Glaube_an_Gott_gestaltet_Lebenswirklichkeit

Glaube an Gott gestaltet Lebenswirklichkeit

  • Gottesbilder dürfen nicht absolut sein.
  • Das eigene Gottesbild sollte man niemandem aufdrängen.
  • Man sollte sensibel mit seinem Gottesbild umgehen und sich über die Entstehung der eigenen Gottesbilder bewusst werden.
  • Gottesbilder müssen und dürfen nicht vorgegeben werden.
  • Gottesbilder verändern sich im Laufe des Lebens (Oser/Gmünder).
  • Lebenskrisen können Gottesbilder in Frage stellen, aber auch durch Gottesbilder ausgelöst werden.

Gottesbilder in Filmen

  • Bruce Almighty:
    • Gott wird als freundlicher, schwarzer Mann dargestellt.
    • Gott wird als menschlich, allwissend, allmächtig, humorvoll und geduldig dargestellt.
  • The Truman Show:
    • Der Produzent wirkt wie ein Gott, der Trumans Leben kontrolliert.
    • Er wird als abwesend, unverständlich oder gleichgültig dargestellt.
  • The Shack:
    • Gott wird als afroamerikanische Frau dargestellt.
    • Inklusiv, tröstend, überraschend.

Gottesbilder in Liedern

  • „Take me to church“ - Liebe wird religiös unterdrückt.
  • „Spirit“ - Gott als Geist, innere Stärke, Verbindung zur Natur.
  • „God“ - Ablehnung religiöser Institutionen und Glaube an sich selbst.

Tilmann Moser: Gottesvergiftung

  • Erfahrungen in der Kindheit.
  • Moser beschreibt Gott als mächtige, allgegenwärtige Figur seiner Kindheit.
  • Gott war neben Vater und Mutter eine zentrale Figur.
  • Er empfand Gott als fordernd, streng und auch furchteinflößend.
  • Die Gottesvorstellung war stark mit Gehorsam, Schuld, Selbsthass und Demütigung verknüpft.
  • Moser fühlt sich von Gott eingenommen wie von einer Krankheit, die seine Seele klein macht.
  • Emotionale Auswirkungen:
    • Hass auf Gott aufgrund von Scham, Demütigung und Schmerz.
    • Gefühl, nie gut genug zu sein und sich ständig Gottes Gunst verdienen zu müssen.
    • Starke innere Zerrissenheit: Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung, aber auch Ablehnung.
  • Rückblickend beschreibt er Gott als „unheilbare Krankheit“.
  • Versucht Gott zu vergessen oder innerlich zu „begraben“.
  • Seine Beziehung zu Gott war krankmachend.
  • Wunsch nach Heilung durch Auseinandersetzung mit dem erlittenen seelischen Schaden.

Henning Luther vs. Erik Erikson

  • Henning Luther
    • Der Mensch lebt in Fragmenten, nicht in einer durchgängigen Einheit.
    • Autobiographie soll Different und Spannung aushalten, nicht nur bestätigen.
    • Religiöse Identität erkennt an: Es gibt Brüche in der Beziehung zu sich selbst, zu Gott und zur Welt.
    • „Unser Leben wächst immer aus diesem Überchuss an Hoffnung“.
    • Schlüsselgedanke: Identität entsteht nicht durch Verdrängung, sondern durch Annahme von Brüchen als Teil des Selbst.
  • Erik Erikson
    • Ich-Identität entsteht durch Vertrauen in eigene Fähigkeit und Akzeptanz durch andere (Ich-Identität = Gefühl von Einheitlichkeit und Kontinuität des Selbst).
    • Der Mensch strebt nach einem geschlossenen Ich, das über Lebensphasen hinweg konsistent bleibt.
    • Schlüsselgedanke: Identität als stabile Struktur, die durch erfolgreiche Krisenbewältigung (z.B. in Jugend) aufgebaut wird.
AspektHenning LutherErik Erikson
MenschenbildDer Mensch ist fragmentarischDer Mensch strebt nach Einheit
Ziel von IdentitätsbildungAnnahme von Brüchen & AufbauAufbau eines stabilen Selbstbildes
Rolle von ReligionOrt, an dem Differenz erkannt wirdKann Idenitätsbildung unterstützen & getragen werden
Haltung zu BrüchenAkzeptanz, Teil des SelbstKrisen als Phasen, die überwunden werden müssen
Religionspädagogische Implikationen: Fragmentarische Identität
  1. Annahme von Brüchen als Teil des Glaubenswegs (nach Luther)
    • Nicht das perfekte, geschlossene Ich ist das Ziel religiöser Bildung, sondern das ehrliche Ich, das Brüche, Zweifel, Widersprüche und Umwege anerkennt.
    • Glaube darf fragmentarisch sein.
    • Muss Raum bieten für Scheitern, das Suchen und das Noch-Nicht-Wissen.
    • Autobiographisches Erzählen -> Kann helfen, das eigene Leben in Beziehung zu Gott zu setzen (auch mit Brüchen).
  2. Entwicklung stabiler Identität durch Orientierung (nach Erikson)
    • Religionspädagogik kann jungen Menschen Orientierung bieten, um Vertrauen in sich selbst und die Welt aufzubauen.
    • Rituale, Symbole, Narrative (z.B. biblische Geschichten) können helfen, ein Gefühl von Kontinuität und Zugehörigkeit zu entwickeln.
    • Identitätsbildung ist ein Prozess, bei dem Religion eine stärkende Ressource sein kann.

Selfie - Porträt - Spiegelbild … gedeutete Wirklichkeit

  • (Ausschnittwahl).
  • Reflexion über uns selbst „wer will ich sein ?“.
  • Privatheit/Öffentlichkeit.
  • Motive, Rahmen.
  • Medienphänomene ->Sozialität / Identität / Körperlichkeit.
  • Selbst- und Weltverhältnis.
  • Frage nach Gott ?
  • Religion als Themen im Insta-Feed.
  • Influencer.
  • Religion als Facette der Selbstkonzeption.
  • Wer bin ich ?
  • Was soll das ? (Sinn des Lebens).
  • Was kommt nach dem Tod.
  • Transzendenz (unser Leben ist nicht genug im Sein - denken wir).
  • Anschlussfähigkeit.

Religionszugehörigkeit in der Gesellschaft

  1. Aktuelle Tendenzen (v. a. im westlichen Kontext / Deutschland):
    • Rückgang formeller Religionszugehörigkeit (v. a. zur Kirche).
    • Wachsende Zahl Konfessionsloser („nones“).
    • Zunahme individueller Spiritualität ohne Institution.
    • Glaube ≠ Kirchenmitgliedschaft: Viele glauben „irgendwie“, ohne sich zu binden.
  2. Gründe für sinkende Bindung:
    • Säkularisierung: Religion verliert gesellschaftliche Relevanz.
    • Kritik an Institutionen (z.B. Machtmissbrauch, Skandale, veraltete Strukturen).
    • Pluralismus & Individualismus: freie Wahl, keine automatische Zugehörigkeit mehr.
    • Verlust an Glaubwürdigkeit klassischer religiöser Autoritäten.
  3. Formen neuer Religiosität:
    • Patchwork- oder „Bastelglaube“.
    • Esoterik, Meditation, Achtsamkeit statt klassischem Gebet.
    • Online-Glaubensangebote, digitale Gottesdienste.
    • Soziale Bewegungen mit spirituellem Anstrich (z.B. „inner peace“, Naturspiritualität).
  4. Herausforderungen für religiöse Institutionen:
    • Glaubensvermittlung in einer pluralen, säkularen Welt.
    • Jugend erreichen trotz wachsender Kirchenferne.
    • Glauben erlebbar machen, nicht nur lehren.
    • Neue Formen von Gemeinschaft, Sprache & Spiritualität finden.
  5. Chancen für Religionspädagogik:
    • Raum für persönliche Glaubensentwicklung schaffen.
    • Institution ≠ Glaube: differenziert vermitteln.
    • Offen für Fragen, Zweifel und biografische Zugänge.
    • Glauben als Erfahrung, nicht nur als Lehre vermitteln.

Gottesbilder - Entwicklung durch Leben

  • Eltern, Kirche → Bilder/Erzählungen. ↳ annehmen was man kennt
    • Vater Mann,
    • Pfarrer spricht von -> Opa = Alter Mann
    • ↓ Kindergarten: Alter Mann auf Wolke.
  • Erfahrung | Leben / kirchlicher Unterricht
    • Pfarrer/in: Abgrenzung / Widerstand.
  • Medien / Schule /Ältere Menschen
    • Jugendliche/Junge Erwachsene: Kreatives Bild Metapher (z. B. Labyrinth).
  • weitere Entwicklung mit Gott
    • weitere Erlebnisse/Brüche/Enttäuschungen
  • Älter:
    • anders/vertieft / verstärkt.
    • Trennung / Abbruch / Schuldgefühle.
    • Kontinuitätserfahrung.

Stufenmodell Erikson

  • Stufe 1: Vertrauen vs. Misstrauen (0-1 Jahr)
    • Säuglinge entwickeln ein Gefühl des Vertrauens, wenn ihre Bedürfnisse erfüllt werden -> wenn die Bedürfnisse nicht erfüllt werden, kommt es zu Misstrauen
  • Stufe 2: Autonomie gegenüber Scham & Zweifel (früher Kindesalter)
    • Kinder entwickeln Selbstständigkeit.
    • Müssen lernen, ihre Autonomie zu entfalten -> gleichzeitig Umgang mit Scha und Zweifel bei Einschränkungen oder Überwachung
  • Stufe 3: Initiative gegenüber Schuldgefühlen (Kindergartenalter)
    • Kinder entwickeln, Fähigkeit, Ziele zu setzen und zu verfolgen.
    • -> Unterstützung: entwickeln Initiative —> keine Unterstützung: Schuldgefühle und Gefühl der Minderwertigkeit kann sich entwickeln
  • Stufe 4: Fleiß gegenüber Minderwertigkeitsgefühl
    • Erwerben der Fähigkeit, Erfolg und Anerkennung zu erlangen.
    • -> Unterstützung: entwickeln Gefühle wie Kompetenz und Fleiß —> andernfalls können Minderwertigkeitsgefühle entstehen
  • Stufe 5: Identität gegenüber Identitätsverwirrung (Jugendalter)
    • Jugendliche Suche nach ihrer Identität
    • -> versuchen eigene Rolle in der Gesellschaft zu finden Erreichung Identität bei stabilen Sinn für sich selbst -> Identitätsverwirrung
  • Stufe 6: Intimität gegenüber Isolation (frühes Erwachsenenalter)
    • Bemühungen enge und dauerhafte Beziehungen aufzubauen -> Erfolgt: Entwicklung, Intimität sonst: Gefühl der Isolation
  • Stufe 7: Generativität gegenüber Stagnation (mittleres Erwachsenenalter)
    • Versuch, sinnvolle Beiträge zur Gesellschaft zu leisten und für zukünftige Generationen zu sorgen -> Generativität —>Stagnation
  • Stufe 8: Intergrität gegenüber Verzweiflung (spätes Erwachsenenalter)
    • Reflektion des Lebens -> Suche nach einem Gefühl der Erfüllung
    • ->Integrität (Zufrieden im Rückblick) —>Verzweiflung (Gefühl bedeutungsloses Leben gehabt zu haben)

Atheismus

Ludwig Feuerbach:
  • Gott als Projektion des menschlichen Wesens.
  • Der Mensch steht im Zentrum seines philosophischen Denkens.
  • Gott ist eine Projektion des Menschen.
  • Der Mensch bzw. sein Wesen als Individuum ist endlich, als Gattung unendlich.
  • Der Mensch sieht sich von seinem Sehnen nach einer wahren Bestimmung, Unendlichkeit und Transzendenz (nicht erfüllt) von der Endlichkeit, Tod und seinem Glücksstreben ausgesetzt.
  • -> Projiziert seine Wünsche aus sich heraus in ein endliches Wesen = Gott.
  • Der Mensch hat keine Beziehung zu einem real existierenden Wesen sondern zur Projektion seines eigenen Wesens.
  • =>Religion ist die „Entzweiung des Menschen mit sich selbst“.
  • „Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde“ wird zu „Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde“.
  • => Wahrnehmungsprozesse sollten kritisch begleitet statt absolut gesetzt werden
Sigmund Freud:
  • Der Mensch kann nicht ewig Kind bleiben.
  • Religion ist eine Illusion, entstanden aus den tiefsten menschlichen Wünschen und Ängsten.
  • „Der Mensch kann nicht ewig Kind bleiben“ -> Soll seine Hoffnung vom Jenseits abwenden und sich auf die Gestaltung des irdischen Lebens konzentrieren - eine Kultur, die alle Menschen trägt ohne sie zu erdrücken kann entstehen
  • Von Feuerbach und Marx beeinflusst aber sieht andere Ursachen für die Entstehung der Religion
  • Religion = „geboren aus dem Bedürfnis, die menschliche Hilflosigkeit erträglich zu machen“ -> erbaut aus dem Material der Erinnerung an die Hilflosigkeit in der Kindheit
  • Während dem Aufwachsen erkennt man dass sein allmächtig wirkende Vater eigentlich ein in seiner Macht beschränktes Wesen
  • => Zurückgreifen auf das Erscheinungsbildes dem von ihm überschätzten Vater seiner Kindheit und erhebt diesen zur Gottheit und rückt ihn in die Gegenwart

Ludwig Feuerbach

  • "Kirchenvater des modernen Atheismus"
  • Gott - eine Projektion des Menschen
  • Seine Theorie: Gott sei eine bloße Projektion des Menschen, ein Wunschgebilde seiner eigenen Hoffnungen und Sehnsüchte. Der Mensch hält es nicht aus, unvollkommen und endlich zu sein, weshalb er ein vollkommenes und allmächtiges Wesen erfindet. Da er selbst nicht sterben will, erfindet er die Vorstellung von der Unsterblichkeit der Seele. Ungerechtigkeit auf Erden → himmlische Gerechtigkeit
  • „Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde“ ½, und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde … (1.Mose 1,27)
  • Problematik:
    • Der Mensch wird durch die Projektionsvorgänge von sich selbst entfremdet.
    • Der Mensch entzweit sich innerlich und wird zwiespältig.
    • Religion ist die Ablehnung des Menschen. Sie verleitet ihn, seine Energien an ein illusionäres Konstrukt zu verlieren, statt sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und die Welt nach den eigenen Bedürfnissen zu gestalten.
    • => Die Vorstellungen von Gott und einer jenseitigen Welt müssen überwunden werden. Führt zur Ablehnung des Menschen. Die Einheit des Menschen mit sich selbst wird wiederhergestellt. Theologie → Anthropologie
    • Menschen sollen aus Gottesfreunden zu Menschenfreunden werden
  • Aber: Projektionen bzw. die Projektionstheorie löst nicht auf die Nicht-Existenz eines göttlichen Wesens schließen

Richard Dawkins: Der Gottes-Wahn

  • Der Gottesglaube ist unlogisch, unwissenschaftlich und unnötig
  • Der Glaube an Gott ist für ihn ein Produkt menschlicher Illusion (= Glaube an Feen etc.)
  • Da der Mensch ein natürliches Bedürfnis, Phänomene zu erklären hat, erklärt er dies mit Gott (Religion beruht auf Mythen und Vermutungen -> keine bessere Antworten als Naturwissenschaften bieten können
  • Theoretisch könnte es sein, dass es einen Gott geben könnte allerdings ist dies sehr unwahrscheinlich -> praktisch ausgeschlossen
  • Gott ist für ihn eine überflüssige Erklärungsebene, die mehr Probleme schafft als sie zu lösen ->Der Glaube an einen Schöpfer ist eine Vereinfachung komplexer Fragen
  • Religion versucht oft eine emotionale Lücke zu füllen Menschen finden in Religionen Sinn, Staunen und Ehrfurcht aber: diese Erfahrungen sind kein Beweis für die Existenz Gottes sondern Ausdruck menschlicher Emotionalität
  • => Aber: Glaube und Wissen ist kein direkter Gegensatz + wie Theodizeefrage klären ?

Karl Marx: Religion als Opium des Volkes

  • Religiöse Entfremdung durch gesellschaftliche & wirtschaftliche Entfremdung -> Religion ist das Selbstbewusstsein eines selbst entfremdeten, versklavten Menschen & ist Ausdruck und Zugleich Protest gegen das Elend des Menschen
  • „Religion ist Opium des Volkes“ -> Tröstet indem sie wahre Zustände verschleiert und eine Traumwelt vorgaukelt
  • Religion ist das Produkt des Leidens der Menschen und soll helfen dieses auszuhalten Religion ist eine Reaktion der Gesellschaft, um das Leid und Elend verarbeiten zu können -> wirkt tröstend, gibt der Gesellschaft ein gutes Gefühl
  • => Religion ist das Mittel zur Unterdrückung der Gesellschaft, gesellschaftliche Missstände würden dadurch gerechtfertigt werden -> durch Religion wird von diesen Missständen abgelenkt, die Menschen können ihre Lage so nicht verbessern
  • =>Aber: Trost bzw. Halt sind unerlässlich ->nicht als Flucht)

Friedrich Nietzsche: Gott ist tot!

  • Geht davon aus, dass die Welt ohne jeglichen Sinn ist (kann dem idealistisch-humanistischen Fortschrittsglauben von Feuerbach, Freud und Marx nicht zustimmen)
  • Jeder Versuch der sinnlosen Welt einen Sinn zu unterlegen ist ein Zeichen von Schwäche und Unaufrichtigkeit
  • Nihilismus: Zerstörung des Glaubens an die Wahrheit, Zerstörung der Moral, Zerstörung der Religion Vorallem das Christentum ist eine „Verschwörung gegen das Leben“
  • -> Ist eine lebensfeindliche Sklavenreligion (erkennbar an der Idee des gekreuzigten Gottessohnes)
  • Der christliche Gott ist eine „ehrsüchtige Orientale im Himmel“ welcher schwache, hässliche und rückgratlose Kreaturen will die sich seiner auf Feigheit und Heuchelei beruhenden Moral der Nächstenliebe unterwerden Gott = „der entzückte und entsetzte Wahn des Menschen“
  • =>Aber: Empathie und Mitleid/Erbarmen, Sozialgesetz geben ermöglichen zusammenleben & Kultur

Exodus 3

  • Handlung: Mose begegnet, während er die Schafe seines Schwiergervaters Jethro im Sinai weidet, einem brennenden Dornenbusch, der nicht verbrennt. Aus dem Busch spricht Gott und beauftragt Mose, das Volk Israel aus der ägyptischen Knechtschaft zu führen. Gott offenbart sich als „Ich bin, der ich bin“ (JHWH) und erklärt, dass er die Klagen seines Volkes gehört hat. Mose fragt nach seinem Auftrag und wie er die Israeliten überzeugen soll; Gott verspricht, durch Zeichen und Wunder Beweise zu geben und begleitet seinen Gesandten mit seiner Gegenwart. Am Ende des Kapitels erhält Mose den göttlichen Auftrag, nach Ägypten zurückzukehren und Pharao zu demütigen, damit die Israeliten in die Wüste ziehen können.
Vergleich von Ex. 3, 14 mit der Offenbarung in Ex. 3, 19-22 und Gottesbilder dieser Verse
  • Exodus 3, 14: „Ich bin, der ich bin.“ In diesem Vers offenbart Gott seinen Namen „JHWH“ an Mose, als dieser fragt wer er sei. Der Name „JHWH“ wird oft als der heilige Name Gottes in der hebräischen Bibel verwendet und ist mit dem Verb „sein“ verwandt, was darauf hinweist, dass Gott als der ewige, unveränderliche und existente Gott betrachtet wird.
  • In Exodus 3, 19-22 gibt Gott Mose Anweisungen, wie er die Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei führen soll. Gott sagt, dass er Pharaos Herz verhärten wird, so dass er sich weigern wird, die Israeliten freizulassen. Dies wird jedoch dazu dienen, dass Gott seine Macht und Herrlichkeit zeigt und dass die Israeliten wissen, dass er der wahre Gott ist.
  • Das Gottesbild, das sich aus diesen Versen ergibt, ist ein Bild von Gott als einem unveränderlichen und ewigen Wesen, das die absolute Kontrolle über alles hat. Gott wird auch als ein Gott der Befreiung dargestellt, der bereit ist, seine Macht zu zeigen, um seine auserwählten Menschen zu retten. Gleichzeitig wird betont, dass Gott Pharaos Herz verhärtet, was darauf hinweist, dass Gott auch eine aktive Rolle bei der Verhinderung der Freiheit der Israeliten spielt.
  • Insgesamt betonen diese Verse das Bild eines allmächtigen und souveränen Gottes, der in der Lage ist, seine Macht in allen Aspekten des Lebens und der Welt zu zeigen, sei es bei der Rettung seines Volkes oder bei der Konfrontation mit dem Unglauben seiner Gegner.
Bedeutung JHWH für das Gottesbild
  • Der Gottesname JHWH hat im biblischen Kontext eine große Bedeutung für das Gottesbild. In der Erzählung von der Berufung des Mose in Exodus 3 wird Mose von Gott beauftragt, den Namen Gottes zu wissen, der ihn gesandt hat, um seinen Auftrag gegenüber den Israeliten zu legitimieren. Gott antwortet ihm mit einer geheimnisvollen Antwort: „Ich bin, der ich bin“, die auf Hebräisch ein Wortspiel mit den vier Konsonanten, aus denen der Gottesname besteht, darstellt: JHWH.
  • Der Name drückt aus, in welchem Verhältnis Gott zu den Menschen steht, zu denen Mose sprechen soll. Es zeigt, dass Gott jetzt und in Zukunft für sie da sein wird, wie er es in der Vergangenheit war. Die Selbstvorstellungsformel, „Ich bin JHWH“ betont die Menschenfreundlichkeit Gottes und verdeutlicht sie durch die Apposition „dein Gott“. Es zeigt, dass alles, was Gott seinem Volk zu sagen und anzukündigen hat, als Entfaltung dieser Beziehung betrachtet werden kann.
  • Der Name JHWH ist eine Zusage und ein Versprechen der Gegenwart und Zukunft dessen, der hier „Ich“ sagt. Sein Name lässt einen Freiraum offen, den die Menschen nicht ausfüllen können, wenn sie das Wort „Gott“ in den Mund nehmen. Wer Gott erwartet, wirklich ihn in aller seiner Treue und Freiheit, der weiß auch zu sagen, wer Gott ist. In der Bibel wird von Gott vorzugsweise erzählt: in Geschichten mit Gott, die zeigen, wie Gott sich erwiesen hat und die zugleich umreissen, was er weiter zu tun verheisst. JHWH ist eine Bezeichnung für einen Gott, der aktiv in das Leben seines Volkes eingreift und es auf seinen Weg führt.
  • Joachim Friebe Predigt zu Exodus Rede vom „HERRN“ verfälscht biblisches Gottesbild (Ich-bin-da) -> geheimnisvoll & erkennbar -> Gott will weder Namen noch Wesen preisgeben -> vergelich mit „HERR“ ->Abstemplung in bestimmte Gottesbilder und „HERR“ -> Gott ist unterwegs mit den Menschen -> „Ich“ steht für eigene Vorstellung des „Ich-bin-da“
  • Andreas Rainert Ambivalenz -> Übernatürlichkeit Gott als Selbstvorstellung -> „Gott der Väter“ Berufung & Offenbarung Sein griechisches Denken: „Sein“ -> Existenz hebräisches Denken: „Sein“ -> Dasein, im hier und jetzt Dornenbusch Gott erniedrigt sich in Form eines niederen Busches -> Verbindung Altes zum neuen Testament —> Erniedrigung Gottes in Jesus am Kreuz -> Dornenkrone -> Gott in den Dornen Ambivalenz -> Übernatürlichkeit Busch brennt aber verbrennt nicht Gott spricht Mose personell an Berufung & Offenbarung Mose sah die Unterdrückung der Menschen -> Aufseher zu Tode geschlagen Gott sieht Potential und wählt ihn für seine Berufung —> Rettung des Volkes Israel Gott offenbart sich als Dornenbusch
Übersetzungen des Tetragramms
  • Ich werde sein, der ich sein werde (Martin Luther)
  • Ich bin, so viel ich sein will (Martin Noth)
  • Ich bin der Seiende (Septuaginta)
  • Ich werde für euch da sein (Gerhard von Rad)
  • Ich werde da sein, als der ich da sein werde (Buber/Rosenzweig)
  • Ich der „Ich-bin-da“ (Katholische Einheitsübersetzung)
  • I am that I am (The Bible/John Sterling)
  • Ich bin da (Gute Nachricht)
  • Ich bin, der ich bin (Züricher Übersetzung)
  • Ich bin euer Gott, der für euch da ist (Hoffnung für alle/1996)

Exodus 20

10 Gebote:
  • Du sollst keine anderen Götter neben mir haben
  • Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren
  • Gedenke, dass du den Sabbat heiligst
  • Du sollst Vater und Mutter ehren
  • Du sollst nicht töten
  • Du sollst nicht ehebrechen
  • Du sollst nicht stehlen
  • Du sollst kein falsches Zeugnis geben wider deinen Nächsten
  • Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau
  • Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut

Handlung Exodus 20

  • Gott offenbart sich am Berg Sinai vor dem ganzen Volk Israel in einer mächtigen Erscheinung - begleitet von Donner, Blitzen, Posaunenschall und Rauch. Inmitten dieser gewaltigen Szenerie spricht Gott direkt zu den Israeliten und gibt ihnen grundlegende Gebote für ihr Leben als sein auserwähltes Volk. Die direkte Stimme Gottes versetzt das Volk in große Furcht. Sie sind so erschrocken über die gewaltige Erscheinung, dass sie sich vom Berg zurückziehen und Mose bitten, künftig allein mit Gott zu sprechen und ihnen seine Worte zu übermitteln - sie fürchten, sonst sterben zu müssen.
  • Mose beruhigt das Volk und erklärt, dass Gott ihnen auf diese Weise begegnet ist, um ihnen seine Macht und Heiligkeit zu zeigen, damit sie Ehrfurcht vor ihm haben und nicht sündigen. Anschließend erhält Mose weitere Anweisungen, unter anderem zur Gestaltung von Altären. Gott betont, dass Altäre schlicht sein sollen - aus Erde oder unbehauenen Steinen-, und dass keine prunkvolle Stufen oder geschnitzte Formen verwendet werden sollen, um seine Heiligkeit zu ehren und keine Entweihung zu riskieren.
Aufbau Exodus 20
  • Verse 1–17: Gottes Rede mit den Zehn Geboten.
  • Verse 18–21: Reaktion des Volkes auf Gottes Offenbarung (Furcht, Rückzug, Bitte an Mose).
  • Verse 22–26: Erste Folgeanweisungen: richtige Gottesverehrung, Gestaltung von Altären.
Voraussetzungen zur Freiheit
  • Die Gebote folgen unmittelbar auf die Befreiung Israels aus Ägypten (Exodus 1–19).
  • Gott beginnt in Vers 2 mit: „Ich bin der HERR, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus.“
  • Das zeigt: Die Gebote sind keine Bedingung für die Rettung, sondern eine Antwort darauf.
  • Freiheit braucht Ordnung – ohne neue Orientierung würde das Volk in die nächste Unfreiheit geraten.
  • Die Gebote sollen Israel helfen, als freies, geheiligtes Volk in Gemeinschaft mit Gott und untereinander zu leben.
Kontext: Befreiung & Bundesschluss
  • Exodus 20 ist Teil des Bundesschlusses am Sinai.
  • Die Zehn Gebote sind wie ein „Verfassungsdokument“ für das Volk Israel.
  • Sie markieren den Beginn eines besonderen Bundesverhältnisses zwischen Gott und Israel.
  • Die Beziehung ist nicht mehr von Sklaverei geprägt, sondern von freier, freiwilliger Bindung an Gottes Willen.
Spiegelfunktion und Gottesbezug
  • Gebote zeigen dem Menschen Gottes Maßstab - sie wirken wie ein Spiegel: Wo halte ich mich daran? Wo nicht ?
  • Sie dienen zur Selbstüberprüfung und verweisen auf die Notwendigkeit von Vergebung und Gnade Gleichzeitig zeigen sie, wie Menschen in Gottes Bild leben können - nicht aus Zwang, sondern als Antwort auf seine Liebe
  • =>Leben zwischen den Geboten Gottes und Gesetzen -> Wann halte ich mich woran und wann werden die Gebote über die Gesetze gestellt ?
Bilder- und Namensmissbrauch
  • Bilder- und Namensmissbrauchsverbot nehmen eine zentrale Rolle, in der Entwicklung um die „Namensgebung“ von Gott ein… aber welche ?
  • Ehrfurcht und Respekt (schützen den heiligen Charakter des Gottesnamens/verlangen respektvollen Umgang)
  • Vermeidung der Leichtfertigkeit (fördert eine bedeutungsvolle und nicht oberflächliche Verbindung)
  • Ethik und Moral (tragen zur moralischen Entwicklung bei -> ermutigt Menschen, moralisch verantwortungsbewusst zu handeln)
  • Kultureller Einfluss (prägen die kulturelle Wahrnehmung von Göttlichkeit/beeinflussen Kunst, Literatur und soziale Normen)
  • Identitätsbildung (tragen zur Formung religiöser Identitäten bei -> setzen Gläubigen klare Grenzen für den Umgang mit dem Göttlichen)
Gibt es ein Bilderverbot auch in anderen Religionen ?
  • Islam: Striktes Verbot von bildlichen Darstellungen Allahs und der Propheten ->Vermeidung von Götzendienst und Wahrung der Transzendenz
  • Judentum: Das Bilderverbot ist in den Zehn Geboten enthalten -> Fokus auf dem Verbot der Anfertigung von Gottesbildnissen
  • Hinduismus: Vielfältige Ansichten je nach Strömung, einige Strömungen akzeptieren Bilder und Idole als Repräsentation von Göttern
  • Buddhismus: Kein generelles Bilderverbot aber unterschiedliche Ansichten zu Bildern in verschiedenen „Schulen“, einige Formen von Buddhismus verwenden Ikonen und Bilder in der Verehrung
Verständnis von HERR
  • WeiL Man Gott als den denkt, der mit absoluter Authorität herrscht und vor allem Gehorsam -> Bitten, Flehen, um Erbarmen bitten, Beistand, Gnade
  • Gott seine Herrschaft nach der Bibel gerade nicht so ausübt wie menschliche Herren -> allein bestimmend, unabhängig von oben herab, absolute Unterwerfung fordernd
  • => das menschliche Bild von „Herr“ als Gottesvorstellung ist bereits in der Bibel überholt; niemand unternimmt ernsthaft einen Änderungsversuch
  • nicht ernstgenommen wird: die Menschwerdung Gottes, Leben Gottes in uns und aus uns heraus konsequent zu Ende denken
  • Appell: ->mündig gewordene Christen sollen damit beginnen, Gott als „Ich-bin-da“ zu verstehen =>persönliches Gottesbild wird sich ändern
    • -Mutmachen, gemeinsam aufzubrechen
    • -alles, was knechtet/erniedrigt loswerden => „Schalom“ finden
  • Zeitleiste
    • Mitte 3.Jhdt. v.Chr.
    • Juden fangen an den Namen JHWH als Namensmissbrauch anzusehen, wieso ist unklar sie begannen mehr Ehrfurcht vor Gott zu haben
    • Es folgte der Ersatz „adonai“ (Mein Herr)
    • Wurde anfangs nur beim sprechen ersetzt, weiterhin aber JHWH geschrieben
    • christliche Gemeinde -> 400 n.Chr. benutzen Begriff „kyrios“ sehen es eher als Unterordnung vor Gott
    • „adonai“ wird von „kyrios“ ersetzt -> semantische Bedeutungsverschiebung
    • Bischof Heronimus 420 n.Chr. benutzen Begriff „Dominus“, bedeutet bei ihnen die absolute Unterwerfung, weil bei ihnen ein geordnetes System mit Klassen herrscht, also anderes Verständnis
    • Als letztes hat Luther das Wort (HERR) genommen, und es als andere Bedeutung, durch schreiben in Großbuchstaben abgetrennt
    • Tragische Entwicklung weil: ständige Redeweise vom Gott dem Herrn -> Gottesbild wird zum menschlichen Herrn
  • => Denken dass Gott mit absoluter Autorität regiert & v.a. Gehorsam verlangt
  • Gottesvorstellung, vom menschlichen Bild eines Herrschers, schon in der Bibel überholt
Andere Gottesbilder in der Bibel
  • König, Thron, Herrscher, Richter => Macht, Authorität und Ordnungshoheit
  • Vater, Elternfigur => Gott ist nah, fürsorglich und erziehend
  • Gott als Hirte => führt, schützt und versorgt - er kennt den Einzelnen
  • Gott als Schöpfer
  • Gott als Richter
  • Gott als eifersüchtiger/zorniger Gott => verlangt Treue und reagiert auf Untreue/Götzendienst
  • Gott als Mutter => zärtlich, gebärend, lebensspendend

Theodizee-Frage nach dem Leid

Was versteht man unter der Theodizee-Frage ?
  • Die Theodizee-Frage beschäftigt sich mit der Frage, wie das Vorhandensein von Leid in der Welt mit dem Konzept eines allmächtigen, allwissenden und allgütigen Gottes vereinbaren ist. Wenn Gott gut und mächtig ist, warum gibt es dann Leid und Übel ?
    • Leibniz
      • Die von Gott geschaffene Welt ist nicht perfekt, aber sie ist die beste aller möglichen Welten
      • Leid ist notwendig, etwa als Strafe und als notwendiger Kontrast zum Positiven
      • Mensch als freies Wesen - Freiheit besteht auch darin, sich für das Böse zu entscheiden
      • Vollkommen ist nur Gott, er ist die Verkörperung von Vernunft und Moral
    • Schopenhauer
      • Die Welt ist die schlechteste aller möglichen
      • Die Welt ist durch den Willen bestimmt der unaufhörlich zu Leiden führt -> Das Übel ist ein unvermeidlicher Teil des Lebens
      • Es gibt keinen göttlichen Plan der das Leid rechtfertigt
      • Der Mensch kann durch Verziecht auf seine Begierden und den „Willen“ das Leid verringern
    • Epikur
      • Das Übel kommt von Göttern
      • Kein direkter Zusammenhang zwischen Gott und dem Leid
      • Das Leid entsteht durch menschliche Fehler, Begierden und das Fehlen von Weisheiten
      • Götter leben in Ruhe und sind nicht für das Leid verantwortlich
Woher kommt das Leid ?
  • Hans Jonas betrachtet Leid als Herausforderung für den Glauben an den gütigen Gott argumentiert, dass es die Existenz des Bösen und des Leids notwendig macht, Gott als begrenzt in seiner Allmacht anzusehen
  • Verantwortung für das Böse lieg teilweise bei der menschlichen Freiheit
  • Niklas Luhmann betrachtet Problem des Leids aus systemtheoretischen Perspektive argumentiert, dass das Leiden eine unvermeidliche Folge der Existenz von Ordnungssystemen ist
  • menschliche Gesellschaft