Zusammenfassung der "Dimensionen"-Sendung über das BIP
Österreichs Wirtschaft
- Österreichs Wirtschaftslage ist gut, aber das Wachstum wird in den nächsten Jahren geringer sein.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP)
- Das BIP ist eine Kennzahl für die wirtschaftliche Aktivität.
- Steigendes BIP wird oft positiv aufgenommen.
- Es bietet eine Kurzinformation über den Zustand eines Landes, inklusive wirtschaftlicher Entwicklung, militärischer und geopolitischer Macht.
- Das BIP ist lediglich ein Geldbetrag; 2018 betrug er in Österreich rund 386.000.000.000 Euro.
- Das BIP pro Kopf beträgt rund 43.600 Euro, was Österreich zu einem der reichsten Länder macht.
- Das BIP allein ist wenig aussagekräftig; es ist wichtig zu beachten, dass es auf festgelegten Schritten basiert, die nicht in Stein gemeißelt sind.
- Das BIP ist eine relativ junge Kennzahl und löste in den 1990er Jahren das Bruttosozialprodukt ab.
- Das BIP misst alle im Land produzierten Güter und Dienstleistungen, unabhängig davon, welcher Nationalität die produzierende Firma angehört.
Kritik am BIP
- Das BIP ist kein direktes Maß für Wohlstand.
- Es ist ein Produktionsmaß, das die Güter und Dienstleistungen misst, die innerhalb eines Jahres in einem Land produziert und über Märkte verkauft werden.
- Die Berechnung des BIP kann kompliziert sein, und die Statistik Austria ist dafür zuständig.
- Es werden viele Annahmen getroffen, die zu Unschärfen führen, weshalb es immer wieder Nachkorrekturen gibt.
- Kriminelle Wirtschaftsaktivitäten wie Drogenhandel werden hineingerechnet, während unbezahlte Arbeit (Haushalt, Kinderbetreuung) nicht berücksichtigt wird.
- Naturkatastrophen können das BIP erhöhen, da Zerstörung die Produktion fördert, aber die vom Menschen verursachte Naturzerstörung wird nicht berücksichtigt.
- Der Rückgang der Insektenpopulation wird im BIP nicht abgebildet.
Geschichte des BIP
- Die Idee geht auf das Konzept des Volkseinkommens im 17. Jahrhundert (William Petty) zurück.
- Die Weltwirtschaftskrise von 1929 war ein wichtiger Wendepunkt, da es in vielen Ländern Massenarbeitslosigkeit und fehlende Wirtschaftsstatistiken gab.
- Colin Clark veröffentlichte 1932 "The National Income", ein Buch, das fast ausschließlich aus Tabellen und Zahlen bestand.
- Clark erkannte, dass man das Volkseinkommen aus Produktions-, Ausgaben- und Verteilungsperspektive berechnen kann.
- Er sah auch die Möglichkeit, ein Pro-Kopf-Einkommen als Fortschrittsmaß zu nutzen und die Berechnungsmethode international vergleichbar zu machen.
Wachstum vs. Nachhaltigkeit
- Unbegrenztes Wachstum auf einem begrenzten Planeten ist problematisch.
- Die Studie "Die Grenzen des Wachstums" (1972) wies bereits auf die begrenzten Ressourcen der Erde hin.
- Wirtschaftswachstum ist wichtig für soziale Institutionen wie das Sozialversicherungssystem, aber es ist nicht das Einzige, was zählt.
- Die Herausforderung des 21. Jahrhunderts besteht darin, Wirtschaft ohne Wachstum zu denken.
- Technologischer Fortschritt kann zu Wachstum führen, ohne unbedingt mehr Arbeitsplätze zu schaffen; ressourcensparende Technologien sind wünschenswert.
- Eine ökosoziale Steuerreform könnte Arbeit billiger und Naturverbrauch teurer machen.
Die Rolle der USA
- Während der Weltwirtschaftskrise erkannten die USA die Wichtigkeit des Volkseinkommens und beauftragten das Handelsministerium mit der Berechnung.
- Simon Kussnitz, ein Emigrant aus der Sowjetunion, entwickelte die Berechnungsmethode für das Volkseinkommen der USA.
- Ursprünglich lag der Fokus auf dem Einkommen, um die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise zu verstehen.
- Nach dem Angriff auf Pearl Harbor verlagerte sich der Fokus auf die Produktion von Kriegsgütern.
Beyond GDP
- Die Europäische Union organisierte 2007 eine Konferenz mit dem Titel "Beyond GDP", um über neue Wohlstandsindikatoren nachzudenken.
- Es wurden Vorschläge für neue Indikatoren wie Ressourcenverbrauch, Emissionen und soziale Ungleichheit gemacht.
- Notwendig sind neue ökonomische Modelle, kurzfristig sollten alternative Indikatoren das BIP ergänzen.
- Die OECD hat einen Better Life Index entwickelt, der Wohlstand anhand von 11 Indikatoren misst.
Das Bruttosozialprodukt nach dem Krieg
- Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte man eine Massenarbeitslosigkeit wie 1929 vermeiden.
- Die Ausweitung der Produktion sollte Arbeitsplätze und Wohlstand sichern.
- Das Bruttosozialprodukt wurde von einer reinen Informationsstatistik zu einem sozialpolitischen Ziel.
Internationalisierung des BIP
- Die USA nutzten das BIP im Rahmen des Marshallplans, um die Bedürftigkeit der Empfängerländer zu bestimmen.
- Die Vereinten Nationen brachten das BIP in die neu entstehenden Staaten Afrikas.
Verteilungsfrage
- Das BIP hat die Verteilungsfrage in den Hintergrund gedrängt.
- Die Stiglizenzytociekommission empfahl, soziale Ungleichheit zu berücksichtigen.
- Kurt Rothschild erweiterte das magische Vieleck der Wirtschaftspolitik um gerechte Einkommensverteilung und Lebensqualität.
- Die Fokussierung auf das BIP als Allheilmittel für ökonomische und soziale Ziele muss verworfen werden.
- Eine gerechte Einkommensverteilung hat einen größeren Einfluss auf die soziale Entwicklung als das BIP.