Enzymatik
Seite 1 ENZYME – Grundbegriff
Enzyme sind Proteine (meist globulär, gelegentlich ribonukleoprotein-Komplexe, z. B. Ribosom).
Sie wirken als Biokatalysatoren:
Beschleunigen biochemische Reaktionen (Stoffwechselprozesse) um bis zu –-fach.
Werden nicht verbraucht; nach der Reaktion liegen sie unverändert vor.
Aktivierungsenergie wird gesenkt → Reaktion läuft bei Körper-/Umgebungstemperatur ab.
Bedeutung: Ermöglichen spezifische Regulation jeder Stoffwechselstufe (Ethik/Medizin: Zielstruktur vieler Medikamente).
Seite 2 Charakteristika der Enzyme
Proteinische Natur (Primär- bis Quartärstruktur entscheidend).
Reaktionsbeschleunigung ohne Nettowirkung auf Gleichgewichtslage (nur Geschwindigkeiten).
Spezialisierte aktive Zentren – dreidimensionale Taschen/Rinnen mit katalytischen Aminosäuren (z. B. Serin, Histidin, Aspartat im Serinprotease-Triad).
Ergebnis: Reaktion verläuft schneller, braucht weniger Energie, ist streng regulierbar.
Seite 3 Mechanismus: Enzym-Substrat-Komplex (Beispiel Saccharase)
Substratbindung – Saccharose diffundiert in das aktive Zentrum der Saccharase.
Induced-Fit – geringe Konformationsänderung des Enzyms; das aktive Zentrum „umschließt“ das Substrat.
Katalyse – Ausbildung/Brechung chemischer Bindungen unter Beteiligung von (Hydrolyse) ⇒ Produkte Glucose und Fructose.
Produktfreisetzung – schwache Bindungen lösen sich, aktives Zentrum steht erneut bereit.
Wichtig: Enzym-Turnover-Zahl (Produktmoleküle · Enzym⁻¹ · s⁻¹) charakterisiert Geschwindigkeit.
Seite 4 Spezifität
Substratspezifität: Nur Substrate passender Form/Ladungsverteilung binden (Schlüssel-Schloss vs. Induced-Fit).
Wirkungsspezifität: Auf ein und demselben Substrat katalysiert Enzym immer dieselbe Reaktion (z. B. Oxidoreduktase ≠ Lyase).
Klinische Relevanz: Isoenzyme katalysieren gleiche Reaktion, unterscheiden sich jedoch in Aminosäuresequenz (Organdiagnostik).
Seite 5 Enzymkinetischer Grundablauf (Zwei-Schritt-Modell)
ES = Zwischenkomplex.
Enzym wird regeneriert, kann weitere Substratmoleküle umsetzen.
Bindung erfolgt am aktiven Zentrum (passgenau, oft hydrophobe Kavität + polare Ränder).
Seite 6 Molekulare Details der Bindung
Form- und Ladungskomplementarität führt zu ersten Wechselwirkungen.
Ausbildung schwacher Bindungen: Wasserstoffbrücken, Ionenpaarungen, Van-der-Waals-Kräfte.
Diese Vor-Bindung schwächt interne Substratbindungen ⇒ Übergangszustand wird stabilisiert, sinkt.
Beispielhafte Aminosäuren: Glu/Asp als Säure-Base-Katalysatoren, Ser/Cys als Nukleophile.
Seite 7 Temperaturabhängigkeit – RGT-Regel
Bei Temperaturerhöhung um steigt Reaktionsgeschwindigkeit um das 2- bis 3-Fache (bis Optimum).
Temperaturoptimum variiert (Mensch ≈ , Thermophil > ).
Über Optimum hinaus: Protein-Denaturierung ⇒ irreversible Struktruzerstörung, Aktivitätsverlust.
Praktisch: Pasteurisation inaktiviert Enzyme von Mikroorganismen (Lebensmitteltechnik).
Seite 8 Grafische Darstellung (Temp. vs. Enzymaktivität)
Glockenförmige „Optimumskurve“.
Punkte: ① niedrige T → wenige Kollisionen; ② Optimum → höchste Aktivität; ③ hohe T → Denaturierung, rapide Abfall.
Seite 9 Zusammenfassung Temperatur-Effekte
Jedes Enzym weist eigenes auf.
RGT-Regel erklärt Anstieg bei moderaten Temperaturen.
Denaturierung betrifft v. a. H-Brücken, hydrophobe Wechselwirkungen, Disulfidbrücken.
Seite 10 pH-Abhängigkeit
Änderung des pH-Werts beeinflusst Ionisationszustand von Seitenketten → Änderung der Tertiär-/Quartärstruktur.
Typische Parameter:
pH-Minimum, pH-Optimum, pH-Maximum.
Stark enzymspezifisch (Pepsin pH ≈ 2, Trypsin pH ≈ 8).
Pharmakologie: Magensaft (sauer) schützt vor Fremdenzym-Aktivität.
Seite 11 Kurvenbeispiel pH vs. Enzymaktivität
Vergleich:
Pepsin Aktivitätsmaximum bei .
Amylase (Speichel) bei .
Trypsin (Dünndarm) bei .
Je weiter pH vom Optimum abweicht, desto stärker sinkt Aktivität bis zum Totalausfall.
Seite 12 pH-Effekte – Details
Geringe Verschiebung → partielle Deprotonierung/Protonierung im aktiven Zentrum → verringerte Affinität.
Starke Verschiebung → Zerstörung Schlüssel-Ionenbindungen, vollständige Inaktivierung (meist reversibel bei moderaten Abweichungen, sonst irreversibel).
Seite 13 Abhängigkeit von Substratkonzentration
Kurvenverlauf: Annäherung an Sättigung (hyperbolisch, Michaelis-Menten).
Parameter:
– maximale Reaktionsgeschwindigkeit.
– Michaelis-Menten-Konstante (Substratkonzentration bei ).
Graphisch: .
Seite 14 Michaelis-Menten-Konstante erläutert
Halbsättigung: Hälfte der Enzymmoleküle als ES‐Komplex vorliegend.
Hohe ⇒ alle aktiven Zentren besetzt ⇒ .
Niedrige ⇒ wenige ES-Komplexe ⇒ lineare Zunahme von mit .
= katalytische Effizienz (Maß für Diffusionslimitierte Perfektion).
Seite 15 Merksatz
Enzymkinetik wird primär durch reguliert (neben , pH, Effektoren).
Organismus steuert Stoffwechsel, indem er Substrat-/Produktmengen moduliert.
Seite 16 Formaldefinition
= , bei der .
Einheit: Konzentration ().
Kleine ⇒ hohe Affinität von Enzym zu Substrat.
Große Affinität → schneller ES-Bildung → hohe Reaktionsrate schon bei niedrigen .
Seite 17 Vergleich: Reaktion mit/ohne Enzym
Ohne Enzym: lineare, aber langsam steigende Geschwindigkeit.
Mit Enzym: schnelle Sättigung, erreichbar.
Parameter-Analyse dient Entwicklung von Hemmstoffen (z. B. Medikamente gegen HIV-Protease).
Seite 18 Zusammenfassung Michaelis-Menten
ist einzig vom Enzym-Substrat-System abhängig (bei gegebener Temperatur, pH).
Beziehung Affinität ↔ : .
Ethik: Optimierung biotechnologischer Enzyme (z. B. Waschmittel-Proteasen) durch Protein-Engineering zielt auf kleinen und großes .
Seite 19 Enzymhemmung – Übersichten
Kompetitive Hemmung (reversibel): Inhibitor ähnelt Substrat, bindet am aktiven Zentrum ⇒ Konkurrenz.
Allosterische Hemmung (reversibel): Inhibitor bindet an regulatorische Bindungsstelle entfernt vom aktiven Zentrum ⇒ Konformationsänderung.
Beide Hemmungsarten verlangsamen Reaktion, können therapeutisch genutzt werden (z. B. Methotrexat, Statine).
Seite 20 Allosterische Hemmung – Mechanismus
Niedrige Inhibitorkonzentration → geringe Occupancy der allosterischen Stelle → Reaktion läuft.
Hohe Inhibitorkonzentration → Konformationsänderung blockiert Substratbindung → keine Reaktion.
Auch positiver allosterischer Effektor möglich (Aktivator).
Beispiel: Phosphofructokinase-1 reguliert Glykolyse durch ATP (Inhibitor) vs. AMP (Aktivator).
Seite 21 Visualisierte Konformationsänderung
Aktives Zentrum wechselt von „offen“ zu „geschlossen“ (oder umgekehrt).
Hemmstoffbindung → Neue H-Brücken/Ionenbindungen → Stabilisierung in inaktiver Form.
Seite 22 Kinetische Auswirkung allosterischer Hemmung
Häufig: sinkt, bleibt (nicht-kompetitiv) oder verändert sich mit (gemischte Hemmung).
In Grafik: [S]V_{max}[S]K_My\frac{KM(1+\frac{[I]}{KI})}{V_{max}}.
Seite 26 Beispiel: Succinat-Dehydrogenase & Malonat
Versuch (Farbintensität ∝ Reaktionsprodukt):
Nur Succinat: starke Farbzunahme (hohes VV{max}KM$$ erhöht.
Erklärung: Malonat strukturell analog zu Succinat, bindet, wird aber nicht umgesetzt ⇒ typisches kompetitives Verhalten.
Aussage