Lineare Gleichungssysteme und Geometrie der Kreise und Dreiecke
Lineare Gleichungen mit zwei Variablen (S. 136)
- Definition und Form: Eine lineare Gleichung mit zwei Variablen x und y hat die allgemeine Form a×x+b×y=c, wobei a, b und c gegebene Zahlen sind.
- Lösungsmenge:
* Die Lösungen einer solchen Gleichung sind Paare von Zahlen (x∣y), welche die Gleichung in eine wahre Aussage verwandeln.
* Graphisch betrachtet bilden alle Lösungspaare eine Gerade in einem zweidimensionalen Koordinatensystem.
* Um die Gerade zu zeichnen, wird die Gleichung oft nach y umgestellt: y=m×x+n.
- Darstellungsformen:
* Tabellarisch (Wertetabelle).
* Graphisch (Gerade im Koordinatensystem).
* Algebraisch (Gleichungsform).
Lineare Gleichungssysteme (S. 140)
- Konzept: Ein lineares Gleichungssystem (LGS) besteht aus mindestens zwei linearen Gleichungen mit denselben Variablen (meist x und y). Man sucht die Wertepaare, die beide Gleichungen gleichzeitig erfüllen.
- Graphische Lösung:
* Beide Gleichungen werden als Geraden in ein Koordinatensystem gezeichnet.
* Der Schnittpunkt S(x∣y) der beiden Geraden entspricht der Lösung des Systems.
- Anzahl der Lösungen:
* Genau eine Lösung: Die Geraden schneiden sich in einem Punkt (unterschiedliche Steigungen m1=m2).
* Keine Lösung: Die Geraden sind parallel zueinander (gleiche Steigung m1=m2, aber unterschiedliche y-Achsenabschnitte n1=n2).
* Unendlich viele Lösungen: Die Geraden sind identisch (gleiche Steigung m1=m2 und gleiche y-Achsenabschnitte n1=n2).
Gleichsetzungs- und Einsetzungsverfahren (S. 145)
- Gleichsetzungsverfahren:
* Schritt 1: Beide Gleichungen nach der gleichen Variable auflösen (z. B. nach y oder nach x).
* Schritt 2: Die rechten Seiten der Gleichungen gleichsetzen (z. B. m1×x+n1=m2×x+n2).
* Schritt 3: Die entstandene Gleichung mit nur einer Variablen lösen.
* Schritt 4: Den gefundenen Wert in eine der Ausgangsgleichungen einsetzen, um die zweite Variable zu berechnen.
- Einsetzungsverfahren:
* Schritt 1: Eine der beiden Gleichungen nach einer Variablen auflösen (diejenige, die am einfachsten zu isolieren ist).
* Schritt 2: Den erhaltenen Term für diese Variable in die andere Gleichung einsetzen.
* Schritt 3: Die neue Gleichung nach der verbleibenden Variablen auflösen.
* Schritt 4: Den Wert in die umgestellte Gleichung aus Schritt 1 einsetzen.
Das Additionsverfahren (S. 150)
- Grundidee: Durch Addition oder Subtraktion der beiden Gleichungen wird eine Variable eliminiert.
- Vorgehensweise:
* Schritt 1: Die Gleichungen so multiplizieren (erweitern), dass die Koeffizienten vor einer Variablen (z. B. x) betragsgleich, aber mit entgegengesetztem Vorzeichen vorliegen (z. B. 5x und −5x).
* Schritt 2: Die Gleichungen addieren. Die Variable mit den entgegengesetzten Koeffizienten fällt weg (0).
* Schritt 3: Die resultierende Gleichung nach der verbleibenden Variablen lösen.
* Schritt 4: Den Wert in eine der Ursprungsgleichungen einsetzen, um die andere Variable zu bestimmen.
- Besonderheit: Dieses Verfahren ist besonders effizient, wenn die Variablen bereits untereinander stehen und große Koeffizienten vorliegen.
Probleme mit Gleichungssystemen lösen (S. 155)
- Strategie für Textaufgaben (Modellieren):
* 1. Variablen festlegen: Was ist gesucht? (z. B. x=Preis Apfel, y=Preis Birne).
* 2. Text in Gleichungen übersetzen: Informationen aus dem Aufgabentext als mathematische Beziehungen formulieren.
* 3. LGS lösen: Ein geeignetes Verfahren (Einsetzungs-, Gleichsetzungs- oder Additionsverfahren) wählen.
* 4. Ergebnis prüfen: Macht die Lösung im Kontext Sinn? (Proben durchführen).
* 5. Antwortsatz formulieren.
- Typische Anwendungsgebiete: Mischungsaufgaben, Bewegungsaufgaben (Einholen/Begegnen), Zahlenrätsel und ökonomische Fragestellungen.
Der Satz des Thales (S. 170)
- Definition: Wenn ein Dreieck ABC so konstruiert wird, dass die Seite c (die Strecke AB) der Durchmesser eines Kreises ist und der Punkt C auf dem Kreisrand liegt, dann ist der Winkel bei C (Winkel γ) immer ein rechter Winkel (90∘).
- Thaleskreis: Der Kreis über der Strecke AB mit dem Radius r=21×AB wird Thaleskreis genannt.
- Umkehrung des Satzes: Jedes rechtwinklige Dreieck hat einen Umkreis, dessen Mittelpunkt in der Mitte der Hypotenuse liegt. Der Radius entspricht der halben Hypotenusenlänge.
Mittelsenkrechte und Umkreis (S. 172)
- Mittelsenkrechte: Die Mittelsenkrechte einer Strecke ist die Menge aller Punkte, die von den Endpunkten der Strecke den gleichen Abstand haben. Sie steht senkrecht auf der Mitte der Strecke.
- Umkreis eines Dreiecks:
* Konstruktion: Die drei Mittelsenkrechten der Dreiecksseiten schneiden sich in einem einzigen Punkt, dem Umkreismittelpunkt Mu.
* Eigenschaft: Mu hat zu allen drei Eckpunkten A, B und C den gleichen Abstand ru.
* Lage von Mu: Bei spitzwinkligen Dreiecken innerhalb, bei rechtwinkligen auf der Hypotenuse (Mittelpunkt) und bei stumpfwinkligen außerhalb des Dreiecks.
Winkelhalbierende und Inkreis (S. 177)
- Winkelhalbierende: Die Winkelhalbierende teilt einen Winkel in zwei gleich große Teilwinkel. Jeder Punkt auf ihr hat den gleichen Abstand zu den beiden Schenkeln des Winkels.
- Inkreis eines Dreiecks:
* Konstruktion: Die drei Winkelhalbierenden der Innenwinkel eines Dreiecks schneiden sich im Inkreismittelpunkt Mi.
* Eigenschaft: Der Punkt Mi liegt immer innerhalb des Dreiecks und hat zu allen drei Seiten des Dreiecks den gleichen Abstand ri (den Inkreisradius).
* Der Inkreis berührt jede Seite des Dreiecks in genau einem Punkt (Tangentialpunkte).
Schwerpunkt eines Dreiecks (S. 182)
- Seitenhalbierende: Eine Seitenhalbierende ist die Strecke, die einen Eckpunkt eines Dreiecks mit dem Mittelpunkt der gegenüberliegenden Seite verbindet.
- Schwerpunkt S:
* Die drei Seitenhalbierenden eines Dreiecks schneiden sich in einem Punkt, dem Schwerpunkt S.
* Teilungsverhältnis: Der Schwerpunkt unterteilt jede Seitenhalbierende im Verhältnis 2:1. Dabei ist das längere Stück immer dasjenige, das am Eckpunkt beginnt.
* Physikalische Bedeutung: Unterstützt man ein aus einer gleichmäßigen Platte geschnittenes Dreieck genau im Schwerpunkt, bleibt es im Gleichgewicht.
Exkursionen und Vertiefung
- Ungleichungen und Ungleichungssysteme (S. 166): Behandlung von Relationen wie <,>,≤,≥. Die Lösung ist keine einzelne Stelle, sondern oft ein ganzer Bereich (Halbebene im Koordinatensystem).
- Konstruktion mit Zirkel und Lineal (S. 198): Klassische euklidische Geometrie ohne Maßstab, Fokussierung auf die exakte Konstruktion von Mittelsenkrechten, Winkeln und Kreistangenten.
- Wiederholen - Vertiefen - Vernetzen (S. 160, 192): Abschnitte zur Festigung der Konzepte durch komplexere Aufgabenstellungen, die verschiedene Themengebiete kombinieren.