Umfassende Studiennotizen zur Histologischen Technik und Mikroskopie
Grundlagen der Kameratechnik in der Mikroskopie
ROI (Region of Interest)
- Ein kleinerer Bildausschnitt f%C3%BChrt zu einer geringeren Datenmenge.
- Resultat ist eine h%C3%B6here Bildrate.
Binning
- Mehrere Pixel werden zusammengefasst.
- Dies f%C3%BChrt zu einer h%C3%B6heren Empfindlichkeit und Geschwindigkeit.
Einchipkamera
- Arbeitet mit einem Bayer-Filter.
- Nutzt Farbinterpolation zur Bilddarstellung.
Dreichipkamera
- Verwendet drei separate Sensoren und ein Prisma.
- Erm%C3%B6glicht h%C3%B6chste Farbgenauigkeit ohne die Notwendigkeit einer Interpolation.
- Vorteile:
- Sehr hohe Aufl%C3%B6sung.
- Exakte Farbwiedergabe durch Aufteilung des Lichts in Rot, Gr%C3%BCn und Blau mittels Prisma.
- Jeder Bildpunkt erh%C3%A4lt vollst%C3%A4ndige RGB-Werte.
- Nachteile:
- Teurer in der Anschaffung.
- Komplexer technischer Aufbau.
- Geringere Lichtempfindlichkeit.
Materialgewinnung und Fixierung
Gewinnung der Probe
- Biopsie: Entnahme einer kleinen Probe lebenden Gewebes.
- Ektomie: V%C3%B6lliges Entfernen eines Organs.
- Resektion: Operative Teilentfernung.
Zweck der Fixierung
- Erhaltung des Ist-Zustandes der Zelle (Stopp des Zellstoffwechsels).
- Stopp von Autolyse- und F%C3%A4ulnisprozessen (Nekrose nach Sauerstoffmangel).
- Konservierung von Gewebeaufbau, Strukturen und Zellkomponenten.
- Erhalt der Nachweisbarkeit von Zellinhalten (Antigenintegrit%C3%A4).
- Begrenzung von Extraktion, Diffusion und Verdr%C3%A4ngung.
- Stabilisierung f%C3%BCr nachfolgende Schritte wie Dehydrierung und Einbettung.
Anforderungen an Fixiermittel
- Schnelle Durchdringung des Gewebes.
- Reproduzierbarkeit der Ergebnisse.
- Freilegung von Epitopen (oder zumindest Erm%C3%B6glichung der Demaskierung).
- Unempfindlichkeit gegenüber pH-Wert, Temperatur und Zeit.
- Preiswert und einfach zu entsorgen.
- Gesundheitliche Unbedenklichkeit (in der Praxis oft nicht erf%C3%BCllt).
Methoden der Fixierung
- Thermische Fixierung (Hitzefixierung):
- Mittels Flammen oder Mikrowellen.
- H%C3%A4ufig in der Mikrobiologie genutzt (z. B. Gramf%C3%A4rbung von Bakterienausstrichen).
- Kryofixierung (Gefrierfixierung):
- Sehr schnelles Einfrieren (z. B. mit fl%C3%BCssigem Stickstoff), um Eiskristallbildung zu vermeiden.
- Vorteile: Sehr guter Strukturerhalt, keine Proteindenaturierung, geeignet f%C3%BCr empfindliche Enzyme.
- Anwendung: Schnellschnitte; kein Einbetten n%C3%B6tig, erfordert aber konstante tiefe Temperaturen.
- Thermische Fixierung (Hitzefixierung):
Chemische Fixierung
Gerinnungsmittel / Koagulantien
- Wirkungsweise: Entzug der Hydratationsh%C3%BClle von Proteinen; hydrophobe Bereiche gelangen nach au%C3%9Fen.
- F%C3%BChrt zur Denaturierung und Zerst%C3%B6rung der Terti%C3%A4rstruktur.
- Beispiele: Alkohole (Methanol, Ethanol, Isopropanol), Aceton, Salze (Ammoniumsulfat).
- Vorteile: Schnelles Eindringen, guter Erhalt von Antigenbindungsstellen, gut f%C3%BCr Ausstriche und Enzymnachweis.
- Nachteile: Starkes Schrumpfen des Gewebes, schlechte Morphologieerhaltung, Extraktion von Lipiden und Membranproteinen.
Vernetzungsmittel
- Wirkungsweise: Bildung kovalenter Bindungen innerhalb und zwischen Molek%C3%BClen.
- Formaldehyd:
- Standard: Neutral gepufferte, w%C3%A4ssrige L%C3%B6sung (ca. bei pH 7,4).
- Vorteile: Wenig denaturierend, Sekund%C3%A4rstruktur bleibt erhalten, desinfizierend, schnelle Penetration, kaum Schrumpfung.
- Nachteile: Giftig, ätzend, karzinogen; vernetzt keine Lipide; löst niedermolekulare Kohlenhydrate.
- Glutaraldehyd:
- Bifunktioneller Vernetzer, bildet Polymere.
- Vorteile: Zellstruktur sehr gut erhalten; ideal f%C3%BCr die Elektronenmikroskopie.
- Nachteile: Macht Gewebe spr%C3%B6de, deformiert -Helices; verursacht unerw%C3%BCnschte Eigenfluoreszenz.
Wirkungen auf biologische Makromolek%C3%BCle und Fehlerquellen
Proteine: Formaldehyd stabilisiert Peptide; Alkohole f%C3%BChren zur Denaturierung.
Kohlenhydrate: Glykogen wird oft durch den Proteinanteil mitfixiert. Alkohole f%C3%A4llen Kohlenhydrate aus.
Lipide: Werden durch organische L%C3%B6sungsmittel extrahiert. Fixierung m%C3%B6glich durch Vernetzung unges%C3%A4ttigter Lipide mit Osmiumtetroxid.
Nukleins%C3%A4uren: Stabilisierung der r%C3%A4umlichen Anordnung durch Fixierung des Proteinanteils (z. B. Histone).
Technische Probleme und Artefakte:
- Schrumpfung/Quellen: Durch osmotische Effekte.
- Substanzflucht: Konzentrationsverschiebung weg von der Eindringrichtung.
- Überfixation: Zu starke Vernetzung erschwert die Demaskierung von Antigenen.
- Autolyse: Tritt auf, wenn die Zeit zwischen Entnahme und Fixierungsstart zu lang ist.
Dehydrierung, Clearing und Einbettung
Dehydrierung (Entw%C3%A4ssern)
- Überf%C3%BChrung von w%C3%A4ssriger Umgebung in hydrophobes Paraffin.
- Durchf%C3%BChrung mittels einer aufsteigenden Alkoholreihe (z. B. Ethanol %E2%86%92 %E2%86%92 %E2%86%92 ).
Clearing (Aufhellen)
- Intermedium zwischen Alkohol und Paraffin (beides muss mischbar sein).
- H%C3%A4ufig verwendet: Xylol.
- Effekt: Macht das Gewebe durchscheinend, da der Brechungsindex angepasst wird.
Einbetten
- Anforderungen an das Medium: Schmelzpunkt zwischen , homogene Infiltration, stabil bei Lagerung, ungiftig.
- Paraffin ist das g%C3%A4ngigste Medium.
Schneiden und Mikrotomie
Schnittdicke
- Lichtmikroskopie: (m%C3%B6glich bis ).
- Elektronenmikroskopie (EM): .
- Dichtes Gewebe (Niere, Lymphknoten): .
- Hartes Gewebe (Knochen): .
Arbeitsschritte beim Schneiden
- Bl%C3%B6ckchen k%C3%BChlen.
- Objekttr%C3%A4ger beschriften.
- Messer und Block einspannen.
- Anschneiden und Feinschneiden.
- Schnitt im Wasserbad strecken.
- Aufziehen auf Objekttr%C3%A4ger und Trocknen.
Mikrotom-Typen
- Schlittenmikrotom: Messer beweglich auf horizontaler Ebene.
- Rotationsmikrotom: Messer fixiert, Probe beweglich; ideal f%C3%BCr Serienschnitte.
- Kryostat: Rotationsmikrotom in einer K%C3%BChlkammer (bis ).
- Ultramikrotom: F%C3%BCr EM-Schnitte ().
Haftvermittler (Adh%C3%A4sive)
- Eiwei%C3%9F-Glycerin oder Gelatine.
- Silanisierte Objekttr%C3%A4ger (Aminogruppen).
- Poly-L-Lysin (positiv geladen).
Antigen-Demaskierung und Vorbereitung
Demaskierungsmethoden
- PIER (Proteolytically Induced Epitop Retrieval): Verdau mit Enzymen wie Proteinase K (z. B. bei RT), Trypsin oder Pepsin.
- HIER (Heat-Induced Antigen Retrieval): Einwirkung feuchter Hitze () in Puffern () f%C3%BCr . Verwendet werden Citratpuffer () oder EDTA-Puffer ().
Permeabilisierung
- Einsatz von Detergenzien zur Erh%C3%B6hung der Membrandurchl%C3%A4ssigkeit.
- Triton-X-100: Starkes Detergenz (), durchbricht Membranen.
- Tween 20 / Saponin: Mildere Detergenzien; lassen Plasmamembranen weitgehend intakt.
Blockierung
- Unspezifische Bindungen: Abs%C3%A4ttigung mit Normalserum, BSA oder Milchpulver.
- Endogene Enzyme: Wichtig bei enzymgekoppelten Reaktionen. Endogene Peroxidasen (z. B. in Erythrozyten, Leber) werden mit blockiert, um falsch positive Ergebnisse zu vermeiden.