Jean Piaget: Die kognitive Entwicklung des Kindes

Grundannahmen

  • Enger Zusammenhang von Handeln und Denken

  • Kind konstruiert sich seine Welt, sein Denken und sein Wissen selbst mithilfe eines konstruktivistischen Menschenbildes (jedes Individuum schafft sein Wissen selber an) (wie Montessori: Kind ist Baumeister seiner selbst)

  •  Grundlage für Kognitions- und Konstruktionsprozess ist angeborene Tendenz zur Organisation und Adaption (Erfahrungen der Umwelt zu strukturieren, organisieren und systematisieren)

  • Form der Organisation durch Schemata , Umwelteindrücke werden zu allgemeinen Regeln und Mustern zusammengefasst, regt das Kind an damit verbundenes Wissen anzuwenden

  • aus Vernetzungen der Schemata entwickelt sich eine kognitive Struktur, diese formt, verändert und erweitert sich durch zwei Adaptionsprozesse

  • Assimilation: Umwelteindrücke werden in bestehende Schemata integriert

  • Akkommodation: wenn Assimilation nicht funktioniert, werden kognitive Schemata an neue Erfahrung angepasst

  • Ausgeglichenes Verhältnis zwischen Assimilation und Akkommodation = Äquilibration

  • Es entsteht eine immer komplexer werdende Struktur

  • Aufbau vollzieht sich in Entwicklungsstufen und ist irreversibel, da früherer Stufe Voraussetzung für die folgenden ist

  • Beispiel Wau-Wau-Schema

 

Entwicklungsstufen

  • Vier Stufen der Entwicklung menschlichen Denkens

  • Werden in unterschiedlicher Geschwindigkeit, aber in der gleichen Reinfolge erreicht

 

1. die Sensomotorische Stufe (0-2 Jahre)

  • Angeborene Reflexe (Greif-, Saug-, Schluckreflex) werden geübt, koordiniert und aktiv wiederholt

  • Bilden sensorische und motorische Fähigkeiten zur Erkundung ihrer Umwelt

  • Mit ca. 8 Monaten entdeckt Kind Mittel-Zweck-Wirkung, verbindet einfache Verhaltensmuster um ein Ziel zu erreichen (durch Suchen verstecktes Spielzeug finden)

  • Erwerb von Objektpermanenz

  • Verinnerlichtes Handeln

 

2 .die präoperationale Stufe (2-7 Jahre)

  • Entwicklung der Vorstellungsfähigkeit und symbolisches Denken (Gedanke stellvertretend für Handlung)

  • Beginn der Sprachentwicklung

  • Auf Anschauung angewiesen, kann sich nur Sachen vorstellen die auch anschaulich sind, Zentrierung nur auf einen Gegenstand (Invarianz Problem)

  • Egozentrismus (Welt ist genauso, wie das Kind diese wahrnimmt, Drei-Berge-Versuch)

  • Magisches Denken (denkt durch Wünsche und Gedankenkraft Dinge bewegen zu können)

  • Animistisches Denken (Tendenz zur Vermenschlichung)

  • Finalistisches Denken (Alles geschieht für einen bestimmten Zweck für die eigene Person)

 

3. die konkret-operationale Stufe (ca. 7-11 Jahre)

  • Realistisches Denken

  • Dezentriertes denken, kann Perspektiven anderer einnehmen

  • Reversibles Denken (kann Reihe von Schritten denken und rückgängig machen)

  • Logisches Denken, Logik ist an konkrete Situationen und Sachverhalte gebunden

 

4. die formal-operationale Stufe (ab 11 Jahre)

  • Abstraktes Denken

  • Hypothetisch-deduktives Denken (mögliche Problemlösungen aufstellen, systematisch durchprobieren und zukünftiges Vorherzusagen)

  • Wissenschaftliche Denkweise

  • Metadenken

 

Kritik

Kompetenz-Perfomance-Fehler, Kinder zeigen nicht alles was sie können

Unterschätzt Kinder durch Konzentration auf Sprache

 

Rolle des Erziehers

  • Auf Sichtweise der Kinder einlassen (Kinderorientierung)

  • Für vorbereitete Umgebung mit vielfältigen Anreizen sorgen

  • Kinder dabei unterstützen, selbst Lösungen zu finden