managementrad: Managementprozess findet selten kompletten Abschluss, weiterführende Prozesse schließen an.
- Unterschiedlichste Managementprozesse finden parallel statt und bedingen sich gegenseitig.
- Wichtige Aufgabe: Koordination zahlreicher Einzelprozesse.
- Anwendung von Managementmethoden, -techniken und -instrumenten.
- Ziel: Effektives und effizientes Handeln.
- Fokus auf direkt steuerbare Faktoren, wie messbare Erfolge.
- Führung: Schwerpunkt auf Miteinander zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden.
- Verstanden als wert-, ziel- und ergebnisorientierte, aktivierende wie wechselseitige soziale Beeinflussung zur Erfüllung gemeinsamer Aufgaben in und mit einer strukturierter Arbeitssituation (Wunderer, 2018, S. 165).
- Einflussnahme auf Verhalten des Anderen.
- Beeinflussung der Mitarbeitenden, ihre Aufgaben wie vorgesehen wahrzunehmen.
- Einfluss aufgrund zugeschriebener Kompetenzen (z. B. Entscheidungsbefugnisse).
- Informelle Führung: Einflussnahme ohne Zuweisung besonderer Kompetenzen.
- Einflussnahme durch zwischenmenschliche Beziehungen.
- Beziehungen und Kommunikation prägen die Unternehmenskultur.
- Aufgabe der Führung: Greifbare, kulturelle und soziale Aspekte berücksichtigen und gestalten.
- Das 7-S-Modell: Harte und weiche Faktoren in Zusammenhang.
- Harte Faktoren einfacher zu identifizieren und zu steuern.
Abbildung 7: 7-S-Modell
- Ausgehend von Zielen, kann Entwicklung der harten und weichen Faktoren zum Erfolg beitragen.
- Veränderungen in einem Teilbereich haben unmittelbare Wirkung in allen anderen Themenfeldern.
- Abhängigkeiten zwischen den Themenstellungen.
- Skills: Fähigkeiten der Gesamtorganisation (z.B. Kompetenzen entwickeln oder anzupassen).
- Staff: Ausgestaltung des Personalbereichs (z.B. Einsatzplanung, Personalentwicklung, Nachwuchsförderung, Karriereplanung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie).
- Abwägung zwischen messbaren Zielen, Organisation und Struktur und den weniger steuerbaren Einflüssen (7-S-Modell, Fähigkeiten der Akteur:innen, Personal, Führungsstil, Unternehmenskultur).
- Beispiel aus der Praxis: Zwei Wohngruppen mit unterschiedlichen Schwerpunkten in den Teambesprechungen.
- Eine Teamleitung: Strukturierte Vorgehensweise, team- und klientenorientierte Ziele, Maßnahmenplanung, Überprüfung.
- Andere Teamleitung: Kommunikativer Austausch, angenehmer Rahmen, Stimmungsbild, Fallbesprechungen.
- Beide Teamleitungen legen unterschiedliche Schwerpunkte von Management und Führung.
- Unter Beachtung des 7-S-Modells: Verbindung beider Schwerpunkte unter Einbezug grundlegender Zielsetzungen der Organisationen.
- Management ist unabdingbar (knappe Ressourcen, enge zeitliche Vorgaben, qualitative und gesetzliche Reglementierung).
- Austausch in den Teams und zwischen den Beteiligten sicherstellen.
- Führung hat Aufgabe, gemeinsames Verständnis (z. B. im Bereich der Pädagogik) zu gewährleisten und die Motivation der Mitarbeitenden zu erhalten.
- Handeln der Führung an steuerbaren und nicht-steuerbaren Faktoren anpassen.
3.2 Die Rolle und Aufgabe von Führungskräften
- Geprägt von Dualität von Management und Führung.
- Management sicherstellen: Planung, Organisation, Personaleinsatz, Führung und Kontrolle.
- Soziales Miteinander der Organisation gestalten, um Zielsetzungen zu erreichen.
- Dualität von internen und externen Anforderungen.
- Intern: Handlungsrahmen sicherstellen, der die Zielerreichung der Unternehmung ermöglicht.
- Extern: Positionierung gegenüber dem Umfeld (Klient:innen, Leistungsträger:innen, Öffentlichkeit).
- Reflexion der Ziele/Leistungen, Anpassung an Bedarfe und Weiterentwicklung, Absicherung von Auslastung/Absatz und Finanzierung.
- Differenzierung zwischen organisationsinternen und -externen Aufgabenstellungen.
- Vereinbarung von langfristiger Entwicklung und Sicherung der Existenz der Organisation mit aktuellen Erfordernissen.
Tabelle 3: Lang- und Kurzfristige Planung
- Lang- und kurzfristige Planung ergänzen sich bestenfalls.
- Dilemmata können entstehen.
- Beispiel aus der Praxis: Teams in Wohngruppen sind angemessen besetzt.
- Personalausfall: Aufgaben müssen umorganisiert werden.
- Priorisierung von Aufgaben und Dienstplanungen, um Begleitung der Klient:innen und Qualität der Leistung sicherzustellen.
- Notwendigkeit zur Personalentwicklung aufgrund verändernder Bedarfe der Klient:innen.
- Langfristig notwendige Maßnahmen führen kurzfristig zu Arbeitsverdichtung oder nicht ausgeführten Tätigkeiten.
- Abwägung zwischen kurzfristigen und langfristigen Notwendigkeiten und Möglichkeiten.
- Aufgaben der Führungskräfte: Richten sich nach Zielen und Rahmenbedingungen der Organisation.
- Keine pauschalen Aufgabenstellungen.
- Aufgaben in Bezug zur hierarchischen Stellung setzen.
- Entscheidungsradius und Autonomie des Handelns.
Abbildung 8: Management-Ebenen
- Aufgaben unterscheiden sich je nach Position im Management.
- Topmanagement (Vorstände, Geschäftsführungen): Strategische und operative Entscheidungen.
- Mittlere Ebene (Einrichtungs- und Abteilungsleitungen): Direkter Austausch mit Mitarbeitenden, Anordnungen, Ausführungstätigkeit.
- Unteres Management (Team- oder Gruppenleitungen): Eingeschränkte Entscheidungen, Anordnungsbefugnisse, Übernahme von Tätigkeiten.
- Unterteilung der Grund- und Querfunktionen im Unternehmen.
- Grundfunktionen: An einzelne Teilprozesse der Leistungserbringung gebunden.
- Querfunktionen: Jederzeit und in allen Organisationseinheiten zu berücksichtigen.
Abbildung 9: Managementfunktionen
- Bedeutung der Funktionen unterscheidet sich je nach Aufgabengebiet der Organisation.
- Grundfunktionen in der Sozialwirtschaft: Beispiele.
- Beschaffung und Lagerung: Lebensmittel, Bürobedarf, Hygieneartikel, IT/Hardware.
- Produktion: Erbringung von sozialen Dienstleistungen (Beratung, Begleitung, Betreuung).
- Forschung und Entwicklung: Anpassung von Konzepten, Weiterentwicklung von Methodik, Evaluation von Qualität.
- Marketing: Personalmarketing, Werbung, Preispolitik, Kommunikation mit Klient:innen.
- Finanzierung: Leistungs- und Entgeltvereinbarungen, Sicherstellung von Leistungsabrechnung, Akquise von Drittmitteln.
- Investition: Gebäude, Ausstattung, Infrastruktur.
- Querfunktionen: Fortwährend sicherzustellen und unabhängig von einzelnen Produktionsschritten.
- Management: Steuerung der Gesamtprozesse zur Erreichung der Zielsetzungen.
- Personal: Beschaffung von qualifizierten Mitarbeitenden, Personalführung, Personaleinsatz, Personalentwicklung.
- Rechnungswesen: Dokumentation sämtlicher Geschäftsprozesse.
- Informations- und Wissensmanagement: Bereitstellung von Kommunikationstechnik, Sicherung der Kommunikation.
- Recht: Einhaltung aller gültigen Rechtsvorschriften (Sozialgesetzgebung, privates und öffentliches Recht, Arbeitsrecht).
- Führungskräfte müssen Managementfunktionen sicherstellen.
- Delegation von Aufgaben an geeignete Mitarbeitende.
3.3 Führungspersönlichkeiten und Führungstypen
- Vielzahl unterschiedlicher Führungstypen.
- Jede Führungskraft ist ein Individuum mit Stärken und Schwächen.
- Mischung der Merkmale unterschiedlicher Typisierungen.
- „Big-Five“-Persönlichkeitsfaktoren: Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit, Neurotizismus (Rosenstiel et al., 2014, S. 144).
- Typisierungen können Anreize für die Führungskräfte setzen, ihr eigenes Handeln zu reflektieren, Verhaltensweisen zu verstehen und ggf. anzupassen.
- Führungspersönlichkeit kann je nach Unternehmen, Organisationskultur und Führungssituation zur Entfaltung kommen.
- Erfolg von Führung messbar an harten Faktoren (Umsatz, Marktposition) und weniger greifbaren Faktoren (Mitarbeitendenzufriedenheit).
- Kompatibilität zwischen Führungstyp, Anforderungen, Organisation und Werten.
- Führungspersönlichkeiten stehen immer im Austausch mit Dritten (Führungskräften, Mitarbeitenden, Klient:innen, Öffentlichkeit, Kosten- und Leistungsträger:innen).
- Wechselwirkungen: Führungskräfte beeinflussen und werden beeinflusst.
Abbildung 10: Führungssituation
- Führungssituation, Führungspersönlichkeit, Verhalten der Führungskraft und Reaktionen von Mitarbeitenden stehen in enger Beziehung.
- Zusammenwirken prägt den Erfolg.
- Managementtypen nach Maccoby (1979):
- Fachmann/Fachfrau: Verlässt sich auf gesicherte Informationen.
- Dschungelkämpfer:in: Misstrauisch, Einzelkämpfer:in.
- Firmenmensch: Wünscht sich Verlässlichkeit und Sicherheit.
- Spielmacher:in: Zusammenarbeit im Vordergrund, Motivation durch Erfolgsaussichten.
- Verbindung der Anforderungen an Führungskraft mit Managementtypen.
- Mintzberg: Zehn unterschiedliche Rollen des Managements.
Abbildung 12: Aufgabenbereiche des Managements und zugeordnete Rollen nach Mintzberg
- Interpersonelle Beziehungen: Rollen.
- Galionsfigur: Sichtbare Persönlichkeit in der Repräsentanz nach außen.
- Vorgesetzte:r: Personalauswahl und -führung.
- Vernetzer:in: Gestaltung des Beziehungsnetzwerkes.
- Sicherstellung von Information und Wissen.
- Radarschirm: Sammlung organisationsrelevanter Informationen.
- Sender:in: Transport der Informationen an die Mitarbeitenden.
- Sprecher:in: Übernimmt Rolle des Sprechers gegenüber externen Umfeld.
- Treffen von Entscheidungen.
- Innovationen.
- Entscheidung im Falle von Konflikten.
- Verteilung von Ressourcen.
- Verhandlungsführer:in: Intern und extern.
3.4 Besonderheiten der Führung im Sozialwesen
- Stetiger Wandel und Verbindung zu Besonderheiten der Einrichtungen und Dienste.
- Beispiel aus der Praxis: Veränderungen durch Stärkung des Teilhabebegriffes und des Bundesteilhabegesetzes.
- Individualisierung von Leistungsangeboten.
- Anpassung der Qualifikationen der Mitarbeitenden, Methoden und Konzepte.
- Veränderte Anforderungen an die Arbeitsstellen (Sinnhaftigkeit, Arbeitsplatzgestaltung).
- Arbeitsverdichtung durch veränderte Bedarfe, Modularisierung, Dokumentationsanforderungen, Ressourcenknappheit.
- Effektives und effizientes Handeln wird eingefordert.
- VUCA-Welt: Volatilität, Unsicherheit, Komplexität, Ambiguität.
- Volatilität: Hohe Veränderungsdynamik.
- Unsicherheit: Geringere Vorhersehbarkeit von Entwicklungen (Bedürfnisse der Klient:innen, Anforderungen der Leistungsträger:innen).
- Komplexität: Rechtliche Situation, Finanzierung, Klient:innen, Anforderungen an Mitarbeitende.
- Ambiguität: Mehrdeutigkeit von Veränderungen.
- Anpassungserfordernisse führen zu Dilemmata (soziale/pädagogische Zielsetzungen vs. Ökonomie) und müssen von der Führungskraft mit den Mitarbeitenden besprochen werden.
- Möglichkeiten zur Weiterentwicklung.
- Kombination der sozialen Dienstleistungserbringung mit digitalen Möglichkeiten.
- Anpassung organisationaler Prozesse (flexible Leistungsangebote, dynamische Angebots- und Einsatzplanung).
- Veränderungen auch auf der Personalarbeit (Resilienz- und Gesundheitsförderung, Stärkung von Ansätzen des New Works).
- New-Work-Verständnis: Nachhaltige Veränderung von Arbeitsweisen (Hack et al., 2017, S. 3).
- Ressourcenknappheit: Finanziellen Mittel und Personal.
- Finanzierungssystematik: Leistungsentgelte, Spenden, sonstige Drittmittel.
- Personelle Ressourcen: Vorgaben der Leistungsträger (Personalschlüssel), Fachkräftemangel.
- Attraktive Personalarbeit gestalten (Entgelte, Rahmenbedingungen).
- Kommunikations- und Entscheidungsverhalten der Führungskräfte, Zusammenarbeit im Team, Weiterentwicklung, soziale Zielsetzungen.
- Empowering Leadership: Begeistern, Emotionen wecken, Visionen teilen, inspirieren, motivieren.
- Anpassungsfähigkeit, Empathie, Zusammenarbeit.
- Einbeziehung der Mitarbeitenden, Veränderungen in Organisation und Strukturen.
- Empowerment: Ermächtigung und Befähigung (fachlich und persönlich).
- Führungskraft muss Bereitschaft zeigen, dass Mitarbeitende sich einbringen.
- Kernkomponenten: Bedeutsamkeit, Selbstbestimmung, Kompetenz, Einfluss.
- Förderndes Verhalten der Führungskräfte, Diskurs zu Werten.
- Gemeinsame Werte und Handlungsrahmen.
- Förderung der Entwicklung und Einhaltung von Werten.
ZUSAMMENFASSUNG
- Abgrenzung der Begriffe Management und Führung.
- Management: Harte Faktoren.
- Führung: Weiche Faktoren.
- Führungskraft muss situationsabhängig agieren.
- Führungskraft beeinflusst Mitarbeitende und wird von ihnen beeinflusst.
- Anpassung an verändernde Situationen und Anforderungen der Mitarbeitenden.
- Dilemmata (z.B. Zielkonflikt zwischen Ökonomie und Sozialem) können nicht gänzlich aufgelöst werden.
- Führungskraft trägt mithilfe von Instrumenten, Werten und Zielen zum Erfolg der Organisation bei.