Komplette Prüfungsnoten: Sprachdidaktik – Vorlesungszusammenfassung
Facetten sprachlicher Handlungsfähigkeit
- Drei Dimensionen: Alltag, Schule, Gesellschaft
- Berufs-/Alltagsleben, schulische Anforderungen, gesellschaftliche Teilhabe
- Mediale Erscheinungsweisen
- phonisch (gesprochen) vs. graphisch (geschrieben)
- Gebrauchsweisen
- rezeptiv: Ho¨ren, Lesen
- produktiv: Sprechen, Schreiben
- Koch / Oesterreicher:
- Unterscheidung zwischen „Monologizität – Schriftlichkeit“ und „konzeptionelle – mediale Mündlichkeit / Schriftlichkeit“
- Vier Felder (Abb. 44.1, schematisch):
- familiäres Gespräch (a) – konzeptionell mündlich + phonisch (Nähe)
- Telefongespräch (b) – medial phonisch, aber mehr Distanz
- Privatbrief (c) – graphisch, konzeptionell näher
- Gesetzestext (i) – graphisch, konzeptionell schriftlich (größte Distanz)
- Weitere Beispiele: Predigt (f), Zeitungsinterview (e), wissenschaftlicher Vortrag (g), Leitartikel (h)
Funktionen der Bildungssprache
- Kommunikative Funktion: Wissenstransfer
- Soziale Funktion: Eintritts- und Visitenkarte zu Bildungseinrichtungen
- Epistemische Funktion: Werkzeug des Denkens (Erklären, Begründen, Vergleichen)
Bedeutung von Schrift
- Kulturebene: Tradierung von Wissen, Vorstellung eines abwesenden Adressaten
- Handlungsebene: neue kommunikative Handlungen (Lesen, Schreiben)
- Sprachstrukturebene: Verschriftung als Voraussetzung für Schriftspracherwerb (SSE)
Kennzeichen alphabetischer Schrift
- Laut-Buchstabe-Zuordnung / Phonem-Graphem-Beziehung
- Fünf Vokale mit unterschiedlichen Qualitäten → mental im Lexikon repräsentiert
- Grapheme als kulturell konventionalisierte Zeichen
Erstes Rechtschreibwissen – zwei Prinzipien
- Phonematisch / phonographisch
- Esel [ eː ] vs. Esel am Wortende [ ə ]
- Silbisches Prinzip
- Onset – Nucleus – Koda; Haupt- und Reduktionssilbe
- Didaktik: Silben klatschen, Silbenbogen, Silbenhäuser (offene vs. geschlossene Silben)
Große Inhalte schulischer Sprachreflexion
Sprache als System reflektieren
- Grammatische Ebene
- Wortarten & Flexion
- Wortbildung
- Satzglieder, Satzarten, komplexe Sätze
- Semantische Ebene
- Bedeutungsbeziehungen, Mehrdeutigkeit, Idiome
Sprache im Gebrauch reflektieren
- Pragmatische Ebene
- Sprachgebrauch in Rede, Gespräch, Text
- Textkohäsion, Genres
- Weitere Perspektiven
- Historisch-diachron, Varietäten, Philosophie
- Alltägliche Bewusstwerdung: „sich wundern“, Regeln vermuten
- Eigentliche Bewusstwerdung: Kategorien werden aktiviert → kognitive Orientierung
- Regelwissen allein reicht nicht → Kategorien müssen verfügbar sein => Transfer zu rezeptiven & produktiven Handlungen
Grundlegende Aspekte des Spracherwerbs
- Aufbau eines Lautinventars, Wortinventars und grammatischer Strukturen
- Mentales Lexikon: Begriff Auto + visuelle, auditive, motorische, konzeptuelle Infos
- „Chunks“ / feste Phrasen: z. B. „Guten Morgen“, „Wie geht’s?“
Wissensbereiche beim Wort
- Graphematisch, morphologisch, syntaktisch, semantisch, pragmatisch, phonologisch → zu jedem Bereich Beispiele geben können
Wortschatzvermittlung – Prinzipien
- Assoziogramm des Tages
- Netzwerke / semantische Felder
- Feldstruktur statt isolierter Wortarten → W-Fragen zum Satzglied, Valenz des Verbs
Funktionsorientierter Grammatikunterricht
- Fokus auf Valenz, pragmatische Nutzung, Texte als Auslöser grammatischer Reflexion
- Pro: Bezug zur Gestaltung eigener Texte
Contra: Gefahr reiner Textdeko
Rechtschreibprinzipien (vier zentral)
- Phonographisch: Graphem↔Phonem (GPK)
Beispiel: Tisch - Silbisch: rhythmische Muster, offene Silben « gehen »
- Morphematisch: Gleichschreibung von Morphemstämmen
Beispiel: Kind – Kinder - Syntaktisch: Zeichensetzung, Getrennt-/Zusammenschreibung
- Glinz’sche Proben: Umstell-, Weglass-, Ersatzprobe → z. B. Komma-Setzung prüfen
- Rechtschreibstrategien = bewusste Vorgehensweisen (Nachdenken – Entdecken)
Lesen
- Funktionen: Alltagsbewältigung, Genuss, Persönlichkeitsentwicklung, Bildung
- Hierarchieebenen des Verstehens
- Wort-/Satzeinheit
- lokale & globale Kohärenz: Auslassen, Generalisieren, Selektieren, Konstruieren, Integrieren
- Textebene: Textoberfläche, propositionaler Gehalt, Gegenstand, Intention, Genre
- Bottom-up (datengesteuert) vs. Top-down (erwartungsgesteuert) Prozesse
- Kompetenzmodell Rosenbrock / Nix
- Prozessebene: Wort- & Satzidentifikation, lokale Kohärenz
- Subjektebene: Selbstkonzept, Wissen, Motivation
- Soziale Ebene: Handlungszusammenhang Familie, Schule
- Reflexionsebene
- Ziele des Deutschunterrichts: Lesefähigkeit, Lesefreude, literarische Bildung
Sprechen & Gesprächsfähigkeit
- Sprechen: korrekte Aussprache, Rhythmus, Intonation
- Gesprächsfähigkeit: Dialog führen, turn-taking, kooperative Gesprächsregeln
- Gesprächskompetenzen
- Kontextualisierung
- Vertextung
- Markierung
- Basisqualifikationen
- phonisch: Lautsystem
- lexikalisch-semantisch: Wortschatz
- morphologisch-syntaktisch: Satzbau
- pragmatisch: Handlungs- und Diskursmuster
Spracherwerb – Unterstützungsmechanismen
- Scaffolding: stützende Rahmen durch Bezugspersonen (motherese, fine-tuning)
- Kommunikative Praktiken: konventionalisierte soziale Praktiken (Begrüßen, Bitten)
- Aktives Zuhören: wichtig für Bedürfnisdeutung & Sprachentwicklung
- Didaktische Folgerungen: kooperative Arbeitsformen, klassengesprächs-fördernde Aufträge
Hörverstehen – S-O-I-Modell
- Sensorische Ebene → Arbeitsgedächtnis
- Selektieren: relevante Signale erfassen
- Organisieren: Wörter gruppieren
- Integrieren: neues Wissen in Schemata einbauen
- Überwachen: metakognitive Kontrolle
Schreiben
- Funktionen:
- kommunikativ
- memorativ-konservierend
- erkenntnisfördernd
- reflexiv
- ästhetisch
- Modell Hayes & Flower
- Planung – Formulierung – Revision
- Ermöglicht Diagnose, an welcher Phase Probleme auftreten
- Wissenskomponenten zum Schreiben
- Textmuster & ‑aufbau
- sprachlich-stilistische Mittel, Kohäsionsverfahren
- Methoden pro Phase
- Planung: Mindmap, Cluster
- Textproduktion: „Erst Einleitung, dann Lücken lassen“
- Überarbeitung: Partner-Feedback, Checklisten
Zusammenfassung
- Sprachliche Bildung umfasst alle Modalitäten (Hören, Sprechen, Lesen, Schreiben) in ihren konzeptionellen und medialen Ausprägungen.
- Bildungssprache fungiert als Denk-, Sozial- und Fachwerkzeug.
- Schriftspracherwerb basiert auf mehreren Prinzipien (phonographisch, silbisch, morphematisch, syntaktisch).
- Sprachreflexion entsteht durch bewusste Kategorie-Aktivierung und verbindet System- mit Gebrauchsperspektive.
- Kompetenzen in Lesen, Schreiben, Sprechen und Zuhören sind prozess-, subjekt- und sozialebenenübergreifend zu fördern.