Neue Schuleingangsstufe
Alte Schuleingangsstufe:
Wort kommt aus westdeutschen Bildungsreformprogramm Ende 1960er
Einführung Schulstufe für Fünf und Sechsjährige → Eingangsstufe
Zwei Jahre, Zuordnung zu Primarbereich
Vorverlegung des Einschulungsalters auf 5
Hat sich nicht durchgesetzt
Neue Schuleingangsstufe
Reforminitative seit Mitte 90er zur Optimierung der Einschulung
Auf Basis neuer Erkenntnisse aus Grundschulpädagogik und gewandeltem bildungspolitischen Interesse
Motivlage
Bildungspolitisch
Motiv der Senkung des Schuleintrittsalters
In Bundesländern gesehen Asymmetrie zwischen Früh- und Späteinschulung hat durchschnittliche Alterszunahme zur Konsequenz
Pädagogik der Vielfalt: Umgang mit unterschiedlichen Ausgangslagen
Anerkennung und förderung von Pluralität und Differenz
Veränderter pädagogischer Innovationsanspruch
Verzicht auf Homogenisierung kindlicher Prozesse
Entstandardisierung des Schulanfangs
Infragestellen der Schulfähigkeit
Politische Legitimation
1993 Empfehlung zur Neustrukturierung des Schulanfangs
Ziel: Schulfähigkeit nicht mehr vorauszusetzen
Empfehlung auch jahrgangsübergreifend zu arbeiten
1997 Empfehlungen zum Schulanfang
Lockerung des Stichtags und Erleichterung vorzeitige Einschulung
Zurückstellen nur noch in Ausnahmen
Eigenschaften der neuen Schuleingangsstufe
Zusammenfassung Jahrgangsstufe 1 und 2
Flexibilisierung der Verweildauer
Angebot mehrerer Einschulungstermine pro Jahr
Zusammenfassen grundschul- sozial- und sonderpädagogischer Arbeit
Verzicht auf Zurückstellungen
Kennzeichen der neuen Schuleingangsstufe:
Diagnostik (zur Förderung)
Über Verweildauer wird nach Lernfortschritten entschieden
Jetzt auch sonderpädagogische Förderung in Schulanfangsklassen (nicht nur in Kitas oder SVE) → Hohe Anforderungen
Unterricht in jahrgangsübergreifenden Lerngruppen (in nur wenigen Schulen auch halbjährige Einschulung möglich, obwohl vorteilhaft)
Erwartete Chancen
Kinder mit einem Jahr Schulerfahrung können neu eungeschulten Kinder in grundlegende Formen einführen
Einerseits Entlastung des Lehrers, andererseits Förderung des Selbstkonzepts und sozialen Miteinander der Kinder
In jahrgangsgemischten Gruppen können Kinder soziale Erfahrung sammeln und im Wechsel unterschiedliche Positionen einnehmen → Rollen werden aufgebrochen, neue soziale Beziehungen
Kein Zurückstufen → Verweilen in vertarutem sozialen Gefüge und keine Stigmatisierung
→ ABER: Keine Garantie, dass Chancen wirklich aufreten
Schulversuche
Typ 1
jahrgangsübergreifend, Sozialpädagogen
→ Brandenburg, Berlin, Bremen, Hessen, …
Typ 2
Jahrgangsübergreifend
→ Bayern, Baden-Württemberg
Typ 3
Sozialpädagogen, aber Jahrgangsklassen
→ Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz
Typ 4
Weder noch
→ Sachsen, Schleswig-Holstein
In zehn Bundesländern mittlerweile Regeleinrichtung (aber nur konsequente Umsetzung in Berlin, NRW, Sachsen, Sachsen-Annhalt)
Forschungsergebnisse
Baden-Württemberg
Vergleichsklasse (regulär); Modellklasse (ohne Zurückstellung)
Geringfügig bessere Leistungen in Modellklasse
Bei Risikokindern tendenziell bessere Leistungsentwicklung und höhere Übertrittsquote auf Gymnasium
NRW
Leistungsniveau Lesen in homogenen Klassen besser
Höhere Ausprägung soziales Selbstkonzept in Modellklassen
Brandenburg
Schwierigere Zusammensetzung in Modellklassen
Ende 2. Klasse teilweise bessere Leistungen
Sozio-emotionale Werte positiv auf hohem Niveau
FLEX-Videostudie
Gut ausgeprägt: Lernfreude
Weniger ausgeprägt: Prüfung der Lernerfahrung, Präsentation des Könnens
Wichtig: Lernumgebung
Deutschschweiz und Lichtenstein
Grund- und Basisstufe als pädagogische Zusammenführung von Kindergarten und Primarstufe
Sprachliche und mathematische Leistungen besser
Aber Ende 2. Klasse Aufholen
Sozio-emotionale Kompetenzen, Selbsteinschätzung, Peer-Akzeptanz und Selbstkonzept keine Unterschiede
Bedingungen Forschungsergebnisse
Erschwerende Bedingungen:
In jahrgangsbezogenden Gruppen: Lernsituationen mit Lernangeboten, die nicht anschlussfähig an individuelle Lernvoraussetzungen der Kinder sind
In jahrgangsübergeifenden Gruppen: Praxis eines Abteilungsunterrichts, der unterschiedlichen Niveaus nicht gerecht wird
Weitere Befunde:
- Schulleistungen
neutrale bis günstige bzgl. Schülerleistung
Günstig v.a. wenn Lehrer Erfahrung mit JGM hat
Positive Effekte für Risikokinder
- Unterricht
Weniger Frontalunterricht
Unterschiedliche Individualisierungsmethoden
in vielen Klassen regelmäßig Abteilungsunterricht
- Innovationen
Reduktion Rückstellungen, mehr vorzeitige Einschulungen
Meisten bleiben zwei Jahre
Einschulung während des Jahr kaum genutzt
Umsetzung in Bayern
Schulversuch flexible Grundschule
Kernelemente:
1. Anknüpfen an vorschulische Bildung und Erziehung
2. Erhebung der Lernausgangslage → Passgenaue Förderung von Anfang an
3. Individualisierende Lernangebote
4. Jahrgangsgemischte Klassen
5. Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit Eltern
5. Leistungsrückmeldung und Leistungserhebung (Lernentwicklungsgespräch, Portfolios, …)
1. Flexible Verweildauer