9 Wirtschaftspolitische Ziele - Boller Lehrbuch
Träger der Wirtschaftspolitik und Einflussnahme von Interessengruppen
Wirtschaftspolitik: Beeinflussung der Wirtschaft durch politische Maßnahmen
Regierung: Dagegen getragen von der Regierungsfraktion und kontrolliert von der Opposition.
Einordnung der Ziele: Gesetze und Normen der Wirtschaftspolitik sind nicht wissenschaftlich zu bestimmen.
Regierungsunabhängige Institutionen:
Deutsche Bundesbank
Bundesagentur für Arbeit
Gesetzliche Krankenkassen
Industrie- und Handelskammern
Europäische Zentralbank (EZB)
Einfluss auf Mitgliedsländer der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) durch Geldpolitik.
Signalisierung von expansiver oder restriktiver Geldpolitik.
Bereiche der Wirtschaftspolitik
Ordnungspolitik: Festlegung der Rahmenbedingungen für die Wirtschaft.
Prozesspolitik: Einflussnahme auf wirtschaftliche Abläufe, z.B. durch Konjunktur- und Arbeitsmarktpolitik.
Strukturpolitik: Beeinflussung spezifischer Branchen und regionaler Entwicklungen durch Subventionen.
Verbände und Interessenvertretung
Definition Verband: Personenvereinigung zu einem bestimmten Zweck, mit einer Satzung.
Beispiele für Verbände:
Karitative Verbände
Gewerkschaften
Politische Parteien
Arbeitgeberverbände
Steuerzahlerverbände
Ziel: Interessen der Mitglieder in politischen Entscheidungen vertreten, häufig durch direkte Kontakte zu Politikern.
Zusammenhang zwischen Wirtschaftspolitik und gesamtwirtschaftlichen Zielen
Adressat der Verbandstätigkeit: Parlament, in dem Verbandsvertreter ihre Interessen einbringen können.
Wettbewerbsrecht: Einschränkungen durch EU-Recht über nationales Wettbewerbsrecht.
Internationale Verträge: Beeinflussung der nationalen Wirtschaftspolitik durch internationale Abkommen (z.B. WTO).
Multinationale Unternehmen: Dominanz in der Weltwirtschaft führt zu vermindertem Einfluss nationaler Politik.
Zielbeziehungen und vernetztes Denken
Magisches Viereck: Verknüpfung der Ziele: Wirtschaftswachstum, Vollbeschäftigung, Preisniveaustabilität und außenwirtschaftliches Gleichgewicht.
Zielharmonie: Wenn Maßnahmen mehrere Ziele gleichzeitig fördern können.
Zielkonflikte: Ergreifung einer Maßnahme kann einem Ziel näherbringen, aber andere gefährden.
Fallbeispiele für Zielkonflikte
Fall 1: Unterbeschäftigung verursacht durch geringere Investitionen.
Fall 2: Vollbeschäftigung mit steigenden Preisen kann politischen Druck erzeugen.
Fall 3: Einkommens- und Vermögensverteilung kann durch Marktkräfte ungerecht werden.
Fall 4: Umweltschutz vs. industrielles Wachstum – höhere Umweltbelastung durch mehr Produktion.
Fazit und Schlussfolgerungen
Komplexität der Ziele: Alle genannten wirtschaftlichen und sozialen Ziele sind miteinander verknüpft.
Notwendigkeit des vernetzten Denkens: Um komplexe Zusammenhänge zu verstehen und zu lösen.