Gliederung und Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit – Notizen (C. H. Cap)
Ziele
- Überblick über den Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit: Antworten auf die Frage, wie man eine Arbeit strukturiert und welche Bausteine typisch sind.
- Unterscheidung der Prototypen: Prototyp 1 = Bachelorarbeit; Prototyp 2 = wissenschaftliche Arbeit. Ziel ist es zu verstehen, wie sich formelle Anforderungen, Inhalte und Umfang je nach Typ unterscheiden und wie man beide sinnvoll aufbauen kann.
- Kernziel: klare Orientierung geben, wie aus einer offenen Forschungsfrage eine gut strukturierte, nachvollziehbare Arbeit entsteht; dabei auf Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Nachvollziehbarkeit der eigenen Beiträge achten.
Titel
- Bedeutung des Titels: Visitenkarte der Arbeit; wird gelesen, indexiert und dient als erster Entscheider, ob eine Arbeit näher gelesen wird.
- Eigenschaften eines guten Titels:
- präzise eingrenzend und nicht zu breit; Dem Neuigkeitsanspruch des Papiers entsprechend
- Müllwörter vermeiden; keine Abkürzungen, Slang; nur anerkannte Fachterminologie
- kein Ort zur Einführung neuer Begriffe oder Namen
- Zeitaufwand: Sich ca. 2 Stunden Zeit für die Formulierung des Titels nehmen.
Autorenzeile (1)
- Unterschied Bachelorarbeit vs. wissenschaftliche Arbeit: Bei ersterem meist der einzelne Student; bei zweiterer wichtig für die Karriere eines Wissenschaftlers – die Klärung der Urheberschaft sollte rechtzeitig erfolgen.
- Frage 1: Wer wird genannt?
- Jede Person, die maßgeblichen inhaltlichen Beitrag geliefert hat; Helfer ggf. in Danksagung oder im Literaturverzeichnis genannt.
- Frage 2: In welcher Reihenfolge wird genannt?
- Wertende Reihenfolge: Zentraler/ wichtigste Urheber zuerst, mittlere Position geringere Bedeutung, letzte Position Beteiligung belegt.
- Lösung 1: wertende Reihenfolge (oben beschrieben).
Autorenzeile (2)
- Lösung 2: Alphabetische Reihenfolge
- Einfach; keine Wertung; ggf. Fußnote: "In alphabetischer Reihenfolge".
- Lösung 3: Beiträge am Ende der Arbeit namentlich anführen (Beispiele)
- Bsp: Alice hat Experimente durchgeführt, Bob theoretische Berechnungen, Carol Daten ausgewertet, Mallory Arbeit angeleitet.
- In manchen Zeitschriften gefordert.
Autorenzeile (3)
- Senior-Autor: Hat Geld & Infrastruktur besorgt bzw. leitet die Arbeitsgruppe; oft in Danksagung reflektiert, aber nicht zwingend Grund für Nennung als Autor.
- Leitsatz der DFG über Autorenschaften: Als Autor oder Mitautor einer Veröffentlichung darf nur genannt werden, wer wesentlich zu ihr beigetragen hat und ihren Inhalt verantwortet oder mitverantwortet.
- Urheberrechtsgesetz §13: Der Urheber hat das Recht auf Anerkennung der Urheberschaft; Information, ob das Werk mit einer Urheberbezeichnung zu versehen ist, und welche Bezeichnung zu verwenden ist.
- Fazit: Ehrenautorenschaften sind unzulässig; Nennung richtet sich nach echter inhaltlicher Beteiligung.
Klassifikation und Keywords
- Aufgabe: Hilft beim Auffinden von Dokumenten in Sekundärliteratur und Suchmaschinen.
- Klassifikation: Hierarchisches Schema.
- Informatik-Beispiel: ACM Computing Classification System (https://dl.acm.org/ccs)
- Hierarchie mit Stichwortliste; Neuere Entwicklungen fehlen; Gewichtung in der Hierarchie problematisch.
- Keywords: Vom Autor frei vergeben oder nach Liste ausgewählt; ermöglichen eine präzisere Charakterisierung als durch Hierarchie; sinnvoll ausgewählt vom Autor.
- Voraussetzung: Sinnvolle Keyword-Auswahl ist notwendig, um Auffindbarkeit zu erhöhen.
Abstract (1)
- Aufgabe des Abstract: Entscheidet oft, ob die Arbeit gelesen wird; wird häufig in Indexierung und Sekundärliteratur genutzt; wichtigster und wirksamster Teil der Arbeit.
- Häufige Fehler: Abstract ist kein Kurzfass des Papiers; reine Inhaltsangabe oder zu lange Marketing-Sprache; keine echte Einführung ins Thema.
Abstract (2)
- Formale Länge: Drei Typen mit typischen Wortgrenzen:
- Short Abstract: 50−100 Wörter
- Informative Abstract: 100−200 Wörter
- Extended Abstract: 200−1000 Wörter
- Inhalte: zentrale Aussage, erzielte Ergebnisse, benutzte Methoden; oft von Konferenzen verlangt zur Vorab-Beurteilung der Arbeit.
Abstract (3)
- Sonderformen:
- Technical Summary: Technische Hauptaussagen in einfacher Form, richtet sich an Fachleute.
- Executive Summary: Nicht-technische Beschreibung der Relevanz, richtet sich meist an Geldgeber.
Gliederung
- Inhaltsverzeichnis; Einleitung; Problemstellung; Technische Grundlagen; Stand der Technik; Eigene Idee / Konzeptkapitel; Eigene Idee / Umsetzungskapitel; Eigene Idee / Bewertungskapitel; Zusammenfassung, Ausblick, Future Work.
- Wichtig: Diese Teile sollten vorhanden sein; aber nicht in exakt derselben Bezeichnung oder Struktur; sinnvoller Aufbau ergibt sich aus dem Zweck der Arbeit.
Einleitung
- Zweck der Einleitung: Zum Thema hinführen und erklären, warum es diese Arbeit braucht.
- Mögliche Ansätze: Vom Allgemeinen zum Speziellen; historische Entwicklung; Intention der Arbeit; "Stadtführer" zur Arbeit; "To create a research space": Offenes Problem aus einer anderen Arbeit; bekannte Schwierigkeit; ungelöstes Problem.
Problemstellung (1)
- Definition des Problems: Was ist genau das wissenschaftliche Problem?
- Beispiele dessen, was NICHT zur Problemstellung gehört: Was ich mich in der Arbeit befassen möchte, was in der Aufgabenstellung steht, oder die Lösung bzw. das System selbst.
- Originalität des Problems: Warum ist es noch ungelöst? Welcher Aspekt ist ungelöst? Wo steht die Diskussion zur Lösung? Warum sind bisherigen Lösungen unbefriedigend?
Problemstellung (2)
- Relevanz: Warum muss dieses Problem dringend gelöst werden?
- Bewertung: Was wäre eine Lösung des Problems – und was nicht?
- Abgrenzung: Was ist nicht Teil dieses Problems? Was soll hier aber nicht behandelt werden, und warum?
Problemstellung (3)
- Häufige Fehler: Oft unklare Problemstellung; wenn man das System vorstellt, statt das Problem zu formulieren; negative Ergebnisse und Unmöglichkeitsaussagen sind wissenschaftlich wertvoll.
- Kernprinzip: Wissenschaft bedeutet, Methodik auf ein Problem anzuwenden und darüber zu berichten; Werde nicht einfach die Lösung einer vorgegebenen Aufgabenstellung präsentiert.
- Hinweis: Manche Probleme sind nicht lösbar.
Technische Grundlagen
- Zweck: Das, was geschrieben werden muss, damit Fachleute die Arbeit verstehen; Fachleute = Informatiker ohne spezielles Vorwissen im eigenen Gebiet.
- Häufige Fehler: Zu früh mit Grundlagen beginnen; zu Detailversessen; Breite Vernachlässigung von Relevanz; übermäßig lange Grundlagen-Sektionen (z. B. 400 Seiten).
Stand der Technik
- Beantwortet zentrale Fragen: Wo steht die wissenschaftliche Diskussion zu diesem Thema? Welche Lösungsansätze existieren? Welche Teillösungen? Welche Versager gab es bei bisherigen Versuchen? Wie wird das Problem in der Literatur verstanden?
- Häufige Fehler: Stand der Technik wird nur beschrieben, ohne Bezug zum eigenen Problem herzustellen; Verwechslung mit Technischer Grundlagen.
Eigene Idee / Konzeptkapitel
- Beantwortet: Was sind meine eigenen Lösungsansätze?
- Erforderliche Perspektiven:
- Intersubjektiv: an der Sache orientiert, nicht an der Person
- Zielorientiert: am Ziel orientiert, nicht am Lösungsweg
- Verallgemeinerbar: für analoge, generische Probleme
- Häufige Fehler: Persönliche Erfahrungen mit konkreten Hard- oder Software-Komponenten; Wegorientierung (nur berichten, was man gemacht hat); Spezifisch (nur Details des eigenen Problems nennen).
Eigene Idee / Umsetzungskapitel
- Beantwortet: Was passiert, wenn das Lösungskonzept umgesetzt wird? Wie sieht die Implementierung aus?
- Umfang: Je nach Arbeit und Aufgabe mehr oder weniger Detail- und Methodenbezug.
- Details der Implementierung: Ggf. im Anhang; Ggf. als Readme auf CD, GitHub oder GitLab; Ggf. als Gedankengang im Code.
Eigene Idee / Bewertungskapitel
- Beantwortet: Was ist neu? Welchen Beitrag leistet die eigene Idee? Wo geht sie über den Stand der Technik hinaus? Welche Vor- und Nachteile hat der Ansatz?
- Häufige Fehler: Bewertung als einfache Ja-/Nein-Entscheidung; Vermerk, dass alle Aufgaben erfüllt sind; Bewertung als Reaktion auf Betreuerforderungen.
- Wichtig: Eine Arbeit kann auch dann gut sein, wenn „keiner der fünf Ansätze funktioniert“ – Bewertungsaspekte richten sich an die Einordnung und Einschätzung der Beiträge, nicht an persönliche Befundungen.
Zusammenfassung, Ausblick
- Enthält knappe, neutrale Darstellung des Geleisteten.
- Take-Home Message: 5 Punkte, die der Leser mitnehmen sollte.
- Future Work: Nicht, dass die Lösung alle Probleme löst; keine bloße Liste von Abgeschlossenem; stattdessen wichtige offene Fragen und nächste Schritte aus fachlicher Perspektive.
- Zweck: Wertvoller Einstieg für alle, die weiter im Thema arbeiten.
Anhang
- Anhang enthält ergänzende Materialien; in der Folienstruktur als Anhang bezeichnet.
- Hinweis: In der Folienübersicht ist der Anhang Teil der gliedernden Struktur.
Rechtliche Hinweise
- Deutsche Urheberrechte: Inhalte unterliegen dem Urheberrecht; Dritter werden unter Nennung der Rechtsgrundlage genannt.
- Zitatrecht & Literaturverzeichnis: Hinweise auf Zitate; Verweise auf das Literaturverzeichnis.
- Haftungsausschluss: Inhalte dienen der persönlichen Information; keine Garantie für Fortbestand; Haftung auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit beschränkt.
- Nutzungsrechte: Kopien für private, nicht gewerbliche Nutzung zulässig; weitergehende Verbreitung bedarf schriftlicher Zustimmung des Rechteinhabers.
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Zitierweise dieses Dokuments
- Zitatvorschlag (ausschnittweise):
- Clemens H. Cap: Gliederung und Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit. Electronic document. https://iuk.one/1012-1051. 30. 1. 2021.
- BibTeX-Information:
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- Typographic Information: Typeset on January 30, 2021; this is pdfTeX; etc. (falls genannt)
Verzeichnis aller Folien
- Titelseite; Ziele; Titel; Autorenzeile (1); Autorenzeile (2); Autorenzeile (3); Klassifikation und Keywords; Abstract (1); Abstract (2); Abstract (3); Gliederung; Einleitung; Problemstellung (1); Problemstellung (2); Problemstellung (3); Technische Grundlagen; Stand der Technik; Eigene Idee / Konzeptkapitel; Eigene Idee / Umsetzungskapitel; Eigene Idee / Bewertungskapitel; Zusammenfassung, Ausblick
- Legende: Fortsetzungsseite, Seite ohne Überschrift, Bildseite