Soziale Arbeit und Klimakrise: Relevanz und Handlungsmöglichkeiten

1. Einleitung

1. Einführung: Die Klimakrise als soziales Problem

  • Laut dem Intergovernmental Panel of Climate Change (IPCC) schreitet die Klimakrise voran.

  • Folgen sind unter anderem:

    • Gefährdung von Wasser- und Nahrungssicherheit.

    • Zerstörung von Lebensräumen und Infrastruktur.

    • Erhöhte Sterblichkeit, Migrationsbewegungen und soziale Ungleichheiten.

  • Seit den Fridays for Future-Protesten (2019) sind die Begriffe "Klimakrise" und "Klimawandel" weltweit präsent.

  • Regierungen, Unternehmen und die Zivilgesellschaft arbeiten an Lösungen.

  • Die Bachelorarbeit untersucht die Rolle der Sozialen Arbeit bei der Bewältigung der Klimakrise.


1.1 Problemstellung: Warum ist das Thema relevant?

  • Soziale Arbeit basiert auf den Prinzipien der Menschenrechte und sozialen Gerechtigkeit.

  • Laut Yannick Liedholz (ASH Berlin) ist die Klimakrise ein soziales Phänomen, weil:

    • Ungleichheiten verstärkt werden: Diejenigen, die am wenigsten zur Klimakrise beitragen, sind am stärksten betroffen.

    • Ökologische Krisen oft isoliert betrachtet werden: Soziale Folgen werden in öffentlichen Debatten meist vernachlässigt.

  • Das Thema "Soziale Arbeit & Klimakrise" wird in Deutschland bereits erforscht:

    • Liedholz (2021): "Berührungspunkte von Sozialer Arbeit und Klimawandel".

    • Pfaff, Schramkowski & Lutz (2022): Sammelband zur Klimakrise & Klimagerechtigkeit.

    • Stamm (2021): "Ökologisch-kritische Soziale Arbeit".

    • In Österreich gibt es wenige Arbeiten, aber Lisa Stipsits (2022) forschte zur Rolle der Offenen Jugendarbeit in Graz bei der Klimakrise.

  • Fehlende wissenschaftliche Auseinandersetzung in Österreich:

    • Keine Veröffentlichungen der Österreichischen Gesellschaft für Soziale Arbeit (OGSA) oder des Österreichischen Berufsverbands für Soziale Arbeit (OBDS).

    • Ein Soziologie-Kongress 2023 befasst sich erstmals mit dem Thema.

    • Im englischsprachigen Raum ist das Konzept von Green Social Work bereits etabliert (Dominelli, Ife, Erickson).


1.2 Erkenntnisinteresse & Ziel der Arbeit

  • Der Wissenschaftler Jim Ife (2018) betont:
    Soziale Arbeit muss politisch sein und sich aktiv gegen Ungleichheiten einsetzen.
    Die Klimakrise muss stärker in Theorie, Praxis und Politik der Sozialen Arbeit integriert werden.

  • Ziel der Arbeit:

    • Untersuchung der Relevanz der Klimakrise für die Soziale Arbeit.

    • Aufzeigen sozialer Aspekte der Klimakrise.

    • Ermitteln, wo Sozialarbeitende, Einrichtungen und Hochschulen aktiv werden können.

    • Diskutieren, ob und warum sie dazu verpflichtet sein könnten.

  • Forschungsfrage:
    Welche Relevanz hat die Klimakrise für die Soziale Arbeit und welche Implikationen ergeben sich für Sozialarbeitende, Einrichtungen und Ausbildungsstätten in Österreich?


1.3 Gang der Argumentation (Aufbau der Arbeit)

  1. Grundlagen der Klimakrise: Ursachen und Folgen global und in Österreich.

  2. Theorie der Sozialen Arbeit:

    • Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession.

    • Tripelmandat nach Staub-Bernasconi (2007).

    • Politischer Auftrag der Sozialen Arbeit.

  3. Klimakrise als soziales Problem: Zusammenhang zwischen:

    • Sozialer Ungleichheit,

    • Menschenrechten,

    • Klimaflucht.

  4. Verbindung zur Sozialen Arbeit: Handlungsmöglichkeiten und Aufgaben der Sozialen Arbeit zur Bewältigung der Klimakrise.

  5. Schluss: Zusammenfassung, Forschungsperspektiven, Limitationen.

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Wichtige Erkenntnisse aus der Einleitung

  • Die Klimakrise ist nicht nur ein ökologisches, sondern auch ein soziales Problem.

  • Sie verstärkt bestehende Ungleichheiten, trifft besonders vulnerable Gruppen und erfordert soziale Lösungsansätze.

  • In Österreich gibt es wenig Forschung dazu, während das Thema im internationalen Raum (v.a. Green Social Work) bereits diskutiert wird.

  • Die Arbeit möchte untersuchen, welche Rolle die Soziale Arbeit bei der Klimakrise spielen kann und sollte.

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Begriffe erklärt:

  • Tripelmandat nach Staub-Bernasconi (2007):
    Soziale Arbeit hat drei Verpflichtungen:

    1. Hilfe für Individuen (soziale Dienstleistungen).

    2. Gesellschaftliche Veränderung & Gerechtigkeit fördern.

    3. Wissenschaftlich fundierte Praxis anwenden.

  • Green Social Work:
    → Konzept, das Umweltschutz mit sozialer Gerechtigkeit verbindet.
    → Soziale Arbeit soll sich aktiv für Klimagerechtigkeit und nachhaltige Lebensweisen einsetzen.

Fazit

Die Einleitung zeigt, dass die Klimakrise große soziale Auswirkungen hat, die bisher in der Sozialen Arbeit zu wenig Beachtung finden. Die Arbeit will erforschen, wie Sozialarbeitende und Einrichtungen in Österreich dazu beitragen können, soziale Gerechtigkeit in der Klimakrise zu fördern.

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2. Die Klimakrise – Ursachen, Hintergründe und Auswirkungen

2.1 Ursachen und Hintergründe

  • Begriff „Klimakrise“ statt „Klimawandel“:

    • Der britische Guardian (2019) entschied, Begriffe wie „Klimakrise“ oder „Klimanotstand“ zu verwenden, um den akuten Handlungsbedarf zu betonen.

    • In dieser Arbeit wird daher auch der Begriff „Klimakrise“ genutzt.

Ist die Klimakrise menschengemacht?
  • Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass die aktuelle Klimakrise vom Menschen verursacht ist.

  • Es gab in der Erdgeschichte natürliche Klimaveränderungen (z. B. durch Kontinentaldrift und Eiszeitalter).

  • Unterschied zur heutigen Krise:

    • Früher dauerten Temperaturveränderungen Millionen Jahre.

    • Seit der Industriellen Revolution (ca. 1750) erfolgt die Erwärmung sehr schnell durch menschliche Aktivitäten.

    • Daher spricht man von einer anthropogenen Klimakrise (gr. „Anthrōpos“ = Mensch).

Hauptverursacher der Klimakrise:
  1. Treibhausgase (CO₂, Methan, etc.):

    • Entstehen durch fossile Brennstoffe (Kohle, Erdöl, Gas), Verkehr und Industrie.

    • Abholzung von Wäldern setzt gespeichertes CO₂ frei.

  2. Bodenversiegelung:

    • Städte speichern mehr Wärme als natürliche Landschaften → Zusätzliche Erwärmung.

  3. Seit den 1980ern anerkannt:

    • 1988 wurde der IPCC gegründet, um die Forschung voranzutreiben.

    • Alle 5–7 Jahre erscheinen IPCC-Berichte mit Ursachen, Folgen und Lösungen der Klimakrise.

Pariser Klimaabkommen & Zwei-Grad-Ziel
  • 2015 wurde das Pariser Klimaabkommen beschlossen:

    • Ziel: Begrenzung der globalen Erwärmung auf maximal 2°C (besser 1,5°C) bis 2100.

    • Staaten müssen ihre CO₂-Emissionen massiv reduzieren.

  • Kritik (Österreich, Klimavolksbegehren 2023):

    • Österreich setzt zu wenige Maßnahmen um.

    • Seit 2021 gibt es kein gültiges Klimaschutzgesetz mehr.

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2.2 Auswirkungen der Klimakrise

1. Temperaturanstieg & Extremwetter
  • Steigende Temperaturen → Mehr Extremwetter:

    • Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen, Wirbelstürme.

    • Meeresspiegelanstieg bedroht Küstenländer (z. B. Malediven, Niederlande, Bangladesch).

    • Hitzewellen können tödlich sein (z. B. 2022 in Österreich: 231 Hitzetote; Prognose für 2023–2065: 3.000 pro Jahr).

2. Gefährdung der Wasser- und Nahrungsmittelversorgung
  • Landwirtschaft leidet:

    • Weizen, Mais und Kartoffeln benötigen bestimmte Temperaturen.

    • Dürre oder Hitze → Ernteausfälle, steigende Lebensmittelpreise.

    • Ohne Klimaschutz könnten die Temperaturen in Europa bis 2100 um 3°C steigen.

3. Gesundheitliche & soziale Folgen
  • Überlastung des Gesundheitssystems durch Hitzewellen.

  • Ausbreitung neuer Krankheiten durch veränderte Klimazonen.

  • Besonders gefährdet:

    • Ältere & chronisch kranke Menschen.

    • Menschen in Armut (schlecht isolierte Wohnungen, kein Zugang zu Kühlung).

4. Wirtschaftliche Schäden & Infrastrukturprobleme
  • Hochwasser & Dürre schaden der Infrastruktur:

    • Kosten für Reparaturen steigen (Straßen, Brücken, Gebäude).

    • Schäden werden meist durch Steuergelder finanziert.

Fazit: Warum ist die Klimakrise so gefährlich?

  1. Schnellster Temperaturanstieg in der Erdgeschichte.

  2. Bedrohung für Menschen, Natur & Wirtschaft.

  3. Dringender Handlungsbedarf, um globale Ziele zu erreichen (z. B. Pariser Abkommen).

  4. Zu wenige Maßnahmen in Ländern wie Österreich → Risiko steigt weiter.

Wichtige Begriffe erklärt

  • Anthropogene Klimakrise:
    → Vom Menschen verursachte Klimaerwärmung.

  • IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change):
    → Internationale Organisation zur Erforschung der Klimakrise (seit 1988).

  • Pariser Klimaabkommen (2015):
    → Globales Abkommen zur Begrenzung der Erderwärmung auf max. 2°C.

  • Treibhausgase (CO₂, Methan, etc.):
    → Gase, die die Wärmestrahlung in der Atmosphäre halten und zur Erwärmung führen.

3. Die Profession Soziale Arbeit

3.1 Definition der Sozialen Arbeit

  • Der Begriff „Soziale Arbeit“ setzte sich in den 1990er-Jahren gegenüber älteren Begriffen wie „Fürsorge“ oder „Sozialarbeit“ durch.

  • Früher wurden Sozialarbeit und Sozialpädagogik als getrennte Felder gesehen, heute umfasst die Soziale Arbeit beide Bereiche.

  • Es gibt kein einheitliches Berufsbild oder Berufsgesetz in Österreich, was die Profession uneinheitlich erscheinen lässt.

  • Dennoch teilen alle Fachkräfte der Sozialen Arbeit ein gemeinsames Wertefundament, das sich in der Definition der International Federation of Social Work (IFSW, 2014) widerspiegelt:

Definition nach IFSW (2014):

„Soziale Arbeit ist eine praxisorientierte Profession und eine wissenschaftliche Disziplin, deren Ziele die Förderung des sozialen Wandels, der sozialen Entwicklung und des sozialen Zusammenhalts sowie der Stärkung und Befreiung der Menschen ist.
Die Prinzipien der sozialen Gerechtigkeit, die Menschenrechte, gemeinsame Verantwortung und die Achtung der Vielfalt bilden die Grundlagen der Sozialen Arbeit.“

👉 Kernpunkte der Sozialen Arbeit:

  • Förderung von sozialem Wandel.

  • Soziale Gerechtigkeit & Menschenrechte als Basis.

  • Wissenschaftlich fundierte Methoden zur Problemlösung.

Fazit: Die Soziale Arbeit ist mehr als nur eine Dienstleistung, sondern eine eigenständige Profession mit einem klaren Wertefundament.


3.2 Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession

  • Menschenrechte als Basis der Sozialen Arbeit

    • Menschenrechte wurden 1948 von den Vereinten Nationen (UNO) verabschiedet.

    • Besonders relevant für Soziale Arbeit:

      • Artikel 3: Recht auf Leben, Freiheit & Sicherheit.

      • Artikel 25: Recht auf einen Lebensstandard, der Gesundheit & Wohl gewährleistet.

  • Wie wurde Soziale Arbeit zur „Menschenrechtsprofession“?

    • 1992: Kampagne der UNO für mehr Bewusstsein zu Menschenrechten.

    • 1994: IFSW & IASSW erklärten Soziale Arbeit offiziell zur Menschenrechtsprofession.

    • 2001: Empfehlung des Europarats, Menschenrechte in Soziale-Arbeit-Studiengänge zu integrieren.

    • 2004: Menschenrechte als verbindliche Grundlage der Sozialen Arbeit in internationalen Ausbildungsstandards festgelegt.

👉 Wichtige Erkenntnis: Soziale Arbeit ist nicht nur eine Hilfeleistung, sondern eine aktive Menschenrechtsbewegung.

Das „Tripelmandat“ nach Staub-Bernasconi
  • Die Soziale Arbeit basiert traditionell auf dem Doppelmandat:

    1. Hilfe für Klient*innen

    2. Rechenschaft gegenüber Trägerorganisationen und Staat

  • Staub-Bernasconi (2007) entwickelte das Tripelmandat: 3. Verpflichtung gegenüber der Profession selbst & Menschenrechten

    • Soziale Arbeit darf sich nicht nur nach staatlichen Vorgaben richten, sondern muss aktiv für Menschenrechte eintreten.

    • Dies bedeutet, dass Sozialarbeitende gegen menschenverachtende politische Entscheidungen Widerstand leisten können.

👉 Wichtige Erkenntnis: Das Tripelmandat erlaubt kritische Soziale Arbeit, die unabhängig von der Politik gegen Ungerechtigkeit aktiv wird.


3.3 Der politische Auftrag der Sozialen Arbeit

  • Soziale Organisationen wie die Caritas verstehen sich als „Anwält*innen für Benachteiligte“ und wollen Sozialpolitik aktiv mitgestalten.

  • Es gibt keinen einheitlichen Auftrag für die Soziale Arbeit, aber drei Perspektiven:

    1. Dienstleistungsberuf: Sozialarbeitende unterstützen Menschen nur bei der Wahrnehmung ihrer Rechte (reine Hilfeleistung).

    2. Politikberatung: Soziale Arbeit soll sich zwar in politische Debatten einbringen, aber nicht aktiv handeln.

    3. Politische Soziale Arbeit: Sozialarbeitende sollen aktiv gegen Ungerechtigkeiten vorgehen.

👉 Wichtige Erkenntnis:

  • Soziale Arbeit kann nicht unpolitisch sein, da sie sich nach den jeweiligen politischen Rahmenbedingungen richten muss.

  • In einem ungerechten System kann sie sich aber gegen menschenverachtende Gesetze & Strukturen wehren.

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Soziale Arbeit als „policy-based profession“
  • Sie ist stark von staatlicher Finanzierung & rechtlichen Rahmenbedingungen abhängig.

  • Trotzdem kann sie Widerstand leisten & menschenwürdigere Alternativen fördern.

  • Menschenrechtsbasierte Ansätze (Staub-Bernasconi, 2007) fordern, dass die Soziale Arbeit sich aktiv für politische Veränderung einsetzt.


Fazit: Warum ist diese Theorie für die Klimakrise relevant?

  1. Soziale Arbeit basiert auf Menschenrechten → Klimakrise bedroht diese Rechte.

  2. Soziale Arbeit hat einen politischen Auftrag → Sie kann sich aktiv für Klimagerechtigkeit einsetzen.

  3. Das Tripelmandat erlaubt Widerstand → Sozialarbeitende können sich gegen unzureichende Klimapolitik stellen.

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4. Die sozialen Auswirkungen der Klimakrise

Die Klimakrise ist nicht nur ein ökologisches, sondern auch ein soziales Problem.
Warum?

  1. Sie wird durch menschliches Verhalten verursacht (anthropogene Treibhausgasemissionen).

  2. Ihre Folgen treffen Menschen sozial ungleich, insbesondere bereits benachteiligte Gruppen.

In diesem Kapitel werden drei Hauptaspekte untersucht:

  • Verschärfung sozialer Ungleichheiten & Klimagerechtigkeit

  • Klimaflucht und Migration

  • Menschenrechtsverletzungen durch die Klimakrise


4.1 Verschärfung sozialer Ungleichheiten

  • Soziale Ungleichheit in Österreich:

    • 1 % der Bevölkerung besitzt 40 % des Vermögens, während 50 % nur 3 % besitzen.

    • 17 % der Bevölkerung (1,5 Mio. Menschen) sind armutsgefährdet, besonders betroffen:

      • Alleinerziehende Frauen

      • Kinder

      • Pensionist*innen

  • Wie verstärkt die Klimakrise soziale Ungleichheit?

    • Reiche Länder (globaler Norden) können sich mit Deichen & Infrastruktur schützen.

    • Arme Länder (globaler Süden) sind verwundbarer & haben weniger Ressourcen zur Bewältigung von Katastrophen.

    • Beispiel:

      • Hurricane Katrina (New Orleans, 2005) → Reiche Menschen flohen, Arme blieben zurück.

      • Flutkatastrophe in Deutschland (2021) → 179 Tote, Trinkwasserversorgung in Österreich beeinträchtigt.

  • Ungleichheiten auch innerhalb eines Landes:

    • Arme Menschen leben oft in schlecht isolierten Wohnungen → stärker von Hitze & Kälte betroffen.

    • Wohlhabendere Menschen können sich Urlaub oder Klimaanlagen leisten.

Fazit: Klimakrise trifft ärmere Bevölkerungsgruppen härter – diese sind gleichzeitig oft Klient*innen der Sozialen Arbeit.

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Klimagerechtigkeit als Lösung

  • Klimagerechtigkeit = sozial gerechte Verteilung der Klimarisiken & Schutzmaßnahmen.

  • Angela Kallhoff (Uni Wien) betont, dass Klimagerechtigkeit nicht nur Philosophie, sondern politisches Handeln erfordert.

  • NGOs & Sozialarbeiter*innen können eine Schlüsselrolle spielen.

  • Warum Soziale Arbeit?

    • Laut IFSW-Definition ist soziale Gerechtigkeit ein Hauptziel der Sozialen Arbeit.

    • Klimagerechtigkeit = Teil der sozialen Gerechtigkeit.

    • Daher ist es Auftrag der Sozialen Arbeit, sich für Klimagerechtigkeit einzusetzen.


4.2 Klimaflucht & Klimamigration

  • Klimaflucht als Fluchtursache

    • Laut UNHCR (2023) zählt Klimawandel zu den Hauptursachen für Flucht.

    • Immer mehr Menschen werden durch Extremwetter gezwungen, ihre Heimat zu verlassen.

  • Problem: Kein rechtlicher Flüchtlingsstatus für „Klimaflüchtlinge“

    • Genfer Flüchtlingskonvention (1951) erkennt nur politische & religiöse Verfolgung als Fluchtgrund an.

    • Menschen, die wegen Naturkatastrophen oder Umweltzerstörung fliehen, sind rechtlich nicht geschützt.

  • IPCC-Bericht (2022):

    • Extremwetterereignisse nehmen zu → immer mehr Menschen müssen fliehen.

    • 40 % der Geflüchteten leben auch nach der Flucht in besonders gefährdeten Regionen.

  • Migrationstheorie (Lee, 1966):

    • Push-Faktoren = Gründe, die Menschen aus einem Land vertreiben (z. B. Klimawandel, Armut).

    • Pull-Faktoren = Gründe, die Menschen in ein anderes Land ziehen (z. B. Sicherheit, Wohlstand).

    • Klimawandel ist kein alleiniger Fluchtgrund, sondern verstärkt bestehende Probleme (Armut, Hunger, Gewalt).

  • Mediale & politische Instrumentalisierung

    • Konservative & rechte Gruppen benutzen „Klimaflucht“ als Angstszenario für einen „Massenansturm“.

    • Dadurch wird das eigentliche Problem – die fehlende Klimapolitik – verharmlost.

  • Soziale Arbeit & Klimaflucht

    • Geflüchtete sind oft Klient*innen Sozialer Arbeit → Klimaflucht = wichtiges Thema für die Profession.

    • Sozialarbeiter*innen haben die Aufgabe, Menschen unabhängig von Fluchtursachen zu unterstützen.

    • Aufruf: Soziale Arbeit soll sich für menschenwürdige Bedingungen für Klimaflüchtlinge einsetzen.


4.3 Menschenrechtsverletzungen durch die Klimakrise

Die Klimakrise verletzt verschiedene Grundrechte:

  • Recht auf Leben & Sicherheit (Artikel 3, Menschenrechtscharta)

    • Extremwetter bedroht Menschenleben & macht ganze Regionen unbewohnbar.

  • Recht auf Nahrung & Wasser (Artikel 25)

    • Klimawandel verursacht Dürren & Ernteausfälle → Hungersnöte nehmen zu.

  • Recht auf Gesundheit (Artikel 12, WSK-Pakt)

    • Klimawandel fördert Krankheiten & Atemwegserkrankungen.

  • Recht auf Wohnraum (Artikel 11, WSK-Pakt)

    • Häuser & ganze Dörfer werden durch Fluten, Stürme & Brände zerstört.

  • Fehlendes „Recht auf eine intakte Umwelt“

    • 1994 forderte die UN ein Umweltrecht, aber es wurde nie rechtlich festgeschrieben.

    • Trotzdem gilt: Leben ist nur in einer gesunden Umwelt möglich.

Besonders betroffen sind vulnerable Gruppen (Arme, Geflüchtete, ältere Menschen).
Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession kann sich hier aktiv einmischen.


Fazit: Warum ist die Klimakrise ein soziales Problem?

  1. Verstärkung sozialer Ungleichheiten:

    • Arme Menschen sind stärker betroffen als Reiche.

    • Industrieländer haben mehr Ressourcen zur Anpassung als Entwicklungsländer.

  2. Zunahme von Klimaflucht:

    • Immer mehr Menschen müssen ihre Heimat verlassen, haben aber keinen Flüchtlingsstatus.

  3. Menschenrechtsverletzungen:

    • Grundrechte auf Nahrung, Wasser, Wohnraum & Gesundheit sind bedroht.

💡 Klimakrise = Soziales Problem → Soziale Arbeit darf sie nicht ignorieren!
💡 Kapitel 5 wird analysieren, welche Rolle die Soziale Arbeit konkret in der Klimakrise spielen kann.

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5. Anknüpfungspunkte für die Soziale Arbeit

Obwohl die Klimakrise klar als soziales Problem erkannt wurde, gibt es kaum Verbindungen zwischen Sozialer Arbeit und Klimaschutz.
Dennoch hat die Soziale Arbeit eine zentrale Rolle, da sie sich mit Machtverhältnissen, sozialer Ungleichheit und Menschenrechten beschäftigt.
Besonders betroffen von der Klimakrise sind:

  • Menschen mit Behinderungen, ältere & kranke Menschen, Kinder, Frauen & Wohnungslose.

Soziale Arbeit darf die Klimakrise nicht ignorieren, sondern muss Verantwortung übernehmen.

Das Kapitel beschreibt Handlungsmöglichkeiten auf vier Ebenen:

  1. Praxisebene (z. B. Umweltbildung in sozialen Einrichtungen)

  2. Politische Ebene (z. B. Klimagerechtigkeit fordern)

  3. Individuelle Ebene (z. B. nachhaltiges Handeln im Berufsalltag)

  4. Hochschulebene (z. B. Integration von Klimathemen in die Ausbildung)


5.1 Handlungspotentiale auf Praxisebene

  • Kaum Forschung & Praxisansätze zur umweltbewussten Sozialen Arbeit.

  • Soziale Arbeit kann Bildung & Bewusstseinsbildung fördern.

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)

  • Eng verknüpft mit den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDGs).

  • Ziel: Menschen befähigen, nachhaltige Entscheidungen zu treffen.

  • Schwerpunkte:

    • Klimaschutz

    • Geschlechtergleichstellung

    • Menschenrechte

    • Frieden & globale Verantwortung

Kinder- und Jugendarbeit

  • Jugendliche haben große Angst vor der Klimakrise (SORA-Umfrage 2022: zweithäufigste Angst nach Krieg).

  • Fridays-for-Future (FFF) zeigt: Junge Menschen sind hoch engagiert.

  • Soziale Arbeit kann helfen:

    • Emotionale Unterstützung bei Klimaangst.

    • Politische Bildung fördern (aber ohne Instrumentalisierung).

    • Selbstwirksamkeit stärken: Jugendlichen zeigen, dass ihr Engagement etwas bewirken kann.

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Nachhaltigkeit in sozialen Einrichtungen

  • Studie aus 2015:

    • 60 % der sozialen Einrichtungen messen Nachhaltigkeit keine große Bedeutung bei.

    • Kaum Weiterbildungen zu Nachhaltigkeit.

    • Mülltrennung wird umgesetzt, aber Erneuerbare Energien & nachhaltige Mobilität fehlen.

  • Soziale Einrichtungen sollten umweltfreundlicher gestaltet werden, z. B. durch:

    • Energieeffiziente Gebäude.

    • Nachhaltige Kantinen.

    • Ökologisch verantwortliche Beschaffung.

Klimaschutz sollte fester Bestandteil sozialer Einrichtungen sein!

Green Social Work (GSW)

  • Zentrale Idee: Soziale Gerechtigkeit & Umweltgerechtigkeit sind untrennbar.

  • Holistischer Ansatz: Berücksichtigt Armut, Umweltverschmutzung & Klimakrise gemeinsam.

  • Ziel: Nachhaltige Ressourcenverteilung & Veränderung des Systems.

Soziale Arbeit sollte sich stärker mit GSW auseinandersetzen & Umweltgerechtigkeit in die Praxis einbringen.


5.2 Auf politischer Ebene

  • Soziale Arbeit ist keine neutrale Professionsie muss sich politisch einmischen.

  • Sozialarbeitende sollten aktiv hinterfragen:

    • Woher kommen soziale Probleme?

    • Welche Rolle spielt die Politik?

    • Welche Maßnahmen sind nötig?

Wie kann sich Soziale Arbeit politisch engagieren?

  1. Öffentlichkeitsarbeit:

    • Blogs, Leserbriefe, Fachartikel schreiben.

    • Diskurse über soziale Ungleichheit & Klimakrise anregen.

  2. Bündnisse mit anderen Berufsgruppen & NGOs schließen.

  3. Kritische Fragen in Debatten stellen & politischen Druck ausüben.

  4. Soziale Bewegungen unterstützen (z. B. Fridays-for-Future).

Soziale Arbeit & soziale Bewegungen

  • Historisch war Soziale Arbeit immer mit sozialen Bewegungen verbunden (z. B. Frauenbewegung, Arbeiterbewegung).

  • Fridays-for-Future beruft sich auf MenschenrechteSoziale Arbeit sollte diese Bewegung unterstützen.

  • Bisher gibt es keine offizielle Positionierung der Sozialen Arbeit zu FFF.

Soziale Arbeit sollte sich klar für Klimagerechtigkeit positionieren.


5.3 Auf individueller Ebene

  • Sollten Sozialarbeiter*innen persönlich umweltbewusst leben?

  • Frage der Verantwortung:

    • Ist es wichtig, dass einzelne Personen CO₂ sparen?

    • Oder muss nur die Politik handeln?

💡 Expertenmeinung:

  • Jede*r kann einen Beitrag leisten, aber strukturelle Veränderungen sind entscheidender.

  • Sozialarbeiter*innen haben eine Vorbildfunktion.

  • Sie sollten ihre Rolle als Multiplikator*innen wahrnehmen & Klimathemen in ihren Arbeitsalltag integrieren.

Beispielhafte Rollen von Sozialarbeitenden nach Dominelli (2018):

  • Beschützer*innen: Achten darauf, Menschen & Natur nicht zu schaden.

  • Bewusstseinsschaffende: Vermitteln wissenschaftliche Erkenntnisse über die Klimakrise.

  • Curriculum Changers: Setzen sich für Umweltbildung in der Ausbildung ein.


5.4 Auf Hochschulebene

💡 Ausbildung ist der Schlüssel für eine klimabewusste Soziale Arbeit.

Problem: Klimathemen sind in der Ausbildung Sozialer Arbeit kaum vertreten.

  • Studiengänge haben selten feste Module zu Klimagerechtigkeit.

  • Es fehlt an Lehrplänen, die Umweltthemen systematisch einbinden.

Lösungsansätze für Hochschulen:

  1. Erweiterung bestehender Lehrpläne um Klimathemen.

  2. Anbieten zusätzlicher Kurse zu Nachhaltigkeit & Klimaschutz.

  3. Komplette Transformation der Curricula:

    • Umweltbildung als Querschnittsthema in allen Modulen.

    • Integration von sozial-ökologischen Konzepten & indigenem Wissen.

💡 Student*innen können selbst Druck auf Hochschulen ausüben, um Veränderungen anzustoßen!


Fazit: Welche Rolle sollte Soziale Arbeit in der Klimakrise spielen?

  1. Auf Praxisebene:

    • Nachhaltigkeit in sozialen Einrichtungen fördern.

    • Umweltbildung in der Sozialarbeit verankern.

  2. Auf politischer Ebene:

    • Sich für Klimagerechtigkeit & soziale Bewegungen einsetzen.

    • Klimaflucht als politisches Thema ansprechen.

  3. Auf individueller Ebene:

    • Nachhaltigkeit in den Berufsalltag integrieren.

    • Verantwortung als Multiplikator*innen wahrnehmen.

  4. Auf Hochschulebene:

    • Klimathemen fest in Studiengänge der Sozialen Arbeit integrieren.

💡 Die Soziale Arbeit kann und sollte eine Schlüsselrolle in der Bewältigung der Klimakrise spielen!
💡 Klimagerechtigkeit = soziale Gerechtigkeit = Kernaufgabe der Sozialen Arbeit.

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Fazit

Die Klimakrise ist eine ernsthafte Bedrohung für die Umwelt, den Menschen und das gesamte Leben auf der Erde.
Die Soziale Arbeit hat den Auftrag, soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte zu schützen.
Diese Arbeit untersuchte, welche Verbindungen zwischen Sozialer Arbeit & Klimakrise bestehen und welche Handlungsoptionen sich daraus ergeben.

Forschungsfrage: 👉 „Welche Relevanz hat die Klimakrise für die Soziale Arbeit und welche Implikationen ergeben sich daraus für Sozialarbeitende sowie für Einrichtungen und Ausbildungsstätten Sozialer Arbeit in Österreich?“


Zusammenfassung der Ergebnisse

  1. Die Klimakrise ist nicht nur ökologisch, sondern auch ein soziales Problem.

    • Sie verschärft soziale Ungleichheiten.

    • Sie bedroht Menschenrechte (z. B. Recht auf Nahrung, Gesundheit & Wohnraum).

    • Sie verursacht Klimaflucht & erzwungene Migration.

  2. Soziale Arbeit hat einen politischen Auftrag (Tripelmandat).

    • Sie darf sich nicht auf Einzelfallhilfe beschränken.

    • Sie muss sich aktiv für Klimagerechtigkeit & soziale Transformation einsetzen.

  3. Es gibt viele Anknüpfungspunkte für die Soziale Arbeit:

    • Praxisebene: Umweltbildung, Bewältigung von Klimaangst bei Jugendlichen, Nachhaltigkeit in sozialen Einrichtungen.

    • Politische Ebene: Unterstützung sozialer Bewegungen wie Fridays for Future, Forderung nach Klimaschutzmaßnahmen.

    • Individuelle Ebene: Bewusstsein für Klimaschutz in den Berufsalltag integrieren.

    • Hochschulebene: Integration von Green Social Work & Klimathemen in die Ausbildung.

  4. Soziale Arbeit sollte nicht Einzelpersonen für die Klimakrise verantwortlich machen.

    • Systemische Veränderungen sind notwendig.

    • Es wäre falsch, Klient*innen ein klimafreundliches Verhalten „vorschreiben“ zu wollen.

    • Die Verantwortung liegt primär bei der Politik & Wirtschaft.

Ergebnis:
👉 Soziale Arbeit kann und sollte sich aktiv in den Klimaschutz einbringen – nicht als Einzelmaßnahme, sondern als langfristige gesellschaftliche Veränderung.


Ausblick – Potenzial für weitere Forschung

  • Klimakrise in spezifischen Arbeitsfeldern untersuchen:

    • Wohnungslosenhilfe, Suchthilfe, Arbeit mit älteren Menschen, Jugendhilfe, Migration & Asyl.

  • Befragung von Sozialarbeitenden:

    • Wie sehen sie den Zusammenhang zwischen Sozialer Arbeit & Klimakrise?

    • Wie setzen sie Klimaschutz in ihrer Praxis um?

  • Erweiterung der Sozialarbeitsausbildung:

    • Wie können ökologische Themen fest in Curricula integriert werden?

💡 Einschränkung dieser Arbeit:

  • Aufgrund des Umfangs konnte nicht auf alle Aspekte eingegangen werden (z. B. Gemeinwesenarbeit, internationale Soziale Arbeit).

  • Ungeklärt bleibt, ob Sozialarbeitende auch privat eine moralische Verpflichtung haben, klimafreundlich zu leben.


Schlussgedanke: Verantwortung der Sozialen Arbeit

  • Ist Soziale Arbeit „nur ein Job“ oder eine gesellschaftliche Verantwortung?

  • Kann sich ein Sozialarbeiter außerhalb der Arbeitszeit von politischen Themen abgrenzen?

  • Wenn Soziale Arbeit sich auf Menschenrechte beruft, muss sie dann nicht aktiv für Klimagerechtigkeit kämpfen?

💡 Motivierende Abschlussworte (Zitat einer Studierenden):

„Ich fühle Hoffnung, weil ich merke, dass ich nicht alleine bin und sehe, dass es möglich ist, Dinge zu verändern. Diese Hoffnung gibt mir – und uns – die Kraft, nicht aufzugeben und weiter für eine klimagerechte Welt zu kämpfen.“ (Lisa Trettler, 2022)


Fazit in einem Satz:

👉 Die Soziale Arbeit kann und muss eine Rolle in der Bekämpfung der Klimakrise spielen – durch politische Einmischung, Umweltbildung & strukturelle Veränderungen in der Praxis und Ausbildung.