VO 6

Forschungsguppe ArtoGraphie Kartographie Wien

Research Group Cartography Mansfield College

Kontakt: Dr. Florian Ledermann (florian.ledermann@tuwien.ac.at)

Einführung in die visuelle Wahrnehmung

Ziel:

  • Betrachter*in in ihrer Lebensrealität erreichen. Das Ziel ist es, eine Verbindung zwischen der kartographischen Darstellung und der Erfahrung der Betrachter zu schaffen, um Karten nicht nur als Informationsquelle, sondern als Mittel zur visuellen Erkundung der Welt zu nutzen. Diese Verbindung ermöglicht es den Nutzern, sich in der dargestellten Umgebung besser zurechtzufinden und die Informationen intuitiver zu erfassen.

Kreativität

  • Schwierigkeit zu objektivieren:

    • Kreativität in der Kartographie erfordert nicht nur Talent, sondern auch ein tiefes Verständnis der visuellen Sprache und der Bedürfnisse der Zielgruppe. Designer müssen innovative Methoden entwickeln, um komplexe Informationen zu vereinfachen und verständlich zu machen. Dies schließt die Verwendung von Metaphern, Symbolen und graphischen Elementen ein, die eine emotionale Resonanz beim Betrachter hervorrufen können.

  • Verwendung von Rhetorik, spannenden Geschichten und gutem Gestaltungssinn:

    • Effektive Karten erzählen Geschichten, die den Betrachter fesseln und eine tiefere Verbindung zur dargestellten Information schaffen. Durch narrative Elemente und visuelle Metaphern können Designer komplexe Daten in zugängliche und ansprechende Darstellungen umwandeln, die nicht nur informativ, sondern auch ästhetisch ansprechend sind.

Wissenschaftlicher Beitrag

  • Informationsdichte und Farbwahrnehmung:

    • Die optimale Informationsdichte unterstützt eine schnelle Erfassung und Verarbeitung von Daten. Die Wahl der Farbpalette und der Kontrast zwischen den Grafiken spielt hierbei eine entscheidende Rolle. Nutzer können Informationen effizienter erfassen, wenn die Farben harmonisch abgestimmt sind und grafische Elemente nicht überladen wirken, was die visuelle Klarheit erhöht.

  • Grafische Gestaltungselemente: Blickführung und schnelle, umfassende Erfahrung

    • Diagramme, Icons und andere grafische Elemente lenken gezielt die Aufmerksamkeit des Betrachters und unterstützen die Lesbarkeit. Eine durchdachte Anordnung dieser Elemente erhöht die kognitive Verarbeitungsgeschwindigkeit und trägt zur schnelleren Erfassung von Informationen bei.

  • Vermeidung von Missverständnissen und verzerrter Wahrnehmung:

    • Gute Gestaltung minimiert das Risiko von Fehlinterpretationen, indem sie klar, konsistent und intuitiv ist. Durch den Einsatz von standardisierten Symbolen und einem einheitlichen Farbcode können Benutzerfreundlichkeit und Verständlichkeit signifikant gesteigert werden.

Visuelle Wahrnehmung

Grundlagen der Wahrnehmung
  • Anatomie des Auges:

    • Licht tritt durch die Pupille ein, wird durch die Linse fokussiert und trifft auf die Retina (Netzhaut), wo es in Nervenimpulse umgewandelt wird.

    • Retina: Photorezeptoren (Zapfen und Stäbchen), Nervenzellen und Blutgefäße sind für die Verarbeitung von Licht verantwortlich. Die Struktur der Retina beeinflusst, wie Licht wahrgenommen wird, und spielt eine kritische Rolle bei der Farbwahrnehmung und der Reaktion auf unterschiedliche Lichtverhältnisse.

Photorezeptoren
  • Zapfen: für das Farbsehen verantwortlich; es gibt drei Typen (S, M, L), die jeweils auf Blau, Grün und Rot reagieren.

  • Stäbchen: #Dominieren das Nachtsehen und sind extrem lichtempfindlich, jedoch monochromatisch.

  • Lichtempfindlichkeit: Stäbchen (ca. 120 Millionen pro Auge, hoch sensitive Lichtspotting) und Zäpfchen (ca. 6 Millionen pro Auge). Die unterschiedlichen Typen reagieren unterschiedlich auf Lichtintensitäten, was für das Design von Karten von Bedeutung ist.

Sichtbarkeit und Sehschärfe

  • Sehschärfe:

    • Die Dichte der Photorezeptoren begrenzt die Erkennbarkeit von Details. Wissen um diese Begrenzung ist wichtig für das Design kartographischer Elemente.




    • Berechnung der Erkennbarkeit als Winkel (Bogenminuten):[𝛿 = 2 \text{ arctan} \left( \frac{S}{2D} \right)]

    • Fovea Centralis:

      • Zentrum des Sehfeldes: Hier gibt es die höchste Dichte an Photorezeptoren, optimal für visuelle Schärfe. Details außerhalb dieser Zone werden weniger klar wahrgenommen.

    • Minimum Angle of Resolution (MAR):

      • Das kleinste wahrnehmbare Detail, 1 arcmin = logMAR 0 für gesundes Sehvermögen.

Altersweitsichtigkeit

  • Verlust der Elastizität der Linse ab 35 Jahren erleichtert Altersweitsichtigkeit und Sehverschlechterung. Dies bedeutet, dass Kartendesigner an die Lesbarkeit für eine älter werdende Bevölkerung denken sollten, etwa durch die Verwendung größerer Schriftarten und höherer Kontraste, um die Wahrnehmung zu verbessern.

Auflösung und Mindestdimensionen

  • Abhängigkeit von Entfernung und Erkennbarkeit für verschiedene Objekte:

    • Mobiltelefon: minimal 0,1mm bei 30cm,

    • Bildschirm: minimal 0,2mm bei 60cm.

    • Empfohlene Mindestgrößen für kartographische Zeichen:

      • Abhängig von Kontrast und Lesbarkeit ist es wichtig, klare Richtlinien zu befolgen, um sicherzustellen, dass alle dargestellten Elemente gut erkennbar sind.

Gesetz von Weber-Fechner

  • Wahrnehmungsgesetz für sinnliche Reize: Die kleinste wahrnehmbare Steigerung des Reizes bleibt konstant, was in der Kartographie als Maßstab für die Sichtbarkeit dient. Ein Faktor von 1,5 wird für die Sichtbarkeit kartographischer Zeichen empfohlen, um eine kontinuierliche Wahrnehmung zu ermöglichen.

Farbsehen und -wiedergabe

  • Transduktionsprofile der Photorezeptoren:

    • RGB (additive Farbmischung) und CMYK (subtraktive Farbmischung) sind Grundlagen, die Designer für die visuelle Gestaltung nutzen müssen.

    • Bedeutung der Rastern:

      • Rastern sind entscheidend für Zwischentöne und beeinflussen stark das visuelle Ergebnis einer Karte. Sie müssen gezielt eingesetzt werden, um Schatten, Texturen und Tiefe darzustellen.

    • Sensitivität und Farbfehlsichtigkeit:

      • Farbfehlsichtigkeit tritt bei etwa 8% der Bevölkerung auf, wobei Männer häufiger betroffen sind. Designer müssen bei der Farbwahl darauf achten, dass entscheidende Informationen auch von Farbfehlsichtigen wahrgenommen werden können, z.B. durch den Einsatz von Texturen oder unterschiedlichen Formen.

Gestaltungsrichtlinien für Karten

  • Klare Farbabstufungen und doppelte Codierungen verwenden; dabei Helligkeitskontraste und Symbolik berücksichtigen, um die Zugänglichkeit und User Experience zu verbessern.

Schlussfolgerung

  • Visuelle Hierarchie und klare Gestaltung:

    • Entscheidend für effektive Kartographie ist die Zusammenführung präziser Lokalisierung und visueller Wahrnehmung, was die Benutzererfahrung erheblich verbessert. Eine sorgfältige Gestaltung kann dazu beitragen, komplexe Informationen klar und verständlich zu kommunizieren.

Nächste Vorlesung

Kartographische Grundlagen VO 6: Wahrnehmung 48