Notizen zu Alkohol und Konsumstörung

Alkohol, Konsum und Störung

Fallbeispiel Frau H.

Alter: 35 Jahre, Lehrerin

Alkoholkonsum:
Steigende Menge über 5 Jahre, zuletzt:

  • Mehrere Gläser Wein zum Abendessen (ca. 2-3 Gläser, ca. 0,5 l).
  • Bis zu einer Flasche Wein (0,75 l) vor dem Fernseher.
  • Trinkmenge ist umso mehr gestiegen, da geringere Mengen keinen "beruhigenden" Effekt mehr hatten; ihre wöchentliche Konsummenge liegt nun bei 4-5 l Wein.

Grenzen:

  • Setzt sich abendliche Trinkmengen, hält diese jedoch fast nie ein.
  • Zwei Selbstversuche zur Abstinenz dauerten je eine Woche, scheiterten dann und waren von starken Entzugserscheinungen, wie Zittern (bis zu 5 Mal täglich) und Schwitzen, begleitet.
  • Während dieser Selbstversuche berichtete sie von Schlafstörungen, Reizbarkeit und starkem Verlangen nach Alkohol (mindestens 2-3 Rückfälle).
  • Zu diesen Versuchen gehören auch Rückfälle, die durch Stresssituationen oder soziale Anlässe ausgelöst wurden, wie bei Familienfeiern.

Einfluss auf Lebensqualität:

  • Konsum nimmt mehrere Stunden täglich in Anspruch, was zur Förderung von Isolation führt und eine Abhängigkeit von sozialen Alkoholkonsumritualen für sie bedeutet.
  • Vernachlässigung von Hobbys (z.B. Malen, Wandern) und sozialen Kontakten; sie sagt häufig Einladungen ab und zieht sich zurück.
  • Schwierigkeiten in der beruflichen Leistung: ihre Konzentration nimmt ab (fehlerhafte Noten in bis zu 30% der Arbeitsproben) und sie hat Probleme, ihre Schüler (ca. 25 Kinder in der Klasse) zu motivieren.
  • Ihre Emotionalität verstärkt sich, mit häufigen Stimmungsschwankungen zwischen Euphorie und Depression (z.B. eine Woche große Freude, gefolgt von zwei Wochen Traurigkeit).

Auswirkungen auf die Kinder:

  • Hat in der Erziehung von zwei Kindern (8 und 10 Jahre alt) Probleme, da sie oft genervt oder abwesend ist.
  • Ihre Kinder berichten von weniger gemeinsamen Aktivitäten (nur noch 1-2 Mal pro Woche, zuvor 5-6 Mal).
  • Lehrer erwähnen die Veränderung im Verhalten der Kinder: sie wirken oft müde und weniger kreativ in der Schule.
  • Kinder zeigen Anzeichen von Angst und Unsicherheit, was zu schlechteren Noten führen kann.

Gesundheitliche Probleme:

  • Magenschmerzen (Gastritis) und häufige Übelkeit (mindestens 4-5 Mal pro Woche).
  • Depressive Stimmung, gepaart mit Angstsymptomen, die sie als sehr belastend empfindet.
  • Ärztliche Diagnose:
    Probleme werden durch Alkoholkonsum bedingt, trotzdem weiterhin Konsum.
  • Empfohlene Therapie sollte Verhaltenstherapie und eventuell medikamentöse Unterstützung umfassen; sie war jedoch nicht bereit, dies zu akzeptieren, obwohl dieses Angebot oft ihre Lebensqualität hätte verbessern können.

Auswirkungen von Alkohol

Physiologische Wirkungen
Verteilung im Körper:

  • 20% Aufnahme über Magen, 80% über Darm, verteilt sich in Minuten, dies verschlechtert den Nährstofftransport im Körper.
  • Erreicht zuerst stark durchblutete Organe (Gehirn, Lunge, Leber), was zu einer schnellen Wirkung führt, vor allem in sozialen Kontexten oder Stresssituationen.
  • Max. Blutalkoholkonzentration: ca. 60 Minuten nach Aufnahme; dies führt oft zu einer fehlerhaften Selbstwahrnehmung und Risikobereitschaft.

Wirkungen auf den Körper
Erregungsstadien:

  • Leichter Rauschzustand (≥ 0,2%): Enthemmung, verminderte Reaktionsfähigkeit, was riskantes Verhalten in sozialen Bereichen fördern kann.
  • Starker Rauschzustand (≥ 0,8%): Unkoordination, Bewusstlosigkeit, und Überforderung des zentralen Nervensystems; häufig begleitet von Erbrechen oder einer hohen Unfallgefahr.
  • Ab einem Blutalkoholspiegel von 1,8 Promille kann Alkoholvergiftung tödlich sein, begleitet von Atemstillstand, Koma und dem Risiko langfristiger Schäden.

Fötales Alkoholsyndrom (FAS):

  • Entsteht durch Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft und kann schwerwiegende Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes haben.
  • Zu den Symptomen gehören Wachstumsstörungen, Gesichtsanomalien (z.B. kleine Augen, schmale Lippen) und neurologische Schwierigkeiten (z.B. Lernschwierigkeiten, Verhaltensprobleme).
  • Kinder mit FAS haben oft eine geringere Intelligenz und benötigen spezielle Förderung in der Schule (20-30% der Fälle zeigen deutliche Auffälligkeiten).
  • Die langfristigen Folgen sind zahlreich und können das Leben des Kindes stark beeinträchtigen, weshalb eine präventive Aufklärung über Alkohol während der Schwangerschaft essentiell ist.
  • Budgets für Präventionsprogramme sind entscheidend, um die Inzidenz von FAS zu senken.