1. Einheit Historie
Einführung
Eine Vorlesung über die historische Entwicklung der Inklusiven Pädagogik und ihre Grundlagen unter besonderer Berücksichtigung der Bildungsgeschichte von Menschen mit Behinderungen.
Ziele der Lehrveranstaltung
Grundlagenvermittlung:
Die Studierenden sollen mit den Prinzipien und Konzepten der Inklusiven Pädagogik vertraut werden und ein solides Grundverständnis entwickeln.
Begründungskompetenz:
Erwerb von Kenntnissen und Fähigkeiten, die es ermöglichen, schulisches inklusives Handeln theoretisch zu fundieren und argumentativ zu untermauern.
Fachliche Präzision:
Befähigung, Konzepte und Perspektiven der Inklusiven Pädagogik korrekt zu verstehen und fachgerecht zu formulieren.
Inklusive Denkweise:
Eintauchen in ein inklusives Denkmuster mit dem Ziel, dieses zu verstehen und im schulischen Umfeld anwendungsorientiert zu internalisieren.
Wertschätzende Haltung:
Entwicklung einer grundlegenden wertschätzenden Haltung als Basis für inklusives pädagogisches Handeln.
Inhalte der LV
Historische Entwicklung:
Einführung in die Geschichte der Heilpädagogik und ihre Transformation zur Inklusiven Pädagogik unter Berücksichtigung wichtiger historischer Meilensteine.
Begriffliche Grundlagen:
Systematische Einführung in die zentralen Grundbegriffe und Definitionen der Inklusiven Pädagogik und ihre fachliche Abgrenzung.
Theoretische Fundierung:
Vermittlung relevanter Theorien, Konzepte und pädagogischer Modelle, die die Grundlage inklusiver Bildungsprozesse bilden.
Praxisrelevanz:
Kennenlernen und Analyse von Inklusions- und Exklusionsmechanismen im schulischen Kontext und deren Auswirkungen.
Themenübersicht
Geschichte der Bildung von Menschen mit Behinderung:
Historische Entwicklung der Bildungsangebote für Menschen mit Behinderungen vom 16. Jahrhundert bis heute.
Grundbegriffe der Heilpädagogik und Inklusiven Pädagogik:
Terminologische Klärung und Entwicklung des Fachvokabulars im historischen Kontext.
Von Normalisierungskonzepten zur inklusiven Teilhabe.
Paradigmenwechsel in der pädagogischen Herangehensweise und gesellschaftlichen Einstellung.
Behinderung im Spannungsfeld von Gesellschaft und Kultur:
Soziale Konstruktion von Behinderung und kulturelle Einflussfaktoren auf Inklusion und Exklusion. Theorieentwürfe des Fachgebietes.
Vertiefung theoretischer Modelle und Ansätze der Sonderpädagogik und Inklusiven Pädagogik.
Institutionen und ihr pädagogischer Auftrag:
Analyse verschiedener Bildungsinstitutionen entlang der Lebensspanne und ihrer inklusiven Ausrichtung.
Bildung ist ein Menschenrecht:
Rechtliche Grundlagen und internationale Vereinbarungen zur inklusiven Bildung.
Geschichte der Erziehung und Bildung von Menschen mit Behinderung
Anfänge der Heilpädagogik (ca. 16.-17. J.h.)
Fokus auf somatische Schäden (Gehörlosigkeit, Blindheit, kognitive und motorische Beeinträchtigungen).
Pädagogisches Bemühen seit etwa 400 Jahren dokumentiert.
Hintergrund: in Adelshäusern war inzest verbreitet, was Risiko für Erbkrankheiten/ Behinderugen (insb. Gehörlosigkeit) deutlich erhöht
→ Bemühungen für Inklusion waren daher groß, denn ohne Sprache kein Erbrecht, Heiratsrecht, etc.
Erste Ansätze konzentrierten sich primär auf sinnesbehinderte Menschen.
Einfluss der Aufklärung:
Pädagogischer Optimismus prägte das 18. Jahrhundert.
Zentrale Annahme: alle Menschen sind grundsätzlich bildungsfähig
Priester Charles Michel de l'Epée (1712-1789)
entwickelte erstmals Methoden zur Kommunikation mit gehörlosen Kindern.
mit ihm begann Übergang von einzelnen Fördermaßnahmen zu systematischen Bildungsansätze für Menschen mit Behinderungen
→ Gründer der ersten öffentlichen kostenlosen Schule für Gehörlose
Nach Biewer (2010) entwickelte sich die Heilpädagogik als eigenständiges Fachgebiet aus diesen frühen Ansätzen und wurde maßgeblich geprägt durch den aufklärerischen Gedanken der Bildungsfähigkeit aller Menschen.
Behinderung gilt als eine von mehreren Differenzlinien, entlang derer Menschen ausgeschlossen/diskriminiert werden
weitere typische Differenzlinien sind:
Religion, Herkunft, Hautfarbe, Sprache, Sexualität, Alter, sozioökonomischer Status
→ Differenzen wirken intersektional, d.h. sie überlagern sich und verstärken soziale Benachteiligungen
Chronologie der ersten heilpädagogischen Schulen
Zuvor: keine Pflichtschule für Menschen mit Behinderung (stattdessen wurden sie zuhause „versteckt“)
1770: Gründung der ersten Taubstummenschule durch Abbé de l'Epée (Priester Charles Michel) mit gebärdensprachlicher Methode.
1779: Etablierung der "Wiener Methode" (Mischmethode) für gehörlose Kinder durch Stork/May in Österreich.
Gebärden und Fingeralphabet waren Mittel zum Zweck, Lautsprache und Schrift waren eigentliche Bildungsziele
1772: Erste Elementarschule für blinde Kinder (Paris)
1832: Gründung einer Blindenschule in München.
1898: Einrichtung von Berliner Nebenklassen als Vorläufer der Grundschulen für Kinder mit besonderen Bedürfnissen.
Nebenklassen= zusätzliche Inklusionsklassen in regulären Schulen
1905: Entstehung der ersten Sprachheilschulen in Hamburg und Berlin (für Kinder mit Sprach- und Sprechstörung)
→ zeigt, wie sich spezialisierte Bildungseinrichtungen für unterschiedliche Behinderungsformen im Verlauf des 18. und 19. Jahrhunderts etablierten und differenzierten.
Pädagogik bei Verhaltensstörungen im 19. Jahrhundert
In 19. J.h. waren Verhaltensauffälligkeiten keine individuellen Störungen, sondern Ergebnis sozialer „Verwahrlosung“ (Vernachlässigung der Kinder)
Pioniere der verhaltensorientierten Pädagogik:
Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827) gründete auf seinem Gut Neuhof (Schweiz) eine Einrichtung für verwahrloste Kinder.
In Deutschland entstanden im 19. Jahrhundert erste Heimerzieherprojekte als Reaktion auf Kriegsfolgen.
Johann Heinrich Wichern widmete sich in Hamburg verwahrlosten Kindern, deren Situation durch die Industrialisierung verschärft wurde.
Die Industrialisierung führte zu massiven sozialen Umwälzungen:
Landflucht
Auflösung traditioneller Familienstrukturen
Kinderarbeit unter unmenschlichen Bedingungen
Extreme Armut in den Städten.
Während Eltern (nun auch Mütter) in Fabriken arbeiteten, verwahrlosten Kinder zuhause, oder waren selbst industrielle Arbeitskraft
Erste Bildungsmaßnahmen bei körperlicher Beeinträchtigung
Zuvor: Kinder mit körperlicher Beeinträchtigung galten als „nicht bildungsfähig“ (Vorraussetzung für Unterricht war sitzen, schreiben, arbeiten können)
Medizinische Einrichtungen:
Im frühen 19. Jahrhundert wurden neue medizinische Einrichtungen etabliert, die sich speziell auf die orthopädische Versorgung konzentrierten.
Auslöser: Kriege → viele verwundete Soldaten → steigender Bedarf an Prothesen/ orthopädische Hilfsmittel
Johann Georg Heine (1816):
Gründer einer orthopädische (Heil-)anstalt (Würzheim), in der medizinische Hilfsmittel für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen entwickelt wurden.
=medizinische „Herstellung von Funktionsfähigkeit“ als Vorrausssetzung für Bildung und Vorstufe pädagogischer Förderung
Erste Krüppelschule:
Johann Nepomuk Edler richtete in München die erste spezialisierte Schule für Kinder mit körperlichen Beeinträchtigungen ein, die damals als "Krüppelschule" bekannt war.
Diese Entwicklungen markieren den Beginn eines systematischen Bildungs- und Versorgungsansatzes für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen, wobei zunächst medizinische Aspekte im Vordergrund standen, bevor pädagogische Konzepte entwickelt wurden.
Erste Anstalten für Menschen mit geistiger Behinderung
Zuvor: Menschen mit geistiger Behinderung wurden:
innerhalb der Familie versteckt gehalten
in Armenhäusern untergebracht
in allgemeinen "Irrenanstalten" ohne Bildungsangebote verwahrt.
als "von Dämonen besessen" betrachtet und entsprechend behandelt.
→ Institutionelle Anfänge in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts:
Errichtung von Anstalten für "Kretine, Blödsinnige oder Idioten" (historische Terminologie, heute diskriminierend).
Guggenmoos:
Übernahm 1816 in Hallein bei Salzburg erste systematische Bildungsversuche bei geistig behinderten Kindern.
Entwickelte eine Art Lehrplan für den Unterricht geistig behinderter Kinder - ein methodischer Meilenstein.
Guggenbühl:
Einflussreiche Heimgründungen von Guggenbühl (Schweiz) führen zu Etablierung neuer Standards.
← Anstalten ersetzten bloße Verwahrung durch erste systematische Bildungsversuche (blieben aber stark institutionell, defizitorientiert)
Arzt Edouard Séquin und sein pädagogisches Erbe
Jean Itard und der "Wolfsjunge":
Jean Itard arbeitete um 1800 mit dem "Wolfsjungen" Victor von Aveyron, einem Kind, das ohne menschlichen Kontakt in der Wildnis aufwuchs.
Neben Victor von Aveyron war Kasper Hauser (1828 in Nürberg) bekanntester „Wolfsjunge“ Fall
"Wolfsjunge"= Kinder, die in völliger Isolation von Menschen (teilweise bei Tieren) aufwuchsen und keine Sozialisation erfuhren
Folge: extreme kognitive und soziale Entwicklungsstörung, insb. der Sprache
→ Erstsprache entwickelt sich mit ca. 3 Jahren, wenn dies nicht bis zum 12/13 L.j. erfolgt, ist das Erlernen nicht mehr möglich, d.h. folglich auch keine Lese- & Schreibfähigkeiten
sein Erziehungsversuch mit dem „wilden“ scheiterte → Anregung und Ansporn für Sequin
Séquins pädagogisches Projekt:
Edouard Séquin (ein Schüler Jean Itards) entwickelte 1840 in Paris ein wegweisendes Bildungsprojekt für Kinder mit geistiger Behinderung.
Zentrale Annahme: Kinder mit geistiger Behinderung sind lernfähig (keine Heilung, aber soziale Existenz durch Pädagogik möglich)
Entwicklung verläuft nicht grundsätzlich anders, sondern nur langsamer → Unterricht muss sich an Entwicklungsstand, nicht Lebensalter orientieren
Didaktische Materialien:
Séquin erarbeitete innovative didaktische Materialien (gezielt entwickelte Lermaterialien) zum Erwerb von Schreib-, Lese- und Rechenfähigkeiten für Kinder mit kognitiven Einschränkungen.
Lernen über Körper und Sinne, da abstrakte Sprache oft nicht zugänglich ist
Weiterentwicklung durch Montessori:
60 Jahre später adaptierte die italienische Ärztin und Pädagogin Maria Montessori sein Konzept und entwickelte es zu einer bis heute erfolgreichen pädagogischen Methode weiter.
Bildung für Schüler*innen mit Lernstörungen
Ausgangspunkt: mit der Einführung der Pflichschule wurde sichtbar, dass ein Teil der Kinder im regulären Unterricht dauerhaft nicht mithalten konnten → sie galten als „schwachbefähigte“ und „lernschwache“
Heinrich Ernst Stötzner (1832-1910):
Veröffentlichte die richtungsweisende Schrift "Schule für schwachbefähigte Kinder", die einen konzeptionellen Rahmen für spezialisierte Bildungsangebote schuf.
Hilfsschulen in Deutschland:
Stötzners Konzept bildete die Grundlage für die Entstehung der „Hilfsschulen“ oder „Schulen für Lernbehinderungen“, die in Deutschland bis 1970 unter dieser Bezeichnung existierten
war fördernd gemeint, aber führten faktisch zu dauerhaften Aussonderungen
Allgemeine Sonderschulen in Österreich:
In Österreich entwickelten sich parallel dazu die Allgemeinen Sonderschulen (ASO), die auf ähnlichen pädagogischen Prinzipien basierten, jedoch eine andere institutionelle Tradition begründeten.
Sonderschule= Schule für schwach befähigte/ Personen mit Lernstörungen → häufig besucht von
Kindern mit Migrationshintergrund
Kinder aus sozial benachteiligten Familien (schlechtem sozioökonomischen Status)
überproportional Jungs
kritische Perspekive: Historisch galten sie als Lösung für Lernstörungen, heute werden sie aufgrund von Stigmatisierung, Diskriminierung, etc. kritisch betrachtet
WICHTIG: Inklusive Pädagogik ist GEGEN Sonderschulen, sondern Schulen für alle
Die Entwicklung spezialisierter Bildungsangebote für Kinder mit Lernstörungen markiert einen wichtigen Schritt in der Differenzierung des heilpädagogischen Feldes in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und legte damit den Grundstein für die spätere sonderpädagogische Förderung
Entwicklung der Sprachheilpädagogik
Frühe Beschreibungen:
Sprachstörungen wie Stottern und Stammeln wurden bereits im 19. Jahrhundert systematisch beschrieben und als pädagogische Herausforderung erkannt.
Sprache war zentrale Vorraussetzung für schulisches Lernen
Erste Förderklassen:
Bevor eigenständige Sprachheilschulen gegründet wurden, existierten bereits spezielle Klassen für Kinder mit Sprachproblemen innerhalb der etablierten Hilfsschulen.
kein eigener Förderbereich, sondern Teil allg. Lernprobleme
Medizinische Verankerung:
Der Berliner Mediziner Gutzmann leistete Pionierarbeit für die Verankerung der „Sprachheilkunde als klinisches Fach“ an der Universität
= etablierte Sprachstörungen als medizinisch erforschbares Phänomen an der Univrsität
→ schuf damit wissenschaftliche Grundlage.
Institutionalisierung:
1905: Gründung der ersten eigenständigen Sprachheilschule in Hamburg und Berlin , was einen Meilenstein in der Geschichte der spezialisierten Sprachförderung darstellt
→ Sprachstörnfgne wurden als eigenständiger sonderpädagogische Förderbedarf erkannt
Die Sprachheilpädagogik entwickelte sich an der Schnittstelle zwischen Medizin und Pädagogik und dient als Beispiel für die zunehmende Spezialisierung und Differenzierung der heilpädagogischen Disziplinen zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Früher: Sprachheilpädagogik sehr auf medizinischen Aspekt bezogen (Sprachproblem= Krankheit)
dann: Pädagogischer Aspekt wächst zunehmend → die beiden Bereiche treffen sich und arbeiten zusammen
bis 1990 Ausdifferenzierung (immer mehr „extra- Schulen“):
Förderschule für verschiedene Beeinträchtigungen und bei niedrigem IQ
Förderschule für Menschen mit Behinderung und komplexen Behinderungen
Heilpädagogik im 19. Jahrhundert
Heilpädagogik= pädagogisches Fach, das sich mit Erziehung, Bildung, Förderung von Menschen it Behinderungen beschäftigt
Konzeptionelle Grundlagen und Institutionalisierung:
Der Begriff "Heilpädagogik" wurde 1861 von Jan Daniel Georgens und Heinrich Marianus Deinhardt eingeführt und etablierte sich als Fachterminus (Fachbegriff) der Pädagogik
aber → stark von medizinisch-psychiatrischen Sichtweisen dominiert.
Georgens und Deinhardt:
1856 gründeten Georgens und Deinhardt die "Heilpflege und Erziehungsanstalt Levana" in Baden bei Wien.
Bemerkenswert: Georgens betonte bereits damals die positive Wirkung des Umgangs der "Idioten" mit den gesunden Kindern (Gstach 2008) = Früher Integrationsgedanke, lange vor moderner Inklusionspädagogik
Medizinische Prägung:
Die Heilpädagogik des 19. Jahrhunderts war stark von Medizinern geprägt, die als Pioniere der pädagogischen Arbeit mit behinderten Kindern fungierten.
Folge: Behinderung primär verstanden als Krankheit, Defizit, Normabweichung
Diese medizinische Dominanz prägte das Selbstverständnis der Heilpädagogik bis weit ins 20. Jahrhundert hinein.
Entstehung der Hilfsschulen:
Die Hilfsschulen entstanden als institutionelle Antwort auf die Bedürfnisse von Kindern, die dem regulären Unterricht nicht folgen konnten
bildeten den Grundstein für das später ausdifferenzierte Sonderschulwesen.
Prinzip: Förderung durch Aussortierung
Hilfsschulen werden heute in Österreich als Sonderschulen oder Förderzentren bezeichnet, wobei im Zuge der inklusiven Bildung zunehmend integrative und inklusive Schulmodelle an ihre Stelle treten
→ historisch wichtig, heute kritisch bewertet
Die NS-Zeit - Bruch in der heilpädagogischen Entwicklung:
Erbhygiene und Eugenik:
Schon vor der NS-Zeit verbreiteten sich eugenische Gedanken und Theorien über "starke" und "weniger lebensfähige" Rassen (Ende 19. bis Anfang 20. J.h.)
Eugenik: pseudowissenschaft, die Menschen mit „wünschenswerten“ Merkmalen fördert (positive Eugenk) und jene mit „unerwünschten“ Merkmalen hemmt (negative Eugenik)
Erbhygiene= deutscher, offizieller Begriff der NS- Zeit
Ziel: "Verbesserung" des menschlichen Erbguts durch selektive Fortpflanzung (negative Eugenik)
Ideologische Grundlagen:
1920: "Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens" von Binding/Hoch
→ lieferte ideologische Rechtfertigungen für spätere Verbrechen (Tötung bestimmter „lebensunwerter“ Menschen sei rational und gesellschaftlich nützlich)
Zwangssterilisationen:
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten begannen systematische Zwangssterilisationen von Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen.
Ziel: Verhinderung der „Weitergabe minderwertigen Erbguts“
Rolle der Hilfsschulen:
Hilfsschulen wurden angehalten, auf die "Pflege des Erbgutes" zu achten und potenzielle Kandidaten für Zwangssterilisationen zu identifizieren.
Euthanasie-Programme:
Ärzte erhielten die Befugnis, in Gutachten über das Weiterleben von Menschen mit Behinderungen zu entscheiden, was schließlich in systematische Euthanasie-Programme mündete.
Euthanasie= "guter Tod (für die Gesellschaft)"
im NS-Regime: verharmlosender Begriff für die systematische Ermordung von Menschen mit Behinderungen (und anderen Differenzlinien)
= gesetzliche Erlaubns/ Freigabe, vom „Töten von lebensunwertem Leben“, d.h. von allen Personen, die von genau definierter Norm abweichen
Plätze der Hinrichtung waren bspw. Schloss Hartheim, Maria Gugging
Diese Periode stellte einen fundamentalen Bruch mit der humanistischen Tradition der Heilpädagogik dar.