Erik Eriksons Modell der psychosozialen Entwicklung
Erik Eriksons Modell der psychosozialen Entwicklung
- Eriksons Modell beschreibt die lebenslange Entwicklung der Persönlichkeit in acht Stufen.
- Jede Stufe ist durch eine zentrale Krise (Wendepunkt) gekennzeichnet, die bewältigt werden muss, um die Persönlichkeit zu stärken.
- Die Entwicklung folgt dem epigenetischen Prinzip, wonach alle Stufen aufeinander aufbauen und in jedem Menschen angelegt sind.
- Die Persönlichkeitsbildung ist ein Zusammenspiel von äußeren Einflüssen, sozialen und kulturellen Faktoren sowie inneren Eigenschaften.
- Die erfolgreiche Lösung der Krisen – insbesondere Urvertrauen in der Kindheit – führt zu einer stabilen und flexiblen Persönlichkeit, die sich Herausforderungen anpassen kann.
- Eine Balance zwischen den beiden Polen in den Stufen ist immer bedeutsam.
Phasen und Stufen
1. Urvertrauen vs. Urmisstrauen (0-1,5 Jahre)
- In dieser Stufe erlernt das Kind, ob die Welt verlässlich ist.
- Wenn die Bedürfnisse regelmäßig erfüllt werden, entsteht Urvertrauen.
- Bleibt Zuwendung und Versorgung aus, entwickelt sich Urmisstrauen.
- Diese Stufe ist besonders sensibel, da Erfahrungen hier sehr prägend sind.
- Hilfe zur Krisenbewältigung erfolgt durch konstante Bezugspersonen.
- Eine positive Lösung schafft gesundes Vertrauen als Grundlage für die nächste Stufe.
2. Autonomie vs. Scham & Zweifel (1,5-3 Jahre)
- Das Kind möchte selbstständig handeln, laufen, sprechen und Dinge alleine machen.
- Wird es in seiner Selbstständigkeit unterstützt, entwickelt es Autonomie.
- Bei Scham oder starker Kontrolle entstehen Scham und Zweifel an den eigenen Fähigkeiten.
- Wichtig ist Ermutigung statt Bestrafung.
- Eine erfolgreiche Bewältigung führt zu Selbstvertrauen und Eigenständigkeit als positive Grundlage für die nächste Stufe.
3. Initiative vs. Schuldgefühl (3-6 Jahre)
- Kinder entwickeln eigene Ideen, planen Spiele und wollen aktiv handeln.
- Werden ihre Initiativen ständig unterdrückt, entstehen Schuldgefühle.
- Durch erklärende und reflektierende Gespräche lernen Kinder Fehler zu verstehen.
- Gelingt die Krise, entsteht Mut zum Handeln ohne übermäßige Schuldgefühle, als Grundlage für die nächste Stufe.
4. Werksinn vs. Minderwertigkeitsgefühl (6-12 Jahre)
- Kinder wollen etwas leisten, insbesondere in der Schule und in Hobbys, werden dort anerkannt.
- Entwickeln sie Fleiß und Kompetenzgefühl.
- Ständige Misserfolge oder Kritik führen zu Minderwertigkeitsgefühlen.
- Wichtig ist Lob für Anstrengung.
- Eine positive Lösung schafft Selbstwert und Leistungsbereitschaft für die nächste Stufe.
- Die Bedeutung des Umgangs mit Gleichaltrigen wird betont.
5. Identität vs. Identitätsdiffusion (Jugendalter)
- Jugendliche suchen nach ihrer Identität und probieren in einer Moratoriumsphase verschiedene Rollen aus.
- Ohne Orientierung entsteht Identitätsdiffusion.
- Reflectierende Gespräche helfen bei der Selbstfindung.
- Eine erfolgreiche Bewältigung führt zu einem stabilen Selbstbild als Grundlage für die nächste Stufe.
6. Intimität vs. Isolation (junges Erwachsenenalter)
- Nun geht es um Nähe, Freundschaft und Partnerschaft.
- Wer sich einlassen kann, entwickelt Intimität.
- Angst vor Bindung führt zu Isolation.
- Vertrauen und Offenheit helfen bei der Krisenbewältigung.
- Gelingt die Stufe, entsteht Beziehungsfähigkeit als positive Grundlage für die nächste Stufe.
7. Generativität vs. Stagnation (mittleres Erwachsenenalter)
- Erwachsene wollen etwas weitergeben, etwa durch Kinder, Arbeit oder Engagement.
- Ohne Sinn erleben sie Stagnation.
- Verantwortung und gesellschaftlicher Beitrag helfen bei der Krisenbewältigung.
- Eine positive Lösung schafft Sinn- und Zufriedenheitsgefühl für die nächste Stufe.
8. Integrität vs. Verzweiflung (hohes Alter)
- Im Alter blickt der Mensch auf sein Leben zurück.
- Wer sein Leben annehmen kann, erlebt Ich-Integrität, sonst Verzweiflung.
- Reflectierende Gespräche helfen bei der Lebensbilanz.
- Nach dem epigenetischen Prinzip bauen alle Stufen aufeinander auf und beeinflussen die letzte Stufe.
Psychosoziale Ansätze
- Der psychosoziale Ansatz geht davon aus, dass die Persönlichkeitsentwicklung durch das Zusammenspiel von inneren Bedürfnissen und sozialen Einflüssen entsteht.
- Entwicklung findet nicht nur im Inneren statt, sondern immer in Beziehung zu anderen Menschen und zur Umwelt.
- In jeder Lebensphase stehen bestimmte soziale Anforderungen im Mittelpunkt, die beeinflussen, wie ein Mensch über sich selbst denkt und handelt.
Entwicklung durch Krisen
- Nach Erikson verläuft die Entwicklung über aufeinander aufbauende Krisen.
- Jede Krise ist eine notwendige Entwicklungsaufgabe, die sowohl Risiko als auch Chance enthält.
- Wie diese Krise bewältigt wird, prägt die Persönlichkeit dauerhaft.
- Gelingt die Bewältigung der Krisen, entsteht eine positive Grundlage für die nächste Stufe.
- Ungelöste Krisen können spätere Entwicklungen erschweren, werden aber in späteren Phasen teilweise neu bearbeitet.