Studiennotizen: Wissenstest Elektrofachkraft 16,7 Hz Oberleitungsanlagen

Voraussetzungen und Kernaufgaben der Elektrofachkraft (Efk)

Die Ernennung zur Elektrofachkraft (16,7Hz16,7\,Hz) f##r Oberleitungsanlagen unterliegt strengen Anforderungen an Ausbildung, Erfahrung und Kompetenz.

Voraussetzungen f##r die Ernennung Die Ernennung zur EfkEfk erfordert eine Kombination aus formaler Qualifikation und praktischer Erfahrung:

  • Ausbildung: Erfolgreich abgeschlossene fachspezifische Ausbildung.
  • Praxiszeit: Richtzeiten bewegen sich in einem Rahmen von 33 Monaten bis zu 55 Jahren.
  • Fachkenntnis: Nachweis tiefergehender theoretischer und praktischer Kenntnisse.

Definition der Efk f##r Oberleitungsanlagen Eine EfkEfk zeichnet sich dadurch aus, dass sie aufgrund ihrer fachlichen Ausbildung, ihrer Kenntnisse und Erfahrungen sowie der Kenntnis einschl##giger Normen und Bestimmungen die ihr ##bertragenen Arbeiten beurteilen und m##gliche Gefahren eigenst##ndig erkennen kann.

Aufgaben und Befugnisse

  • Schadenserkennung: EfkEfk m##ssen offensichtliche Sch##den und Unregelm###igkeiten an Oberleitungsanlagen sicher identifizieren.
  • Eigenverantwortung: Sie sind berechtigt, alle Arbeiten an Oberleitungsanlagen sowie Anlagen der R##ckstromf##hrung und Bahnerdung im Rahmen ihrer Zust##ndigkeit eigenverantwortlich durchzuf##hren.
  • Leitungsfunktion: Sie d##rfen solche Arbeiten leiten und beaufsichtigen.

Sicherheitsabst##nde und Arbeiten in der N##he spannungsf##hrender Teile

Der Schutz vor elektrischen Gefahren hat h##chste Priorit##t, wobei spezifische Abst##nde und Bedingungen gelten.

Regelabst##nde

  • Der einzuhaltende Schutzabstand zur eingeschalteten Oberleitung f##r eine EfkEfk betr##gt 1,50m1,50\,m.

Arbeiten bis auf Isolatorl##nge Diese Bezeichnung bedeutet, dass der Schutzabstand von 1,5m1,5\,m bis auf die Baul##nge des Isolators unterschritten wird. Die Isolatorl##nge umfasst die Baul##nge des Isolators einschlie##lich seiner Kappen und der angebrachten Armaturen.

Voraussetzungen f##r solche Arbeiten:

  • Betriebliche Notwendigkeit: Es m##ssen zwingende betriebliche Gr##nde gegen eine Abschaltung der Oberleitung vorliegen.
  • Dokumentation: Ein Eintrag im Fernsprechbuch ist erforderlich.
  • Aufsicht: Arbeiten d##rfen nur unter Anleitung und st##ndiger, erfahrener Aufsicht pro Arbeitsstelle erfolgen. Die Aufsichtsperson darf keine anderen Arbeiten ausf##hren.
  • Ausr##stung & Umfeld: Entsprechende Kleidung, geeignetes Werkzeug, ein sicherer Standort und gute Beleuchtung sind Pflicht.
  • Einschr##nkung: Direkt am Isolator und den Armaturen darf w##hrenddessen nicht gearbeitet werden.

Bauarten der Regelfahrleitung (Re)

Die verschiedenen Bauarten der Regelfahrleitung sind nach der maximal zul##ssigen Geschwindigkeit (vmaxv_{max}) benannt.

G##ngige Bauarten und Merkmale

  • Re 75: Einsatz in Nebengleisen (z. B. B,BII50B, B II 50) und Anschlu##gleisen. vmax=75km/hv_{max} = 75\,km/h.
  • Re 100: F##r Haupt- und Nebengleise (Br. Fr. St.). vmax=100km/hv_{max} = 100\,km/h.
  • Re 160: Einsatz in Hauptgleisen (BFr.St.B Fr. St.). vmax=160km/hv_{max} = 160\,km/h.
  • Re 200: Ausbaustrecken (BlzII50Blz II 50). vmax=200km/hv_{max} = 200\,km/h.
  • Re 250 / Re 330: Neubauhstrecken. Hohe Zugspannungen und spezielle Seiltypen (Bz70Bz 70 oder BzII120Bz II 120).

Zus##tzliche Bauarten im Netz

  • Tunnelfahrleitung (spezielle Anforderungen).
  • Re75Re 75 Tragseilarm.
  • Re100Re 100 max. 120km/h120\,km/h.
  • Re200Re 200 modifiziert.
  • Regelfahrleitung Baujahr 19501950 (z. B. Bahnhof Dingolfing).

Unterschied Re 100 vs. Re 100 max. 120 Der Unterschied liegt prim##r im H##ngerabstand:

  • Bei Seitenlage b=±40cmb = \pm 40\,cm: Der 1.1. H##nger nach dem St##tzpunkt liegt bei 10m10\,m, alle weiteren im Abstand von max. 12m12\,m.
  • Bei Seitenlage b<±40cmb < \pm 40\,cm: Der 1.1. H##nger liegt bei 5m5\,m, weitere bei max. 12m12\,m.
  • Vordurchhang: 03cm0 - 3\,cm.

Fachbegriffe und Konstruktionsmerkmale

Systemh##he Der senkrechte Abstand zwischen der Unterseite des Fahrdrahtes und der Mitte des Tragseiles, gemessen am St##tzpunkt.

Klemmenfreier Raum Bereich vor und hinter Kreuzungen, in dem keine H##ngerklemmen, Stromklemmen oder sonstige Klemmen am Fahrdraht liegen d##rfen (6001050mm600 - 1050\,mm), um den Auf- und Ablaufbereich des Stromabnehmers nicht zu behindern.

Kettenwerk: Fest oder Beweglich Diese Bezeichnung gibt an, ob bei Abfangungen Radspanner zum Temperaturausgleich vorhanden sind (beweglich) oder nicht (fest).

Festpunkt Einrichtung in der Mitte einer Nachspannl##nge zur Fixierung einer beidseitig beweglich nachgespannten Oberleitung. Er besteht aus Festpunktankerseilen und zwei Kettenwerksschr##gankern (evtl. mit Mastr##ckanker). Ein Festpunkt ist bei Nachspannl##ngen <750m< 750\,m nicht erforderlich.

Nachspannungen und Streckentrennungen

  • Nachspannung: ##bergang von zwei Kettenwerken mit gegenl##ufigen Ausdehnungsrichtungen (Fahrdr##hte im Verh##ltnis 1/31/3, Seilabstand Ts=20cmTs = 20\,cm, Ri=20cmRi = 20\,cm).
  • Streckentrennung (alte Bauart): ##bergang mit gr####eren Abst##nden (Ts=50cmTs = 50\,cm, Ri=45cmRi = 45\,cm) und meist einem Masttrennschalter am Bahnhofsende.
  • Nachspannung neuer Bauart: ##bergang nur in Feldmitte, Seilabst##nde TsTs und RiRi je 45cm45\,cm.
  • 3-feldrig vs. 4-feldrig: Eine 33-feldrige Nachspannung verl##uft ##ber Radspannermast – St##tzpunkt 11 – St##tzpunkt 22 – Radspanner. Die 44-feldrige (oft im Bogen) hat einen zus##tzlichen Zwischenst##tzpunkt.

Radspanner und Zugspannungen

Zugkr##fte

  • Re 75 bis Re 200: Tragseil und Fahrdraht sind mit je 1000kg1000\,kg abgespannt.
  • S-Bahntunnel / Tunnelfahrleitung: Doppelte Zugkraft von 2000kg2000\,kg (2×Ri1002 \times Ri 100, Cu95qmmCu 95\,qmm Tragseil).

Radspanner-Mechanik

  • ##bersetzungsverh##ltnis: 1:31:3.
  • Gewichtssatz: Im Regelfall sind 1313 Gewichtssteine ## 25kg25\,kg vorhanden (325kg325\,kg). Inklusive Zugstange, Grundplatte und Klemmen (ca. 89kg8 - 9\,kg) ergibt sich bei der 1:31:3 ##bersetzung eine Gesamtzugkraft von ca. 1000kg1000\,kg.
  • Abweichungen: Nur 1010 Steine k##nnen auf einen Ri80Ri 80 Fahrdraht oder eine Standzeitverl##ngerung hindeuten.

Instandhaltung und Pr##fungen (Z1 & Z2)

Zustandspr##fungen (Z1,Z2Z1, Z2) dienen der Feststellung und Beurteilung des Ist-Zustandes.

Z1 (Kettenwerkinspektion)

  • Pr##fung von Kettenwerken, St##tzpunkten, Nachspannvorrichtungen und Schutzabst##nden aktiver Teile.
  • Unterscheidung Re 160 / Re 200: Sichtbar an der L##nge des YY-Beiseiles und der H##ngeranzahl (22 kurz vs. 44 lang). Bei Re160Re 160 sind die H##nger zum Gleis parallel, bei Re200Re 200 verschoben.
  • Radspanner: Kontrolle von Seillagen, Seilauflauf, Fanglasche, Gewichtsf##hrung und Gangbarkeit.

Z2 (Infrastrukturinspektion)

  • Pr##fung von Speiseleitungen, Kabelendverschl##ssen, Schaltern, Fundamenten, Masten, H##nges##ulen, Quertragwerken, R##ckstromf##hrung/Bahnerdung, Steuereinrichtungen und Signalen.

Schaltungen und Masttrennschalter (MTS)

Aufbau und Funktion

  • Funkenh##rner: Dienen der Lichtbogentrennung bei Schaltung unter Last und schützen das Kontaktmesser.
  • Strombelastbarkeit: MTS sind f##r 1000A1000\,A (2-teiliges Messer) oder 1700A1700\,A (3-teiliges Messer) ausgelegt. Bei Tausch d##rfen nur noch 1700A1700\,A Varianten verbaut werden.
  • Spezialschalter: 2000A2000\,A Schalter haben keine sichtbaren Kontaktmesser, sondern eine L##schkammer.

Schaltvorg##nge

  • Dreikant-Handantrieb (Ladegleis): Grundstellung ist –AUS–. Zum Einschalten Schlüssel stecken, Verriegelung l##sen, Hebel nach oben. Der Schlüssel darf im –EIN–-Zustand nicht abziehbar sein, damit bei Gefahr sofort abgeschaltet werden kann.
  • Vierkant-Handantrieb: Grundstellung wird durch DBEnergieDB\,Energie festgelegt. Schalthoheit liegt bei der ZesZes (Zentrale Schaltstelle).
  • Schuppenschalter (Werke): Vor Einschalten Pr##fung auf Erdfreiheit. Vor Ausschalten Fahrzeuge abr##sten (Vermeidung von Lastabzug auf Erde).

Bahnerdung und R##ckstromf##hrung

Definitionen

  • Bahnerde: Fahrschienen, die als R##ckleitung genutzt werden und absichtlich mit Erde verbunden sind.
  • Bahnerdung: Verbindung zwischen leitf##higen Teilen und der Bahnerde.
  • Unterschied: Bahnerdung dient dem Personen- und Betriebsmittelschutz; Triebr##ckstromf##hrung ist f##r den Zugbetrieb erforderlich.

Anforderungen

  • Leiter: Mindestens zwei Fahrschienen oder ein Ersatzleiter (1×50qmmCu1 \times 50\,qmm\,Cu) sind n##tig.
  • Bahnsteige: Bauteile m##ssen bei Neu-/Umbau zweifach an verschiedene Schienen geerdet werden.
  • Kr##ne: Ben##tigen Bahnerdung und eine Spannungssicherung zur Vermeidung von Potenzialverschleppung (50Hz50\,Hz Netz vs. 16,7Hz16,7\,Hz Bahnnetz).
  • Erdungsvorrichtung: Seit Ende 20012001 ist ein Querschnitt von 50qmm50\,qmm vorgeschrieben. Abst##nde: Max. 300m300\,m bei Querfeldern, max. 1200m1200\,m bei mechanisch getrennter Oberleitung (800m800\,m bei >25kA> 25\,kA).

Oberleitungs- und Stromabnehmerbereich (Rissbereich) Alle leitf##gigen Teile, die >2m> 2\,m in waagerechter Richtung sind und im Rissbereich liegen, m##ssen bahngeerdet werden. Der Bereich erstreckt sich horizonal 2,00m/4,00m2,00\,m / 4,00\,m von Gleismitte und vertikal bis zum h##chsten Punkt der Oberleitung (8,00m8,00\,m ##ber Schienenoberkante).

Technische Ma##angaben

  • a-Ma##: Mastabstand zwischen zwei Masten.
  • b-Ma##: Seitenlage (Regel: ±40cm\pm 40\,cm mit 3cm3\,cm Toleranz).
  • c-Ma##: Lage zwischen beiden Masten (Regel 0cm0\,cm, max. 37cm37\,cm im Bogen).
  • t-Ma##: Eingrabtiefe des Fundamentes (Fundamentsohle bis Erdaustritt).
  • x-Ma##: Ma## von Fundamentoberkante bis zum tiefsten Punkt des Erdaustrittes.
  • e-Ma##: H##henunterschied zwischen SOSO (Schienenoberkante) und Fundamentoberkante.

Werkstoffe und Seiltypen

Materialerkennung

  • NYY-O 1x50 vs. Isoliertes Tragseil Bz 50: NYYONYY-O ist doppelt isoliert; Bz50Bz 50 erkennt man am Aufbau durch Biegen eines einzelnen Drahtes.
  • Cu 95 vs. Bz 95: Unterscheidung nur durch Biegeprobe einzelner Dr##hte m##glich.

Seilquerschnitte (Beispiele)

  • Bz 10: H##ngerseil (4949 Einzeladern).
  • Bz 50: Tragseil, Quertragwerk (77 Einzeladern).
  • Cu 120 (hochflexibel): St##tzisolator zum beweglichen Schalterteil.
  • StAlu 185/30: Speiseleitung (30qmm30\,qmm Stahlseele, 185qmm185\,qmm Aluminium-Au##enwicklung).

Oberleitungssignale

  • El 1v: Hauptschalter –AUS– erwarten (250m250\,m vor El 1).
  • El 1: Hauptschalter –AUS– (30m30\,m vor Trennung).
  • El 2: Hauptschalter –EIN– (30m30\,m nach Trennung).
  • El 3: B##gel ab Ank##ndigung (250m250\,m vor El 4).
  • El 4: B##gel ab (30m30\,m vor Trennung).
  • El 5: B##gel auf (30m30\,m nach Trennung).
  • El 6: Halt f##r Fahrzeuge mit gehobenem Stromabnehmer.

Arbeitsschutz und Unfallverh##tung

Verhaltensregeln

  • Vor Beginn: Einweisung durch Meister/Gruppenf##hrer vor Ort; Kenntnis ##ber Arbeitsauftrag, Gefahrenstellen und Sicherheitsraum.
  • Besteigen von Triebfahrzeugen (ICE,SBahnICE, S-Bahn): Dachausr##stung muss immer zuerst bahngeerdet werden, da Restladungen in St##rfilter-Kondensatoren gef##hrlich sein k##nnen.
  • R##umzeit: Gleis ohne Eile mit Ger##ten verlassen.
  • Sicherheitsfrist: Mindestens 10Sekunden10\,Sekunden zwischen R##umung und Vorbeifahrt.
  • Gefahrenbereich: Gleisbereich h##ngt von vmaxv_{max} ab (1,85m3,00m1,85\,m - 3,00\,m).

Betriebsanweisungen Enthalten Informationen zu Arbeitsbereich, Verantwortlichen, Gefahren, Schutzma##nahmen, Verhalten bei Unf##llen/St##rungen und Folgen bei Nichtbeachtung. Sie gelten f##r Maschinen, Gefahrstoffe und Bauarbeiten.