Bindungsseminar teil 1 neu2021
Bindungstheorie Grundlagen
Einleitung
Das Konzept der Bindungstheorie ist entscheidend für das Verständnis emotionaler Bindungen zwischen Bezugspersonen und Kindern. Die Ursprünge dieser Theorie gehen auf den britischen Psychiater John Bowlby zurück, der in den 1950er Jahren eine fundierte Grundlage für die Bindungsforschung schuf.
Grundlagen der Bindungstheorie
Entwicklung der Bindung: Im ersten Lebensjahr entwickelt ein Säugling basierend auf einem biologisch angelegten Verhaltenssystem eine starke emotionale Bindung zu einer primären Bezugsperson. Dies geschieht insbesondere in Stress- oder Gefahrensituationen.
Bindungstypen: Die Bindung kann als sicher oder unsicher kategorisiert werden, was sich stark auf die emotionale Verarbeitung und den Umgang mit Trennung und Verlust auswirkt.
Sichere und unsichere Bindung
Eigenschaften der sicheren Bindung
Rückkehr zur Sicherheit: Kinder mit sicherer Bindung haben die Fähigkeit, in schwierigen oder unsicheren Situationen zu einer sicheren Basis zurückzukehren.
Verarbeitung negativer Emotionen: Sie können negative Gefühle, wie den Schmerz von Trennungen, erleben und erfolgreich verarbeiten.
Merkmale unsicherer Bindung
Unsicher gebundene Kinder erleben eine Mischung aus Liebe und Sorge, Angst vor Ablehnung, sowie eine erhöhte Wachsamkeit bezüglich der Bezugspersonen.
Diese Kinder können oft Schwierigkeiten haben, emotionale Nähe zuzulassen oder stabil zu bleiben, was in Reizbarkeit und defensivem Verhalten resultieren kann.
Bindungsverhalten
Definition: Bindungsverhalten umfasst alle Aktionen, die eine Person unternimmt, um Nähe zu einer bevorzugten Bezugsperson herzustellen oder aufrechtzuerhalten. Es wird oft durch tatsächliche oder drohende Trennung aktiviert.
Beendigung durch Nähe: Der Zustand der Nähe kann das Bindungsverhalten lindern und stabilisieren.
Dermittlung von Bindungsverhalten
Das Bindungsverhalten hängt stark von der Wahrnehmung der Sicherheit durch das Kind ab. Eine sichere Bindungsfigur fördert Selbstvertrauen und Erkundungsdrang, während unsichere Bindung zu Vermeidung oder Ambivalenz führen kann.
Internale Arbeitsmodelle
Modelle von Selbst und anderen
„Model of self“ und „model of other“: Diese Modelle stehen für die individuellen Vorstellungen, die ein Kind von sich selbst und seinen Bezugspersonen hat und basieren auf frühen Erfahrungen.
Sichere Bindung: Kinder mit sicheren Bindungen neigen zu positiven Annahmen über sich selbst und ihre Bezugspersonen, was ihre sozialen Interaktionen bereichert.
Unsichere Bindung: Im Gegensatz dazu entwickeln unsicher gebundene Kinder oft negative Ansichten über sich selbst und das soziale Umfeld, was zu einem Rückzug oder defensivem Verhalten in Beziehungen führen kann.
Auswirkungen von Arbeitsmodellen
Langfristige Stabilität: Die in der Kindheit entwickelten internale Arbeitsmodelle bleiben oft über längere Zeit stabil und beeinflussen spätere Beziehungen stark.
Selbstreflexion und Veränderung: Die Reflexion über die eigenen Arbeitsmodelle kann helfen, diese zu erkennen und gegebenenfalls zu verändern, um gesündere Beziehungen aufzubauen.