VWL VO 2 (lang)
Grundlagen der Volkswirtschaft
Lernziele
Nach dieser Einheit können Sie:
erklären, welche Faktoren die Nachfrage und das Angebot eines Gutes bestimmen,
verstehen, wie sich Angebot und Nachfrage im Marktgleichgewicht ausgleichen,
verstehen, wie Preise gebildet werden,
analysieren, wie Veränderungen externer Faktoren das Gleichgewicht beeinflussen (komparative Statik).
Entwicklung des Strompreises
Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine gibt es eine signifikante Entwicklung des Strompreises.
Preis in €/MWh:
Februar: Invasion der Ukraine
Preisverlauf: 600 €/MWh bis 100 €/MWh (mit Vergleich von mittlerem Preis 2019-2021: 59 €/MWh)
Durchschnittspreise:
Januar: 559 €/MWh
Februar: 503 €/MWh
Angebot und Nachfrage
Ein Markt besteht aus Gruppen potenzieller Käufer und Verkäufer einer bestimmten Ware oder Dienstleistung.
Potenzielle Käufer bestimmen die Nachfrage.
Potenzielle Verkäufer bestimmen das Angebot.
Marktstrukturen
Wettbewerbsmarkt
Vollständige Konkurrenz oder Polypol:
Merkmale:
identische (homogene) Güter,
viele Käufer und Verkäufer,
perfekte Informationen.
Marktteilnehmer haben keinen Einfluss auf den Marktpreis (Preisnehmer).
Beispiele: Agrarmärkte (z.B. Weizen) und Devisenmärkte (z.B. Euro, US-Dollar).
Monopol
Marktstruktur mit einem Anbieter:
Merkmale:
viele Käufer,
ein einziger Verkäufer,
Verkäufer bestimmt den Marktpreis (Preissetzer).
Beispiele: Wasserversorgung, Microsoft in den 1990er Jahren.
Zwischenformen der Marktstrukturen
Monopolistische Konkurrenz:
viele Käufer und Verkäufer,
differenzierte Produkte.
Beispiele: Restaurants, Modebranche.
Oligopol:
viele Käufer,
wenige Verkäufer,
Preise sind durch Verkäufer beeinflussbar.
Beispiele: Mobilfunkanbieter, Lebensmittelhandel.
Nachfrage
Nachgefragte Menge
Menge eines Gutes, die Käufer zu gegebenen Preisen erwerben wollen.
Käufer können Endverbraucher oder Unternehmen sein.
Gesetz der Nachfrage
Nachgefragte Menge sinkt mit steigendem Preis (ceteris paribus).
Nachfragekurve
Grafische Darstellung der Beziehung zwischen Preis und nachgefragter Menge.
Beispiel für Katrins Nachfrage nach Milch:
Nachfragemenge in Liter pro Monat in Abhängigkeit vom Preis in Euro pro Liter.
Wichtigste Punkte:
Steigender Preis: geringere Nachfragemenge,
Sättigungsmenge: nachgefragte Menge bei Preis von Null.
Prohibitivpreis: Preis, bei dem die nachgefragte Menge Null ist.
Gestaltung der Nachfragekurve
Die Nachfragekurve zeigt, dass eine Preissenkung die nachgefragte Menge erhöht.
Im Marktmodell:
Preis (unabhängige Variable) ist auf der Y-Achse,
Nachfragemenge (abhängige Variable) ist auf der X-Achse.
Lineare Nachfragefunktion
Beschreibungen:
$D(P): QD = a - bP$, wobei $QD$ die nachgefragte Menge und $P$ der Preis ist.
Inverse Nachfragefunktion: $D(Q): P = a - rac{1}{b}Q_D$.
Marktnachfrage
Horizontale Addition aller individuellen Nachfragekurven.
Preisänderungen
Bewegungen entlang der Nachfragekurve.
Verschiebung der Nachfragekurve bei Änderungen:
Anzahl der Nachfrager,
Einkommen der Nachfrager,
Präferenzen der Nachfrager,
Preise verwandter Güter,
Erwartungen der Nachfrager.
Beispiel: Einkommen
Normales Gut: Nachfrage steigt mit Einkommen (z.B. Tourismus).
Inferiores Gut: Nachfrage fällt mit Einkommen (z.B. einige Grundnahrungsmittel).
Preise verwandter Güter
Substitute: Preiserhöhung eines verwandten Gutes erhöht die Nachfrage nach dem betrachteten Gut.
Beispiel: Bahnfahrten und Flugreisen.
Komplemente: Preiserhöhung eines verwandten Gutes senkt die Nachfrage nach dem betrachteten Gut.
Beispiel: Skiausrüstung und Skipässe.
Angebot
Angebotene Menge
Gütermenge, die Verkäufer zu gegebenen Preisen verkaufen wollen und können.
Gesetz des Angebots
Angebotene Menge steigt mit steigendem Preis (ceteris paribus).
Angebot hängt von Produktionskosten ab.
Angebotskurve
Grafische Darstellung der Beziehung zwischen Preis und angebotener Menge.
Marktangebot: horizontale Addition aller individuellen Angebotskurven.
Beispiel: Richards Angebot für Milch
Angebotene Menge in Abhängigkeit vom Preis.
Steigende Preise führen typischerweise zu einer größeren Angebotsmenge.
Lineare Angebotsfunktion
Angebotsfunktion: $S(P) : Q_S = c + dP$.
Preisänderungen
Bewegungen entlang der Angebotskurve.
Verschiebung der Angebotskurve durch Veränderungen:
Anzahl der Anbieter,
Inputpreise (z.B. Gaspreise),
Produktionstechnologie,
Erwartungen der Anbieter.
Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage
Marktgleichgewicht
Punkt, an dem angebotene und nachgefragte Menge gleich sind.
Gleichgewichtspreis: Preis, der Angebot und Nachfrage im Einklang bringt.
Gleichgewichtsmenge: angebotene und nachgefragte Menge bei Gleichgewichtspreis.
Gesetz von Angebot und Nachfrage
Preisanpassungen zur Angleichung der angebotenen und nachgefragten Gütermengen.
Beispiel Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage
Gleichgewicht findet sich an der Schnittstelle von Angebots- und Nachfragekurve.
Bewegungen zum Gleichgewicht
Angebotsüberschuss
Wenn der aktuelle Preis über dem Gleichgewichtspreis liegt, liegt die angebotene Menge über der nachgefragten Menge.
Anbieter reduzieren Preise, Nachfrage steigt.
Nachfrageüberschuss
Wenn der aktuelle Preis unter dem Gleichgewichtspreis liegt, liegt die angebotene Menge unter der nachgefragten Menge.
Anbieter erhöhen Preise, Nachfrage sinkt.
Bestimmung von Gleichgewichtspreis und -menge
Marktgleichgewicht ist beim Schnittpunkt von Angebots- und Nachfragekurve.
Gegeben seien die linearen Angebots- und Nachfragefunktionen:
$QD = a - bP, QS = c + dP$.
Im Gleichgewicht gilt: $QD = QS$ also: $a - bP^* = c + dP^*$.
Auflösen nach $P^*$ ergibt den Gleichgewichtspreis.
Einsetzen des Gleichgewichtspreises in die Angebots- oder Nachfragefunktion ergibt die Gleichgewichtsmenge.
Analyse von Gleichgewichtsänderungen
Komparative Statik untersucht, wie sich exogene Schocks auf Gleichgewichtspreis und -menge auswirken.
Beispiel 1: Schlechtes Wetter erhöht die Nachfrage nach Taxis.
Beispiel 2: Effizientere Produktionsmethoden reduzieren Produktionskosten für Solarpanel.
Analyse von Veränderungen
Bestimmen, ob das exogene Ereignis die Angebots- oder Nachfragekurve beeinflusst (oder beide).
Festlegen der Richtung der Kurvenverschiebung(en).
Verwendung des Angebots-Nachfrage-Diagramms zur Feststellung der resultierenden Änderung des Marktgleichgewichts.
Anwendung
Strompreisentwicklung
Strompreise vor und nach dem russischen Angriff auf die Ukraine.
Bedeutende Veränderungen durch höhere Gaspreise, die die Angebotskurve beeinflussten.
Zusammenfassung
Preisbildung steuert Käufer- und Verkäuferverhalten.
Angebot und Nachfrage bestimmen gemeinsam den Marktpreis.
Märkte sind im Gleichgewicht, wenn angebotene und nachgefragte Mengen gleich sind.
Exogene Veränderungen wie politische Ereignisse beeinflussen Angebot oder Nachfrage (komparative Statik) und führen zu neuen Gleichgewichten.